Internationale Programmatik: Japan

  1. Strategien und Programme
  2. Internationale Präsenz

Strategien und Programme

Die Internationalisierung von Hochschullandschaft und Studium ist für Japan ein Langzeitprojekt (siehe Artikel Rose, H. & McKinley, J. (2018): Japan’s English-medium instruction initiatives and the globalization of higher education, Journal of Higher Education 75: 111). Ein wichtiger Anbieter von Stipendien für Kurzzeitaufenthalte ist die Japan Student Service Organization (JASSO), für Studierende, die einen Abschluss in Japan anstreben, hat auch das Bildungs- und Wissenschaftsministerium MEXT verschiedene Angebote für Bachelor-, Master- und Promotionsstudien (Broschüre zu Stipendienprogrammen). 2003 hatte die japanische Regierung ihr Ziel erreicht, 100.000 internationale Studierende nach Japan zu holen. Nun sind die Ziele ehrgeiziger: bis zum Jahr 2020 soll die Anzahl auf 300.000 anwachsen („300,000 International Students Plan“). 2014 wurde ein umfassendes Förderprogramm mit zehnjähriger Laufzeit geschaffen: unter dem „Top Global University"-Projekt (2014-23, TGUP) erhalten 37 japanische Hochschulen Fördermittel, um Reformen durchzuführen und den Lehrbetrieb zu internationalisieren. Das jährliche Gesamtbudget liegt bei 7,7 Mrd. Yen (58 Mio. Euro, siehe JSPS Rundschreiben 3/2014) . Das Portal Top Global University Japan bietet einen Überblick über Maßnahmen wie die Einrichtung internationaler Graduiertenkollegs.

Gleichzeitig strebt die japanische Regierung bis 2020 an, die Anzahl der japanischen Studierenden mit Auslandserfahrung auf 120.000 zu steigern. Unterstützend in diese Richtung wirkt das 2011 gestartete Programm „Re-Inventing Japan“, unter dem japanische Hochschulen für Partnerschaften mit ausländischen Hochschulen Förderung erhalten können.

Grenzüberschreitende Mobilität und Kooperation in Forschung und Entwicklung wird seit langem durch die beiden großen japanischen Fördereinrichtungen, die Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) und die Japan Science and Technology Agency (JST) unterstützt. Das JSPS vergibt Förderung an ausländische Forschende in allen Phasen der wissenschaftlichen Laufbahn (Promotion, Post-Doc, Professur), um diesen einen Japan-Aufenthalt zu ermöglichen (JSPS-Fellowship-Programme). Eine Broschüre bereitet die Forschenden auf das Leben in Japan vor. Im Gegenzug können japanische Forschende für Auslandsaufenthalte Förderung erhalten. JSPS hat außerdem Kooperationsabkommen mit Fördereinrichtungen für Grundlagenforschung in etwa 30 Ländern abgeschlossen. Unter einer jährlichen Förderbekanntmachung, die alle Länder abdeckt, konkurrieren die Forschenden um Mittel für Reisen und gemeinsame Veranstaltungen.

Offenbar von dem europäischen Integrationsprozess motiviert, kündigte die japanische Regierung 2011 im Vierten Basisplan für Wissenschaft und Technologie an, dass sie einen ostasiatischen Forschungsraum aufbauen möchte. Im Ergebnis wurde 2012 ein multilaterales Programm aufgelegt (siehe unter Teilnahme an multilateralen Programmen und Initiativen).

Die Japan Science and Technology Agency (JST) nutzt für bi- und multilaterale Förderbekanntmachungen das Strategic International Collaborative Research Program (SICORP). Das Programm wird je nach Partnerland bzw. multilateralem Kontext angepasst. SICORP gewährt für einen Zeitraum von 3-5 Jahren pro Projekt und Jahr eine Förderung in Höhe von 50-100 Millionen JPY (380.000-760.000 Euro).

