Forschungs- und Innovationslandschaft: Tunesien

  1. Überblick
  2. FuE-Indikatoren
  3. FuE im öffentlichen Sektor

Überblick

Das nationale Forschungssystem in Tunesien wurde nach der Unabhängigkeit (1959) errichtet. Im Rahmen des fünften Fünfjahresplans (1977-1981) wurde das Ministerium für Höhere Bildung und Forschung gegründet (1978). In Folge konnten nun langfristige forschungs- und bildungspolitische Zielsetzungen entwickelt werden, unter diesen etwa die Ziele, internationale Kooperationen aufzubauen sowie Verbindungen zwischen dem produzierendem und dem forschenden Sektor zu etablieren. Allerdings liegen auch gegenwärtig die Indikatoren für die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit und die technologische Innovation noch hinter den strategischen Erwartungen zurück.

Im Jahr 1996 wurde in Tunesien das nationale System für Forschung und technologische Entwicklung restrukturiert. In dessen Rahmen entstanden 139 (von gegenwärtig 148) neue Laboratorien und 624 (von gegenwärtig 638) neue Forschungsinstitute. Eine weitere Säule der tunesischen Forschungsaktivitäten stellen die 13 öffentlichen Universitäten und ihre angegliederten Institute sowie weitere Institute für höhere Bildung dar. Zusammengenommen existieren in Tunesien 193 Institute für die höhere Bildung. Der Großteil dieser Institute (163) untersteht der Aufsicht des Ministeriums für höhere Bildung und wissenschaftliche Forschung. Diese leisten einen wesentlichen Beitrag zur Heranbildung hoch qualifizierter wissenschaftlicher Kompetenzen. Ihr Tätigkeitsfeld liegt vor allem in der Produktion hochqualitativer Arbeiten auf Forschungsfeldern mit hoher nationaler Priorität.
Diese sind:

  • Biotechnologie
  • Wassermanagement
  • Energie
  • Umwelt
  • Kampf gegen Desertifizierung
  • Mikroelektronik
  • Nanotechnologie
  • Gesundheit
  • IKT

(Quelle: UNESO: Country Report: The Science and Technology System of Tunisia; ERAWATCH: National Profiles: Tunisia)

FuE-Indikatoren

Indikator

Tunesien(1)

Deutschland(2)

OECD-Gesamt(2)

Stand

Nationale FuE-Ausgaben [Mio. USD*]

795

118.159

1.266.135

2016

FuE-Ausgabenwachstum im Vergleich zum Vorjahr [Prozent]

-2,4

3,7

2,3

2016

FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

0,6

2,9

2,3

2016

Ausgaben für FuE in Unternehmen (BERD) [Mio. USD*]

153

80.537

875.912

2014/16/16

Anteil von BERD am BIP [Prozent]

0,1

2,0

1,6

2014/16/16

Ausgaben für FuE in Hochschulen (HERD) [Mio. USD*]

256

21.314

221.528

2014/16/16

Anteil von HERD am BIP [Prozent]

0,2

0,5

0,4

2014/16/16

Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen (GOVERD) [Mio. USD*]

417

16.307

138.301

2014/16/16

Anteil von GOVERD am BIP [Prozent]

0,3

0,4

0,3

2014/16/16

Anzahl der Forscher (Vollzeitäquivalente)

22.407

400.821

4.770.739

2016/16/15

Anzahl der Forscher (VZÄ) je 1000 Arbeitnehmer

6,5

9,2

8,3

2016/16/15

Anteil der Forscher (VZÄ) in privaten Unternehmen [Prozent]

4,0

58,8

61,4

2016/16/15

Anteil internationaler Ko-Patente an Patentanmeldungen unter dem Vertrag über Patentzusammenarbeit (PCT) [Prozent](3)

54,5

16,9

7,7

2014

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* in laufenden Preisen kaufkraftbereinigt

Quellen:
(1) UNESCO Institute of Statistics, Stand Juni 2018
(2) OECD.Stat Main Science and Technology Indicators MSTI 2018/1 (Stand Juli 2018)
(3) OECD.Stat Patents Statistics, Stand Oktober 2017

Redaktion: 19.11.2018, von: Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

In den OECD-Ländern mit überwiegend hohem Einkommen finanziert meist die inländische Wirtschaft den größten Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (OECD Gesamt ca. 61 Prozent, Deutschland ca. 65 Prozent). Die Anteile betragen für den Staat knapp 30 Prozent und für das Ausland ca. 4-5 Prozent (OECD Gesamt und Deutschland). 
In Tunesien ist dagegen der Staat vor der inländischen Wirtschaft die wichtigste Finanzierungsquelle, wie es für Länder mit mittlerem Einkommen wie Tunesien (siehe Einteilung Weltbank) typisch ist.

Zu der Aufteilung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf Durchführungssektoren (Unternehmen, Hochschulen, außeruniversitäre öffentliche Forschungseinrichtungen) in Tunesien liegen keine Daten der UNESCO vor.

