Überblick

Das eigenständige Bildungssystem in den Palästinensischen Autonomiegebieten ist noch relativ neu, der Aufbau erfolgte erst im Zuge des Osloer Friedensprozesses Anfang der 1990er und dem Aufbau der palästinensischen Selbstverwaltung. Ein zentrales Anliegen der palästinensischen Autonomiebehörde war und ist es, der relativ jungen Bevölkerung, unabhängig von Geschlecht, Wohnort (Land oder Stadt), (Flüchtlings-) Status oder Familieneinkommen, eine kostenfreie und einheitliche Grundausbildung zu gewährleisten.

Diese Politik wurde in den vergangen Jahren auch erfolgreich umgesetzt. Trotz zum Teil widriger Umstände weisen die palästinensischen Gebiete eine der höchsten Einschulungsraten der Region auf. Diese ist, trotz der weiterhin hohen Geburtenrate, in den letzten Jahren stark gestiegen und betrug 96 Prozent (vgl. UNESCO UIS) im Jahr 2012.

Seit der umfassenden Schulreform 1998 gibt es erstmals einheitliche Lehrpläne und verbindliche einheitliche Lernziele im Gazastreifen und der Westbank. Bis dahin wurden Schüler in der Westbank nach dem jordanischen Lehrplan unterrichtet, während der Unterricht im Gazastreifen den Vorgaben der ägyptischen Lehrpläne folgte. Wichtigstes Ziel der Schul- und Unterrichtsreform war die Schaffung einer nationalen Bildungseinheit und gleichzeitig die Modernisierung der Lehrpläne, die nicht nur Lehrinhalte, sondern auch Lehrmethoden und Unterrichtsfächer umfasst. Aufgrund der schwierigen Bedingungen – durchschnittlicher Anstieg der Schülerzahlen um 1 Prozent, veraltete Ausstattung, zu geringe Kapazitäten – versucht die Autonomiebehörde die Strukturen neu auszurichten (vgl. PCBS Yearbook 2013/14).

Das Schulsystem sieht eine kostenlose verpflichtende Schulbildung von 10 Jahren vor. Die Grundstufe, welche ab 6 Jahren besucht wird, ist nach 4 Jahren in eine Einführungs- und eine Aufbaustufe geteilt. Nach der 10. Klasse folgt die zweijährige Sekundarstufe, die entweder einen beruflichen oder einen akademischen Zweig vorsieht. 

Koedukation ist noch relativ selten (419 Schulen), Mädchen (792) und Jungen (793) werden weitestgehend an verschiedenen Schulen unterrichtet. Obwohl sich die Ausstattung mit Labortechnik, Bibliotheken und Informationstechnologien an vielen Schulen in den letzten Jahren deutlich verbessert hat, leiden die meisten Schulen weiterhin an einer unzureichenden Grundausstattung und vor allem an Überfüllung. Die durchschnittliche Klassengröße beträgt 30,3 wobei dieser Wert in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken ist (vgl. link Public expenditure review of education in palestine 2013).

Indikatoren für Bildung

Indikator

Palästinensische Gebiete

Deutschland

Stand

 

Anteil öffentlicher Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) [Prozent]

5,3

4,8

2017/15

 

Wachstum des öffentlichen Bildungsanteils am BIP (Differenz des BIP-Bildungsanteils zu dem des Vorjahres in Prozentpunkten) [Prozent]

-0,4

-0,1

2017/15

 

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

11,2

3,9

2017/16

 

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

0,218

3,043

2017/16

 

Anzahl Promovierender insgesamt

27

197.000

2016

 

Anteil tertiär Graduierter (ISCED 5 oder höher) an der über 25-jährigen Bevölkerung [Prozent]

23,7

26,2

2016

 

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften (Ingenieurwissenschaften) [Prozent]

3,1 (8,6)

9,5 (22,0)

2017/16

 

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Quelle: UNESCO Institute of Statistics, Stand September 2018
* UNESCO registriert nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.

