Indikatoren für Bildung

Indikator

Mexiko

Deutschland

OECD-Gesamt

Stand

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Bildung insgesamt [Prozent]

5,3

4,2

5,0

2015

Wachstum des Bildungsanteils am BIP (Differenz des BIP-Bildungsanteils zu dem des Vorjahres in Prozentpunkten) [Prozent]

-0,1

-0,1

-0,2

2015

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: tertiäre Bildung [Prozent]

1,4

1,2

1,5

2015

Öffentlicher Anteil an den Ausgaben für tertiäre Bildung [Prozent]

71

83

66

2015

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

1

4

2

2016

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

4,244

3,043

k.A.

2016

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender im Land [Prozent]**

0

8

6

2016

Anzahl Promovierender insgesamt

38.770

197.000

k.A.

2016

Anteil internationaler abschlussorientierter Promovierender im Land [Prozent]**

3

9

26

2016

Anteil 25- bis 34-Jähriger mit einem Abschluss im Tertiärbereich [Prozent]

23

31

44

2017

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften (Ingenieurwissenschaften) [Prozent]

3 (21)

9 (22)

6 (14)

2016

PISA-Ergebnisse: Lesen [Punktzahl (Platzierung)]

423 (55)

509 (12)

493

2015

PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften [Punktzahl (Platzierung)]

416 (58)

509 (16)

493

2015

PISA-Ergebnisse: Mathematik [Punktzahl (Platzierung)]

408 (56)

506 (16)

490

2015

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Quellen: "OECD - Education at a Glance 2018", UNESCO Institute for Statistics und "OECD - PISA 2015. Ergebnisse im Fokus"
Redaktion: 12.11.2018, von: Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

* OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.
** OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss in dem jeweiligen Land anstreben.

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Schulen und Hochschulen

Das mexikanische Schulsystem wird  im Rahmen der OECD-Studie („Strong Foundations for Quality and Equity in Mexican Schools“, OECD-Studie 2019a) ausführlich beschrieben. Die Einschreibung in die dreijährige Vorschule für die Altersgruppe der 3-5jährigen ist bereits verpflichtend. Ein ungewöhnliches Merkmal des mexikanischen Schulsystems ist, dass es bereits für Schülerinnen und Schüler in der sechsjährigen Primarstufe unterschiedliche Zweige gibt (allgemein, indigen, Gemeinschaft). Dies setzt sich in der dreijährigen Sekundarstufe I fort. Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in der Grundschule und Sekundarstufe I beträgt nach jüngsten Daten etwa 26 Millionen, dazu kommen weitere 5 Millionen. in der Sekundarstufe II. Der Staat vergibt zur Unterstützung des Schulbesuchs etwa 7 Millionen Stipendien.

Seit 2013 ist der Schulbesuch in der Sekundarstufe II im Alter von 15-17 Jahren grundsätzlich Pflicht. Angestrebt wird die vollständige Umsetzung bis zum Jahr 2022. Bisher besuchen nur etwa 57 Prozent der Jahrgänge von 15-19 Jahren die Schule; mit diesem geringen Anteil ist Mexiko in der OECD Schlusslicht. Von den Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II (Educación Media Superior) entscheidet sich die große Mehrheit für allgemeinbildende oder kombinierte Schulen, deren Abschluss nach 3 Jahren zum Besuch einer Hochschule berechtigt. Nur eine Minderheit wählt den berufsbildenden Zweig, um nach 2-3 Jahren einen Berufsausbildung abzuschließen (siehe nächster Abschnitt).

Ausführliche Informationen zu dem mexikanischen Hochschulsystem enthalten die Studien „Higher Education in Mexiko: Labour Market Relevance and Outcomes“ (OECD-Studie 2019b) sowie „The Future of Mexican Higher Education“ (OECD-Studie 2019c).

Der Zugang zu den mexikanischen Hochschulen ist unterschiedlich gestaltet. Für einige mexikanische Hochschulen reicht die Hochschulzugangsberechtigung, die durch Abschluss der Sekundarstufe II erworben wird (bachillerato oder im Fall des kombinierten Schulzweiges bachillerato técnico), andere Hochschulen mit großem Prestige wenden weitere Kriterien an und/oder führen Aufnahmeprüfungen durch. Grundsätzlich stehen folgende Studiengänge zur Wahl: ein zweijähriges Studienprogramm auf dem ISCED-Level 5 (Abschluss: técnico superior universitario or profesional asociado) oder ein vier- bis fünfjähriges Bachelor-Programm auf dem ISCED-Level 6 (Abschluss: licenciatura universitaria oder licenciatura tecnológica). Dieser Abschluss ermöglicht den Zugang zu ISCED Level 7- Programmen, entweder einem 1-jährigen Aufbaustudiengang (especialización) oder einem zwei-jährigen Master-Programm (maestría). Der Masterabschluss berechtigt zur Aufnahme eines Promotionsstudiums auf dem ISCED-Level 8, das nach einem Minimum von zwei Jahren mit dem Doktortitel (doctorado) abschließt. Im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Staaten spielen in Mexiko die Kurzzeitstudiengänge nur eine untergeordnete Rolle, ganz überwiegend werden licenciatura -Studiengänge gewählt.

