Überblick

Wissenschaft und Technologie haben in Südafrika einen großen Stellenwert. Die Zielsetzung der südafrikanischen Regierung ist es daher, die FuE-Ausgaben bis 2018 auf 1,5 % des BIP zu erhöhen. Um dies zu erreichen, wurde 2013 von der südafrikanischen Regierung der "South African Innovation Summit" geschaffen, welcher alle relevanten Akteure aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammenbringen und Investitionen in FuE intensivieren soll.

Im Dezember 2015 hat das südafrikanische Forschungsministerium (DST) zum ersten Mal das "Science Forum South Africa" ausgerichtet; es ist vergleichbar mit dem EuroScience Open Forum ESOF, das im Juni 2014 in Kopenhagen stattfand. Die Hauptziele waren:

  • eine Plattform anzubieten für eine lebhafte Debatte zur Rolle von Wissenschaft, Technologie, Innovation und Gesellschaft in Südafrika;
  •  Südafrika's internationale strategische Partnerschaften in Wissenschaft, Technology und Innovation zu stärken;
  • sowie für Regierungsmitglieder, Akademiker, Wissenschaftler, Industrie, die Zivilgesellschaft und Studierende eine Plattform zum Austausch zu bieten

Das nächste Science Forum wird am 8. und 9. Dezember 2016 im Convention Center des CSIR in Pretoria stattfinden.  

26 staatliche Hochschulen, zahlreiche Forschungseinrichtungen der Wissenschaftsräte (Councils) und viele in der Forschung tätige private Firmen bilden eine gute Infrastruktur für Forschung und Technologie. Historisch erklärt sich die südafrikanische Forschungs- und Technologielandschaft aus der Entwicklung des (Gold-) Bergbaus und der in  der Apartheid-Ära betriebenen Autarkiepolitik auf den Gebieten der Energie-, Nuklear-, Bergbau- und Rüstungspolitik. In einigen Bereichen (Bergbautechnologie, Medizin, synthetische Treibstoffe sowie Einzelbereiche der Rüstungshochtechnologie) zählt Südafrika weiterhin zu den weltweit führenden Ländern. 26 staatliche Hochschulen, zahlreiche Forschungseinrichtungen der Wissenschaftsräte (Councils) und viele in der Forschung tätige private Firmen bilden eine gute Infrastruktur für Forschung und Technologie.

Quellen:

Weitere Informationen
Links/Institutionen

FuE-Indikatoren

Indikator

Südafrika

Deutschland

OECD

Stand

Nationale FuE-Ausgaben [Mio. USD*]

6.090

132.004

1.360.044

2016/17/17

FuE-Ausgabenwachstum im Vergleich zum Vorjahr [Prozent]

4,7

10,1

6,3

2016/17/17

FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

0,8

3,0

2,4

2016/17/17

Anteil der FuE-Ausgaben des Staates am BIP [Prozent]

0,4

0,8

0,6

2016/17/17

Anteil der FuE-Ausgaben der Wirtschaft am BIP [Prozent]

0,3

2,0

1,5

2016/17/17

Ausgaben für FuE in Unternehmen (BERD) [Mio. USD*]

2.522

91.209

959.075

2016/17/17

Anteil der öffentlich finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen (direkter Förderanteil) [Prozent]

3,1

3,2

5,0

2016/17/17

Anteil der vom Ausland finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen [Prozent]

9,1

6,3

7,9

2016/17/16

Ausgaben für FuE in Hochschulen (HERD) [Mio. USD*]

1.989

22.916

233.743

2016/17/17

Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in Hochschulen [Prozent]

7,8

13,3

5,9

2016/17/17

Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen (GOVERD) [Mio. USD*]

1.405

17.879

135.237

2016/17/17

Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen [Prozent]

5,9

10,1

3,7

2016/17/16

Anzahl der Forschenden (Vollzeitäquivalente)

27.656

419.617

4.838.034

2016/17/16

Anzahl der Forschenden (VZÄ) je 1000 Beschäftigte

1,8

9,5

8,3

2016/17/16

Anteil der Forschenden (VZÄ) in privaten Unternehmen [Prozent]

17,3

60,2

61,8

2016/17/16

Anteil internationaler Ko-Patente an Patentanmeldungen unter dem Vertrag über Patentzusammenarbeit (PCT) [Prozent](1)

20,4

16,9

7,6

2016

Nach oben

* in laufenden Preisen, kaufkraftbereinigt

Quellen:
OECD.Stat Main Science and Technology Indicators, Stand August 2019
(1) OECD.Stat Patents Statistics, Stand April 2019

Redaktion: 19.08.2019, von: Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

FuE-Finanzierung

In den OECD-Ländern mit überwiegend hohem Einkommen finanziert meist die inländische Wirtschaft den größten Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (OECD Gesamt 62 Prozent, Deutschland 66 Prozent). Die Anteile betragen für den Staat 26 bis 28 Prozent und für das Ausland etwa 6 Prozent (OECD Gesamt und Deutschland).