Redaktion: 30.11.2018, von: Miguel Krux, VDI Technologiezentrum GmbH

Weitere Informationen
Links/Institutionen

Schulen und Hochschulen

Das palästinensische Bildungssystem ist dreistufig aufgebaut: Vorschule, Grundschule und Sekundarstufe. Die Unterrichtssprache an den staatlichen Schulen ist Arabisch.

Die Vorschule beginnt im Alter von 3 Jahren und acht Monaten und endet im Alter von 5 Jahren und acht Monaten. Die Schulpflicht beginnt mit 6 Jahren und umspannt nur die Grundschule. Langfristig soll die allgemeine Schulpflicht auch die letzten zwei Schuljahre umfassen, diese Verbindlichkeit besteht jedoch bisher noch nicht.

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Darstellung der Schulformen nach Alter und Dauer

Alter in Jahren

Schulform

Ziel

Dauer in Jahren

18

17

Sekundarstufe

Vermittlung von spezialisiertem Wissen (kulturell, wissenschaftlich, berufsvorbereitend)

Abschluss: "Tawjihi" (vglb. dt. Abitur)

2

16

15

14

13

12

11

10

9

8

7

6

Grundschule

 

 

 

 

 

10-16

-----------------------------------

6-9

Grundausbildung in vier Dimensionen: national, Arabische Nation, religiös und international Schaffung und Stärkung einer palästinensischen Identität und Einheit durch einheitliche Bildung

 

Aufbaustufe

-----------------------------------

Einführungsstufe

10

5

4

3

Vorschule

"Kindergarten"

Vorbereitung auf die Grundschule

3

Die Lernziele der Grundschule umfassen laut dem Ministerium für Bildung und Höhere Bildung (www.moehe.gov.ps und Ministerien und Gremien) folgende Kernbereiche:

  • historische, politische und soziale Aspekte der palästinensischen Identität und Traditionen
  • Zugehörigkeit zum Islam
  • Schaffung der islamischen und arabischen Einheit
  • erweiterte Grundlagen der arabischen Sprache
  • Technologie, Umweltschutz, Demographie und deren Bedeutung für wirtschaftliche und soziale Entwicklung
  • Grundlagen gesellschaftlichen Verhaltens und aktives gesellschaftliches Engagement
  • Grundlagen mindestens einer Fremdsprache (in der Regel Englisch)
  • Grundverständnis von wissenschaftlichen und technischen Analysemethoden und deren Anwendung im Alltag

Insgesamt spielt die Vermittlung und Stärkung der palästinensischen Identität sowie deren Zugehörigkeit zur islamischen und arabischen Welt eine zentrale Rolle in der Schulbildung. Junge Palästinenser sollen darauf vorbereitet werden, sich für die Realisierung von Freiheit und Unabhängigkeit sowie für die konstruktive Zusammenarbeit mit anderen Nationen einzusetzen. Darüber hinaus werden sie angelernt, sich aktiv in allen gesellschaftlichen Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Humanitärer Hilfe und Sozialem zu beteiligen. Neben der Wissensvermittlung gehören deshalb ausdrücklich auch die Vermittlung von analytischen Fähigkeiten und kritischem Denken sowie Techniken zur wissenschaftlichen Herangehensweise an Problemstellungen und Herausforderungen zu den Lernzielen.

In den palästinensischen Gebieten gibt es drei Schulträger. Nach Angaben des palästinensischen Zentralbüros für Statistik (Palestinian Central Bureau of Statistics (PCBS) wurden im Schuljahr 2013/2014 2.063 Schulen vom Ministerium für Bildung und Höhere Bildung, 342 Schulen von den Vereinten Nationen (United Nations Relief and Works Agency, UNRWA) (Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungpolitik) und 379 von privaten Trägern betrieben. Insgesamt liegt die Schülerzahl bei rund 1,15 Mio., wobei zwei Drittel davon staatliche und nur rund ein Drittel private oder vom UNRWA geführte Schulen besuchen (Quelle: PCBS Yearbook 2013/14).

