Überblick

Die jordanische Forschungslandschaft ist wesentlich geprägt durch zwei Institutionen: die Royal Scientific Society (RSS), die heute die größte Institution für angewandte Forschung des Landes ist, und den Higher Council for Science and Technology (HSCT). Dieser wurde bereits 1987 etabliert und wird seitdem vom Onkel des amtierenden Königs, Prinz Hassan, geleitet. Bis 2007 war einzig der HSCT für die Formulierung der nationalen Forschungsstrategie und deren Umsetzung zuständig. Seit 2007 wird die Implementierung maßgeblich  vom neuen  Ministerium für Höhere Bildung und Forschung (Ministry for Higher Education and Scientific Research, MHESR) übernommen.

Insgesamt gibt es heute 193 staatliche und private Institutionen, die im Bereich der Forschung und Technologie engagiert sind, davon 82 mit angeschlossenen Laboren und aktiven Forschungstätigkeiten in 379 Forschergruppen (laboratory units).

Laut dem MHESR waren 2011 insgesamt 8165 Akademiker an jordanischen Universitäten beschäftigt, darunter 5823 Professoren (full, associate and assistant professors). Die genaue Anzahl der Wissenschaftler an Forschungsinstituten und in der Privatwirtschaft ist hingegen nicht verfügbar. Die gute Qualität der Ausbildung führt dazu, dass Jordanien im Weltbank Ranking "Bildung und Humankaptial" im arabischen Raum hinter Bahrain den zweiten Platz belegt. Allerdings finden sich pro Million Einwohner in Jordanien nur 135 Wissenschaftler. Dies ist ein extrem niedriger Wert (zum Vergleich: Deutschland 3780).  

Entsprechend der vergangenen Prioritätensetzung im Bereich Ingenieurswesen, der neueren Technologien, sowie der Natur- und Lebenswissenschaften präsentiert sich Jordanien heute als eines der forschungsstärksten arabischen Länder auf diesen Gebieten. Dies spiegelt sich u.a. auch in der relativ starken Beteiligung Jordaniens am 7. Forschungsrahmenprogramm der EU (Platz 4, nach Ägypten, Tunesien und Marokko). In den Bereichen der Wirtschafts-, Geistes-, und Sozialwissenschaften ist Jordanien jedoch deutlich schlechter aufgestellt. Hier gibt es erheblichen Nachhol- und Handelsbedarf.

Trotz des relativ hohen Niveaus der Forschungszentren und Universitäten werden Forschungsergebnisse bisher kaum kommerzialisiert. Um das Zusammenspiel von Forschung, Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft in Zukunft zu verbessern, arbeitet der HCST zur Zeit die neue nationale Forschungsstrategie aus, die zum ersten Mal neben Forschung und Technologie auch explizit Elemente zur Förderung von Innovation umfassen soll.

FuE-Indikatoren

Indikator

Jordanien(1)

Deutschland(2)

OECD-Gesamt(2)

Stand

Nationale FuE-Ausgaben [Mio. USD*]

285

118.159

1.266.135

2016

FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

0,3

2,9

2,3

2016

Anzahl der Forschenden (Vollzeitäquivalente)

5.660

400.821

4.770.739

2016/16/15

Anzahl der Forschenden (VZÄ) je 1000 Beschäftigte

2,8

9,2

8,3

2016/16/15

Anteil internationaler Ko-Patente an Patentanmeldungen unter dem Vertrag über Patentzusammenarbeit (PCT) [Prozent](3)

25,0

16,9

7,7

2014

Quellen:
(1) UNESCO Institute of Statistics, Stand Juni 2018
(2) OECD.Stat Main Science and Technology Indicators MSTI 2018/1 (Stand Juli 2018)
(3) OECD.Stat Patents Statistics, Stand Oktober 2017

Redaktion: 19.11.2018, von: Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

Forschungsorganisationen

Die bereits 1970 gegründete Royal Scientific Society (RSS) ist heute mit 25 Laboratorien und über 500 Mitarbeitern die größte und wichtigste Forschungsorganisation Jordaniens.

