Überblick

Die Verteilung der Publikationen auf Fachgebiete kann erste Hinweise auf Stärken eines Forschungssystems geben (Bezugsjahr 2014, Quelle: SCImago (2007). SJR – SCImago Journal & Country Rank. Retrieved July 15, 2015, from http://www.scimagojr.com). Weltweit wie in Argentinien steht die Medizin mit den meisten Publikationen an erster Stelle. Jedoch liegt der Anteil in Argentinien mit 15,6 Prozent (Lateinamerika: 16,6 Prozent) unter dem weltweiten Durchschnitt (Welt sowie Deutschland: etwa 17,5 Prozent). Die Ingenieurwissenschaften in Argentinien können mit relativ geringen Anteilen (4,6 Prozent, zum Vergleich Lateinamerika: 7,2 Prozent, Deutschland: 8,7 Prozent) nicht den zweiten Platz einnehmen, den sie weltweit mit einem Anteil von 12 Prozent behaupten. Auf dem zweiten Platz liegen stattdessen wie in Lateinamerika insgesamt die Agrar- und Biowissenschaften (s. unten).
Eine Spezialisierung Argentiniens ist in folgenden Fachgebieten festzustellen (Auswahl basierend auf Spezialisierungsindex Länderanteil/Weltanteil  1,3):

  • Agrar- und Biowissenschaften (14 Prozent, Lateinamerika: 12,1 Prozent, Welt sowie Deutschland: 4,8 Prozent)
  • Erd- und Planetare Wissenschaften (4,8 Prozent, Welt: 2,6 Prozent, Deutschland: 3,6 Prozent)
  • Umweltwissenschaften (4,7 Prozent, Welt: 3,0 Prozent, Deutschland: 2,7 Prozent)
  • Immunologie und Mikrobiologie (3,2 Prozent, Welt: 1,8 Prozent, Deutschland: 2,0 Prozent).

Bei einem weltweiten Vergleich der Anzahl der Publikationen liegt Argentinien im Jahr 2014 insgesamt auf Rang 39. Innerhalb der einzelnen Fachgebiete erreicht Argentinien die beste Platzierung in den Agrar- und Biowissenschaften (Rang 22).

Bildungsforschung

Wichtigstes Zentrum für Forschungsaktivitäten im Bildungsbereich ist das Internationale Institut für Planung der Bildung (IIPE) der UNESCO. Das Institut ist auf Analysen und Informationen zu relevanten Aspekten der Bildungssysteme lateinamerikanischer Staaten spezialisiert.

Eine der jüngsten Aktivitäten im Bildungsbereich Argentiniens war die Erstellung einer Wanderausstellung zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des argentinischen Bildungswesens. Besonderer Fokus wird hierbei auf die Problematik der langjährigen Militärdiktatur gelegt. Ziel der Ausstellung ist es, die verschiedenen Etappen in der Geschichte der Bildung des Landes ins Gedächtnis zu rufen, um die Zukunft in diesem Bereich besser zu gestalten.

Weitere Bildungsprogramme, die vom ehemaligen Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Technologie (MECyT) in den letzten Jahren ins Leben gerufen wurden sind u.a.:

  • Programm zur Gleichberechtigung im Bildungsbereich,
  • Programm zur Stärkung der Solidarität durch Bildung,
  • Nationale Lesekampagne,
  • Alphabetisierungsprogramme,
  • Weiterbildungsprogramme für Lehrkräfte (PROFOR) sowie
  • Programm zur Reform der Verwaltung der Bildungssysteme (PREGASE).

Zusätzliche Informationen zu den Inhalten der einzelnen Programme sind auf der Seite des Bildungsministeriums zu finden.

Bio- und Agrarwissenschaften

1947 legte der spätere Nobelpreisträger Luis Leloir den Grundstein für die nationale biowissenschaftliche Forschung, als er das biochemische Institut, das heute seinen Name trägt, gründete. Seitdem und verstärkt ab den 1980er Jahren wurden mehrere weitere Forschungsinstitute errichtet und die Schwerpunkte der Biowissenschaften systematisch erweitert. Dank dieser Bemühungen wird die biowissenschaftliche Forschung in Argentinien heute nach Meinung internationaler Experten als vielversprechender Forschungsbereich eingeschätzt. Es gibt über 80 Produktionsstätten für biotechnologische Produkte. Mehrere davon führen eigene Forschungstätigkeiten durch. Rund 55% der Produkte werden durch nationale Firmen hergestellt. Das Problem des Kapitalmangels, das in den letzten Jahren das Wachstum des Biotechnologiesektors bremste, soll durch die Verabschiedung eines neuen Gesetzes zu Steueranreizen gelöst werden. 

Die Verband der Biowissenschaftsdozenten Argentiniens (A.D.Bi.A) wurde 1993 durch eine Gruppe Professoren der staatlichen Universität Córdobas gegründet. Der gemeinnützige Verband verfügt über ein Dokumentationszentrum zur Zusammenstellung und Verbreitung der Forschungsergebnisse sowie zahlreiche internationale Beziehungen. Durch insgesamt 18 Zweigstellen ist die Forschungsarbeit über das gesamte Land verteilt.  

Das Zentrum für Forschungen im Bereich Bio-Chemie (Ciquibic) an der staatlichen Universität Córdoba wurde 1982 durch einen Vertrag zwischen Hochschule und CONICET geschlossen. Momentan sind in diesem Zentrum 30 Wissenschaftler/-innen und 55 Stipendiat/-innen – größtenteils durch den CONICET finanziert – beschäftigt. Hauptforschungsschwerpunkte liegen neben der Biochemie in der Zell- und Molekularbiologie sowie der Biotechnologie. 

