Übersicht

Die Verteilung der Publikationen auf Fachgebiete kann erste Hinweise auf die Stärken eines Forschungssystems geben (Bezugsjahr 2016, (Quelle: SCImago (2007). SJR – SCImago Journal & Country Rank. Retrieved August 8, 2017, from http://www.scimagojr.com).

Das fachliche Profil der Publikationen in China zeigt Stärken bei den Ingenieurwissenschaften und Schwächen bei der Medizin. Eine Spezialisierung Chinas ist in folgenden Fachgebieten festzustellen (Auswahl basierend auf Spezialisierungsindex Länderanteil/Weltanteil ≥ 1,3):

  • Ingenieurwissenschaften (16,8 Prozent, Welt: 10,9 Prozent, Deutschland 9,3 Prozent)
  • Materialwissenschaften (9,5 Prozent, Welt: 5,9 Prozent, Deutschland: 6,2 Prozent)
  • Chemie (7,5 Prozent, Welt: 5,1 Prozent, Deutschland: 5,4 Prozent)
  • Energie (3,3 Prozent, Welt: 2,2 Prozent, Deutschland: 1,6 Prozent).

In geringerem Maße liegt in China auch eine Spezialisierung auf Mathematik, Computerwissenschaften, Physik und Astronomie sowie Erd- und Planetare Wissenschaften vor (Spezialisierungsindex Länderanteil/Weltanteil ≥ 1,1).

Bei einem weltweiten Vergleich der Anzahl der Publikationen liegt die USA im Jahr 2016 insgesamt immer noch auf Rang 1 vor China auf Rang 2. Allerdings hat China stark aufgeholt und nimmt in einer Reihe von Fachgebieten bereits den ersten Platz vor den USA ein. Dazu gehören die Fachgebiete, in denen China nach obengenannten Kriterien eine starke Spezialisierung aufweist, sowie Computerwissenschaften (Informatik), Physik und Astronomie, Mathematik, Umweltwissenschaften und Erd- und Planetare Wissenschaften.

In den biologischen und medizinischen Fächern nimmt China noch hinter den USA den zweiten Rang ein. In den Agrar- und Biowissenschaften sowie in der Pharmazie ist jedoch bereits absehbar, dass China die USA bei den Publikationszahlen überholen wird. In der Medizin ist der Vorsprung der USA derzeit noch am größten. China müsste die Anzahl seiner Publikationen fast verdreifachen, um die USA einzuholen. Die schwächste Position hat China derzeit in den Sozialwissenschaften (Rang 3) und in den Geisteswissenschaften (Rang 10).

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Digitaler Wandel: Künstliche Intelligenz

Einer der großen Forschungsbereiche, in denen China besonders aktiv ist und daraufhin arbeitet, Weltmarktführer zu werden ist Künstliche Intelligenz (KI). Im Angesicht eines großen Spektrums an Anwendungsmöglichkeiten von Industrie über Gesundheit und Verkehr bis hin zum Militär, gilt KI als eine der Schlüsseltechnologien der kommenden Jahre und Jahrzehnte und ist auch in der Öffentlichkeit eines der großen Themen.

Im Juli 2017 veröffentlichte der chinesische Staatsrat eine eigene KI-Strategie, der nach das Land schrittweise bis 2030 die Führerschaft in den entsprechenden Technologien übernehmen und sich die Wertschöpfung bis dahin auf 130 Milliarden Euro erhöhen soll (New America: Full Translation: China's 'New Generation Artificial Intelligence Development Plan' (2017)). Von Seiten der Regierung sind es vor allem die National Development and Reform Commission (NDRC), das Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MoST), das Ministerium für Industrie und Informationstechnoloige (MIIT) sowie die Cyberspace Administration of China, die das Thema Künstliche Intelligenz vorantreiben. Gleichzeitig sind aber auch einzelne Regionen und Städte sehr aktiv in der Förderung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen in dem Bereich. So plant allein die Stadt Tianjin Investitionen in Höhe von 12,8 Milliarden Euro (Konrad Adenauer Stiftung: Vergleich nationaler Strategien zur Förderung von Künstlicher Intelligenz, 2019).

