Überblick

Bereits seit Anfang der 1960er Jahre hat Jordanien systematisch in Bildung und Forschung investiert. Die Ausgaben sind auch im Vergleich mit den Bildungsinvestitionen in anderen arabischen und islamisch geprägten Staaten hoch. Die durchschnittlichen staatlichen Ausgaben für Bildung betrugen in den Jahren 2000-2007 rund 5 Prozent des BSP (UNDP 2011). 

Ziel ist es, dadurch eine gute Basis für langfristige und nachhaltige Entwicklung zu schaffen. Dabei spielte und spielt noch heute die Überzeugung des jordanischen Könighauses, dass Bildung und Forschung für die langfristige und nachhaltige gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung des Landes von zentraler Bedeutung sind, eine tragende Rolle.

Zu den Errungenschaften gehören u.a. die frühe Einführung und Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht für alle Kinder und Jugendlichen von sechs bis 16 Jahren und der Aufbau eines umfassenden und qualitativ hochwertigen Bildungssystems, das jedem Dorf undjeder Kommune mit mehr als zehn Kindern im schulpflichtigen Alter eine Schule zur Verfügung stellt. Der Besuch von Grund- und weiterführenden Schulen ist kostenlos.

Jordanien hat heute eine der niedrigsten Analphabetisierungsraten in der arabischen Welt und eine landesweite Einschulungsrate von 98 Prozent. Die Bemühungen, diese Entwicklung weiter voranzutreiben, werden fortgesetzt.

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Indikatoren für Bildung

Indikator

Jordanien

Deutschland

Stand

 

Anteil öffentlicher Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

3,6

4,8

2017/15

 

Wachstum des öffentlichen Bildungsanteils am BIP (Differenz des BIP-Bildungsanteils zu dem des Vorjahres in Prozentpunkten) [Prozent]

-7,6

-2,4

2017/15

 

Anteil öffentlicher Ausgaben für die tertiäre Bildung am BIP [Prozent]

0,7

1,2

2017/15

 

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

8,5

3,9

2017/16

 

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

0,284

3,043

2017/16

 

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender im Land [Prozent]**

13,9

8,0

2017/16

 

Anzahl Promovierender insgesamt

4.286

197.000

2017/16

 

Anteil tertiär Graduierter (ISCED 5 oder höher) an der über 25-jährigen Bevölkerung [Prozent]

16,2

26,2

2010/16

 

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften (Ingenieurwissenschaften) [Prozent]

3,9 (16,4)

keine Angaben

2015

 

PISA-Ergebnisse: Lesen [Punktzahl (Platzierung)]

408 (58)

509 (12)

2015

 

PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften [Punktzahl (Platzierung)]

409 (61)

509 (16)

2015

 

PISA-Ergebnisse: Mathematik [Punktzahl (Platzierung)]

380 (64)

506 (16)

2015

 

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Quelle: UNESCO Institute of Statistics, Stand September 2018, und "OECD - PISA 2015. Ergebnisse im Fokus"
* UNESCO registriert nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.
** UNESCO registriert nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss in dem jeweiligen Land anstreben.

Redaktion: 30.11.2018, von: Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

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Schulen und Hochschulen

Das jordanische Bildungssystem ist dreistufig aufgebaut: Vorschule, Grundschule, und Sekundarstufe. Die Unterrichtssprache an den staatlichen Schulen ist Arabisch.

Die Lernziele der zehnjährigen Grundausbildung umfassen laut dem Ministerium für Bildung (Ministry of Education)  folgende sieben Kernbereiche:

  • Prinzipien und Geschichte des Islam
  • Grundlagen der arabischen Sprache
  • Natur- und Geographiekenntnisse in Jordanien, der arabischen Welt und weltweit
  • Grundlagen gesellschaftlichen Verhaltens und Respekt gegenüber nationalen Werten und Traditionen
  • Liebe und Verantwortung gegenüber dem Heimatland
  • Grundlagen mindestens einer Fremdsprache (in der Regel Englisch)
  • Grundverständnis von wissenschaftlichen und technischen Fertigkeiten und deren Anwendung im Alltag.

Die Lernziele der zweijährigen Sekundarstufe umfassen laut dem Ministerium für Bildung 14 Kernbereiche, u.a. die arabische Sprache und Literatur, kulturelle Identität, Teamarbeit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, internationale Orientierung und Fremdsprachen, sowie Informations-und Kommunikationstechnologien. Während der zweijährigen Schulzeit werden alle Schüler in neun Fächern unterrichtet:

  • Arabisch
  • Englisch
  • Mathematik
  • Sozialkunde
  • Computerkunde
  • Geographie
  • Chemie
  • Biologie
  • Physik
  • Islamkunde.