Die Hauptforschungsfelder im Bereich der Biowissenschaften sind Agrartechnologie und Medizin.

Bioagrartechnologien

Die Nationale Kommission für Agrarbiotechnologie (CONABIA), die dem Agrarministerium untergeordnet ist, übernimmt die Koordination des Bereiches und legt die Prioritäten der Forschung fest. 

Der Schwerpunkt der Agrarbiotechnologie liegt auf der genetischen Verbesserung von Pflanzen, insbesondere bei Soja, Mais und Obst. Im Vordergrund steht die angewandte Forschung - experimentelle Forschung und Grundlagenforschung werden jedoch auch betrieben. 

Die Forschung wird in staatlichen und privaten Einrichtungen durchgeführt. Das wichtigste Forschungsinstitut im Bereich sowohl der traditionellen wie auch der biotechnologischen Agrarforschung ist das Nationale Institut für Agrartechnologie (Instituto de Tecnología Agropecuaria, INTA). Zu ihm gehören zahlreiche "Forschungsstationen und drei Forschungszentren mit verschiedenen Instituten (Institute für Biotechnologie, Genetik, Mikrobiologie und Zoologie etc.), ebenso so genannte regionale Zentren, deren Aufgabe es ist, den wissenschaftlichen und produktiven Sektor miteinander zu verbinden. 

Grundlagen- und angewandte Forschung werden auch im Rahmen einer argentinisch-brasilianischen Kooperation durchgeführt. Die Forschungsaktivitäten sowie die Festlegung der Prioritäten liegen bei dem argentinisch-brasilianischen biotechnologischen Zentrum (CABBIO). Aktuelle Schwerpunktthemen sind transgene Pflanzen und Tiere sowie die biologische Bekämpfung von Seuchen. 

Biopharmazie und Biomedizin

Die Darstellung dieser Themen erfolgt im nachfolgenden Kapitel Gesundheitsforschung.

Energie

Das Energiesekretariat (Secretaría de Energía) koordiniert die Aktivitäten des Bereiches und veröffentlicht den Nationalplan für Energie. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen die traditionellen Energien Öl, Gas und Wasser, die die Hauptenergiequellen des Landes sind. Der aktuelle Plan (2004 - 2019) setzt weitere Schwerpunkte im Bereich Wasser- und Windkraft sowie Biokraftstoffe.

Solarenergie
Der einst viel versprechende Sektor der Solarenergie verlor nach Kürzung der staatlichen Investitionen für Forschung und Entwicklung seit 1985 an Bedeutung. Noch heute leidet er unter der mangelnden staatlichen Unterstützung. 

In Argentinien gibt es aktuell sechs Solarmessstationen, die dem Nationalen Wetterdienst zugeordnet sind. Ebenso liegen Karten und Tabellen zur Solarstrahlung vor. Solarenergie wird in zwei Bereichen angewandt:

  1. Photovoltaik: Die Nationale Kommission für Atomarenergie (CNEA) und einige privaten Firmen beschäftigen sich u.a. mit dem Bau von Sonnenkollektoren. Angewandt werden sie in nationalen Projekten wie dem Projekt zur Elektrifizierung ländlicher Gebiete sowie für die in Argentinien gebauten Satelliten. Die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich ist eher begrenzt. Die Solarzellen werden meistens importiert. 
  2. Thermische Solarenergie: In Argentinien begann vor einigen Jahren die Nachfrage nach biothermischen Produkten zu wachsen. Dementsprechend gewann die Erforschung und Entwicklung dieses Bereiches an Bedeutung. Es werden Projekte der angewandten Forschung in Zusammenhang mit bioklimatischen Gebäuden, Sonnenenergieanlagen und Wasserdestillationsanlagen durchgeführt. 

Die wichtigsten Forschungseinrichtungen sind das Institut für nicht konventionelle Energien (Instituto Nacional de Energías No Convencionales, INENCO), die Nationale Universität von Salta und das CONICET, das eigene Forschungsprojekte in diesem Bereich durchführt.

Windenergie
Ganz Patagonien ist starken Winden ausgesetzt, die für die Erzeugung von Energie genutzt werden könnten. Diese Energieressource wird bisher kaum genutzt. Hierfür sind zwei Gründe maßgeblich: Zum einen sind die Preise für konventionell erzeugte elektrische Energie in Argentinien noch so niedrig, dass Windenergie hiermit nicht konkurrieren kann. Zum anderen können Produzenten von Windenergie wegen der Windabhängigkeit keine festen Strommengen garantieren. 

Angesicht des Preisanstiegs auf dem internationalen Öl- und Gasmarkt und der absehbaren Erschöpfung der konventionellen argentinischen Energieressourcen Öl und Gas ist damit zu rechnen, dass Windenergie - neben der Wasserkraft - für die Zukunft Argentiniens eine wichtige Rolle spielen wird. 

Die argentinische Regierung unterstützt diese Entwicklung mit dem Gesetz über erneuerbare Energien (Ley de Energías Renovables). Dieses reicht aber offensichtlich noch nicht aus, um die Entwicklung sowie den Bau und Betrieb von Windenergieanlagen für die großen Energiekonzerne interessant zu machen. 

Seit 1985 ist das Regionale Zentrum für Windenergie (Centro Regional de Energía Eólica, CREE) in Patagonien in Betrieb. Dank seiner Bemühungen gibt es detaillierte Windkraftkarten für die gesamte Region und Studien über das Potential der Windenergie. Von Buenos Aires bis Santa Cruz sind 14 kleine Windkraftparks in Betrieb, die ein Gesamtpotential von 30 MW haben. Damit wird 0,1 % des Energiekonsums Argentiniens abgedeckt. 