Die Anzahl der Studierenden hat sich in Mexiko sehr dynamisch entwickelt: Während 1950 nur ein Prozent der entsprechenden Jahrgänge ein Studium aufnahm, lag diese Quote 2017 bei 22 Prozent. Dazu kommt das Bevölkerungswachstum, so dass sich die Anzahl der Studierenden zwischen dem Jahr 2000 und 2017 praktisch verdoppelt hat (siehe OECD-Studie 2019b, Figure 2.3). Inzwischen gibt es in Mexiko 4,5 Mio. Studierende und es wird aufgrund der Einführung der Schulpflicht in der Sekundarstufe II mit einem weiteren Zuwachs gerechnet.

Studiengebühren werden sowohl in privaten als auch in öffentlichen Einrichtungen erhoben, in sehr unterschiedlicher Höhe. Nach den Zahlen der OECD-Studie fallen für einen vierjährigen Bachelorstudiengang an öffentlichen Hochschulen jährlich etwa 400 USD und in privaten Hochschulen jährlich 1.700 bis 12.000 USD an. Mexiko liefert bisher keine Daten an die OECD, die es erlauben, die jährlichen Studiengebühren einem kaufkraftbereinigten Vergleich mit anderen Ländern zu unterziehen (Education at a Glance 2018). Es gibt auf Bundesebene keine Studienkredite, das mexikanische Bildungsministerium unterstützt jedoch etwa 20 Prozent der Studierenden mit einem Stipendium. Dennoch ist soziale Segregation nach wie vor ein Thema im Hochschulbereich: Knapp die Hälfte der Studierenden in Mexiko stammt aus dem wohlhabendsten Fünftel der Haushalte.

Der wichtigste Hochschulverband in Mexiko ist der Nationale Verband für Universitäten und Einrichtungen für Höhere Bildung (Asociación Nacional de Universidades e Instituciones de Educación Superior, ANUIES), der fast 200 hauptsächlich staatliche Hochschulen zusammenführt. An den insgesamt etwa 985 staatlichen Hochschulen sind zwei Drittel aller mexikanischen Studierenden eingeschrieben. Das Hochschulwesen ist außerordentlich komplex und umfasst eine Vielzahl von Typen (Überblick OECD-Studie 2019b, S. 92). Dazu zählen die Bundesuniversitäten und die bundesstaatlichen Universitäten die weitgehend autonom sind:

  • Zu den 9 Bundesuniversitäten gehören die ältesten und renommiertesten Hochschulen des Landes: 1910 wurde der Vorgänger der 1929 etablierten Universidad Autonoma de Mexico (UNAM) gegründet. Um den wachsenden Bedarf an technischen Arbeitskräften zu decken, wurde ab 1936 das Instituto Politécnico Nacional (IPN) aufgebaut, 1961 fügte man das Zentrum für Forschung und Postgraduiertenstudien (Centro de Investigación y de Estudios Avanzados del IPN, CINVESTAV) hinzu. Als in den 1970er Jahren die Anzahl der Studierenden in Mexiko-Stadt stark zunahm, wurde eine neue Bundesuniversität, die Universidad Autónoma Metropolitana (UAM) ins Leben gerufen. An den 9 Bundesuniversitäten studieren heute 13 Prozent der Studierenden. Die Standorte beschränken sich nicht mehr auf Mexiko-Stadt, sondern sind über das Land verteilt.
  • In die Zuständigkeit der Bundesregierung fallen auch 128 Institute für Technologie: sie waren zunächst direkt dem Bildungsministerium (SEP) unterstellt und sind seit 2014 Teil des Tecnológico Nacional de México (TecNM).
  • Die 34 bundesstaatlichen Universitäten nehmen heute den größten Anteil der Studierenden, nämlich 26 Prozent auf. Jeder Bundesstaat verfügt über mindestens eine solche Universität.  Zur Finanzierung tragen sowohl Bundesregierung als auch Bundesstaaten bei.

Nur eingeschränkte Autonomie genießen die folgenden Einrichtungen der Bundesstaaten, die meist anteilig durch Bundesstaaten und Bundesregierung finanziert werden: 113 technologische Universitäten, die die wichtigsten Anbieter von 2jährigen verkürzten Studiengängen sind, 134 dezentralisierte Institute für Technologie, 61 Polytechnische Universitäten, 22 bundesstaatliche Universitäten mit Solidarunterstützung sowie 276 Colleges für die Ausbildung von Lehrkräften.

Im Zuge der Gründung von 11 Interkulturellen Universitäten wurden Einrichtungen in stark indigen geprägten Regionen aufgebaut, die Kurse auf universitärem Niveau in der Sprache der jeweiligen indigenen Volksgruppe anbieten. Die erste dieser Universitäten, die Interkulturelle Universität Mexiko (UIEM), wurde im akademischen Jahr 2004-2005 eingeweiht, um Studierende der Ethnien Mazahua, Nahua, Otomí, Tlahuica und Matlazinca aufzunehmen.