Südafrika, das kein Mitglied der OECD ist, wird als Land mit mittlerem Einkommen eingestuft (Weltbank). Die Verteilung der Finanzierungsanteile in Südafrika entsprach im Jahr 2001 eher dem „OECD-Modell": die Wirtschaft lag mit einem Anteil von immerhin 55 Prozent klar vor dem Staat mit 36 Prozent. Seitdem wurde der Anteil des Staates zulasten der Wirtschaft deutlich ausgebaut. Inzwischen ähnelt die Verteilung in Südafrika mehr der typischen Verteilung für ein Land mit mittlerem Einkommen: der Staat liegt seit 2007 mit dem höchsten Anteil vor der inländischen Wirtschaft. Auffällig ist der hohe Anteil an Auslandsfinanzierung, der über die Jahre relativ konstant geblieben ist.

 

FuE-Durchführung

Bei der Durchführung von Forschung und Entwicklung nehmen die Unternehmen in den OECD-Ländern meist eine dominante Rolle ein (Anteile für Deutschland und OECD Gesamt liegen bei 69 und 70 Prozent). Die Unternehmen in Südafrika halten sich wie schon bei der Finanzierung auch bei der Durchführung zurück.

Im öffentlichen Sektor sind der OECD-Raum und in geringerem Maße auch Deutschland hochschulzentriert (Verhältnis von GOVERD zu HERD von etwa 35 : 65 bzw. 45 : 55).Dies gilt auch für Südafrika (Verhältnis von GOVERD zu HERD von etwa 40 : 60).

Forschungsorganisationen

Südafrika hat zur Unterstützung der Regierung im Bereich von Wissenschaft und Technik mehrere staatliche Agenturen und sieben Wissenschaftsorganisationen (Councils) gebildet, die bis zu 75% aus dem Staatshaushalt finanziert werden.

Zu den wichtigsten Forschungsorganisationen gehört

  • National Research Foundation (NRF)

Die NRF betreibt sechs nationale Forschungseinrichtungen:

    • iThemba Laboratory for Accelerator Based Sciences
    • South African Astronomical Observatory
    • Hartebeesthoek Radio Astronomy Observatory (HartRAO)
    • South African Institute for Aquatic Biodiversity (Saiab)
    • National Zoological Gardens of South Africa (NZG)
    • South African Environmental Observatory Network (Saeon)

Die 1999 gegründete NRF dient ferner der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und koordiniert die internationale Zusammenarbeit im F&T Bereich. Die Stiftung finanziert sich fast ausschließlich aus dem Staatshaushalt.

Zudem unterstehen der NRF zwei weitere Agenturen, die die Aufgabe haben, F&E zu fördern und im nationalen Bewusstsein zu verankern:

    • South African Agency for Science & Technology Advancement (SAASTA)
    • Research & Innovation Support and Advancement Agency (RISA)


Wissenschaftsorganisationen

  • Council for Scientific and Industrial Research (CSIR)

Der CSIR wurde im Jahre 1945 gegründet. Er ist eine der größten Forschungseinrichtungen Afrikas und arbeitet weitgehend auf kommerzieller Basis. Der CSIR verfügt über 26 Forschungsinstitute. Sie beschäftigen sich mit marktorientierter Forschung und Entwicklung im Bereich der Natur- und Ingenieurwissenschaften. Grundlagenforschung spielt nur eine untergeordnete Rolle. Der CSIR importiert und adaptiert vielmehr die Ergebnisse ausländischer Grundlagenforschung. Mit der Fraunhofer- Gesellschaft hat der CSIR ein Kooperationsabkommen geschlossen, in dessen Folge im Mai 2001 das "Automotive Industry Development Centre" gegründet wurde.