Die 2007 lancierte „World Premier International Research Center Initiative (WPI)“ ist eines der großen Internationalisierungsprojekte Japans. Das Programm des MEXT zielt nicht nur darauf, für die internationale Wissenschaftselite ein attraktives, interdisziplinäres Arbeitsumfeld zu schaffen, sondern auch darauf, verkrustete hierarchische Strukturen in der japanischen Forschung aufzubrechen und so als Reformmodell zu wirken. Die elf geförderten Forschungszentren erhalten bis zu 1,4 Mrd. JPY für bis zu 10 Jahre, die vor 2012 gegründeten Zentren sogar für 15 Jahre. An jedem Zentrum sind laut MEXT 10-20 Forschende von Weltrang tätig und mindestens 30 Prozent der Forschenden stammen aus dem Ausland. Die Schwerpunkte liegen in den Lebenswissenschaften und Materialwissenschaften (Broschüre zu den WPI).

Um die Verbreitung und Nutzung japanischer Technologien im Ausland zu fördern, unterstützt die Wirtschaftsförderagentur NEDO Demonstrationsvorhaben in ausgewählten Ländern (Webseite NEDO International). Ein weiteres Ziel ist die Reduktion von CO2-Emissionen.

Im Jahr 2008 haben das japanische Außenministerium und das MEXT unter dem Stichwort „Science Diplomacy“ das gemeinsame Förderprogramm „Science and Technology Research Partnerships for Sustainable Development“ (SATREPS) aufgelegt. Zweck der Förderung ist es, wissenschafts- und technologiebasierte Lösungen für Probleme von Entwicklungsländern gemeinsam mit den dort ansässigen Forschenden zu finden. Bevorzugte Forschungsfelder sind Umwelt, Energie, Bioressourcen, Schutz vor Infektionskrankheiten und Schutz vor Naturkatastrophen.

In der „Integrated Innovation Strategy“ (S. 63 ff.) hat Japan die mangelnde globale Vernetzung der Wissenschafts- und Innovationslandschaft als eine wichtige Schwachstelle ausgemacht (z.B. internationale Ko-Publikationen, Promotionen in den USA), auch wenn Fortschritte wie zum Beispiel durch das Top Global University Projekt anerkannt werden. Eine strenge Evaluierung der Internationalisierung wird empfohlen. In Zukunft will sich Japan vor allem als global führend in Bezug auf die Nutzung von Wissenschaft, Technologie und Innovation (STI) positionieren, um die UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) zu erreichen. Zu diesem Zweck plant Japan bis Mitte 2019 eine Roadmap „STI for SDGs Roadmap” auszuformulieren und auf dem G20-Gipfel in Osaka vorzustellen. Andere Länder sollen bei dem Ausformulieren eigener Roadmaps unterstützt werden, zudem ist die Schaffung einer Plattform („STI for SDGs Platform“) geplant, die Anstrengungen („seeds“) mit Wissenschafts-, Technologie- und Innovationsbedarfen („needs“) verknüpfen will.

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Internationale Präsenz

Die Förderagenturen JSPS, JST, AMED und NEDO haben jeweils ein eigenes Netzwerk von Auslandsvertretungen geschaffen. Alle vier Förderagenturen sind in den USA vertreten, jeweils drei in China sowie in Frankreich (JSPS, JST und NEDO). Dazu kommen Vertretungen in Großbritannien, Indien, Thailand und Singapur. JSPS hat außerdem Vertretungen in Brasilien, Ägypten, Kenia, Schweden und Deutschland (Bonn, seit 1992). Die Auslandsbüros informieren sich vor Ort über neue Forschungsergebnisse, Entwicklungen in der Forschungslandschaft und Trends auf den Technologiemärkten. Sie publizieren ihrerseits Informationen zu Wissenschaft und Innovation in Japan und pflegen Netzwerke. Für JSPS stehen dabei die Alumni-Netzwerke der ehemaligen JSPS-Stipendiatinnen und -Stipendiaten im Vordergrund.

Die Einrichtung für Grundlagenforschung RIKEN ist in den USA bereits seit 1997 durch ein Forschungszentrum an dem Brookhaven National Laboratory präsent (RIKEN BNL Research Center, RBRC). Ende 2018 hat RIKEN seine Vertretungen in Singapur und Peking um eine Auslandspräsenz in Brüssel ergänzt.

Gemeinsam mit Ägypten hat Japan seit 2009 eine binationale Forschungs- und Postgraduiertenuniversität aufgebaut. Die Egypt-Japan University of Science and Techology (E-JUST) soll ein Modell für Afrika und den Mittleren Osten sein. Federführend auf japanischer Seite ist die Japan International Cooperation Agency (JICA).

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