StartseiteLänderAsienIranZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Iran

Seit dem Ende der Sanktionen gegen Iran im Jahr 2016 wurde die Zusammenarbeit in der Berufsbildung zwischen Deutschland und dem Land wiederbelebt: Das im September 2017 angelaufene Projekt „Iran Innovates“ hat sich zum Ziel gesetzt, Innovationsprozesse in der beruflichen Bildung in Iran zu initiieren. Das Projekt wird im Zentrum für Aus- und Weiterbildung Leipzig in Kooperation mit der Universität Leipzig umgesetzt. Im Projekt „CC Iran“ soll gemeinsam mit iranischen Partnern eine Verbesserung der Aus- und Weiterbildung von Mechatronikern für Kälte-Klima-Technik erreicht werden. Projektpartner sind das Informationszentrum für Kälte-, Klima- und Energietechnik gGmbH und das Forschungsinstitut für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention e.V. Das Projekt läuft seit August 2017. Gefördert werden beide Projekte durch Mittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Während eines Treffens im Februar 2019 unterzeichneten das BMBF und das iranische Arbeitsministerium (Ministry of Cooperatives, Labour and Social Welfare, MCLS) eine gemeinsame Absichtserklärung zur deutsch-iranischen Berufsbildungskooperation. Vereinbart wurden neben Beratungsleistungen durch GOVET zur Reform der iranischen Berufsbildung auch die Fortführung der Zusammenarbeit mit der Organisation iMOVE, die deutsche Bildungsanbieter beim Markteintritt in Iran unterstützt und seit September 2017 vor Ort präsent ist (Quelle: BIBB-GOVET).

Die Wurzeln der Zusammenarbeit deutscher und iranischer Akademikerinnen und Akademiker reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Mit der Gründung der polytechnischen Hochschule Dar ul-Funun im Jahr 1851 begann die systematisch planvolle Zusammenarbeit beider Länder in Wissenschaft und Forschung. Gezielt wurden deutsche Wissenschaftler nach Iran berufen, um dort die erste moderne Hochschule des Landes mit aufzubauen. Die Dar ul-Funun ging später in der bis heute bedeutendsten und renommiertesten Hochschule des Landes, der Teheran University auf. 1974 wurde in der Stadt Guilan mit der Deutsch-Iranischen Universität die erste deutsche Auslandsuniversität gegründet. Die Hochschule wurde im Zuge der iranischen Revolution in „University of Guilan“ umbenannt. Ein Teil der Lehre erfolgt nach wie vor in deutscher Sprache, die Kooperation mit Deutschland ist eng. Die University of Guilan ist Partnerhochschule der Universität Fulda.

Den Rechtsrahmen für die gegenwärtige Zusammenarbeit zwischen Iran und Deutschland in Forschung, Wissenschaft und Technologie bilden mehrere Abkommen und Vereinbarungen: An erster Stelle steht das Deutsch-Iranische WTZ-Abkommen über Zusammenarbeit in der wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung vom 21. November 1977. Auf Grund der aus dem Atomstreit des Iran mit dem Westen resultierenden relativ isolierten Situation des Landes ist der Aufbau einer strukturierten und breiten Zusammenarbeit mit Deutschland erst nach Abschluss des Abkommens von Wien (2015) initiiert worden. Danach wurden sektorale Abkommen sowie Memoranda of Understanding geschlossen, etwa über die Zusammenarbeit bei der Forschung zu erneuerbaren Energien und Energieeffizienz (mit dem Ministerium für Energie und Wasser, MoE im April 2017) oder zur Forschungsförderung und zum Austausch von Forschenden im Bereich Gesundheit (mit dem iranischen Gesundheitsministerium (MoHME) im Mai 2017).

