Internationale Programmatik: Japan

  1. Strategien und Programme
  2. Internationale Präsenz

Strategien und Programme

Die Internationalisierung von Hochschullandschaft und Studium ist für Japan ein Langzeitprojekt mit hoher Priorität. Ein wichtiger Anbieter von Stipendien für Kurzzeitaufenthalte ist die Japan Student Service Organization (JASSO), für Studierende, die einen Abschluss in Japan anstreben, hat auch das Bildungs- und Wissenschaftsministerium MEXT verschiedene Angebote für Bachelor-, Master- und Promotionsstudien Die Anwerbung internationaler Studierender hat vor dem Hintergrund des demografischen Wandels in Japan an Bedeutung gewonnen (siehe unter Bildungspolitische Ziele und Programme). 2003 hatte die japanische Regierung ihr erstes Ziel erreicht, 100.000 internationale Studierende nach Japan zu holen. Nachfolgend sollte bis zum Jahr 2020 die Anzahl auf 300.000 anwachsen („300,000 International Students Plan“). Auch dieses Ziel konnte im Mai 2019 mit 312.214 gemeldeten internationalen Studierenden erreicht werden. Die Anzahl von internationalen Studierenden sank in den Folgejahren auf Grund der der COVID-19-Pandemie zwar auf unter 250.000, man erwartet aber, dass die Zahlen schnell wieder ansteigen dürften.

2014 wurde ein umfassendes Förderprogramm mit zehnjähriger Laufzeit geschaffen: unter dem „Top Global University"-Projekt (2014-23, TGUP) erhielten 37 japanische Hochschulen Fördermittel, um Reformen durchzuführen und den Lehrbetrieb zu internationalisieren. Das jährliche Gesamtbudget liegt bei 7,7 Mrd. Yen (58 Mio. Euro, siehe JSPS Rundschreiben 3/2014). Das Portal Top Global University Japan bietet einen Überblick über die durchgeführten Maßnahmen wie die Einrichtung internationaler Graduiertenkollegs.

Gleichzeitig strebte die japanische Regierung an, die Anzahl der japanischen Studierenden mit Auslandserfahrung auf 120.000 zu steigern, . Unterstützend in diese Richtung wirkte das 2011 gestartete Programm „Re-Inventing Japan“, unter dem japanische Hochschulen für Partnerschaften mit ausländischen Hochschulen Förderung erhalten können. Auch aufgrund der Covid-19-Pandemie kam es in den letzten Jahren zu großen Schwankungen bei der Anzahl der Studierenden mit Auslandserfahrung. Aktuelle Zahlen für das Jahr 2022 belaufen sich JAOS (Japan Association of Overseas Studies) auf 34.305 Studierende und zeigen einen erneuten Aufwärtstrend an.

Grenzüberschreitende Mobilität und Kooperation in Forschung und Entwicklung wird seit langem durch die beiden großen japanischen Fördereinrichtungen, die Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) und die Japan Science and Technology Agency (JST) unterstützt. Das JSPS vergibt Förderung an ausländische Forschende in allen Phasen der wissenschaftlichen Laufbahn (Promotion, Post-Doc, Professur), um diesen einen Japan-Aufenthalt zu ermöglichen (JSPS-Fellowship-Programme). Eine Broschüre (2022-23) bereitet die Forschenden auf das Leben in Japan vor. Im Gegenzug können japanische Forschende für Auslandsaufenthalte Förderung erhalten. JSPS hat außerdem Kooperationsabkommen mit Fördereinrichtungen für Grundlagenforschung in etwa 30 Ländern abgeschlossen.

Die Japan Science and Technology Agency (JST) nutzt für bi- und multilaterale Förderbekanntmachungen das Strategic International Collaborative Research Program (SICORP). Das Programm wird je nach Partnerland bzw. multilateralem Kontext angepasst. SICORP gewährt für einen Zeitraum von 3-5 Jahren pro Projekt und Jahr eine Förderung in Höhe von 5 bis 100 Millionen JPY). Im Rahmen von SICORP hat Japan inzwischen Abkommen mit 41 Ländern. Von 2009–22 wurden insgesamt 219 Projekte auf Gebieten gefördert, die für beide Seiten von strategischer Bedeutung sind (APRA-Monitoring Bericht Japan (2022), S. 38).

Um die Verbreitung und Nutzung japanischer Technologien im Ausland zu fördern, unterstützt die Wirtschaftsförderagentur NEDO (New Energy and Industrial Technology Development Organization) unter anderem mit ihren sechs internationalen Außenstellen Demonstrationsvorhaben in ausgewählten Ländern (Webseite NEDO International). Neben der Forschungsförderung im Bereich neuer Energien ist ein weiteres Ziel die Reduktion von CO2-Emissionen.

Im Jahr 2008 haben das japanische Außenministerium und das MEXT unter dem Stichwort „Science Diplomacy“ das gemeinsame Förderprogramm „Science and Technology Research Partnerships for Sustainable Development“ (SATREPS) aufgelegt. Zweck der Förderung ist es, wissenschafts- und technologiebasierte Lösungen für Probleme von Entwicklungsländern gemeinsam mit den dort ansässigen Forschenden zu finden. Unter SATREPS bestehen Kooperationsvereinbarungen mit 53 Ländern und 168 Projekte wurden 2008-22 durchgeführt. Schwerpunktbereiche waren hierbei Umwelt und Energie, Bioressourcen sowie Schutz vor Infektionskrankheiten und Schutz vor Naturkatastrophen (siehe APRA-Monitoring Bericht Japan (2022), S. 39).

