FuE-Indikatoren

Indikator

Mexiko

Deutschland

OECD

Stand

Nationale FuE-Ausgaben [Mio. USD*]

11.026

118.159

1.266.135

2016

FuE-Ausgabenwachstum im Vergleich zum Vorjahr [Prozent]

-3,5

3,7

2,3

2016

FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

0,5

2,9

2,3

2016

Anteil der FuE-Ausgaben des Staates am BIP [Prozent]

0,3

0,8

0,6

2016/16/15

Anteil der FuE-Ausgaben der Wirtschaft am BIP [Prozent]

0,1

1,9

1,4

2016

Ausgaben für FuE in Unternehmen (BERD) [Mio. USD*]

3.440

80.537

875.912

2016

Anteil der öffentlich finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen (direkter Förderanteil) [Prozent]

33,2

3,4

6,0

2016/16/15

Anteil der vom Ausland finanzierten Ausgaben für FuE in Unternehmen [Prozent]

0,7

6,7

7,4

2016/16/15

Ausgaben für FuE in Hochschulen (HERD) [Mio. USD*]

3.013

21.314

221.528

2016

Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in Hochschulen [Prozent]

0,8

13,8

6,2

2016/16/15

Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen (GOVERD) [Mio. USD*]

4.105

16.307

138.301

2016

Anteil der unternehmensfinanzierten Ausgaben für FuE in außeruniversitären öffentlichen Forschungseinrichtungen [Prozent]

0,8

11,2

3,5

2016/16/15

Anzahl der Forschenden (Vollzeitäquivalente)

29.921

400.821

4.770.739

2013/16/15

Anzahl der Forschenden (VZÄ) je 1000 Beschäftigte

0,8

9,2

8,3

2013/16/15

Anteil der Forschenden (VZÄ) in privaten Unternehmen [Prozent]

24,5

58,9

61,4

2013/16/15

Anteil internationaler Ko-Patente an Patentanmeldungen unter dem Vertrag über Patentzusammenarbeit (PCT) [Prozent](1)

24,7

16,9

7,7

2014

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* in laufenden Preisen, kaufkraftbereinigt

Quellen:
OECD.Stat Main Science and Technology Indicators, Stand Juli 2018
(1) OECD.Stat Patents Statistics, Stand Oktober 2017

Redaktion: 29.10.2018, von: Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

In den OECD-Ländern mit überwiegend hohem Einkommen finanziert meist die inländische Wirtschaft den größten Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (OECD Gesamt 61 Prozent, Deutschland 65 Prozent). Die Anteile betragen für den Staat knapp 27 bzw. 28,5 Prozent und für das Ausland 6 Prozent (OECD Gesamt und Deutschland).

Bis zum Jahr 2007 gab es in Mexiko einen Trend hin zum OECD-Modell mit  wachsenden Anteilen der inländischen Wirtschaft bei zurückgehenden Anteilen des Staates. Seit 2007 hat sich der Trend jedoch umgekehrt: Bis 2016 wuchsen die gesamten FuE-Ausgaben in Mexiko um 50 Prozent. Da der mexikanische Staat und nicht die inländische Wirtschaft das Mehr an Ausgaben finanziert, haben sich die Gewichte bei der Finanzierung zwischen 2007-16 um 20 Prozent zugunsten des Staates und zulasten der Wirtschaft verschoben. Der private Sektor hat an Bedeutung eingebüßt, vor Allem bedingt durch den öffentlichen Mittelaufwuchs. Mexiko hat sich somit stark vom OECD-Modell entfernt.

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Bei der Durchführung von Forschung und Entwicklung nehmen die Unternehmen in den OECD-Ländern meist eine dominante Rolle ein (Anteile für Deutschland und OECD Gesamt liegen bei 68 und 69 Prozent).

In Mexiko sind die FuE-Ausgaben in Unternehmen zwischen 2007-16 bei 3,1 Mrd. USD (inflationsbereinigt) ungefähr stabil geblieben. Gewachsen sind die Ausgaben für FuE in Hochschulen von 2,1 auf 2,7 Mrd. USD, und die für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen haben sogar einen deutlichen Zuwachs von 2 auf 3,7 Mrd. USD erfahren. Folgerichtig sind die Anteile der Unternehmen an der Durchführung von FuE geschrumpft und innerhalb des öffentlichen Sektors liegen mittlerweile – ebenfalls gegen den OECD-Trend – die außeruniversitären Forschungseinrichtungen vor den Hochschulen. Der OECD-Raum und in geringerem Maße auch Deutschland sind hochschulzentriert (Verhältnis von GOVERD zu HERD von etwa 40 : 60, bzw. 45 : 55), in Mexiko beträgt das Verhältnis dagegen 57: 43.