Forschung und Entwicklung im Bereich der Windenergie betreibt das staatliche Unternehmen für Technologieentwicklung INVAP. Zurzeit wird an der Entwicklung eines eigenen Prototyps einer Windkraftanlage gearbeitet (Windkraftanlage IVS), die robuster gebaut ist als die klassischen Anlagen. Damit ist sie geeignet, die starken Winde Patagoniens zu nutzen. 

Das private metallurgische Großunternehmen IMPSA (Industrias Metalúrgicas Pescarmona) beschäftigt sich mit der Erforschung, Entwicklung und Produktion eigener Windkraftanlagen. Entwickelt wurden zwei neue Anlagen mit jeweils 1,5 MW Leistung (IWP77 für Windklasse 2 und IWP70 für Windklasse 1), die seit diesem Jahr weltweit vermarktet werden. Der Nationale Energieplan 2004 - 2019 plant weitere Großprojekte in Patagonien und der östlichen Pampa. Bis 2020 sollen über 800 MW der Energie aus Windkraft gewonnen werden.

Biokraftstoff
Die argentinische Regierung interessiert sich für die Erweiterung des Energiespektrums des Landes und für den Export energetischer Produkte. Dementsprechend steigt seit einigen Jahren das Interesse an alternativen Kraftstoffen wie Bioethanol und Biodiesel. Zur Unterstützung dieses Sektors wurde 2006 die beratende Kommission für die Produktionsförderung und nachhaltige Nutzung von Biostoffen (Comisión Nacional Asesora para la Promoción de la Producción y Uso Sustentable de Biocombustibles) ernannt. Das Sekretariat für Agrikultur, Viehzucht, Fischerei und Lebensmittel (SAGPyA) ist für die Aktivitäten des Bereiches und die Vorbereitung des Nationalen Programms für Biostoffe (Programa Nacional de Biocombustibles) zuständig. 

Mittlere und große private Produktionsstätten für Biokraftstoffe sind vor kurzem errichtet worden bzw. werden zurzeit gebaut. Forschung und Entwicklung spielen bei einer steigenden Produktion eine wichtige Rolle. Die Schwerpunkte der Forschung liegen auf der experimentellen Untersuchung von nicht konventionellen Anbaupflanzen, die auf bisher nicht nutzbaren Anbauflächen kultiviert werden können, der Beständigkeit der Pflanzen gegen Krankheiten, Seuchen, Frost, Dürre und Salz sowie auf der morphologischen Veränderung von Pflanzen und der Verbesserung ihrer Ertragskraft. 

Das wichtigste staatliche Forschungszentrum ist das Nationale Institut für Agrartechnologie ( Instituto Nacional de Tecnología Agropecuaria, INTA). Forschung wird ebenfalls in zahlreichen kleinen, privaten und regionalen Forschungseinrichtungen betrieben wie die der Unternehmen Bioceres, Nidera und Syngenta. Hervorzuheben ist der private Ölkonzern Repsol YPF. Dieser plant, in den Bereich der Biokraftstoffe einzusteigen und hat dafür bereits ein Forschungszentrum für Biobrennstoffe (Centro de Investigación en Biocombustibles) in der Provinz Buenos Aires errichtet. Von 2008 bis 2013 hat sich die Produktion von Biokraftstoff mit knapp 3 Mio. Tonnen mehr als vervierfacht.

Energiewirtschaft
Eine wichtige Institution für Forschungsaktivitäten in diesem Sektor ist das gemeinnützige Energiewirtschaftsinstitut der Stiftung Bariloche (IDEE/FB). Neben dem breiten Forschungsangebot wird seit 1998 in Verbindung mit der staatlichen Universität Comahue (UNC) ein Master in Energiewirtschaft angeboten. 

Besonderer Fokus wird auf die Analyse der speziellen Probleme Argentiniens und anderer lateinamerikanischer Schwellenländer im Kontext der internationalen energiewirtschaftlichen Situation gelegt. 

Finanzielle Unterstützung erhält das Institut durch verschiedene staatliche und internationale Einrichtungen, wie die Interamerikanische Entwicklungsbank oder die EU. Diese erlaubt eine enge Zusammenarbeit mit energiewirtschaftlichen Instituten auf internationaler Ebene. So konnten beispielsweise Projekte mit Einrichtungen in Kuwait, China, Spanien und Dänemark realisiert werden.

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Ingenieurwissenschaften und Produktionstechnologie

Die Ingenieurswissenschaften gewinnen in Argentinien in den letzten Jahren stark an Bedeutung. Dies betrifft vor allem die Bereich Landwirtschaft, Bergbau und Industrielle Produktion. Der Strategische Plan zur Ausbildung von Ingenieuren "Plan Estratégico de Formación de Ingenieros 2012 - 2016" hat zum Ziel, die Aus- und Fortbildung von Ingenieuren zu verbessern und die Forschung zwischen den verschiedenen Ministerien und Instituten abzustimmen.

Im Forschungsrat CONICET ist die Abteilung "Landwirtschaft, Ingenieurswesen und Materialforschung" zuständig. Rund 15% der staatlichen Förderung durch CONICET fließen in diesen Bereich. Speziell für Ingenieurswissenschaften für die Anwendung in der Landwirtschaft  ist das Nationale Institut für landwirtschaftliche Technologie "Instituto Nacional de Tecnologias Agropecuarias (INTA)" zuständig.