Die im WTZ-Abkommen festgehaltenen gemeinsamen Schwerpunkte der Kooperation wurden über die Jahre und werden insbesondere seit der Wiederaufnahme der regelmäßigen WTZ-Gespräche im Jahr 2017 weiterentwickelt. Im Fokus stehen derzeit die Bereiche Energie, Umwelt, Ernährung, Landwirtschaft und Biotechnologien, Gesundheit, IKT, Infrastrukturen sowie die Mobilität von Forschenden.

Hierbei bieten sich Deutschland vielfältige Chancen insbesondere der Zusammenarbeit mit exzellenten Forschungseinrichtungen und herausragenden Wissenschaftlern. Weiterhin erlaubt die Kooperation den Zugang zu einzigartigen Forschungsobjekten, -feldern, -bereichen und -regionen sowie der Zusammenarbeit in methodisch innovativen Bereichen sowie Bereichen der Digitalisierung und des Wissenstransfers, des Studentenaustauschs, des Wissenschaftsmanagements und nicht zuletzt des Zugangs zu jungen, gut ausgebildeten, international orientierten und hoch motivierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Überdies verfügt Iran über die notwendigen finanziellen Ressourcen für eine beidseitig gewinnbringende Zusammenarbeit. Von Vorteil ist hier auch die überdurchschnittlich gut ausgebildete und integrierte iranische Diaspora in Deutschland. Die mehr als 150.000 in Deutschland lebenden Personen mit iranischem Migrationshintergrund bilden die größte iranische Diaspora in Europa. Mehr als 25 Prozent der iranischstämmigen Immigranten üben einen Vertrauensberuf aus, mehr als 50 Prozent haben einen Bachelorabschluss oder höheren akademischen Grad.

Umgekehrt genießen deutsche Wissenschaft, Forschung und Technologie im Iran höchstes Ansehen. Die Zusammenarbeit mit Deutschland hat daher einen hohen Stellenwert für den Iran. Aus iranischer Perspektive liegt Deutschland als Zielland für iranische Studierende unter den TOP 5, als Ko-Publikationspartner für wissenschaftliche Veröffentlichungen unter den TOP 10. Die über lange Zeiträume gewachsenen Beziehungen beider Länder und der Verzicht Deutschlands auf imperiale und post-imperiale Einflussnahme in der Region wirken sich bis heute positiv auf diese Zusammenarbeit aus. Unter der Voraussetzung einer weiterhin stabilen gesamtpolitischen Lage und einer moderat geführten Regierung, wird ein weiterhin stetiger Anstieg der Kooperation erwartet. Deutschland kann hier durch seine Stärke in Bereichen wie z.B. der beruflichen Bildung, des Wassermanagements, erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz Iran dabei unterstützen, drängende Probleme zu lösen. Bei der unter anderem durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Technologie (MSRT) beförderten Privatisierung großer iranischer Staatsbetriebe sieht Iran Deutschland als wichtigen Partner, um Entwicklungspotenziale in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Forschungstransfer zu realisieren.

Das BMBF stellt über seine internationale Abteilung Mittel für Sondierungs- und Vernetzungsaktivitäten und Workshops sowie für die Nachwuchsförderung bereit. In den Fachabteilungen werden Kooperationsprojekte mit verschiedenen fachlichen Schwerpunkten gefördert. Mit Stichtag zum 15.04.2019 wurde im Dezember 2018 die erste bilaterale deutsch-iranische Förderbekanntmachung des BMBF mit dem MSRT und dem MoHME zur Unterstützung von Mobilitätsmaßnahmen deutscher und iranischer Wissenschaftler veröffentlicht. Weitere Förderbekanntmachungen mit Iranbezug sind CLIENT II und IKARIM.

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist derzeit 81 offizielle Kooperationen zwischen Deutschland und dem Iran aus. 41 deutsche Hochschulen kooperieren mit 29 iranischen Hochschulen und 5 sonstigen Einrichtungen (Stand: 08/2019). Die grenzüberschreitende Kooperation mit einzelnen iranischen Hochschulen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen kann Gegenstand von Sanktionen sein (siehe vorheriger Abschnitt Überblick zur Internationationalen Kooperation).

