Überblick

Die Regierung Südafrikas versteht die Reorganisation der staatlichen Bildungspolitik und des Erziehungswesens als kulturpolitische Schlüsselaufgabe. In 2014/2015 betrug das Budget des National Department of Basic Education ZAR 19,7 Mrd.. Dem Department of Higher Education wurden ZAR 39 Mrd. zur Verfügung gestellte, zusätzlich erhielten SETA und NSF weitere ZAR 13,2 Mrd. .

Obwohl Südafrika im Bildungssektor große Anstrengungen unternimmt und im internationalen Vergleich viel Geld für die schulische Ausbildung ausgibt, sind noch immer 7 % der Bevölkerung Analphabeten. Die meisten gehören den farbigen und schwarzen Bevölkerungsgruppen an.

Mit dem Higher Education Act leitete die Regierung 1997 die Transformation des Universitätswesens ein. Die 2004 und 2005 erfolgten Fusionen von Universitäten und Fachhochschulen (Technikons) brachten eine Reduktion von 36 auf 23 Hochschulen (heute sind es 26 Hochschulen) und hatten das Ziel, das duale System (frühere sog. weiße und sog. schwarze Universitäten) zu beseitigen. Die Zahl der Studierenden ist von 2009 (837 776) bis 2013 (983 698) um 17,4% gestiegen. Auch bei der Anzahl an Doktoranden ist die Tendenz weiter steigend (2009: 1380 Doktoranden, 2013: 2051 Doktoranden).

Quellen:

Indikatoren für Bildung

Indikator

Südafrika

Deutschland

Stand

 

Anteil öffentlicher Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

6,2

4,8

2018/16

 

Wachstum des öffentlichen Bildungsanteils am BIP (Differenz des BIP-Bildungsanteils zu dem des Vorjahres in Prozentpunkten) [Prozent]

0,1

0,0

2018/16

 

Anteil öffentlicher Ausgaben für die tertiäre Bildung am BIP [Prozent]

0,9

1,2

2018/16

 

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

0,7

4,0

2017

 

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

1,116

3,092

2017

 

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender im Land [Prozent]**

4,1

8,4

2017

 

Anzahl Promovierender insgesamt

22.636

198.300

2017

 

Anteil tertiär Graduierter (ISCED 5 oder höher) an der über 25-jährigen Bevölkerung [Prozent]

11,8

25,7

2017/18

 

Anteil 25- bis 34-Jähriger mit einem Abschluss im Tertiärbereich [Prozent]1

6

32

44

 

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften (Ingenieurwissenschaften) [Prozent]

7,3 (8,1)

9,2 (21,6)

2017

 

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Quelle: UNESCO Institute of Statistics, Stand September 2019
1 "OECD - Education at a Glance 2019"
* UNESCO registriert nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.
** UNESCO registriert nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss in dem jeweiligen Land anstreben.
Redaktion: 01.10.2019, von: Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

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Schulen und Hochschulen

Südafrika verfügt über ein dreistufiges Bildungssystem:

  • General Education and Training (GET): Vorschule bis Klasse 9 einschließlich,
  • Further Education and Training (FET): Klassen 10 bis 12 sowie berufsbildende Colleges
  • Higher Education (HE): Höhere Bildung (Hochschulen und Universitäten). 

Schulsystem

GET-Stufe: In Südafrika besteht Schulpflicht vom 7. bis zum 15. Lebensjahr bzw. zum Ende der 9. Klasse. Die neun Jahrgangsklassen (grades) sind unterteilt in die Phasen Foundation, Intermediate und Senior. Im Anschluss daran erhalten die Absolventen ein General Education and Training Certificate. 

FET-Stufe: Nach weiteren drei Jahrgangsklassen (grades 10-12) erwerben die Schüler am Ende der formalen Schulausbildung das Further Education and Training Certificate, das zur Immatrikulation an den südafrikanischen Universitäten berechtigt.

Wer es sich leisten kann (vorwiegend die weiße Bevölkerung), schickt seine Kinder auf die teilweise erstklassigen und teuren Privatschulen des Landes. Heute besuchen ca. 4% der südafrikanischen Schüler Privatschulen. Während hier die Erfolgsquote in Abschlussprüfungen bei ca. 98% liegt, schließen auf den staatlichen Schulen des Landes nur knapp 50% ihr Examen erfolgreich ab, rund ein Viertel davon mit Hochschulzulassungsberechtigung.

Zulassung zum Studium

Grundvoraussetzung für die Zulassung zum Studium an einer südafrikanischen Hochschule ist ein dem dortigen Sekundarschulabschluss mindestens ebenbürtiger Schulabschluss. Die deutsche Allgemeine Hochschulreife wird in der Regel anerkannt. Die Hochschulen halten je nach Fachrichtung zusätzlich eine Eingangsprüfung ab. 

