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Überblick zur internationalen Kooperation: Tunesien

Das Ministerium für Höhere Bildung und Wissenschaftliche Forschung (MSERS) ist auch für den Abschluss von bilateralen Regierungsabkommen zuständig, die Hochschulbildung, Mobilität, Kultur, Forschung, Innovation und Technologie abdecken können. Ende 2015 bestanden 44 solcher Abkommen, davon 17 mit arabischen Ländern, 15 mit europäischen Ländern, 8 mit asiatischen Ländern und 4 mit amerikanischen Ländern. Eine Reihe von tunesischen Hochschulen hat zudem Vereinbarung mit Hochschulen im Ausland zu Studiengängen mit Doppelabschluss getroffen (Europ. Kommission: Hochschulbericht Tunesien 2017, S. 25 f.). 2017 veröffentlichte das MESRS eine Strategie zur internationalen Kooperation in Hochschulbildung und Forschung, das vier strategische Ziele festlegt (Europ. Kommission (2018), S. 45). Danach strebt Tunesien an

  • die bestehenden Kooperationen mit den arabischen und europäischen Ländern auszubauen;
  • neue Innovationspartnerschaften mit Asien einzugehen;
  • das Land als Hochschul- und Forschungsstandort in Afrika zu vermarkten;
  • die internationale Mobilität von tunesischen Studierenden und Forschenden zu fördern und abgewanderte Fachkräfte als Botschafterinnen und Botschafter Tunesiens einzusetzen.

Die tunesischen Studierenden sind bereits heute überdurchschnittlich international orientiert. 7,9 Prozent strebten 2017 einen Abschluss im Ausland an (zum Vergleich: Deutschland 4 Prozent, OECD-Durchschnitt 2 Prozent). Dagegen ist Tunesien bisher kein sonderlich attraktives Zielland. Der Anteil der ausländischen Studierenden liegt derzeit nur knapp über 2 Prozent (zum Vergleich: Deutschland: 8 Prozent, OECD-Durchschnitt 6 Prozent, siehe Bildungsindikatoren). 

Die wichtigsten Herkunftsländer liegen bisher ausnahmslos im frankophonen Afrika, es sind Kamerun, Mauretanien, die Demokratische Republik Kongo, Libyen und Mali. Bei den beliebtesten Zielländern liegt Frankreich an der Spitze, gefolgt mit weitem Abstand von Deutschland, Rumänien, Kanada und Italien. Die arabischen Länder Marokko und Saudi-Arabien belegen Rang 10 und 11 (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten).

Anders als Ägypten hatte Tunesien bisher nur sehr vereinzelt ausländische Hochschulen bzw. deren Zweigstellen im Land zugelassen (in 2009 zwei Campusse französischer Universitäten, 2015 die American University in North of Africa). Anfang 2019 wurde im Rahmen eines Staatsbesuchs des damaligen tunesischen Regierungschefs Chahed in Frankreich eine Übereinkunft über ein Flaggschiffprojekt, die neue Französisch-Tunesische Universität für Afrika und den Mittelmeerraum (Université franco-tunisienne pour l'Afrique et la Méditerranée, UFTAM) unterzeichnet. Die UFTAM wird von einem Konsortium aus staatlichen französischen und tunesischen Hochschulen getragen und zunächst südlich von Tunis angesiedelt. Angesichts des Rückgangs der eigenen Studierendenzahlen setzt Tunesien auf einen höheren Anteil ausländischer Studierender, der bis 2020 auf 10 Prozent gesteigert werden soll. Im Blickfeld sind dabei vor allem Studierende aus Subsahara-Afrika. 

Tunesien ist eines von bisher zwölf afrikanischen Ländern, die als Mitglieder der „G20-Compact-with-Africa-Initiative" (Webseite Tunesien) von verbesserten Kooperations- und Fördermöglichkeiten profitieren, z.B. zu erneuerbaren Energien und zu beruflicher Aus- und Weiterbildung (siehe Überblick zur Kooperation mit Deutschland). Die Initiative, die 2017 unter der deutschen G20-Präsidentschaft initiiert wurde, bringt mit Unterstützung der Weltbankgruppe, des Internationalen Währungsfonds und der Afrikanischen Entwicklungsbank die G20-Mitglieder und Länder in Afrika zusammen, um bessere Rahmenbedingungen und Anreize für private Investitionen zu schaffen.

Zu den Staaten, die Tunesien bilateral bei dem Aufbau eines nationalen Forschungs- und Innovationssystem bilateral unterstützen, gehören neben Frankreich vor allem Südkorea, Japan und Deutschland (siehe nächster Abschnitt). Unter den Regierungsabkommen des MSERS wird auch die bilaterale wissenschaftliche Kooperation gepflegt. Tunesische Partnerländer in bilateralen Projekten sind laut dem Jahrbuch des MSERS: Marokko, Frankreich, Deutschland, Indien, Südkorea und Südafrika (Annuaire de Structures et Projects de Recherche 2017-18, S. 104 ff.).

Der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an der Gesamtzahl der wissenschaftlichen Publikationen war in Tunesien zwischen 1996 und 2008 mit etwa 40 Prozent bereits recht hoch. Seit 2008 ist ein stetiger Anstieg zu verzeichnen, so dass 2018 ein Anteil von 52,8 Prozent erreicht wurde. Zum Vergleich: In Deutschland hat die internationale Ko-Publikationsrate in dem Zeitraum von 1996-2018 von 30,9 auf 51,3 Prozent zugenommen (Quelle: SCImago. SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved June 4, 2019, from http://www.scimagojr.com). Die fünf wichtigsten tunesischen Ko-Publikationsländer sind Frankreich, gefolgt in weitem Abstand von Saudi-Arabien, Spanien, Italien und den USA. Deutschland folgt auf Rang 7 (Quelle: Scopus-Datenbank, Elsevier, Zeitraum 2016-2018).