Das große Interesse des Iran an Deutschland zeigt sich auch bei den deutschen Forschungs- und Mittlerorganisationen. Dort ist der Andrang nach Kooperationsvereinbarungen groß. Dementsprechend sind fast alle deutschen Organisationen derzeit dabei, Kooperationen zu entwickeln und unterzeichnete Vereinbarungen mit Leben zu füllen.

Internationale Mobilität aus und nach Iran wird durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert.

2018 hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt im Iran an 144 Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 98 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben. In den gleichen Kategorien erhielten 546 und 113 Geförderte aus dem Iran eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt zu finanzieren. Der DAAD ist seit 2014 mit einem Informationszentrum (IC) in Teheran vertreten (siehe unten).

Zwischen 1953 und 2018 wurden 180 iranische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) im Rahmen von Forschungsstipendien-Programmen gefördert, ein Forschungspreis wurde vergeben. Im Rahmen des Feodor Lynen-Programms (Förderung von Auslandsaufenthalten deutscher Wissenschaftler) haben bisher zwei Nachwuchswissenschaftler-/innnen am Institut eines Humboldt-Alumnus im Iran geforscht.

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) beherbergte 2018 313 iranische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und sie führte 12 Projekte mit Partnern im Iran durch. Von den Forschungseinrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) unterhalten aktuell sechs Helmholtz-Zentren Kooperationen bzw. wissenschaftliche Kontakte mit iranischen Universitäten und Forschungsinstitutionen. Die ersten gemeinsamen bilateralen Projekte werden derzeit durch das Helmholtz-Zentrum Potsdam (Deutsches GeoForschungsZentrum, GFZ) in den Bereichen Naturgefahren und Grundwassermanagement durchgeführt. Partner auf iranischer Seite sind das International Institute of Earthquake Engineering and Seismology (IIEES), die University of Tehran und die Forest, Range and Watershed Management Organization (FRWO). Wissenschaftliche Kontakte zu iranischen Behörden, Universitäten und Forschungseinrichtungen bestehen darüber hinaus seitens des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung, des Karlsruhe Institute of Technology (KIT), des Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) und der Helmholtz-Zentren für Infektionsforschung (HZI) und für Umweltforschung (UFZ).

Es folgt eine Auswahl von Einrichtungen vor Ort, die die deutsch-iranische Kooperation tragen und unterstützen:

  • Im September 2017 eröffnete mit dem iMOVE-Büro Teheran das nach China (Shanghai) und Indien (Neu Delhi) dritte iMOVE-Büro weltweit. Die Organisation iMOVE unterstützt deutsche Bildungsanbieter beim Markteintritt im Iran und lenkt die Nachfrage nach deutschen Bildungsprodukten und Dienstleistungen aus Iran nach Deutschland.
  • Das DAAD Information Center Teheran wurde im April 2014 eingerichtet. Ziel ist die Förderung des akademischen Austauschs zwischen Deutschland und Iran.
  • Die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer (AHK Iran) ist Ansprechpartner vor Ort zu allen Fragen der Markterschließung und Marktbearbeitung. Vor mehr als 40 Jahren gegründet und auch in Krisenzeiten nie geschlossen, ist die Deutsch-Iranische AHK Iran mit über 2.500 Mitgliedern heute eine der mitgliederstärksten Auslandshandelskammern Deutschlands in der Welt.
  • Nach dem Beginn archäologischer Feldforschungen des Deutsche Archäologischen Instituts (DAI) im Iran in den späten 1950er Jahren kam es 1961 zur Gründung einer eigenständigen Abteilung in Teheran. Seit 1996 gehört sie als Außenstelle zur Eurasien-Abteilung des DAI (Außenstelle Teheran der Eurasien-Abteilung des DAI).

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