StartseiteLänderAsienIranDeutsche Wissenschaft in großer Sorge um Dr. Ahmadreza Djalali wegen drohender Hinrichtung im Iran

Deutsche Wissenschaft in großer Sorge um Dr. Ahmadreza Djalali wegen drohender Hinrichtung im Iran

Berichterstattung weltweit

Amnesty International und Scholars at Risk berichten übereinstimmend, dass die Hinrichtung des seit April 2016 im Iran inhaftierten schwedisch-iranischen Wissenschaftlers Dr. Ahmadreza Djalali unmittelbar bevorsteht. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung setzt sich die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) abermals dafür ein, das Todesurteil gegen Dr. Djalali aufzuheben und ihn unverzüglich aus der Haft zu entlassen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Allianz der Wissenschaftsorganisationen schließen sich dieser Forderung an.

Nachdrücklich unterstützt die HRK den dringenden Aufruf von Scholars at Risk, dem internationalen Netzwerk zum Schutz gefährdeter Wissenschaftler, Unterstützerschreiben für Ahmadreza Djalali an die iranische Regierung zu senden. Die HRK hat sich bereits mehrmals gegenüber der iranischen Staatsführung für eine Freilassung von Ahmadreza Djalali eingesetzt.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen sagte HRK-Präsident Prof. Dr. Peter-André Alt:

„Die jüngsten Nachrichten zum Vorgehen der iranischen Behörden sind überaus verstörend. Laut übereinstimmenden Berichten wurde Dr. Djalali in den vergangenen Tagen in ein anderes Gefängnis verlegt und in Einzelhaft genommen. Menschenrechtsorganisationen bewerten diese Maßnahmen als Indiz für eine unmittelbar bevorstehende Vollstreckung des Todesurteils. Ich habe mich dem breiten internationalen Protest angeschlossen und abermals in einem offenen Brief an die iranische Führung appelliert, die Todesstrafe nicht zu vollstrecken und Dr. Djalali in die Freiheit zu entlassen. Die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit basiert auf den Standards der akademischen Freiheit und der Menschenrechte. Der Iran ist im Begriff, die bewährte deutsch-iranische Hochschulzusammenarbeit aufs Spiel zu setzen und der internationalen akademischen Gemeinschaft den Rücken zuzukehren. Wir werden nicht aufhören, uns für Dr. Djalali einzusetzen. Es ist für mich nicht vorstellbar, dass die Hinrichtung eines hochanerkannten Wissenschaftlers und EU-Bürgers ohne Rückwirkung auf die Wissenschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Iran bleiben wird.“

DAAD-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee schloss sich den Forderungen des HRK-Päsidenten an:

„Mit Sorge und Bestürzung haben wir von der Verlegung von Ahmadreza Djalali in ein anderes Gefängnis und seiner drohenden Hinrichtung erfahren. Wir unterstützen die Forderungen der HRK nach der Aufhebung des Todesurteils und einer sofortigen Freilassung des Wissenschaftlers. Aus unserer Sicht sind die Beachtung der Wissenschaftsfreiheit und rechtsstaatlicher Prinzipien Voraussetzungen für eine gedeihliche Entwicklung der Wissenschaftskooperationen auch mit dem Iran. Gleichzeitig setzen wir als DAAD auf das Prinzip ‚Wandel durch Austausch‘ und hoffen, dass die vielfältigen akademischen und gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und dem Iran dazu beitragen, Ahmadreza Djalalis Freilassung zu erwirken.“

Die Wissenschaftsorganisationen halten eine nachhaltige Auswirkung auf die deutsch-iranischen Wissenschaftsbeziehungen für unausweichlich, sollte Djalali nicht verschont werden. Nach ihrer Auffassung ist es für die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft nicht tragbar, wenn eines ihrer Mitglieder jahrelang ohne rechtliche Grundlage und unter schwierigsten Bedingungen inhaftiert und mit dem Tod bedroht wird. Die Allianz sorgt sich um die Kooperationen zwischen ihren Mitgliedseinrichtungen und deren iranischen Partnern. Ohne akademische Freiheit und Einhaltung der Menschenrechte fehlt die Basis für vertrauensvolle und erfolgreiche Partnerschaften, ist die Allianz überzeugt. Laut der HRK-Datenbank über die internationalen Hochschulkooperationen unterhalten deutsche Hochschulen derzeit 79 Kooperationen mit iranischen Partnern.

Dr. Djalali befindet sich seit April 2016 in iranischer Haft. Im Oktober 2017 wurde der in Schweden lebende Wissenschaftler wegen „Verdorbenheit auf Erden“ (ifsad fil-arz) zum Tode verurteilt. Einen Antrag auf Überprüfung des Urteils lehnte das oberste Gericht des Iran im Februar 2018 ab. Bereits seit längerer Zeit wird Dr. Djalali trotz des dringenden Verdachts auf eine Leukämieerkrankung eine adäquate medizinische Versorgung verwehrt.

Scholars at Risk erhebt zudem den Vorwurf, das iranische Sicherheitskräfte den Wissenschaftler gefoltert hätten. Auch Amnesty International berichtet von Versuchen, ein Geständnis zu erzwingen.

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Quelle: HRK, DAAD, Allianz der Wissenschaftsorganisationen Redaktion: von Andreas Ratajczak, VDI Technologiezentrum GmbH Länder / Organisationen: Iran Themen: Ethik, Recht, Gesellschaft

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