Die zehnjährige Grundausbildung ist in zwei Stufen untergliedert: die Einführungsstufe (Klasse 1 bis 4) und die Aufbaustufe (Klasse 5 bis 10). In der Einführungsstufe werden folgende 10 Fächer in insgesamt 30 Wochenstunden (je 45 Min.) unterrichtet:

Islamkunde

Arabisch

Englisch

Naturwissenschaften (Physik, Biologie, Chemie)

Mathematik

Sozial- und Nationalkunde

Kunst und Werken

Bürger- und Gemeinschaftskunde

Sport

Freie Aktivität (Computerkunde, Bibliotheks- und Ausstellungsbesuche, kulturelle Aktivitäten und Mannschaftssport)

   

In der Aufbaustufe umfasst der Lehrplan zusätzlich je zwei Wochenstunden in dem Pflichtfach "Technologie und angewandte Wissenschaft" und weitere zwei Wochenstunden in einem von vier möglichen Wahlpflichtfächern:

Zweite Fremdsprache

Hauswirtschaft

Gesundheitswesen

Umweltschutz

In der 10. und letzten Klasse der Grundschule bietet das Schulsystem den Schülerinnen und Schülern zusätzliche Flexibilität, um sich entsprechend ihrer Vorlieben und Fähigkeiten weiter zu spezialisieren. Die Fächer "Freie Aktivitäten" und "Bürger- und Gemeinschaftskunde werden durch das Fach "Berufsvorbereitung" und  zwei Wahlpflichtfächer aus folgenden Bereichen ersetzt:

Landwirtschaft

Industrie

Tourismus

Handel und Verwaltung

Die Lernziele der Sekundarstufe, also der Klassen 11 und 12, umfassen vor allem akademische bzw. technische Fähigkeiten und praktisches, berufsvorbereitendes Training. Während der zweijährigen Schulzeit werden alle Schüler in 13 Fächern unterrichtet:

Islamische Religion

Arabisch

Englisch

Mathematik

Chemie

Physik

Biologie

Geschichte

Geographie

Wirtschaft und Verwaltung

Kunst und Werken

Sport

Technologie und angewandte Wissenschaft

   

Dabei haben die Schüler die Möglichkeit eine von zwei Spezialisierungen (technisch-naturwissenschaftlich oder geistes- und sozialwissenschaftlich) zu wählen. Am Ende von Klasse 12 stehen Abschlussprüfungen in sechs Fächern an, die zum Erwerb des Tawjihi (vglb. dt. Abitur bzw. Hochschulzugangsberechtigung in PSE) führen. Für alle Schüler sind Prüfungen in Islamkunde, Arabisch, Englisch und Mathematik Pflicht. Darüber hinaus sind bei der naturwissenschaftlichen Spezialisierung zwei Prüfungen in den Bereichen Chemie, Biologie oder Physik zu absolvieren bzw. im Rahmen der sozialwissenschaftlichen Spezialisierung in den Bereichen Geschichte, Geographie oder Wirtschaft. Dieser Abschluss berechtigt zum Studium an einer Universität.

Alternativ zu dem allgemeinen "akademischen" Tawjihi existiert in den Bereichen Industrie und Gewerbe, Landwirtschaft, Krankenpflege oder Hotellerie auch ein berufsbezogenes Tawjihi (vglb. dt Fachabitur). Hier steht die Berufsvorbereitung im Vordergrund. Praxisbezogener Unterricht wird durch ein Berufspraktikum ergänzt. Weiterführend erlaubt dieser Abschluss das Studium an einem College. (Berufliche Bildung)

Sämtliche Wahl- und Wahlpflichtangebote, die im palästinensischen Schulsystem vorgeschrieben sind, wurden erst 1998 eingeführt. Diese Flexibilität und Modernisierung hat sich bereits heute als sehr positiv dargestellt, obwohl die damit verbundenen erhöhten Ansprüche an Lehrende und Unterrichtsmethoden nach wie vor zu den größten Herausforderungen zählen. Angaben des Arab Knowledge Report 2011 zufolge besteht auf Seiten der Lehrkräfte nach wie vor starker Fort- und Weiterbildungsbedarf.