Darüber hinaus gibt es für die Schüler die Möglichkeit eine von zwei Spezialisierungen zu wählen, die dann zum Erwerb des akademischen bzw. des angewandten Tawjihi führen.

Während die akademische Ausrichtung sich an einer breiteren und theoretischeren Allgemeinbildung orientiert, die auch die Hochschulreife darstellt (etwa vergleichbar mit dem deutschen Abitur), ist die angewandte Ausrichtung praxisorientierter gestaltet und umfasst u.a. Praktika und berufsvorbereitende Maßnahmen.

Im Durchschnitt setzten 97 Prozent eines Abschlussjahrganges der Grundschule nach der 10. Klasse den Unterricht für weitere zwei Jahre in der Sekundarstufe fort. 85 Prozent der Tawjihi-Absolventen studieren danach an einer staatlichen oder privaten Universität.

Nach wie vor orientiert sich das Bildungssystem am britischen Schulsystem. An den Schulen wird als Fremdsprache hauptsächlich und fast ausschließlich Englisch unterrichtet. Die Sprachkompetenz der Absolventen in Englisch ist hoch und dies ermöglicht eine gute, internationale Kommunikationsfähigkeit. Diese wurde jordanischen Schülern u.a. zuletzt wieder in dem aktuellen Arab Knowledge Report 2011 attestiert. Weitere Fremdsprachen sind jedoch wenig verbreitet.

Das jordanische Schulsystem; Quelle: The Knowledge Company

Alter in Jahren

Schulform

Lern- und Bildungsziele

Dauer in Jahren

18

17

Sekundarstufe

Vermittlung von spezialisiertem Wissen

2

16

15

14

13

12

11

10

9

8

6

Grundschule

Grundausbildung von jungen Bürgern in allen Aspekten ihrer Persönlichkeit:psychisch, physisch, mental, spirituell

10

5

4

Vorschule, "Kindergarten"

Vorbereitung auf die Grundschule

Maximal 2

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Heute umfasst das jordanische Hochschulsystem insgesamt zehn staatliche und 20 private Universitäten (Jameah) sowie 51 Akademien (Kulleyat al-Mujtama).

Staatliche Universitäten in Jordanien:

Private Universitäten in Jordanien:

Das Hochschulsystem ist, ähnlich wie in Deutschland, grundsätzlich in drei Abschnitte und Abschlüsse unterteilt.

  1. Bachelor (Dararjat al-Bakalorius), B.Sc. oder B.A. (Dauer vier bis sechs Jahre)
  2. Master (Darajat al-Majastair), M.Sc. oder M.A. (Dauer anderthalb bis zwei Jahre)
  3. Promotion (Doctorah oder Al-Ikhtisas), Dr. oder Ph.D. (Dauer durchschnittlich vier Jahre).

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Anders als Deutschland nimmt Jordanien nicht am EU Bologna Prozess teil. Bis heute unterscheiden sich deshalb sowohl die Struktur als auch das Bewertungssystem deutlich von der dreistufigen Bologna-Struktur und dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) und damit von den hiesigen Gegebenheiten. Eine Integration in und Konformität mit dem Bologna-System wurde bisher nicht angestrebt.

Insgesamt waren 2011 230.000 Bachelor Studenten an jordanischen Universitäten eingeschrieben. Rund 70% davon an staatlichen Einrichtungen und nur 30% an den Privaten. Der Frauenanteil betrug mit 120.000 eingeschriebenen Studentinnen knapp über die Hälfte. Im gleichen Jahr studierten rund 13.054 Master Studenten und 2116 Doktoranden. Der Frauenanteil ist hier mit 45 Prozent beim Master und 34 Prozent bei den Doktoranden deutlich geringer als bei den Bachelor-Studenten. 87 Prozent aller Master und Promotionsstudenten sind an staatlichen Universitäten eingeschrieben.

Trotz der Bedeutung die Bildung - insbesondere höherer Bildung- für die Entwicklung des Landes auf politischer Ebene beigemessen wird, ist Jordanien (zusammen mit Libanon und den palästinensischen Gebieten) eines der arabischen Länder mit der geringsten Anzahl an Studenten. 