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Geistes- und Sozialwissenschaften

Die lateinamerikanische Fakultät für Sozialwissenschaften (FLASCO) wurde im Jahre 1957 auf Initiative der UNESCO gegründet. Argentinien ist seit 1974 einer von neun Teilnehmerstaaten der Organisation. 125 Forscher/-innen arbeiten an verschiedenen Projekten der Bereiche (Wirtschafts-) Politik, Soziologie, Anthropologie, Internationale Beziehungen u.v.m.. In den letzten Jahren konnte besonders die enge Zusammenarbeit mit staatlichen und privaten Hochschulen – auch im Ausland – der Regierung, weiteren Forschungsinstitutionen sowie Nicht-Regierungsorganisationen vorangetrieben werden.

Innerhalb des CONICET forschen rund 20% aller Wissenschaftler/-innen und Stipendiat/-innen zu geistes- und sozialwissenschaftlichen Themen. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Soziologie, Philosophie und Geschichte.

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Geowissenschaften und Meeresforschung

Das staatliche Institut für Geowissenschaften "Centro de Investigación en Ciencias de la Tierra (CICTERRA)" wurde 2006 gegründet und untersteht dem CONICET. Zu den Forschungsschwerpunkten des Instituts gehören u.a. Geodäsie, Geophysik, Paläontologie, Mineralogie und Hydrologie.

Auch das 2011 gegründete staatliche Institut für Meeresforschung "Instituto de Investigaciones Marineras y Costeras (IIMYC)" untersteht dem CONICET. Das Institut befasst sich mit Themen der Meeres- und Polarforschung sowie mit der Küsten- und Atmosphärenforschung.

Seit 1951 fördert und überwacht die Nationale Direktion der Antarkits "Dirección Nacional del Antárctico (DNA)" sämtliche argentinische Forschungsaktivitäten in der Antarktis. Der DNA untersteht auch die Antarktis-Forschungsstation Jubany. Seit 1994 betreibt das Alfred-Wegener-Institut in Kooperation mit dem "Instituto Antárctico Argentina (IAA)" hier das Dallmann-Labor.

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Weitere Informationen
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Gesundheitsforschung

Mit rund 14% der Forscher/-innen und knapp 15% der FuE-Ausgaben gehört die Medizin zu den wichtigsten Forschungsgebieten Argentiniens.

Der Nationalrat für die Programme der Gesundheitsforschung (Comisión Nacional de Programas de investigación Sanitaria, CONAPRIS) legt die Prioritäten der Wissenschaft fest. Die Nationale Akademie für Medizin fördert neben dem CONAPRIS  Forschungsprojekte in verschiedenen Bereichen der Medizin.

Die Hauptforschungsfelder im Bereich Medizin sind allgemeine Medizin, Kardiologie, Krebserkrankungen, Stoffwechsel- und Blutkrankheiten sowie neuronale Krankheiten. Die Nuklearmedizin gehört ebenfalls zu den wichtigen Gebieten.

Forschung wird v.a. in staatlichen Krankenhäusern und Universitäten sowie in staatlichen und privaten Forschungsinstituten durchgeführt. Private Krankenhäuser und private Universitäten spielen eine untergeordnete Rolle.  

Das staatliche Krankenhaus Prof. Garrahan führt Grundlagen- und angewandte Forschung von Kinderkrankheiten durch. Viel versprechend sind Forschungsaktivitäten im Bereich der multiplen Sklerose bei Kindern. Seit einigen Jahren bestehen Kooperationen mit Wissenschaftlern aus Toronto, New York und Finnland. 

Die nationale Verwaltung der Gesundheitsinstitute und Labore (ANLIS) ist die Nachfolgeorganisation des renommierten nationalen Instituts für Ansteckungskrankheiten Malbran. Elf untergeordnete Institute führen Forschungstätigkeiten im Bereich der Epidemiologie, Atmungskrankheiten, Parasiten und Viren sowie Hauterkrankungen und Ernährung durch. 

Die im Jahre 1975 gegründete private Stiftung Favarolo ist eines der wichtigsten kardiologischen Institute Lateinamerikas. Zurzeit wird dort mit Erfolg und weltweiter Resonanz an der Anwendung von Impfstoffen gearbeitet, um Herzkrankheiten zu bekämpfen.

Die ebenfalls private Stiftung für die Bekämpfung neurologischer Kinderkrankheiten (Instituto Fleni) führt nicht nur Grundlagen- und angewandte Forschung im Bereich der Neurologie durch, sondern befasst sich auch mit der Entwicklung neuer Techniken für Gefäßchirurgie.

Die Schwerpunkte des Instituts Leloir, eines der bedeutendsten nationalen biotechnologischen Institute, liegen heute nicht nur auf der biochemischen Grundlagenorschung, sondern auch in den Bereichen der genetischen und molekularen Medizin sowie der Immunologie.  

Das nach dem argentinischen Nobelpreisträger Milstein benannte Exzellenzzentrum (Centro de Investigación Milstein) bringt unter einem Dach Wissenschaftler des CONICET und der Stiftung Pablo Cassará zusammen. Mehr als 100 Gesundheitsforscher beschäftigen sich dort mit  Biotechnologie und molekularer Genetik. Im Vordergrund steht Grundlagenforschung auf den Gebieten Proteine, Immunologie, Peptiden, Molecular framing und Bioreaktoren.