Thematisch stehen drei Bereiche im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten:

  • Energie, Wasser und Umwelt
  • Bauwesen und Stadtplanung
  • Informations- und Kommunikationstechnologien

Neben angewandter Forschung auf diesen Gebieten ist die RSS auch in den Bereichen Wissenschafts- und Wirtschaftsberatung sowie technische Dienstleistungen und Wartung tätig. Dazu gehören u.a. Material- und Geräteprüfungen sowie Medikamentenzertifizierung und Lebensmittelkontrollen.

Weitere wichtige Forschungseinrichtungen des Landes sind die acht mit dem Higher Council for Science and Technology (HCST) affiliierten Zentren:

Weitere wichtige Forschungsinstitute an den größeren Universitäten, insbesondere an der University of Jordan, sind:

Förderorganisationen

In Jordanien gibt es drei wichtige Forschungsförderorganisationen:

Der Hohe Rat für Wissenschaft und Technologie (Higher Council for Science and Technology, HCST) ist nicht nur ein zentraler Akteur bei der Entwicklung und Ratifizierung der nationalen Forschungspolitik, sondern stellt auch selbst sowohl Wissenschaftlern als auch Unternehmern eine Vielzahl von Förderprogrammen und Fonds zur Verfügung. Der HSCT fördert insbesondere die acht direkt affiliierten Forschungszentren und fördert darüber hinaus eine  Vielzahl von Programmen für Wissenschaftler, von denen zum Teil auch Unternehmen profitieren können. 

Das Ministerium für Höhere Bildung und Forschung (Ministry of Higher Education and Scientific Research) verwaltet den unabhängigen 2007 geschaffenen Wissenschaftsfonds (Scientific Research Support Fund (SRSF), der vor allem Projekte in den Bereichen Energie, Wasser und Gesundheit unterstützt. Die Ressourcen des SRSF werden darüber hinaus zur Identifizierung der nationalen Forschungsprioritäten sowie der geschichtlichen Dokumentation eingesetzt.  

Das Finanziministerium (Ministry of Finance) verwaltet und vergibt die Budgets der Universitäten und verteilt außerdem die im Rahmen der "Universitätssteuer" eingenommen Gelder.

Darüber hinaus fördert seit 2007 auch der King Abdullah Fund for Development Pilot- und Forschungsprojekte, die Partnerschaften zwischen privatwirtschaftlichen Akteuren und Akteuren der Zivilgesellschaft unterstützen.

FuE im öffentlichen Sektor

Die wichtigsten Forschungsorganisationen Jordaniens befinden sich ohne Ausnahme im öffentlichen Sektor. Forschungstätigkeiten des Privatsektors sind nach wie vor gering, auch wenn vermehrt Anstrengungen betrieben werden hier zusätzliche Kapazitäten zu schaffen und zu fördern.

Laut dem ERAWATCH Report 2010 finanzierte der öffentliche Sektor im Jahr 2006 über 70 Prozent der Forschungsförderung, während nur 3 Prozent aus dem Bereich des Privatsektors stammen. Aktuellere Zahlen sind nicht verfügbar.

Die im April 2007 eingeweihte El Hassan Science City, umfasst heute eine Vielzahl an Instituten und Einrichtungen, darunter den Higher Council for Science and Technology (HCST), die Royal Scientific Society (RSS), die Prinzessin Sumaya Universität für Technology (PSUT), den El-Hassan Business Park sowie weitere Forschungs- und Entwicklungszentren.

Die El Hassan Science City dient als Campus, Austausch- und Kooperationsplattform für Studenten, Wissenschaftler, Unternehmer, Gründer und Förderorganisationen. Sie ist somit eines der wichtigsten jordanischen Projekte um Forschung und Entwicklung besser mit dem privaten Sektor zu vernetzen und auch, um öffentlich-private Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Entwicklung zu stärken.

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Projektträger