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Forschungs- und Förderorganisationen

Dreh- und Angelpunkt im mexikanischen Forschungs- und Innovationssystem ist der Nationale Rat für Wissenschaft und Technologie CONACYT (Consejo Nacional de Ciencia y Tecnología), der 1970 gegründet wurde. CONACYT ist die zentrale Einrichtung für die Vergabe wettbewerblicher Förderung und beherbergt gleichzeitig die wichtigsten außeruniversitären Forschungszentren. In Abwesenheit eines Ministeriums für Wissenschaft ist CONACYT darüber hinaus politikgestaltend, koordinierend und evaluierend tätig (siehe unter Schulen und Hochschulen sowie Ministerien für Bildung und Forschung). Seit 2002 ist CONACYT direkt dem mexikanischen Staatsoberhaupt unterstellt.

Die außeruniversitären Forschungszentren des CONACYT (Überblick, eigene Webseite CONACYT-Forschungszentren) wurden ab 1971 aufgebaut. Die mexikanische Regierung verfolgte mit den Gründungen auch das Ziel, die wissenschaftliche Ausbildung und Durchführung von Forschung in Mexiko zu dezentralisieren. Aus diesem Grund sind die Zentren an über 98 Standorten in 30 Bundesstaaten verteilt (Quelle: Bernaras Iturrioz, A.: RIO Country Report 2015: Mexico, S. 11). Etwa 2.500 Forschende sind in den 27 Zentren beschäftigt, die seit kurzem in fünf Verbänden („Coordinaciones") zusammengefasst werden:

  • Verband 1: Materialwissenschaften, industrielle Fertigung und Prozesse: Vor allem diese CONACYT-Zentren sollen mit Unternehmen kooperieren, Auftragsforschung durchführen oder sonstige Dienstleistungen erbringen.
  • Verband 2: Physik, angewandte Mathematik und Datenwissenschaften
  • Verband 3: Umwelt, Gesundheit und Ernährung
  • Verband 4: Öffentliche Politik und Regionale Entwicklung
  • Verband 5: Gesellschaft und Kultur

Um die staatliche Politik, die regionale Entwicklung und den mexikanischen Unternehmenssektor besser zu unterstützen, werden die Zentren seit 2018 zusätzlich in einem oder mehreren Konsortien zusammengefasst, so zum Beispiel  für Luft- und Raumfahrt, für die Nahrungsmittelindustrie sowie für den Fahrzeugbau oder auch in regionalen Konsortien (Überblick Konsortien).

Außerhalb des CONACYT gibt es ebenfalls eine Reihe von außeruniversitären Forschungseinrichtungen: Das Nationale Institut für Anthropologie und Geschichte (Instituto Nacional de Antropología e Historia, INAH) ist für die Bewahrung und Erforschung des archäologischen und historischen Erbe Mexikos verantwortlich. Es gibt über 50.000 registrierte archäologische Stätten und eine geschätzte Anzahl von 125.000 historischen Denkmälern, von denen 11.000 registriert sind.

Wie in den meisten anderen Ländern verfügen auch in Mexiko das Ministerium für Landwirtschaft (in Mexiko als SAGARPA bezeichnet), das Ministerium für Umwelt (SEMARNAT) und das Ministerium für Gesundheit (SALUD) über eigene Ressortforschungseinrichtungen. Das Nationale Forschungsinstitut für Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Tierproduktion (Instituto Nacional de Investigaciones Forestales, Agricolas y Pecurarias, INIFAP)  ist die wichtigste Forschungseinrichtung des SAGARPA. Dem SEMARNAT unterstehen das Mexikanische Institut für Wassertechnologien (Instituto Mexicano de Tecnología del Agua, IMTA) und das Nationale Institut für Ökologie und Klimawandel (Instituto Nacional de Ecología y Cambio Climático, INECC). Dem Gesundheitsministerium unterstehen insgesamt 13 nationale Gesundheitsinstitute (Überblick). Das Nationale Institut für öffentliche Gesundheit (Instituto Nacional de Salud Pública, INSP) ist das zentrale Institut für öffentliches Gesundheitsmanagement, das Studien erstellt. Daneben gibt es diverse klinische Forschungszentren, so zum Beispiel für Krebserkrankungen (Instituto Nacional de Cancerologia, INCAN) und für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems (Instituto Nacional de Cardiología Ignacio Chávez, INCICH).