  • Human Sciences Research Council (HSRC)

Der HSRC ist eine sozialwissenschaftliche Forschungseinrichtung. Es unterhält sechs Forschungsprogramme zu folgenden Themen:

    • Education and Skills Development
    • Economic Performance and Development
    • Population Health, Health Systems and Innovation
    • HIV/AIDS, STIs and TB
    • Democracy, Governance and Service Delivery
    • Human and Social Development

Zudem unterstehen dem Council zwei Forschungszentren, das Centre for Science, Technology and Innovation Indicators  und das Centre for the Study of the Social and Environmental Determinants of Nutrition.
Der HSRC führt darüber hinaus Auftragsforschung für Ministerien, parastaatliche und private Organisationen sowie Entwicklungshilfeorganisationen durch und betreibt Politikbeobachtung.

Weitere bedeutende Forschungsorganisationen, deren Forschungsausgaben hauptsächlich aus dem Staatshaushalt getragen werden, sind das Africa Institute, die Nuclear Energy Corporation of South Africa (NECSA), der National Nuclear Regulator (NNR), die Water Research Commission, das South African Weather Bureau und das Sea Fisheries Institute.

 

Quellen:

Nach oben

FuE im öffentlichen Sektor

Der Anteil des Regierungssektors inklusive der Wissenschaftsräte (Councils) an den FuE-Gesamtausgaben beträgt derzeit 45,4% und liegt damit über dem OECD-Durchschnitt. Insgesamt zeigen die Forschungsausgaben seit Jahren eine steigende Tendenz. So beliefen sich die Aufwendungen des DST im Finanzjahr 2013/14 auf ZAR 6,2 Mrd. während das Budget 2003/4 nur bei 1.3 Mrd. ZAR lag.

 

Universitäten und Hochschulen
Südafrika verfügt über 26 staatliche Universitäten, darunter sechs technische Hochschulen, 11 Volluniversitäten und 9 übrige Universitäten. Insbesondere die Volluniversitäten haben eine starke Forschungsorientierung und einen hohen Anteil an Postragudierten und Doktoranden. Die übrigen Universitäten verstehen sich als "Comprehensive Universities", die stärker auf die Ausbildung und Lehre ausgerichtet sind, aber dennoch Forschung und postgraduelle Studiengänge realisieren wollen. Die universitäre Bildung wird durch die 2005 gegründete HESA (Higher Education South Africa) koordiniert.

Im August 2014 erhielt die Universität Kapstadt (UCT) in der BRICS-Universitäts-Rangliste der QS (Quacquarelli Symonds) erneut den ersten Platz unter den südafrikanischen Universitäten. Unter allen Universitäten der BRICS-Staaten nahm die Universität Kapstadt, gleichauf mit dem UniCamp in Brasilien, den neunten Platz ein. Witwatersrand, in der jüngsten Rangliste des Centre for World University Rankings auf dem ersten Platz der südafrikanischen Universitäten gelistet, findet sich hier hinter der UTC auf dem zweiten Platz (national) bzw. auf dem 31. Platz in der BRICS-Wertung. Die Universität Stellenbosch kam in der nationalen Wertung auf den dritten Platz (34. Platz BRICS), gefolgt von der Universität Pretoria (46. Platz BRICS).

Unter den 30 besten Universitäten des afrikanischen Kontinentes befinden sich zwölf mit Sitz in Südafrika (Weltrang jeweils hinter Organisationsnamen in der folgenden Aufzählung): University of Cape Town (323), Stellenbosch University (473), University of Witwatersrand (547), University of Pretoria (561), University of Kwazulu Natal (652), University of the Western Cape (855), University of Johannesburg (985), Rhodes University (1110), South Africa (1248), North West University (1303), University oft he Free State (1470), Nelson Mandela Metropolitan (1813).

 


 Universitäten (Auswahl):

  • University of Cape Town:
    1829 gegründet ist Cape Town die älteste Universität des Landes. Heute gilt sie als eine der renommiertesten Universitäten Südafrikas – sie erhielt die Auszeichnung als "Centre of Excellence". Als einzige Universität des afrikanischen Kontinents gelang es ihr 2008, unter den Top 200 des "Times Higher-QS World University Ranking" eine Platzierung zu erreichen. Die Fakultäten: Wirtschaftswissen­schaften, Ingenieurswe­sen, Gesundheitswissenschaften, Humanwissenschaften, Recht und Naturwissenschaften.

