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Neue indische Bildungsstrategie vorgestellt

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Das indische Ministerium für Humanressourcenentwicklung hat einen Entwurf für eine nationale Bildungspolitik veröffentlicht, nur wenige Tage, nachdem Ministerpräsident Narendra Modi mit seiner Bharatiya Janata Party (BJP) bei den nationalen Wahlen eine Mehrheit für eine zweite Amtszeit erreicht hatte. Die alle Bildungsbereiche abdeckende Strategie sieht für den Hochschulbereich eine weitreichende Umstrukturierung der Hochschulbildung im Land vor und zielt darauf ab, u. a. mit der Schaffung einer neuen Nationalen Forschungsstiftung eine Forschungskultur in den Hochschulen zu fördern.

Die National Education Policy (NEP) ist die erste ihrer Art seit drei Jahrzehnten und wird, so zitiert "University World News" einen Regierungsbeamten, eine Politik für die nächsten 20-30 Jahre sein. Der Entwurf wurde am 1. Juni veröffentlicht und soll dem Kabinett nach einer abschließenden öffentlichen Konsultation im Juli zur Verabschiedung vorgelegt werden. Eine neue nationale Bildungspolitik war bereits Teil des BJP-Manifests für die Parlamentswahlen 2014, bei denen Modi an die Macht kam, und ursprünglich für Ende 2017 angekündigt worden.

Das 480-seitige Dokument, das alle Bereiche von der Vorschulbildung über die Grundschul- und weiterführende Bildung bis zur Hochschulbildung abdeckt, baut laut einer Regierungserklärung auf den Grundpfeilern Zugang, Gerechtigkeit, Qualität, Erschwinglichkeit und Rechenschaftspflicht auf und steht mit den globalen Nachhaltigkeitszielen in Einklang.

Insbesondere wird eine Ausweitung des indischen Gesetzes über das Recht auf Bildung (India's Right to Education, RTE) auf das 18. Lebensjahr vorgeschlagen, wodurch die Zahl der Hochschulabsolventen erheblich gesteigert werden könnte. Eines der Hauptziele des Landes ist es, die Bruttoeinschulungsrate von derzeit 23 Prozent bis 2035 auf 50 Prozent zu erhöhen. Sie würde auch die frühkindliche Bildung ab dem dritten Lebensjahr abdecken. Das RTE-Gesetz deckt derzeit ein Bildungsrecht für die Altersgruppe von sechs bis 14 Jahren ab.

Zu den wesentlichen Elementen der Strategie im tertiären Bereich gehört eine Umstrukturierung der Hochschuleinrichtungen in drei Ebenen: Einrichtungen des Typs 1 werden sich auf Spitzenforschung und qualitativ hochwertige Lehre konzentrieren, Einrichtungen des Typs 2 auf fachübergreifende Lehre mit einem wichtigen Beitrag zur Forschung, und Einrichtungen des Typs 3 werden hauptsächlich Hochschulen sein, die sich auf die grundständige (undergraduate) Lehre konzentrieren. In dem NEP-Dokument werden die folgenden Zielgrößen über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten formuliert: 150 bis 300 Typ 1-Einrichtungen, 1.000 bis 2.000 Typ 2-Universitäten, 5.000 bis 10.000 Typ 3-Colleges. Mit zunehmender Qualität der Forschung und des Angebots an Programmen könnten einige der Einrichtungen der Typen 2 und 3 möglicherweise die Aufnahme in die höheren Einstufungen anstreben.

Der Bericht empfiehlt auch die Schaffung einer nationalen Regulierungsbehörde (National Higher Education Regulatory Authority, NHERA), die als einzige für die Hochschulbildung, einschließlich der beruflichen Bildung, zuständig wäre. Weiterhin werden Initiativen vorgeschlagen zur Förderung der Internationalisierung der Hochschulbildung, zur Verbesserung der Qualität des offenen Lernens und des Fernunterrichts, zur stärkeren Beteiligung unterrepräsentierter Gruppen sowie um geschlechtsspezifische, soziale und regionale Ungleichheiten bei den Bildungsergebnissen zu beseitigen.

Als das größte Defizit im gegenwärtigen Hochschulsystem wird das Fehlen einer kohärenten Steuerung für die Planung und Durchführung der Forschung auf universitärer Ebene aufgeführt. Erstmals wird der Aufbau einer Nationalen Forschungsstiftung (National Research Foundation, NRF) vorgeschlagen, die sich auf die Finanzierung der Forschung im Hochschulsystem konzentrieren und die Forschung durch bessere Finanzierungsmechanismen fördern soll. NRF "umfasst die vier großen Bereiche Naturwissenschaften, Technologie, Sozialwissenschaften sowie Kunst und Geisteswissenschaften. Das NRF stärkt nicht nur die derzeit schwache Unterstützung, die Fächer wie Sozial- und Geisteswissenschaften erhalten, sondern wird auch den Zusammenhalt zwischen den verschiedenen Forschungsbemühungen mit multidisziplinärem Charakter fördern", heißt es in dem Dokument.

Die neue Bildungsstrategie unterscheidet sich vom ebenfalls angekündigten Programm EQUIP (Education Quality Upgradation and Inclusion Programme), das auf fünf Jahre angelegt ist und auf die Modernisierung der Hochschulbildung abzielt. Es wird als Umsetzungsplan für die Nationale Bildungspolitik bezeichnet; allerdings räumten laut einem Artikel der Tageszeitung The Hindu Regierungsbeamte ein, dass die mit der Ausarbeitung von EQUIP befasssten Expertenausschüsse keinen Zugang zum NEP-Entwurf gehabt hätten. Sobald NEP öffentlich zugänglich sei, werde EQUIP ebenfalls optimiert, um eine engere Abstimmung zu gewährleisten.

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Quelle: University World News, The Hindu Redaktion: von Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH Länder / Organisationen: Indien Themen: Berufs- und Weiterbildung Bildung und Hochschulen Strategie und Rahmenbedingungen

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