Auch das Wirtschaftsministerium (Secretaría de Economía, SE) hat mit dem 1983 gegründeten Nationalen Institut für Statistik, Geografie und Informatik (Instituto Nacional de Estadística, Geografía e Informática, INEGI) und dem Mexikanischen Geologischen Dienst (Servicio Geológico Mexicano, SGM) eigene Einrichtungen, die Forschung betreiben. SGM bietet auch Dienstleistungen für Unternehmen an. Die Einrichtung PRO MÉXICO wirbt um die Ansiedlung von ausländischen Unternehmen in Mexiko und unterstützt die Internationalisierung mexikanischer Unternehmen. Dem Innenministerium SEGOB untersteht das Nationale Institut zur Verhinderung von Naturkatastrophen (Centro Nacional de Prevención de Desastres, CENAPRED), das Informationen zu vulkanischer und seismischer Aktivität in Mexiko auswertet und die Bevölkerung vor Risiken warnt.

Mexiko hat 2012 eine eigene Agentur für Raumfahrt (Agencia Espacial Mexicana, AEM) gegründet, die dem Ministerium für Kommunikation und Transport (SCT) unterstellt ist.

Die höchsten Ausgaben für Ressortforschung trägt das Ministerium für Energie (SENER). Hintergrund ist die Stellung Mexikos als weltweit zehntgrößter Produzent von Erdöl. Das SENER finanziert die FuE-Ausgaben des Staatsunternehmens „Petróleos Mexicanos“ (PEMEX) und die des Mexikanischen Instituts für Erdöl (Instituto Mexicano del Petróleo, IMP), das bisher hauptsächlich für PEMEX gearbeitet hat. Im Rahmen der Deregulierung des mexikanischen Erdölsektors soll das IMP zukünftig auch andere Unternehmen als Kunden gewinnen  (Quelle: Bernaras Iturrioz, A.: RIO Country Report 2015: Mexico). Weitere Ressortforschungseinrichtungen des Ministeriums für Energie sind das Nationale Institut für Nuklearforschung (Instituto Nacional de Investigaciones Nucleares, ININ) und das Nationale Forschungsinstitut für Elektrizität und Saubere Energien (Instituto Nacional de Investigaciones Eléctricas y Energías Limpias, INEEL).

Wettbewerbliche Förderung für Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen leistet in erster Linie CONACYT. In den letzten Jahren sind die Förderbudgets stark aufgestockt worden. CONACYT hat eigene Programme, schließt sich aber für die Förderung im Rahmen sektoraler Fonds auch mit Fachministerien und sonstigen Fachbehörden zusammen. Alle 32 mexikanischen Bundesstaaten haben staatliche Räte für Wissenschaft und Technologie beziehungsweise sonstige Organe eingerichtet. Diese sind seit 1998 in einem Netzwerk (Red Nacional de Consejos y Organismos Estatales de Ciencia y Tecnología, REDNACECYT) zusammen geschlossen. Dennoch können nur wenige Staaten eigene wettbewerbliche Förderung vergeben, die meisten sind auf eine Kooperation mit CONACYT angewiesen (siehe unter Forschungs- und innovationspolitische Ziele und Programme).

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FuE im öffentlichen und privaten Sektor

Über weite Strecken des 20. Jahrhunderts war Forschung und Entwicklung (FuE) in Mexiko in der Hauptstadtregion Mexiko-Stadt („Distrito Federal“) zentralisiert. Mit den großen Bundesuniversitäten UNAM und UAM, dem Instituto Politécnico Nacional (IPN) und dem assoziierten Forschungszentrum CINVESTAV genoss die mexikanische Hauptstadt fast so etwas wie ein Monopol. Dazu kommt der Standort Monterrey im Bundesstaat Nuevo León, in dem das Institut für Technologische und Höhere Studien Monterrey (Instituto Tecnológico y de Estudios Superiores de Monterrey, ITESM oder auch Tec Monterrey) aktiv ist (siehe unter Schulen und Hochschulen). Das Portal Kooperation International bietet ein Porträt zu der Hightech-Region Monterrey an.

Internationale Hochschulrankings können Anhaltspunkte zu Forschungs- und Innovationsstärken ausgewählter Hochschulen geben. Das Times Higher Education - World University Ranking 2019, “Best for Research”  weist auch 2019 unter den fünf forschungsstärksten Hochschulen Mexikos 1. die UNAM, 2. ITESM (Tec Monterrey), 3. UAM und 5. IPN aus. An vierter Stelle liegt die bundesstaatliche Universität von Mexico-Stadt.