Einige der wichtigsten Forschungsinstitute des Landes sind an der Medizinfakultät der Universität Buenos Aires angesiedelt. Darunter: das Institut für Zellforschung und angewandte Neurowissenschaften sowie die Institute für Morphologie, Biomembrane und Endokrinologie. Ebenfalls abhängig von der Universität ist das experimentelle Forschungszentrum (Instituto de Biología y Medicina experimental, IBYME), das der Nobelpreisträger Alberto Houssay 1943 gründete.

Die Schule für Nuklearmedizin (FUESMEN) wurde 1986 gegründet, und hat sich mitlerweile zu einem der führenden Zentren für Nuklearmedizin in Lateinamerika entwickelt. Durch die Stiftung für nukleare Diagnostik der Universität Buenos Aires (CEDIN) werden angewandte Forschungstätigkeiten von diversen Nuklearzentren in Argentinien unterstützt. Bereits abgeschlossen sind Verträge mit arabischen Ländern, um die Kooperation in diesem Bereich zu fördern. 

Das argentinische Forum für die Forschungen im Gesundheitssektor (FISA) arbeitet seit fast zehn Jahren im Bereich der Forschungsförderung im Gesundheitssektor. Generell versucht FISA den Austausch der medizinischen Forscher bzw. der privaten und öffentlichen Institutionen zu stärken, um das System in diesem Bereich effizienter zu gestalten.

In Argentinien werden fünf medizinische Zeitschriften publiziert. Die Forschungsartikel, die dort veröffentlicht werden, können durch die beiden nationalen Datenbanken Medline und Lilacs konsultiert werden.

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Grundlagenforschung

Asociación Civil de Estudios Populares (ACEP)
Die Asociación Civil de Estudios Populares (ACEP) ist eine Vereinigung zur Förderung der Grundrechte und Achtung der in der Verfassung verankerten demokratischen Werte. Zu den Arbeitsschwerpunkten der Vereinigung gehören Forschungen auf Gebieten wie Öffentliche Verwaltung und Management, Umwelt und nachhaltige Entwicklung, sowie regionale Integration, Technologiepolitik, Wirtschaft, Sicherheit u.ä.. ACEP ist ferner dem Netz der Forschungsinstitute der Regionalorganisation der christlich-demokratischen Parteien Amerikas (Organización Demócrata Cristiana de América - ODCA) angeschlossen und fördert in diesem Rahmen die Veranstaltung von Weiterbildungsseminaren. Zu ihren Zielgruppen gehören Beamte, Gesetzgeber und Bürgermeister. Ein weiterer Schwerpunkt sind Abkommen im Rahmen der internationalen Kooperation und Beratung mit nahestehenden Institutionen wie die Konrad-Adenauer-Stiftung in Deutschland und die Fundación Popular Iberoamericana in Spanien.

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Information und Kommunikation

Die ersten Forschungsinstitute für Telekommunikation und Information wurden bereits Ende der 1960er Jahre errichtet. Dennoch räumte Argentinien dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) keine Priorität ein. Es folgten zwei Jahrzehnte mit niedrigen Investitionen in diesem Sektor. Ab Mitte der 1980 Jahre gewann der IKT-Bereich langsam an Bedeutung und seit den letzten Jahren wird er als Priorität definiert.

Argentiniens "Informationsgesellschaft" 
Die Privatisierung des staatlichen Telefonunternehmens ENTel im Jahre 1990 beeinflusste die späteren Entwicklungen im Bereich der Neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (NIKT) maßgeblich. Zwar konnten mehr Haushalte an das Telefonnetz der spanischen Telefónica bzw. der französischen Telecom angeschlossen werden, dennoch weist die Verteilung der Telefonanschlüsse starke Disparitäten auf und es kam daher zu einem starken Preisanstieg. 

Durch verschiedene Programme versuchte die Regierung Argentiniens, jedem Bürger den Zugang zu neuen Kommunikations- und Informationstechnologien zu garantieren. Im Jahre 2000 begann das Nationale Programm für eine Informationsgesellschaft (PSI), das die Verbreitung des Zugangs zu diesen Medien vorantreiben und Speziallisten im Bereich Information und Kommunikation ausbilden soll. Ein besonderer Fortschritt im Bereich Bildung konnte durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien in Form des Bildungsportals educ.ar erreicht werden. Dieses wurde im Jahre 2000 durch eine Spende der Stiftung Varsavsky an das Bildungsministerium realisiert. 

Die Stiftung Vía Libre ist eine Organisation, mit dem Ziel, den Zugang zu neuen Informations- und Kommunikationstechnologien, besonders in Form von Bildungsmaterialien und Software, für alle Bevölkerungsschichten zu erleichtern. Jüngstes, durch die EU finanziertes, Projekt war die Errichtung der Bildungsplattform Science, Education and Learning in Freedom (SELF). 

Ausführliche Marktanalysen im Bereich Information und Kommunikation stellt die auf Forschung in diesem Sektor spezialisierte Firma Prince & Cooke zur Verfügung.

Forschungsaktivitäten
Das SECYT förderte ab 2003 das Strategische Programm für Technologie, Information und Kommunikation (Programa estratégico de TIC) die Forschung und Entwicklung des IKT-Bereiches. Zunehmend an Bedeutung gewinnt hierbei die Entwicklung von Softwareprodukten und deren Vermarktung. Um den Sektor zu unterstützen, errichtete das SEYCT einen Fond zur Förderung der Softwareindustrie (Fondo para la Promoción de la Industria del Software, Fonsoft). Außerdem wurde 2003 ein Gesetz verabschiedet, das Steueranreize für Softwareunternehmen, die Forschung und Entwicklung durchführen, anbietet.   