Die bekanntesten staatlichen Universitäten sind:

  • University of Jordan (Amman); sie ist auch die älteste und größte Universität des Landes
  • Jordan University of Science and Technology (Irbid)
  • Yarmouk University (Irbid)
  • Al-Balqa University for Applied Sciences (Salt)

Alle jordanischen Universitäten verfügen seit der Hochschulreform  2009 über ein relativ hohes Maß an Autonomie. Diese umfasst hauptsächlich administrative, aber auch finanzielle Aspekte. Innerhalb der Richtlinien und Vorgaben, die vom nationalen Gremium für höhere Bildung und Forschung (Board of Higher Education) vorgegeben und überwacht  werden, können die Universitäten z.B. ihre Curricula, Studienprogramme und Prüfungen weitgehend selbständig bestimmen (siehe Kapitel Politische Zielsetzungen). In jeder Universität ist dafür ein Kuratorium (Board of Trustees) zuständig. Das Kuratorium wird qua königlichen Erlasses auf Empfehlung des Premierministers ernannt und besteht in der Regel aus 12 Mitgliedern und einem Vorsitzenden. Das Kuratorium ernennt an staatlichen Universitäten auch den Präsidenten der Universität, an privaten Universitäten hat es das Vorschlagsrecht.

Jordanische Universitäten sind insgesamt offen für internationale Kooperation. Die besten Absolventen werden regelmäßig mit Stipendien ins Ausland geschickt und dort gefördert. Zudem bemühen sich jordanische Universitäten verstärkt darum internationale Studenten, insbesondere aus den arabischen Nachbarländern, anzuziehen. Die meisten Universitäten sind in ein oder mehrere Partnerschaften mit internationalen Universitäten eingebunden und haben in der Vergangenheit erfolgreich an EU und internationalen Wissenschaftsförderprogrammen teilgenommen (siehe Kapitel Bi- und multilaterale Programme).

Ein wichtiges Anliegen der Politik war und ist es, allen Jordaniern Zugang zu Universitäten zu ermöglichen. Deshalb wurden systematisch in allen Teilen des Landes Universitäten auf- und ausgebaut (siehe oben). Dennoch findet sich die größte Dichte an Institutionen im Umkreis der Hauptstadt Amman. Dabei ist insbesondere die Prinz Hassan Wissenschaftsstadt ein wichtiges Wissenscluster (siehe Kapitel Forschungslandschaft).

Alle privaten Universitäten in Jordanien sind als Unternehmen im Handelsregister eingetragen, und dort meist als GmbH oder börsennotierte Aktiengesellschaften registriert. Geographisch konzentrieren sich die privaten Universitäten auf die Ballungsgebiete im Norden und sind primär für reiche Familien und zahlungskräftige Studenten interessant.

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Berufliche Bildung

Die berufliche Ausbildung findet vor allem im Rahmen des berufsvorbereitenden, sekundären Schulabschlusses statt. Dieser umfasst eine praxisorientierte Schulbildung, die mit Praktika und Training kombiniert wird.

Für die Absolventen gibt es anschlieβend die Möglichkeit zur weiteren beruflichen Bildung an den staatlichen Akademien, die zum Erwerb des Diplome al-Mutawaset führen. Dieses dient unter Erfüllung bestimmter Auflagen auch als Zulassungsvoraussetzung für das Universitätsstudium.

Staatliche Akademien existieren vor allem in folgenden Bereichen:

  • (öffentliche) Verwaltung
  • Buchhaltung
  • Landwirtschaft
  • Bildende Künste
  • Ingenieurswesen
  • Tourismus und Hotelmanagement
  • Informationsmanagement und Bibliothekswesen
  • Medizinisch-technische Assistenz und Krankenpflege
  • Islamisches Recht und Islamstudien.

Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung gibt es vergleichsweise wenige. Dieser Bereich wird aber konsequent gefördert und weiter ausgebaut. Zu den bekanntesten Weiterbildungseinrichtungen gehören:

  1. Trainingscenter der Royal Scientific Society hat das Ziel Personal und Humankapital in der öffentlichen Verwaltung und im Privatsektor durch gezieltes technisches, betriebswirtschaftliches und Management-Training zu fördern. Das Trainingscenter der RSS bietet regelmäβig eine Vielzahl von Kursen an.
  2. Microsoft University wurde 2002 unter Beteiligung der jordanischen Arab Software Company for Development and Training als erste Unternehmenshochschule in Jordanien gegründet. Die Microsoft University bietet Qualifizierung von Regierungsmitgliedern für die Umsetzung von E-Government-Projekten und Kurse für interessierte Einzelpersonen an.
  3. Ende November 2011 wurde das ESCWA Technology Center eingeweiht. Dieses wurde mit Unterstützung der Economic and Social Commission for Western Asia (ESCWA) der Vereinten Nationen auf dem Campus der Hassan Science City eingerichtete und widmet sich vor allem dem Ausbau von nationalen und administrativen Kapazitäten für die Entwicklung, Anpassung und Anwendung von Technologien. Zudem unterstützt es nationale und regionale Entscheidungsträger bei der Identifizierung von neuen und geeigneten Technologien in den Bereichen Bau, Industrietechnik, Energie, Landwirtschaft, Wasser und Telekommunikation.

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Eine Initiative vom

Projektträger