Im Jahr 2011 setzten im Durchschnitt 95 Prozent des Abschlussjahrganges jeder Grundschule nach der 10. Klasse den Unterricht für weitere 2 Jahre in der Sekundarstufe fort. Danach studierten rund 50 Prozent der Tawjihi-Absolventen an einer Universität oder anderen Einrichtung für höhere Bildung (UNESCO UIS 2011).

In den Palästinensischen Gebieten gibt es heute insgesamt 53 Einrichtungen der höheren Bildung, die meisten sind noch sehr jung. Das palästinensische Hochschulsystem umfasst heute insgesamt 15 Universitäten (Jameah) und polytechnische Hochschulen (Alpolytechnik), 18 Universitäts Colleges (Alkulliah Al-Jamiaaiah) und 20 Community Colleges (Kulleyat al-Mujtama) (vgl. MoHE 2013).

Davon sind 34 im Westjordanland und 18 im Gazastreifen angesiedelt. Die einzige Freie Universität, die Al-Quds Open University, besitzt Standorte im gesamten Palästinensischen Gebiet.

Nach Angaben des MoHE waren 2013 an diesen insgesamt 213.581 Studierende eingeschrieben, davon rund 174.000 Bachelor-Studierende. Der Frauenanteil an allen eingeschriebenen Studierenden betrug mit 126.000 deutlich die Mehrheit. (vgl. MoHE 2013)

Je nach dem Träger werden diese in staatliche, öffentliche und private Einrichtungen unterteilt. Öffentliche Hochschulen werden von internationalen Organisationen wie dem UNRWA und anderen Nichtregierungsorganisationen betrieben.

Staatliche und öffentliche Universitäten in den Palästinensischen Gebieten

Universität

Ort

Studierendenzahl

Website

Al-Azhar University

Gaza

15.000

www.alazhar-gaza.edu

An-Najah National University

Nablus

20,000

www.najah.edu

Islamic University

Gaza

20.000

www.iugaza.edu.ps

Al-Aqsa University

Gaza

17.000

www.alaqsa.edu.ps

Hebron University

Hebron

7.000

www.hebron.edu

Palestine Polytechnic University

Hebron

5.000

www.ppu.edu

Bethlehem University

Bethlehem

3.300

www.bethlehem.edu

Al-Quds University

Jerusalem

12.000

www.alquds.edu

Birzeit University

Birzeit

10.000

www.birzeit.edu

Palestine Technical University-(Tulkarm-Khadoury)

Tulkarm

4.500

www.ptuk.edu.ps/eindex.php

Private Universitäten in den Palästinensischen Gebieten

Universität

Ort

Studierendenzahl

Website

The Arab American University

Jenin

6.300

www.aauj.edu

Gaza (Women) University

Gaza

600

www.gu.edu.ps (Arabisch)

University of Palestine

Al-Zahra

2.700

www.up.edu.ps/en/

Das Hochschulsystem ist grundsätzlich in drei Abschnitte und Abschlüsse unterteilt.

  • Bachelor Abschluss (Bakalorius), B.Sc. oder B.A., nach vier bis sechs Jahren
  • Master Abschluss (Majastair), M.Sc. oder M.A., nach zwei Jahren
  • Promotion (Doctorah), Dr. oder Ph.D., nach zwei Jahren

Die Länge der Bachelor-Ausbildung ist dabei im Rahmen der oben angegebenen Durchschnittswerte je nach Art der Institution durchaus unterschiedlich.

Die palästinensischen Gebiete nehmen bislang nicht am EU Bologna Prozess teil, weshalb sich sowohl die Struktur als auch das Bewertungssystem deutlich von der dreistufigen Bologna-Struktur und dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) unterscheiden. Eine Integration in und Konformität mit dem Bologna-System wurde bisher nicht angestrebt.

Die palästinensischen Gebiete besitzen zusammen mit dem Libanon und Jordanien die geringste Anzahl an Studierenden in der ganzen Region.