Das Nationale Institut für Industrielle Technologie (INTI) ist damit beauftragt, die Qualität der entwickelten Softwareprodukte zu überprüfen. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt die Argentinische Stiftung für operative Forschung und Informatik (Sociedad Argentina de Informatica e Investigación Operativa). Zu ihren Hauptaufgaben gehören die Verbreitung der Kommunikationstechniken und die Identifizierung von Möglichkeiten für die Informationsforschung. 

Die wichtigsten Forschungseinrichtungen sind an staatlichen Universitäten angesiedelt. 

  • Die Abteilung für Computerlehre an der Ingenieurwissenschaftlichen Fakultät der Universität Buenos Aires (UBA) ist die älteste Forschungseinrichtung dieses Fachbereichs in Argentinien. Die aktuellen Forschungsgebiete sind v.a. Entwicklung freier Software, Sprachdesign, Robotik, Verarbeitung von Bildern sowie Computernetze. 
  • Die Nationale Universität für Technologie (UTN) forscht in den Bereichen: Informatik, Kommunikationssysteme mit Stimme, Bild und Daten. Ihre 24 regionalen Fakultäten und fünf akademischen Einrichtungen sind über das ganze Land verteilt. 
  • Forschung in den Bereichen Informatik und -entwicklung, fortgeschrittene Informatik sowie neue Technologien wird ebenfalls an der Fakultät für Informatik der Nationalen Universität von La Plata durchgeführt.   

Projekte internationaler Kooperation

Microsoft Research führt im Rahmen seiner Lateinamerika-Programme Forschungsprojekte mit der Nationalen Technologische Universität (UTN), der Universität von La Plata und der Universität Buenos Aires auf den Gebieten Software, Sprachdesign und Robotik durch. 

Argentinien und Brasilien beabsichtigen, im IKT-Bereich zu kooperieren. Ein gemeinsames Arbeitsprogramm ist in Vorbereitung. 

Nachrichten über Robotik inden sich unter: robots-argentina.com.ar/robots.htm

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Mobilität und Raumfahrt

Luft- und Raumfahrt werden vom argentinischen Staat seit mehr als einem halben Jahrhundert kontinuierlich gefördert. Es gibt ein Raumfahrtzentrum in der Provinz von Cordoba und sechs argentinische Satelliten, die Klimadaten übermitteln und Telekommunikation ermöglichen.

Die Nationale Raumfahrtkommission (Comisión Nacional de Actividades Espaciales, CONAE) verwirklicht, kontrolliert und verwaltet alle argentinischen Projekte und Aktivitäten im Bereich der Luft- und Raumfahrt. Sie ist ebenfalls zuständig für die Vorbereitung des Nationalplans für Luft- und Raumfahrt (Plan Espacial Nacional).

Der Nationalplan für Luft und Raumfahrt 2004-2015 sieht den Bau von drei neuen Satelliten, die Errichtung von zwei Empfangstationen (in Feuerland und in der Antarktis) sowie zahlreiche Forschungsaktivitäten vor. Um diese Ziele zu erreichen, stellt der Staat ca. 400 Mio. USD zur Verfügung. Die internationale Gemeinschaft beteiligt sich an diesem Vorhaben mit ca. 900 Mio. USD. Besonderen Wert legt Argentinien auf die Durchführung gemeinsamer Projekte mit internationalen Partnern. Der Nationalplan sieht für diese Fälle vor, dass Argentinien 30% der Kosten übernimmt.

Das 2001 gegründete Exzellenzzentrum Mario Gulich bildet Spitzenwissenschaftler aus und führt eigene Forschungsaktivitäten und internationale Kooperationsprojekte durch. Die aktuellen Schwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Nutzung von Raumfahrttechnologien, um Warnsysteme für Naturkatastrophen und Gesundheitsepidemien zu entwickeln.

Im Bereich der Forschung, Entwicklung und Konstruktion von Satelliten ist das staatliche Unternehmen INVAP tätig. Im Oktober 2014 ist mit Arsat-1 der erste in Argentinien produzierte Satellit in seine Umlaufbahn eingetreten. Zwei weitere (Arsat-2 und Arsat-3) sollen 2015/2017 folgen. Primäre Aufgabe der Satelliten ist es die Telekommunikation in entlegenen Provinzen zu verbessern.

Weitere Informationen
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Physikalische und chemische Technologien

Nanotechnologie

Nano- und Mikrotechnologie werden von der Regierung und der argentinischen Wissenschaft seit einigen Jahren als vorrangige Forschungsgebiete angesehen. Forschung und Entwicklung sowie die Bildung von Nachwuchswissenschaftler/-innen in diesem Sektor werden seit einigen Jahren besonders gefördert. Die FuE-Beteiligung des privaten Sektors ist aktuell noch nicht sehr hoch, dennoch nimmt das Interesse zu. Einige Großunternehmen besitzen schon eigene Forschungseinrichtungen.  

Diese Aktivitäten werden vom Institut für Nanowissenschaft und Nanotechnologie (Instituto de Nanociencia y Nanotecnología, INN-CNEA), das der Nationalen Kommission für Atomenergie (CNEA) zugeordnet ist, koordiniert und geplant. Außerdem organisiert das Institut jährliche Treffen, um den Dialog zwischen Forschungseinrichtungen zu fördern.   