Gebühren

An südafrikanischen Hochschulen werden generell Studiengebühren erhoben. Die Höhe schwankt je nach Hochschule, Fachrichtung und angestrebtem Abschluss zwischen 700 und 4.000 Euro (im Einzelfall bis zu 6.000 Euro) pro Jahr. Bei bestehenden Hochschulpartnerschaften werden zum Teil erheblich geringere Gebühren erhoben. Internationale Studierende müssen häufig zusätzlich zu den Studiengebühren eine gesonderte Gebühr (international student fee) entrichten.

Im Oktober 2015 kam es in Folge der Ankündigung einer erneuten Erhöhung der südafrikanischen Studiengebühren um zehn Prozent zu Ausschreitungen von Studierenden. Insbesondere die Witwatersrand ("Wits") University in Johannesburg, die beiden Universitäten von Kapstadt und die Universität in Durban waren hiervon betroffen. Die Wits wurde zeitweilig besetzt. Obwohl sie formal eine öffentliche Einrichtung ist, wird sie de facto semi-privat geführt. Weniger als 50 Prozent ihrer Mittel stammen aus dem öffentlichen Sektor.

Besonders für die Studenten mit schwarzer Hautfarbe stellen die immer höheren Studiengebühren eine Hürde beim Zugang zum höheren Bildungswesen dar. In den Medien ist vielfach die Rede von einer neuen Form der Apartheid: Die Mehrheit der schwarzen Studenten, die in der Regel aus armen Familien stammen, sind gezwungen, sich für einen Studienabschluss auf Jahre hinaus zu verschulden.

Der universitäre Protest weitete sich um den Jahreswechsel 2015/16 auf die nationale politische Ebene aus. Unter dem Motto "Freie Bildung für Alle" kam es zu einem Protestmarsch auf den Sitz der Regierungspartei ANC in Johannesburg. Diese Demonstration war die größte politische Kundgebung in Südafrika seit dem Ende der Apartheid. Unter diesem Druck gab Staatspräsident Zuma schließlich nach und setzte die Gebührenerhöhung für 2016 aus.

Quellen:

  • GATE-Germany - Länderprofile Edition Südafrika 2010
  • A Parent's Guide to Schooling – South Africa.Info
  • Jahresbericht 2013/2014 Forschung und tertiäre Bildung der Deutschen Botschaft in Pretoria, Juni 2014
  • DAAD Länderinformation Südafrika, 2008
  • South Africa Yearbook 2014/2015
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Berufliche Bildung

Die südafrikanische Regierung hat in den letzten Jahren die gesetzlichen Voraussetzungen für ein modernes und entwicklungsorientiertes Berufsbildungssystem geschaffen. Die Regierung hat für jeden Wirtschaftssektor Ausbildungskammern gegründet, sogenannte Sector Education and Training Authorities (SETAs). Sie sind für die Anerkennung neuer Ausbildungsgänge und Ausbildungsstätten zuständig. 

Mittelpunkt des schwach entwickelten südafrikanischen Berufsbildungssektors sind die Technischen Colleges. Ihre Aufgabe ist es, Ausbildungsdefizite bei Menschen aus früher benachteiligten Bevölkerungsgruppen auszugleichen und ihnen eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Mit der Reformierung des Further Education and Training (FET) College Sektors 2002/2003 wurden die bis dahin bestehenden 152 Technischen Colleges zu 50 "multisite-campus"-Colleges zusammengefasst. Das Angebot der Colleges wurde 2007 umfassend modernisiert, erweitert und auf die Bedürfnisse der südafrikanischen Industrie zugeschnitten, was die Ausbildung insgesamt praxisnäher werden ließ. Durch Kooperationen mit privatwirtschaftlichen Industriebetrieben sollen künftig auch finanzielle Zuwendungen dieser Unternehmen an die Colleges fließen. 

Seit der Öffnung Südafrikas ist die Förderung der beruflichen Bildung ein Schwerpunkt der südafrikanisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) gewesen, die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit vor allem von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ausgeführt wird. Sie hat beispielsweise die Ausbildungskammern (s.o.) bei der Entwicklung von Lehrplänen und Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) durch sogenannte Public Private Partnerships beraten. Seit 2012 liegt ein deutlicher Fokus der EZ auf Berufsfeldern im "grünen" Sektor. 