  • University of Witwatersrand:
    Die Ursprünge der Universität gehen auf die im Jahr 1896 gegründete "South African School of Mines? zurück. 1922 erhielt die Einrichtung den Status einer Universität. Im World University Ranking (s.o.) schnitt sie als zweitbeste Universität Südafrikas ab.  Witwatersrand brachte vier Nobelpreisträger hervor. Die Universität besteht aus fünf Fakultäten: Wirtschaft, Recht und Management, Ingenieurwissenschaften und Bauingenieurwesen, Medizin, Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften.

  • University of KwaZulu-Natal:
    Die Universität ist eine der führenden Forschungs- und Lehruniversitäten in Südafrika und zählt zu den 500 weltweit besten Universitäten. Sie ging 2004 aus der Zusammenlegung der University of Durban-Westville und der University of Natal hervor.
    Die Universität verfügt über acht Fakultäten: Erziehungswissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Landwirtschaft, Gesundheitswissenschaften, Medizin, Rechtswissenschaften und Management.

  • University of Pretoria:
    1908 gegründet beging die Universität 2008 ihr 100jähriges Jubiläum.
    Die Universität gliedert sich in neun Fakultäten: Betriebswirtschaft, Erziehungswissenschaften, Humanwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Medizin, Naturwissenschaften, Rechtswissenschaften, Theologie und Veterinärmedizin.

  • University of Stellenbosch:
    Die 1866 gegründete Stellenbosch Universität gehört zu den führenden Forschungsuniversitäten Südafrikas. Sie verfügt über den landesweit höchsten Anteil postgraduierter Studenten. Forschungsschwerpunkte sind u.a. Sprache und Kultur in einer multikulturellen Gesellschaft, "Knowledge Economy", Aufbau einer neuen Gemeinschaft und Biotechnologie. Die Universität umfasst folgende Fakultäten: Künste und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Pädagogik, Land- und Forstwissenschaft, Rechtswissenschaften, Theologie, Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Gesundheitswissenschaften.
    Die Universität soll zudem einer der fünf Standorte einer panafrikanischen Universität (PAU) unter der Federführung der Afrikanischen Union werden.

  • University of Johannesburg:
    Die Universität entstand im Jahr 2005 als Zusammenschluss der ehemaligen Rand Afrikaans University und dem früheren Technikon Witwatersrand und verbindet universitäre mit beruflicher Bildung. Besonders in den Bereichen Rechnungswesen, und Sozialarbeit ist die Universität über die Landesgrenzen hinaus angesehen. Die Universität verfügt über neun Fakultäten: Geisteswissenschaften, Design und Architektur, Wirt­schafts- und Finanzwissenschaften, Erziehungswissenschaften, Inge­nieurs- und Bauwesen, Gesundheitswesen Postwesen, Recht und Betriebswirtschaft und die Fakultät für Naturwissenschaften. 

Weitere Universitäten:

Technische Hochschulen
Die sechs technischen Hochschulen sind die

 

Quellen:

  • Development Indicators – The Presidency Republic of South Africa 2008
  • GATE-Germany - Länderprofile Edition Südafrika 2010
  • A Parent's Guide to Schooling – South Africa.Info
  • DAAD Länderinformation Südafrika, 2008
  • South Africa Yearbook – Education 2014/2015
  • Forschungsbericht der Deutschen Botschaft in Pretoria, Juli 2012 und Juni 2014
  • Report on Public Funding for Scientific and Technological Activities 2013/14, Science and Technology Department, South Africa

Nach oben

FuE im privaten Sektor

Der Privatsektor steht in der FuE – Finanzierung an zweiter Stelle mit 38,3% und damit weitaus geringer als im OECD-Durchschnitt mit 60,8%. Die großen Konzerne (zum Teil noch in Staatsbesitz) unterhalten z.T. auch eigene Forschungseinrichtungen.

In dieser Hinsicht bedeutende Unternehmen sind:

  • Eskom – PBMR (Energie- und Materialforschung, Umwelttechnologie, neue Atomreaktoren)
  • SASOL (Kohleverflüssigung), zweitgrößtes Unternehmen in Südafrika
  • Anglo American Corporation (Metallurgie- und Kohleforschung)
  • Denel (Rüstungstechnik)
  • TransNet (Transport und Logistik)

Nach oben

Öffentlich-private Zusammenarbeit in FuE

Im Rahmen spezieller Programme fördert die Regierung private F&T - Aktivitäten. Das bekannteste ist das Technology and Human Resources for Industry Programme (THRIP) (siehe Förderorganisationen).

Nach oben

Eine Initiative vom

Projektträger