Eine wichtige Rolle spielen die in den letzten Jahren gegründeten privaten Stiftungen, wie die Stiftung für Nanotechnologie (Fundación Argentina de Nanotecnología, FAN). Ihre Haupttätigkeiten sind die Identifizierung von Möglichkeiten nationaler und internationaler Kooperation sowie die Verbindung des privaten und des Forschungssektors. Weitere Möglichkeiten bieten außerdem die bereits errichteten nationalen Netze für Nanowissenschaft und –technologie, da sie für die enge Zusammenarbeit der Wissenschaftler sorgen. 

Hauptforschungsgebiete sind:

  • Elektronik und Informatik, 
  • Metrologie, 
  • Mechanik sowie 
  • Materialien.

Die Forschungseinrichtungen in Argentinien sind heute schon in der Lage, Projekte durchzuführen auf den Feldern der nanostrukturierten Materialien, selbstreinigenden Oberflächen, elektronischen Rischsensoren  und Magnetometern sowie der Oberflächenprozesse für die Entwicklung wasserdichter Materialien.   

Das Atomzentrum Constituyentes (Centro Atómico Constituyentes) beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit angewandeten Projekten der Nanotechnologie. Vor Kurzem wurde der "Nase" entwickelt, ein Sensor, der die Qualität von Lebensmitteln identifizieren kann. Außerdem wird dort an Gas-Sensoren gearbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt ist die molekulare Bioelektronik. Zurzeit finanziert die US-Firma Motorola einige Projekte in diesen Bereichen. 

Die Universitäten Buenos Aires und La Plata führen seit mehr als 15 Jahren in ihren eigenen Instituten Forschung auf dem Gebiet der molekularen Elektrochemie durch (Grundlagenforschung und angewandte Forschung). Unterstützt werden sie hauptsächlich vom CONICET. Weitere führende nationale Institute sind das Zentrum für Innovation in Mikro- und Nanotechnologie des renommierten Nuklearinstituts Balseiro und das Nationale Institut für industrielle Technologie (INTI). Auch das Nationale technische Agrarinstitut (INTA) hat sein Interesse geäußert, Aktivitäten in der Nanobiotechnologie durchzuführen.

Projekte internationaler Kooperation

Eine engere Zusammenarbeit zwischen Argentinien und Brasilien im Bereich der Nanowissenschaften und Nanotechnologie garantiert das vor kurzem errichtete brasilianisch-argentinische Zentrum für Nanowissenschaften und Nanotechnologie (CABNN). Das Zentrum kümmert sich hauptsächlich um die Ausbildung von Forscher/-innen den regelmäßigen Austausch von Student/-innen und Wissenschaftler/-innen, die Durchführung gemeinsamer Projekte sowie um die Organisation gemeinsamer Symposien in den oben genannten Bereichen. 

Zur Förderung einer effizienten Zusammenarbeit zwischen Europa und Lateinamerika im Bereich der Nanotechnologie wird das von der niederländischen Universität Twente koordinierte Projekt NanoforumEULA von der EU finanziert. Lateinamerikanische Forscher/-innen erhalten dadurch die Möglichkeit zum Aufenthalt in verschiedenen europäischen Nanotechnologiezentren. Im Vergleich zu Mexiko und Brasilien ist die Beteiligung Argentiniens an diesen Aktivitäten eher gering.

Neue Materialien

Zahlreiche Forschungsinstitute und Wissenschaftler/-innen beschäftigen sich mit der technologischen Erforschung von Materialien. Der einst blühende Sektor leidet seit vielen Jahren unter Geldmangel. Experimentelle Forschung ist angesichts der veralteten Infrastruktur aktuell kaum möglich.

Schwerpunkte sind Design und Verbesserung neuer Materialien. Die Nationale Kommission für Atomenergie (CNEA) koordiniert und überwacht die Aktivitäten des Sektors. Außerdem führt sie seit mehr als einem halben Jahrhundert Forschung und Entwicklungsaktivitäten in ihrem eigenen Forschungsinstitut (Departamento de Materiales) durch. Schwerpunkte liegen in: Keramische und metallische Materialien, Kohlefasern, Leitermaterialien (conductores), Magnete.

Das Nationale Institut für industrielle Technologie (INTI) ist ebenfalls ein wichtiges nationales Forschungsinstitut. Zurzeit wird an der Entwicklung kryogener Prozesse gearbeitet, die die Dauerbeständigkeit der Produkte verbessern sollen.

Das private Forschungsinstitut der Firma TenarisSiderca (Centro de Investigacion industrial Tenaris, CINI) führt seit 20 Jahren Forschungstätigkeiten im Bereich der Eisenkunde aus. Ca. 100 Forscher/-innen beschäftigen sich dort mit Grundlagenforschung im Bereich der Materialien und numerischen Methoden sowie mit angewandter Forschung und Entwicklung von Eisenhüttenprodukten. Das Institut verfügt jährlich über ca. 7 Mio. USD.

Im Juli 2006 wurde die vierte Etappe des Programms zum Fortschritt der Wissenschaft im Technologiebereich durch die Firma DuPont S.A. und CONICET mit dem Schwerpunkt "Neue Materialien" begonnen. In diesem Jahr erhalten Wissenschaftler/-innen mit einem Forschungsschwerpunkt in diesem Bereich finanzielle Unterstützung für ihre Projekte.

Im Bereich der Grundlagenforschung sowie der Ausbildung von Wissenschaftlern/-innen sind unter anderem die öffentlichen Universitäten von Buenos Aires, La Plata und Bahia Blanca, die Nationale technologische Universität (UTN) und die private technische Hochschule Buenos Aires (ITBA) tätig.