Eine eigene Kategorie im Hochschulbereich stellen die 37 öffentlichen Forschungszentren (Centros Públicos de Investigación, CPI) dar, die Studiengänge für Postgraduierte anbieten. Die CPI umfassen das System der 27 Forschungszentren des Nationalen Rats für Wissenschaft und Technologie (Consejo Nacional de Ciencia y Tecnología, akademische Ausbildung CONACYT-Forschungszentren) sowie 10 weitere Zentren an ausgesuchten Bundesuniversitäten und bundesstaatlichen Hochschulen. Postgraduiertenstudiengänge werden allerdings auch außerhalb der CPIs durch viele Typen von Universitäten und andere Forschungseinrichtungen außerhalb des CONACYT angeboten (wie zum Beispiel durch das Nationale Institut für Strom und Saubere Energien (Instituto Nacional de Investigaciones Eléctricas y Energías Limpias, INEEL-Studienprogramm). Insgesamt gibt es in Mexiko über 2000 Postgraduiertenstudiengänge, die durch CONACYT evaluiert und klassifiziert (Programa Nacional de Posgrados de Calidad, PNPC) werden.

Etwa ein Drittel der mexikanischen Studierenden besucht eine der etwa 2.600 privaten Hochschulen. Zu den bekanntesten zählt das gemeinnützige Institut für Technologische und Höhere Studien Monterrey (Instituto Tecnológico y de Estudios Superiores de Monterrey, ITESM oder auch TecMonterrey), das 1943 gegründet wurde. Es ist heute in 29 Bundesstaaten mit Niederlassungen präsent. Neben grundständigen und Postgraduierten-Studiengängen bietet TecMonterrey auch Weiterbildungskurse an. Unter den privaten Hochschulen gibt es große Qualitätsunterschiede.  Diejenigen Hochschulen, die sich dem Verband der Privaten Mexikanischen Hochschulen (Federación de Instituciones Mexicanas Particulares de Educación Superior, FIMPES, mehr als 80 Mitglieder) anschließen wollen, müssen sich einer Qualitätsprüfung stellen.

Die Bildungsergebnisse der mexikanischen Schulen sind bisher alles andere als überzeugend, da Mexiko in den PISA-Tests regelmäßig hintere Rangplätze belegt. Das Land kann jedoch bei der Hochschulbildung Pluspunkte sammeln, gerade auch im Vergleich zu Brasilien: So liegt der Anteil der 25-34jährigen mit einem Abschluss im Tertiärbereich inzwischen über 20 Prozent, in Brasilien darunter. Ein weiterer Pluspunkt Mexikos ist die starke Stellung der technischen Studiengänge. Mit über 20 Prozent hat Mexiko einen mehr als doppelt so hohen Anteil an neuen Studienabschlüssen in den Ingenieurwissenschaften wie Brasilien und erreicht fast dieselben Werte wie Deutschland (siehe Bildungsindikatoren).

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Berufliche Bildung

Innerhalb der Sekundarstufe II gibt es die Möglichkeit, sich durch den Besuch des kombinierten Schulzweiges, der mit dem technischen Fachabitur (bachillerato técnico) abschließt, auf einen Beruf vorzubereiten. Eine Berufsausbildung im engeren Sinne wird durch Besuch des berufsbildenden Schulzweiges erlangt, der ab dem Alter von 15 Jahren eine professionelle technische Ausbildung (educación profesional técnica) gewährt.

Von zentraler Bedeutung für den berufsbildenden Schulzweig ist die staatliche Nationale Schule für die Technische Berufsausbildung (Colegio Nacional de Educación Profesional Técnica, CONALEP). Sie wurde 1978 gegründet  und ist in Mexiko an über 300 Standorten (planteles) vertreten. Am CONALEP besteht die Möglichkeit, innerhalb von zwei Jahren den Abschluss professionelle(r) Techniker/-in (profesional técnico) oder innerhalb von drei Jahren die Fachhochschulreife (profesional técnico bachiller) zu erlangen. Angeboten werden 57 verschiedene Ausbildungen (carreras), von denen mit 38 die Mehrzahl in den technisch-industriellen Bereich fällt, während 19 Ausbildungen für Dienstleistungsberufe qualifizieren (Übersicht Bildungsangebot CONALEP 2018 - 19). Für einige Berufe gibt es inzwischen auch die Möglichkeit, die rein schulische Berufsausbildung durch einen dualen Ansatz zu ersetzen, bei dem ein Teil der Ausbildung im Betrieb durchgeführt wird (Modelo Mexicano de Formación Dual, MMFD). Das Angebot ist bisher jedoch beschränkt, 2018 gaben 11,8 Prozent der an einer Umfrage Teilnehmenden an, dass sie das MMFD nutzen konnten (CONALEP-Bericht, Informe de Empleabilidad y Seguimento de Egresados 2018).

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