Das Gesetz zur höheren Bildung aus dem Jahr 1998 regelt bis heute, dass alle Institutionen im Bereich der höheren Bildung unter die Aufsicht des Ministeriums für Bildung und Höhere Bildung (link Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungpolitik) und des Rates für Höhere Bildung (Council for Higher Education, link Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungpolitik) gestellt sind. In Anlehnung an internationale Standards verfügen die palästinensischen Universitäten jedoch über ein relativ hohes Maß an Autonomie. Diese umfasst hauptsächlich administrative, aber auch finanzielle Aspekte. Innerhalb der Richtlinien und Vorgaben, die von der Akkreditierungskommission (Link Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungpolitik) vorgegeben und überwacht werden, können die Universitäten z.B. ihre Curricula, Studienprogramme und Prüfungen weitgehend selbständig bestimmen. In jeder Universität ist dafür ein Kuratorium (Board of Trustees) zuständig.

Das Kuratorium wird auf Empfehlung des Premierministers ernannt und besteht in der Regel aus 12 Mitgliedern und einem Vorsitzenden. Das Kuratorium ernennt an staatlichen Universitäten auch den Präsidenten der Universität, an privaten Universitäten hat es das Vorschlagsrecht.

Alle Universitäten und andere Einrichtungen der höheren Bildung erheben moderate Studiengebühren. Einzige Ausnahme sind die Institutionen unter Aufsicht der Vereinten Nationen (UNRWA), die kostenfrei sind. Staatliche Universitäten sind zu 60-70 Prozent über die Studiengebühren finanziert. Um trotzdem möglichst allen qualifizierten Studierende ein Studium zu ermöglichen, stellt das Ministerium für Bildung und Höhere Bildung seit 2002 allen Studierenden mit nicht ausreichenden finanziellen Mitteln zinslose Kredite zur Verfügung. (link Ministerien und Gremien und link  Förderorganisationen) (vgl. Tempus 2012).

Da Studiengebühren dennoch nur sehr sporadisch und unregelmäßig überwiesen werden, sind alle staatlichen Hochschulinstitutionen chronisch unterfinanziert und in weitem Maße auf internationale Zusammenarbeit und technische sowie finanzielle Unterstützung angewiesen, um den Lehrbetrieb aufrechtzuerhalten.

Um den palästinensischen tertiären Bildungssektor systematisch zu stärken, haben sich 2005 die Europäische Union und die Weltbank zusammen mit dem Ministerium für Bildung und Höhere Bildung auf eine gemeinsame Initiative verständigt. Seitdem werden so erfolgreich eine Vielzahl von Projekten, Partnerschaften, Studienprogrammen und Austausche finanziert. (link  Förderorganisationen).

Ein wichtiges Anliegen der palästinensischen Autonomiebehörde ist es, allen Palästinensern Zugang zu höherer Bildung und zu Universitäten zu ermöglichen. Deshalb wurden systematisch in allen Teilen des Landes entsprechende Institutionen auf- und ausgebaut. (link zu Liste der Universitäten Schulen und Hochschulen) Dennoch findet sich die größte Dichte an Institutionen in den Städten Ramallah und Gaza.

Die Arbeitsmarktsituation für Universitätsabsolventen in den Palästinensischen Gebieten ist Momentan sehr problematisch. Der Anteil der Arbeitslosen Absolventen lag 2012 bei ca. 27 Prozent, besonders bei den weiblichen Absolventen ist der Anteil mit 44 Prozent ohne Arbeit extrem hoch. Besonders im Gazastreifen ist die Lage der Arbeitslosen mit tertiärer Bildung einem Anteil von 35 Prozent der Männer und 56 Prozent der Frauen dramatisch (vgl. Palestine - Labor Force Survey 2012)