Nukleartechnologie

Die argentinische Nukleartechnologie begann vor mehr als einem Jahrhundert mit der Konzeption einer staatlichen Politik zu Förderung dieses Sektors. Dieses führte zur Entwicklung und Konstruktion der zwei in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke Argentiniens, der Entstehung von Produktionsstädten für Uran und Wasserstoff sowie zur Errichtung einiger Forschungsinstitute. Im Laufe der Jahre sanken Interesse und finanzielle Unterstützung, so dass das dritte Atomkraftwerk noch nicht in Betrieb genommen werden konnte.

Die im Jahre 1950 gegründete Nationale Kommission für Atomenergie (Comisión Nacional de Energía Atómica, CNEA) ist dem Ministerium für Planung und öffentliche Ausgaben unterstellt. Sie ist die wichtigste Behörde für die friedliche Nutzung der Kernenergie. Aufgabe der Kommission ist es, die Forschung und Entwicklung friedlicher Nutzung auf diesem Gebiet sowie den Technologietransfer in diesem Bereich voranzutreiben. Forschungsprojekte werden primär durch die drei Atomzentren (Bariloche, Constituyentes und Ezeiza s.u.) forciert. Die CNEA hat auch eine eigene Abteilung (Departamento de Materiales), die Grundlagenforschung und Entwicklung im Bereich der Nuklearenergie durchführt. 

Die drei wissenschaftlichen Schwerpunkte im Bereich der Nukleartechnologie sind:

  • Entwicklung von Versuchsreaktoren für Forschung und Produktion,
  • Entwicklung neuer Technologien für die Urananreicherung sowie
  • Forschung, Entwicklung, Produktion und Anwendung von Radioisotopen und der Ionenstrahlung.

Das wichtigste Forschungszentrum für Atomenergie ist das vor mehr als 50 Jahren gegründete Atomzentrum Bariloche (Centro Atómico Bariloche, CAB). Vorangetrieben wird die Forschung und Entwicklung im Bereich der Grundlagenphysik sowie in der angewandten Physik und der Nuklearenergie.

Die wichtigsten Forschungsgebiete sind:

  • Reaktorphysik,
  • Prozesskontrolle,
  • Thermohydraulik,
  • nukleare und radiologische Sicherheit sowie
  • Aktivierung von Neutronen.

Das Institut Balseiro (IB) ist Teil des Atomzentrums Bariloche (CAB) und ist für die akademische Ausbildung von Spitzenwissenschaftlern zuständig.

Das Atomzentrum Constituyentes (Centro atómico Constituyentes) ist ebenfalls mit mehr als 700 Forscher/-innen und Techniker/-innen ein wichtiges Zentrum für Grundlagen- und angewandte Forschung sowie Entwicklung der Atomenergie. Zu seinen Aufgaben gehören außerdem die Konstruktion von Prototypreaktoren und Lehrtätigkeiten.

Forschung und Entwicklung wird außerdem im Atomzentrum Ezeiza (Centro Atómico Ezeiza) betrieben. Hier liegen die Schwerpunkte auf Nukleartreibstoff, radioaktiven Materialien, Lebensmittelbestrahlung, Radioisotopen und Radiochemie.

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Umwelt- und Klimaforschung

Antarktisforschung
Die argentinischen Aktivitäten in der Antarktis begannen bereits 1904 mit dem Aufbau einer Wetterstation auf der Laurieinsel. Zurzeit operieren dort sechs ganzjährige und sieben saisonale wissenschaftliche Stationen. Auf der Seymour Insel befindet sich die Zentralstation Marambio.  

Die 1968 gegründete Nationale Direktion für die Antarktis (Dirección Nacional de la Antártida) plant, leitet, koordiniert und kontrolliert die argentinischen wissenschaftlichen und technischen Aktivitäten. Sie ist dem Außenministerium zugeordnet. 

Die wissenschaftlichen Projekte werden hauptsächlich vom argentinischen Institut für die Antarktis (Instituto Antártida Argentina, IAA) durchgeführt.   

Schwerpunkte der Antarktisforschung sind:

Physikalisch-chemischer Sektor: 

  • beschreibende und dynamische Meereskunde
  • Globale Wandel des Ökosystems
  • Umweltchemie
  •  Meeresverschmutzung 
  • Atmosphäre und Astronomie

Biologischer Sektor:

  • Antarktische Ökosysteme
  • Schutz der Umwelt 
  • Rationaler Verbrauch der Ressourcen der Ozeane

Argentinien hat die Absicht geäußert, mit Ländern der Spitzenforschung enger zusammenarbeiten zu wollen. Im Fokus des Interesses steht der Transfer von Know-how. Im Hinblick darauf wurde seit 2006 das jährliche Budget erhöht und zusätzliches Geld bereitgestellt, um die bestehende Infrastruktur zu modernisieren. 


Projekte internationaler Kooperation
Im Rahmen des Internationalen Antarktis Jahres 2007-2008 arbeitet Argentinien mit den führenden Antarktisforschungseinrichtungen weltweit zusammen. Argentinische Wissenschaftler leiten bzw. wirken bei zahlreichen Projekten mit. 

In der Meeres- und Antarktisforschung arbeitet Argentinien, vertreten durch die Fakultät der Bio- und Naturwissenschaften der Staatlichen Universität Buenos Aires (UBA), eng mit dem Alfred-Wegener Institut für Meeres- und Polarforschung (AWI) zusammen. 

IAA und das Labor Bio Sidus arbeiten in dem Projekt "Genoma blanco" zusammen. Isoliert und untersucht werden Bakterien, die sich an die antarktische Umwelt angepasst haben.  

Kooperationsprojekte:  www.dna.gov.ar/CIENCIA/IPY.PDF

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