In den letzten fünf Jahren dienten verschiedene Besuche der Weichenstellung für eine zukünftige Zusammenarbeit des BMBF mit dem DHET (Department of Higher Education) im Bereich "Berufliche Bildung". Im Juli 2013 unterzeichneten die beiden Ministerien eine gemeinsame Absichtserklärung. Damit wird die Berufsbildungszusammmenarbeit als Querschnittsthema ausgebaut und BMBF und BMZ stimmen sich eng bezüglich der Vorgehensweise und Maßnahmen in Südafrika ab. Ausdruck der verstärkten Bedeutung des Themas "Berufliche Bildung" ist auch die Gründung einer eigenen Fachkommission im Rahmen der Bi-Nationalen Kommission (BNK) im November 2014.

Weiterbildung

Die Marketinginitiative iMOVE (International Marketing of Vocational Education) bietet eine Plattform für Netzwerkpartner, die sich im Bildungsexport für "Training - Made in Germany" engagieren. Südafrika gehört seit einigen Jahren zu den Schwerpunktländern, auf die sich die Arbeit von IMOVE konzentriert. Weitere - immer noch aktuelle - Informationen bietet die iMOVE-Marktstudie zu Südafrika aus dem Jahr 2010. 

Quelle:

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Bildungsorganisationen

Im Mai 2009 wurde die vormalige Zuständigkeit des Department of Education (DoE) für die gesamte BildungspolitiK auf zwei Ministerien aufgeteilt: das Department for Basic Education (DBE) und das Deparmtent for Higher Education and Training (DHET). Während das DBE  für alle Schularten inklusive der Alphabetisierungsprogramme für Erwachsene zuständig ist, entfällt auf DHET die universitäre und berufliche Bildung sowie die Koordinierung der Human Ressource Development Strategy for South Africa (HRD-SA).

Die einzelnen südafrikanischen Provinzen setzen die gesamtstaatlichen Vorgaben der Bildungspolitik um, können aber auch eigene Prioritäten entwickeln.

Bildungsorganisationen

Der Council of Education Minister (CEM) sowie das Heads of Education Departments Comittee (HEDCOM) wurden zur Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen gesamtstaatlicher und Provinzebene und der Weiterentwicklung des Bildungswesens ins Leben gerufen.

Der Bildungsbeirat (CEM) besteht aus den Ministern für Grundschulbildung und höhere Bildung und Berufsbildung, den stellvertretenden Ministern sowie Vertretern der Executive Councils for Education (MEC) der neun Provinzen. Der HEDCOM setzt sich aus den Abteilungsleitern und den stellvertretenden Abteilungsleitern der Ministerien sowie den Abteilungsleitern der Bildungsabteilungen der Provinzen zusammen.

Das South African Qualifications Authority (SAQA) hat die Aufgabe, die Qualität des Bildungssystems auf international vergleichbaren hohen Level sicherzustellen.
 
Der Council on Higher Education (CHE) ist ein unabhängiges gesetzliches Gremium. Er hat die Aufgabe, den Minister für tertiäre Bildung in allen Angelegenheiten der höheren Bildung zu beraten. Der Rat ist auch verantwortlich für die Qualitätssicherung. Hierzu wurde der Ausschuss Higher Education Quality Committee (HEQC) eingerichtet.

Der South African Council for Educators (SACE) ist verantwortlich für die Registrierung, Förderung und berufliche Weiterbildung von Erziehern sowie die Festsetzung und Überwachung der beruflichen Standards bei Lehrern.

Im Zuge des Umstrukturierungsprozesses der südafrikanischen Hochschullandschaft 2004/2005 wurde die Higher Education South Africa (HESA) durch den Zusammenschluss der beiden Vorgängerorganisationen South African Universities Vice-Chancellors Association (SAUVCA) and the Committee of Technikon Principals (CTP) gegründet. HESA versteht sich als Stimme der südafrikanischen Hochschulen gegenüber Politik und Öffentlichkeit und als Forum für den gemeinsamen Meinungsbildungsprozess der Hochschulen. Sie befasst sich mit allen Themen, die Aufgaben der Hochschulen betreffen: Forschung, Lehre und Studium, wissenschaftliche Weiterbildung, Wissens- und Technologietransfer, internationale Kooperationen sowie Selbstverwaltung. Im Oktober 2014 wurden die neue strategische Ausrichtung in den nächsten Jahren -  "Strategic Framework for HESA 2015-2019" -  veröffentlicht. Die Internationalisierung der südafrikanischen Hochschulen ist dabei ein Schwerpunkt.

Im September 2013 wurde das bestehende Rahmenabkommen zwischen Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Higher Education South Africa (HESA) über die Hochschulzusammenarbeit erneuert und eine Arbeitsgruppe zur Intensivierung der Zusammenarbeit eingerichtet. Gemeinsam identifizierte Kooperationsschwerpunkte sind: Umwelt, Gesundheit, Biotechnologie, Geistes- und Sozialwissenschaften, Ressourcenmanagement, Ingenieurwissenschaften, Chemie, Physik und Mathematik.

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