Aufgrund wachsender geopolitischer Spannungen hat die japanische Regierung die Ausrichtung ihrer internationalen Kooperationspolitik verändert. Die strategischen Prioritäten will das Land auf die langfristige Politik der USA zur Förderung von kritischen und neuen Hochtechnologien abstellen (6. Basisplan für Wissenschaft und Technologie als auch die Integrated Innovation Strategy 2022). Das Economic Security Law zur Stärkung der japanischen Wirtschaft, das vom Parlament der Kishida-Regierung am 11. Mai 2022 verabschiedet wurde (JT 2022) zielt auf vier zentrale Punkte ab: Stärkung der Lieferketten, Erhöhung der Sicherheit von Schlüsselinfrastrukturen (z. B. Sicherheit von Kommunikationsverbindungen gegen Cyber-Angriffe), Intensivierung der öffentlich-privaten FuE-Kooperationen bei innovativen Technologien sowie Nichtoffenlegung von Patenten in sensiblen Bereichen. Zudem wurde der Posten eines Ministers für wirtschaftliche Sicherheit geschaffen, dessen Aufgabe es nun ist, sensible und zukunftsrelevante Technologien Japans zu schützen und Lieferketten widerstandsfähiger aufzustellen (APRA-Monitoring Bericht Japan (2022), S. 37).

Neben dem neuen Fokus auf Sicherheit und Resilienz hat Japan sich die Schaffung international gut vernetzter exzellenter Forschungsuniversitäten als vorrangige Ziel gesetzt. Hintergrund ist die mangelnde internationale Vernetzung der japanischen Forschung, wie sie beispielsweise durch den geringen Anteil int. Ko-Publikationen belegt (siehe aktuelle „Integrated Innovation Strategy“, S. 10). Dabei hatte Japan auch bisher schon Anstrengungen unternommen, die japanischen Hochschulen im Forschungsbereich stärker zu vernetzen, so beispielsweise durch die 2007 lancierte Flaggschiffinitiative  „World Premier International Research Center Initiative (WPI). Die dreizehn geförderten Forschungszentren können jährlich zwischen 700 Mil. und 1,4 Mrd. JPY erhalten. Die Dauer beträgt bis zu 10 Jahren, die vor 2012 aufgenommenen Zentren erhalten die Fördergelder sogar für 15 Jahre. An jedem Zentrum sind laut MEXT zwischen 7-20 Forschende von Weltrang tätig. Während mindestens 30 Prozent der Forschenden aus dem Ausland stammen müssen, liegt die Quote bei ungefähr 40 Prozent. Die Schwerpunkte liegen in den Lebenswissenschaften und Materialwissenschaften (Broschüre zu den WPI). Allerdings haben die WPI-Zentren in Bezug auf Internationalisierung der japanischen Forschung keine Breitenwirkung erzielt (APRA-Monitoring Bericht Japan (2022), S. 45). 2022 wurden drei neue Zentren eingerichtet.

Ein neues japanisches Förderprogramm für internationale Kooperation ist das „Adopting Sustainable Partnerships for Innovative Research Ecosystem“ Programm, kurz ASPIRE, das von JST getragen wird. Der erste Probeaufruf fand zwischen September und November 2022 statt, gefolgt von einem Förderaufruf im Juli 2023. Förderungen können je nach Projekt zwischen 30 Mio. Yen (in etwa 193.500 Euro) und 100 Mio. Yen (in etwa 645.445 Euro) für eine Dauer von bis zu fünf Jahren sein.ASPIRE wendet sich an Forschende, die bereits eine japanische Förderung erhalten und die zusätzliche Mittel erhalten wollen, um sich international zu vernetzen. Eine Liste zu den ausgewählten Projekten mit internationalen Partnern wurden Anfang 2024 publiziert.

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Internationale Präsenz

Die Förderagenturen JSPS, JST, AMED und NEDO haben jeweils ein eigenes Netzwerk von Auslandsvertretungen geschaffen. Alle vier Förderagenturen sind in den USA vertreten. drei in China sowie in Frankreich (JSPS, JST und NEDO). Dazu kommen für JSPS  Vertretungen in Großbritannien, Thailand, Brasilien, Ägypten, Kenia, Schweden und Deutschland (Bonn, seit 1992); für JST Vertretungen in Indien und Singapur und für NEDO Vertretungen in Indien und Thailand. AMED besitzt Vertretungen in Großbritannien und zwischen 2016 und 2020 in Singapur.  Die Auslandsbüros informieren sich vor Ort über neue Forschungsergebnisse, Entwicklungen in der Forschungslandschaft und Trends auf den Technologiemärkten. Sie publizieren ihrerseits Informationen zu Wissenschaft und Innovation in Japan und pflegen Netzwerke. Für JSPS stehen dabei die Alumni-Netzwerke der ehemaligen JSPS-Stipendiatinnen und -Stipendiaten im Vordergrund.

Die Einrichtung für Grundlagenforschung RIKEN in den USA bereits seit 1997 durch ein Forschungszentrum an dem Brookhaven National Laboratory präsent (RIKEN BNL Research Center, RBRC). Ende 2018 hat RIKEN seine Vertretungen in Singapur und Peking um eine Auslandspräsenz in Brüssel ergänzt.

Gemeinsam mit Ägypten hat Japan seit 2009 eine binationale Forschungs- und Postgraduiertenuniversität aufgebaut. Die Egypt-Japan University of Science and Techology (E-JUST) soll ein Modell für Afrika und den Mittleren Osten sein. Federführend auf japanischer Seite ist die Japan International Cooperation Agency (JICA).

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