Neben den staatlichen Stellen, sind vor allem die großen Tech-Unternehmen (Baidu, Alibaba, Tencent)  entscheidende Akteure, die große Beträge in die Forschung und Entwicklung von KI-Technologien stecken. Zunehmend findet auch eine Verbindung von Unternehmen und Universitäten oder Forschungseinrichtungen statt, um deren Forschung zu direkter kommerzieller Verwertung zu führen. Dies schlägt sich auch in den entsprechenden Statistiken nieder, so melden die chinesischen Universitäten weltweit die meisten Patente an und allein die Chinese Academy of Sciences (CAS) hat bereits 2.500 Patente angemeldet und 20.000 Fachartikel zu dem Bereich Künstliche Intelligenz veröffentlicht (WIPO: WIPO Technology Trends 2019: Artificial Intelligence).

Großer Vorteil in der Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz ist Chinas Zugriff auf die Daten von 700 Millionen Internetnutzern im Land und einem weniger ausgeprägten Datenschutz. Dementsprechend kann auf riesige Datensätze zur Verbesserung zum Beispiel im Bereich der Gesichtserkennung zurückgegriffen werden. In Kombination mit den großen finanziellen Investitionen von staatlicher und privater Seite sowie einem großen Interesse staatlicher Stellen an der Anwendung künstlicher Intelligenz in Bereichen wie der Verwaltung, Überwachung bis hin zum Militär, bieten sich so sehr vielversprechende Ausgangsbedingungen für die weitere technologische Entwicklung (Konrad Adenauer Stiftung).

Materialwissenschaften

Materialwissenschaften leisten als Querschnittsdisziplin einen zentralen Beitrag zur Entwicklung neuer Innovationen und zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund fördert China Forschung in diesem Bereich bereits seit über 15 Jahren auf nationaler und regionaler Ebene mit besonderem Nachdruck. Besondere Priorität liegt dabei auf Themen wie Legierungen, Seltene Erden, Festkörper, Energiematerialien, Katalysatoren, elektronische Displays, Gesundheitsfürsorge und nachhaltiger Umweltschutz (Liao / Lee: Materials science in China, Nature Reviews Materials, 2016).

In der „Made in China 2025“-Strategie wird Materialwissenschaften als eine von zehn Schlüsseltechnologien hervorgehoben. Ziel ist es, bis 2020 einen inländischen Marktanteil an verwendeten Kernkomponenten und wichtigen Grundstoffen von 40 Prozent und bis 2025 von 70 Prozent zu erreichen (MERICS: Made in China 2025, 2016). Auch im 13. Fünfjahresplan (2015-2020) werden die Materialwissenschaften als strategischer Forschungsschwerpunkt und Schlüsselindustrie deklariert. Im 2017 veröffentlichten „Leitfaden für die Entwicklung der Industrie für Neue Materialien“ vom Ministerium für Industrie und Informationstechnologie, Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform, Ministerium für Wissenschaft und Technologie und Finanzministerium werden Ziele für den Ausbau der Materialwissenschaften in China definiert (China Daily: China issues guidelines on new material industry, 2017).

Die Fördermittel, die China für Forschung im Bereich Materialwissenschaften vergibt, haben sich von 2008 bis 2018 vervierfacht. Mit einem Volumen von über 2 Milliarden RMB förderte die National Natural Science Foundation (NSFC) 2018 insgesamt 701 Projekte im Bereich der Materialwissenschaften. Damit steht die Materialwissenschaften – nach der Medizin – an zweiter Stelle der Disziplinen, die die höchsten Fördersummen der NSFC erhalten (O’Meara: Materials science is helping to transform China into a high-tech economy, Nature Online, 2019). Neben Großprojekten wie dem „Materials Genome Engineering“ Projekt, werden auf nationaler und lokaler Ebene Forschungslabore, wie zum Beispiel das Shenyang National Laboratory for Material Science,  und die Beschaffung von Großgeräten, wie der China Spallation Neutron Source an der CAS, gefördert.

Die hohe Bedeutung der Materialwissenschaften in der chinesischen Forschungslandschaft schlägt sich auch in der Anzahl der themenspezifischen Publikationen nieder. Die Anzahl der Veröffentlichungen im Bereich Materialwissenschaften hat sich von 2006 bis 2017 verdreifacht. Insgesamt produzieren chinesische Autoren damit bereits deutlich mehr Publikationen im Bereich Materialwissenschaften, als beispielsweise amerikanische Autoren. Der Anteil international kopublizierter Artikel ist im Verhältnis jedoch geringer. (O’Meara (2019): Materials science is helping to transform China into a high-tech economy, Nature Online).

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