Berufliche Bildung

Die berufliche Ausbildung (Technical and Vocational Education and Training (TVET)) findet zunächst im Rahmen des berufsvorbereitenden, sekundären Schulabschlusses statt. Dieser wird in den Palästinensischen Gebieten von 19 Berufsschulen (14 öffentliche, 4 private, 1 kombinierte) angeboten. Das Angebot dieser Einrichtungen umfasst eine praxisorientierte Schulbildung, die mit Praktika und Training kombiniert wird. Angeboten werden 25 Programme in den Vertiefungsrichtungen Gewerbe, Hotelmanagement, Hauswirtschaftslehre, Landwirtschaft und Finanzen. Die Absolventen erhalten eine Art "Fach"Tawjihi und anschließend die Möglichkeit zur weiteren beruflichen Bildung an den Akademien und Universitätskollegien, die zum Erwerb des Berufsdiploms (Diplom mihani motakhasses) oder dem Diplom Abschluss (Diplom al-Mutawaset) führen (Quelle: Annual Education Sector Review (ASR): May 27-29, 2013).

Anschließend bietet sich den Absolventen eine Vielzahl von Möglichkeiten zur weiteren berufsorientierten Ausbildung. Neben den staatlich organisierten TVET Programmen existieren Angebote von privaten und öffentlichen Universitäten, Community Colleges sowie NGOs. Außerdem werden nicht institutionalisierte Berufsausbildungen von vielen Akteuren angeboten (Quelle: TVET Strategy MoEHE 2010) .

Aufgrund vermischter Zuständigkeiten zwischen Ministerien (Ministry of Education and Higher Education, Ministry of Labour) sowie zwischen privaten und öffentlichen Bildungsakteuren erfolgte bislang keine einheitliche Berufsausbildung. Zur Bewältigung dieses Missstandes wurde in Zusammenarbeit mit ausländischen Entwicklungsorganisationen (u.a. GIZ) eine nationale TVET Strategie (2010-12) entwickelt. Ziel ist es zunächst eine neue Struktur der beruflichen Bildung zu implementieren und eine Koordinierungsstelle (TVET-Agency) einzurichten. Ferner soll dadurch die Ausbildung stärker den Anforderungen des lokalen Arbeitsmarktes angepasst und der zweite Bildungsweg gestärkt werden (Quelle: TVET Strategy MoEHE 2010).

Trotz des starken politischen Interesses und Einsatzes der palästinensischen Autonomiebehörde berufliche Bildung und Ausbildung zu stärken und auszubauen, sind die Strukturen bislang sehr unübersichtlich und die Zahl der Studierenden eher gering. 2011 registrierte das Ministerium für Bildung und Höhere Bildung 174.000 eingeschriebene Bachelor-Studierende, aber nur knapp  29.000 Diplom-Studierende. 

Zusätzlich zu den Akademien existieren im Gazastreifen und in der Westbank eine unüberschaubare Anzahl an nicht-staatlichen Institutionen, die Kurzzeit- und  Langzeittraining anbieten, darunter Schulen, Trainingszentren, private kulturelle Zentren, humanitäre Vereinigungen  und Entwicklungsorganisationen. 

Diese existieren vor allem in folgenden Spezialisierungsbereichen:

  • Betriebswirtschaft und Jura
  • Sozialarbeit
  • Naturwissenschaft
  • Gesundheit.

Eine Registrierungspflicht bzw. Zertifizierung von offizieller Sicht gibt es bisher nicht. Im Zuge des Entwicklungsplanes für Bildung soll jedoch in Zukunft mehr Wert auf die Koordination und Passgenauigkeit der Angebote mit den bildungspolitischen Zielen und Prioritäten der Autonomiebehörde geachtet werden (Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik).

Weiterbildung

Der Bereich berufliche Weiterbildungen ist in Palästina ähnlich wie der gesamte Bildungssektor stark fragmentiert und zusätzlich schwach ausgebaut. Erste Ansätze zur Entwicklung der Wissensgesellschaft Palästina wurden im  Zuge des Projektes "Lifelong Learning in Palestine (LLIP)" entwickelt. Dieses wurde durch das europäische Tempus-Projekt gefördert und beschäftigte sich im Zeitraum 2011-13 mit dem Aufbau eines lebenslangen Lernsystems unter Einbeziehung aller Akteure im Bildungssektor (Schulen, Colleges, Universitäten) (vgl. LLiP 2013.

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