Neben einzelnen Ländern unterstützen auch eine Reihe von internationalen Organisationen, in denen Tunesien Mitglied ist, das Land bei dem Aufbau seines Bildungs-, Forschungs- und Innovationssytems. Dazu gehören die Weltbank, die Wirtschafts- und Sozialkommission der Vereinten Nationen für Westasien (ESCWA), sowie die Unterorganisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), die mit Tunesien über das Regionalbüro in Kairo und das UNESCO-Clusterbüro Maghreb in Rabat (Marokko) in Verbindung steht.

  • Als Mitglied der Arabischen Liga beherbergt Tunesien den Hauptsitz der Unterorganisation zu Bildung, Kultur und Wissenschaft in Tunis (Arab League Educational, Cultural and Scientific Organization, ALECSO, Internetauftritt in Arabisch). Das ebenfalls mit der Arabischen Liga verbundene Regionale Zentrum für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (RCREEE) unterstützt Tunesien und andere arabische Länder dabei, den Anteil der erneuerbaren Energien zu steigern.
  • Weiterhin ist Tunesien Mitglied der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) und ihrer Unterorganisation Islamic Educational, Scientific and Cultural Organization (ISESCO), deren Hauptsitz sich in Rabat in Marokko befindet.
  • Als Mitgliedsland der Afrikanischen Union (AU) hat sich Tunesien zur Umsetzung der Agenda 2063 sowie der Science, Technology and Innovation (STI) Strategy for Africa (STISA-2024) verpflichtet.

Kooperation mit der Europäischen Union

2004 trat ein Abkommen in Kraft, das Tunesien im Vorjahr mit der Europäischen Union (EU) zur Kooperation in Wissenschaft und Technologie unterzeichnet hatte. Informationen können auf der Webseite der EU zur Zusammenarbeit mit Tunesien im Bereich Forschung und Innovation abgerufen worden. Für die EU stand zunächst die Überlegung im Vordergrund, Tunesien bei dem Aufbau eines modernen Forschungs- und Innovationssystems zu unterstützen. Im Rahmen des Programms PASRI („Projet d'Appui au Système de Recherche et de l'Innovation“) investierte die EU im Zeitraum von 2011-15 insgesamt 12 Mio. Euro, unter anderem für ein Förderprogramm, unter dem tunesische Promovierende in Unternehmen entsandt werden („Mobidoc“).

Seit Januar 2016 ist Tunesien als erstes und bisher einziges afrikanisches und arabisches Land mit dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) assoziiert. Das Land ist somit den EU-Mitgliedsländern und assoziierten Ländern gleichgestellt, kann sich unter allen Ausschreibungen voll beteiligen und Förderung erhalten (Portal Horizon 2020 Tunisia). Bis März 2019 warb Tunesien unter Horizont 2020 europäische Fördergelder in Höhe von 7,9 Millionen Euro ein. Unter den insgesamt 48 Projekten, an denen sich Tunesien bisher beteiligte, wies mit 24 Projekten die Hälfte auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Vertragsdatenbank).

Andere Varianten europäisch-tunesischer Kooperation setzen nicht auf eine tunesische Beteiligung an Projekten unter dem Rahmenprogramm der EU, sondern auf die Verbindung von nationalen und europäischen Fördertöpfen im Rahmen von themenbezogenen Public-Public Partnerships (P2Ps), um gemeinsame Projekte zu finanzieren. So beteiligte sich Tunesien zum Beispiel intensiv an Förderbekanntmachungen des Netzwerks ERANETMED, das im März 2018 beendet wurde. Derzeit nimmt Tunesien an der gemeinsamen Programminitiative zu Wasser und dem damit verbundenen ERA-NET Water Works teil (Übersicht ERA-LEARN Plattform). Tunesien beteiligt sich ebenfalls an der langfristig angelegten neuen Partnerschaft für Forschung und Innovation im Mittelmeerraum (Partnership for Research and Innovation in the Mediterranean Area, PRIMA). Unter PRIMA haben sich 19 Länder der EU und des südlichen und östlichen Mittelmeerraumes zusammengeschlossen, um innovative Lösungen für zwei der größten Herausforderungen der Region zu finden: effiziente und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion und Wasserversorgung. Dafür ist PRIMA über die Laufzeit von 10 Jahren (2018-28) mit Fördermitteln von knapp 500 Millionen EUR ausgestattet, die von den beteiligten Mitgliedstaaten und der Europäischen Union zur Verfügung gestellt werden. Im Februar sowie im Dezember 2018 wurden die ersten beiden Förderbekanntmachungen veröffentlicht.

Bi-regionale Kooperation zwischen der Afrikanischen Union und der EU wird unter der Joint Africa Europe Strategy (JAES) on Science, Technology and Innovation organisiert. Als Schwerpunkte für eine Forschungs- und Innovationspartnerschaft wurden 2017 Klimawandel und nachhaltige Energie sowie 2016 Ernährungssicherheit und Landwirtschaft festgelegt. Anders als die nordafrikanischen Länder Ägypten und Algerien beteiligt sich Tunesien allerdings bisher nicht an der gemeinsamen Förderung unter der „Long-Term European and African Research and Innovation Partnership on Food Security and Sustainable Agriculture“ (LEAP-Agri). 

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