Die gute Positionierung der großen Bundesuniversitäten und der ITESM sollte jedoch nicht zu dem Schluss verleiten, dass die FuE-Aktivitäten Mexikos nach wie vor ausschließlich auf Mexiko-Stadt und Monterrey konzentriert sind: Heute arbeitet nur noch jede(r) Dritte der im Nationalen System der Forschenden (Sistema Nacional de Investigadores, SNI) Registrierten in Mexiko-Stadt (siehe unter Forschungs- und innovationspolitische Ziele und Programme). Die Universitäten nutzen verschiedene über das Land verteilte Standorte. Weiterhin spielen im öffentlichen Forschungssektor auch die außeruniversitären Forschungseinrichtungen eine wichtige Rolle (siehe unter FuE-Durchführung). Gerade die Forschungszentren des CONACYT wurden zwecks Dezentralisierung bewusst über das Land verteilt. Fördermittel werden ebenfalls gezielt an Institutionen und Unternehmen außerhalb der Hauptstadt vergeben (Bernaras Iturrioz, A.: RIO Country Report 2015: Mexico, 1.4.1).

Unternehmen in Mexiko haben in Bezug auf die Finanzierung und Durchführung von FuE in den letzten Jahren an Bedeutung eingebüßt. Das liegt allerdings vor allem an dem öffentlichen Mittelaufwuchs, während das Engagement der Unternehmen stabil bleibt. Eine Aufschlüsselung der FuE-Aktivitäten der Unternehmen nach Sektoren zeigt, dass mit 54 Prozent die industrielle Fertigung  vor den Dienstleistungen mit 44 Prozent liegt. Bei der industriellen Fertigung steht der Fahrzeugbau an erster Stelle, gefolgt von elektrischen Betriebsmitteln und Arzneimitteln. Ungewöhnlich für den Dienstleistungssektor ist, dass die höchsten FuE-Ausgaben in Unternehmen anfallen, die soziale und personenbezogene Dienstleistungen erbringen (Daten zu 2016, OECD Research and Development Expenditure in Industry 2018, ANBERD).

Ein wichtiges Unternehmen, das FuE zu elektrischen Betriebsmitteln in Mexiko durchführt ist der Kabelhersteller CONDUMEX, der daran arbeitet, neue Materialien zu entwickeln und Produkte zu optimieren. Unter den 2.500 weltweit größten FuE-Investoren befindet sich bisher nur ein Unternehmen mit Hauptsitz in Mexiko, der Hersteller von Zement und Baumaterialien CEMEX (Quelle: 2018 EU Industrial R&D Investment Scoreboard, IRI). Der Anteil der vom Ausland finanzierten FuE in Unternehmen liegt mit weniger als 1 Prozent deutlich unter dem OECD-Durchschnitt.

Die Durchführung von FuE in Unternehmen in Mexiko wird durch den Staat stark unterstützt: die direkten Zuschüsse decken ein Drittel der Ausgaben ab, damit gehört Mexiko innerhalb der OECD zu den Spitzenreitern (siehe FuE-Indikatoren). Bis zum Jahr 2008 hatte Mexiko auf eine großzügige steuerliche Förderung gesetzt. Nachdem man feststellte, dass die Regelungen vor allem wenigen Großunternehmen zugutekamen, die auch im Ausland durchgeführte Aktivitäten steuerlich geltend machten, wurde die Förderung zunächst ausgesetzt (siehe Bernaras Iturrioz, A.: RIO Country Report 2015: Mexico), 2017 aber mit veränderter Ausrichtung wieder eingeführt.

Die Verzahnung zwischen öffentlichem und privaten Sektor ist in Mexiko noch unzureichend gelungen: Unternehmen finanzieren jeweils weniger als 1 Prozent der FuE-Ausgaben an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, damit liegt Mexiko weit unter dem OECD-Durchschnitt. Maßnahmen, die die mexikanische Regierung ergreift, um Verbesserungen zu erreichen, umfassen unter anderem die Zusammenfassung der CONACYT-Forschungszentren in industrienahen Konsortien (siehe vorheriger Abschnitt), die Einrichtung von Wissenschaftsparks und die Auflage von speziellen Förderinstrumenten (siehe unter Forschungs- und innovationspolitische Ziele und Programme).

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