Tunesien ist das einzige Land in Nordafrika und der arabischen Region, das gleichbleibend zunehmend in den Wissenschaftssektor investiert und diesen Bereich fortschrittlich organisiert (Vgl. Kapitel zu den zuständigen Ministerien). In einem intra- und transregionalen Vergleich des Forschungsoutputs wird deutlich, dass diese Bemühungen Früchte tragen (Vgl. Abb. 1 und 2). Gemessen nach der Anzahl der Publikationen liegt Tunesien in Nordafrika nur hinter Ägypten. Die wichtigsten Publikationspartner sind französische Forscher und Forscherinnen. Nur knapp fünf Prozent der tunesischen internationalen Publikationen werden in Kooperation mit deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verfasst. Bibliometrische Analysen zeigen in folgende Publikationsbereichen Stärken:

  • Materialwissenschaften
  • Mathematik
  • Mikrobiologie
  • Genetik
  • Neurowissenschaften und
  • klinische Medizin

(Vgl. Thompson Reuters Global Research Report – Afrika, 2010).

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FuE im öffentlichen Sektor

Gegenwärtig bestehen in Tunesien 33 öffentliche Forschungszentren. Diese stehen unter der Aufsicht verschiedener Ministerien.

Die Forschungszentren verfügen über gute Kapazitäten und belegen Platz zwei in der arabischen Welt (Arab Knowledge Report, 2009) bzw. Platz 38 im weltweiten Vergleich (Ranking von 139 Staaten im Rahmen des Global Competitiveness Report 2010/2011).

In der nachfolgenden Tabelle sind die wichtigsten Forschungsinstitute aufgeführt (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

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Öffentliche Forschungsinstitute in Tunesien

Institut

Gründungsjahr

Zugehörigkeit

Nationales Institut für Meereswissenschaft und Meerestechnologie

1924

Ministerium für höhere Bildung und wissenschaftliche Forschung

Forschungs- und Studienzentrum für Ökonomie und Gesellschaft

1962

 

Institut für aride Regionen

1976

 

Nationales akademisches Zentrum für wissenschaftliche und technische Dokumentation

1978

 

Biotechnologisches Zentrum Sfax

1983

 

Nationales Zentrum für Technik- und Nuklearwissenschaften

1993

 

Nationales Institut für physisch-chemische Forschung

1995

 

Zentrum für Wassertechnik

2005

 

Zentrum für Energietechnik

2005

 

Biotechnologisches Zentrum Borj Cedria

2005

 

Forschungs- und Studienzentrum über den Dialog zwischen Zivilisationen und Religionen

2005

 

Zentrum für Materialwissenschaft

2006

 

Nationales höheres Institut für Geschichte

1989

 

Zentrum für Islamstudien Kairouan

1990

 

Nationales landwirtschaftliches Forschungsinstitut Tunis

1914

Ministerium für Landwirtschaft und Gewässer

Veterinärmedizinisches Forschungsinstitut

1970

 

Olivenbaum Institute

1981

 

Nationales Forschungsinstititut für Landbau, Wasser und Wald

1996

 

Pasteur Institute Tunis

1893

Ministerium für Gesundheit

Nationales Institut für Lebensmitteltechnik und Ernährung

1969

 

Salah Azaiez Institut

1969

 

Nationales neurologisches Institut

1974

 

Nationales Zentrum für Strahlenschutz

1982

 

Forschungs- und Studienzentrum für Telekommunikationstechnik

1988

Ministerium für Kommunikationstechnologien

Forschungs-und Studienzentrum für Frauenangelegenheiten

1990

Ministerium für Familie, Kinder, Alte und Frauen

Nationales Zentrum für Fernerkundung

1988

Ministerium für Verteidigung

Zentrum für juridische und rechtswissenschaftliche Studien

1993

Ministerium für Justiz und Menschenrechte

Nationales Institut für das tunesische Kulturerbe

1957

Ministerium für Kultur und das Kulturerbe

Institut für Arbeitsschutz und Gesundheit

1991

Ministerium für soziale Angelegenheiten, Solidarität und Tunesier im Ausland

Forschungs- und Studienzentrum für soziale Sicherung

1996

 

Internationales Zentrum für Umwelttechnologie Tunis

1996

Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung

Quelle: UNESO: Country Report: The Science and Technology System of Tunisia

Mit der Errichtung von Technologieparks wird das Ziel verfolgt, der nationalen wirtschaftlichen Entwicklung Impulse mittels technologischer Innovationen zu geben. Die Parke sollen dabei wissenschaftliche Exzellenz in einem bestimmten Feld aufbauen oder vertiefen. Ihre Ausrichtung ist bestimmt von folgenden Zielen:

  • innovative und hochqualitative Produkte für einheimische und auswärtige Märkte zu entwickeln;
  • Perspektiven für den Arbeitsmarkt für Hochschulschulabgänger zu schaffen;
  • Partnerschaften zwischen öffentlichen und privatwirtschaftlichen Instituten zu fördern und
  • Investitionsanreize für ausländisches Kapital zu schaffen.

Abbildung 3: Konzept der Technoparks

In Tunesien besteht gegenwärtig nur ein aktiver Technologiepark, El-Ghazala. Einige weitere Parks befinden sich im Stadium fortgeschrittener Entstehung (Bizerte, Sidi-Thabet, Borj-Cédria, Sousse, Monastir und Sfax) beziehungsweise sind in Planung (Jendouba, Gafsa, Médenine).

Abbbildung 4: Geographische Verteilung der Technoparks in Tunesien

Eine Initiative vom

Projektträger