Für Bildung und Forschung zuständige Ministerien

Im Rahmen der Osloer Verträge und der Etablierung der Palästinensischen Autonomiebehörde wurden im Jahr 1994 auch die Ministerien für Bildung und für Höhere Bildung geschaffen. Letzteres wurde im Jahr 2000 umbenannt in das Ministerium für Höhere Bildung und Forschung. Im Jahr 2002 wurden beide Ministerien unter dem neuen Namen Ministerium für Bildung und Höhere Bildung (Ministry of Education and Higher Education, MOEHE) reintegriert.

Fast zehn Jahre war deshalb das Ministerium für Bildung und Höhere Bildung (MOEHE) als einziges Ministerium für Schulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen zuständig. Physisch waren die beiden Ministerien jedoch nach wie vor getrennt und unterhielten eigene Büros. Sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung als auch in der Selbstdarstellung des Ministeriums überwiegt jedoch das Thema Bildung. So wurden vom MOEHE ausführliche Statistiken und Informationen zum Bildungssektor veröffentlicht, jedoch die Bedeutung von Forschung sowie forschungspolitische Ziele und Maßnahmen zur Forschungsförderung wurden nicht thematisiert.

Von Mai 2012 bis April 2013 waren die Zuständigkeiten für Bildung und Höhere Bildung erneut auf zwei Ministerien verteilt. Das Ministerium für Bildung (MoE, www.moe.gov.ps) ist von der unabhängigen Politikerin Frau Lamis Al-Alami geleitet worden, die von 2009 bis 2012 die zuständige Ministerin für beide Ressorts war. Das Ministerium für Höhere Bildung (MoHE, www.mohe.ps) stand knapp ein Jahr unter Leitung von Dr. Ali Jarbawi, ehemals Professor für Politikwissenschaften an der Universität Birzeit und ehemaliger Planungsminister. Jedes der beiden Ministerien unterhielt je zwei Büros in Ramallah und in Gaza. Der Amtssitz der Ministerin für Bildung ist in Ramallah, der des Ministers für Höhere Bildung in Gaza. Nach Rücktritt der Regierung im April 2013 und der erneuten Kabinettsumbildung stand das nun wiederum zusammengefasste Ministerium für Bildung und Höhere Bildung (Ministry of Education and Higher Education, MOEHE) bis Juni 2014 unter Leitung von Prof. Ali Zeidan, vormals Transportminister.

Im Ergebnis des jüngst stattgefundenen Versöhnungsprozesses zwischen Hamas und Fatah ist eine mehrfach und lange angekündigte Regierungsumbildung realisiert worden: Am 2.6. 2014 wurde ein neues Kabinett sogenannter "unabhängiger Experten" vereidigt, das zunächst bis zu organisierenden Neuwahlen im kommenden Jahr 2015 im Amt sein soll. Nunmehr werden die Verantwortlichkeiten für Bildung und Höhere Bildung (und Forschung) von Ministerin Prof. Dr. Khawla Shakhshir, bisher Professorin für Education an der Universität Birzeit, wahrgenommen. Die neue Ministerin ist ehemalige DAAD-Stipendiatin (Forschungsaufenthalt in Deutschland 1995).

Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik

Das bis heute wichtigste Beratungs- und Koordinationsgremium ist die 
Palästinensische Akademie für Wissenschaft und Forschung (Palestinian Academy for Science and Technology, PALAST). 

Diese wurde im Jahr 1997 gegründet und 2004 in ihrer Funktion und Rolle bestätigt. Die Palästinensische Akademie für Wissenschaft und Forschung ist eine unabhängige, non-profit Nichtregierungsorganisation mit Hauptsitz in Jerusalem. Darüber hinaus unterhält sie Zweigstellen in Ramallah und Gaza. Ihr Auftrag ist es an der Formulierung von Forschungs- und Wissenschaftspolitik, Programmen und Projekten mitzuarbeiten und als Plattform für den Austausch und die Koordination von wissenschaftlichen und technologischen Aktivitäten zu agieren. Die Palästinensische Akademie für Wissenschaft und Forschung ist nach eigenen Angaben die zentrale Anlaufstelle für die Regierung, das Parlament, Universitäten, Forschungszentren, internationale Organisationen und Geldgeber, und sie trägt insbesondere durch die Erstellung von Datenbanken sowie die Veröffentlichung und den Austausch von Informationen maßgeblich dazu bei, die verschiedenen Akteure miteinander zu vernetzen. Gemessen an dem Anspruch und dem umfassenden Auftrag zur Förderung von Wissenschaft und Forschungsaktivitäten in den Palästinensischen Gebieten bleibt PALAST in der Realität weit hinter den Erwartungen und Möglichkeiten zurück. So sind zum Beispiel selbsterhobene oder in Partnerschaft mit internationalen Organisationen durchgeführte Studien und Daten zu Forschung und Wissenschaft nur zum Teil öffentlich zugänglich.


Mit Unterstützung der Europäischen Union, der Weltbank und der Ford-Stiftung wurden im Jahr 1998 noch zwei weitere Institutionen gegründet, um mittel- und langfristig insbesondere Universitäten zu unterstützen: Der bereits erwähnte Fonds für Qualitätsverbesserung (Quality Improvement Fund, siehe auch Förderorganisationen) und die Kommission für Akkreditierung und Qualitätssicherung (Accreditation and Quality Assurance Commission, AQAC). Die Akkreditierungskommission ist ein selbstständiger Arm des Ministeriums für Höhere Bildung, und berichtet direkt an den Minister (s.a. Schulen und Hochschulen sowie Für Bildung und Forschung zuständige Ministerien). Die Kommission besteht aus einem Direktor, dem ein Team aus wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern zuarbeitet sowie einem Vorstand, der sich aus acht bis zwölf Mitgliedern zusammensetzt. Die Hauptaufgabe der Kommission ist die Gewährleistung und Sicherstellung der Qualität aller Einrichtungen und Programme für Bildung und höhere Bildung in den Palästinensischen Gebieten. Die Zuständigkeit erstreckt sich allerdings ausdrücklich nur auf das Bildungs- und Studienangebot auf allen Niveaus, nicht aber auf Forschungsaktivitäten. Während das Bildungsangebot also einer zentralen Registrierung und Qualitätskontrolle unterliegt, gibt es für Forschungseinrichtungen und Institute keine vergleichbaren institutionalisierten Strukturen.


Zusätzlich fungiert die Palästinensische Nationale Kommission für Bildung, Kultur und Wissenschaft (Palestinian National Commission for Education, Culture and Science) im Rahmen der UNESCO als Schnittstelle zwischen der Palästinensischen Autonomiebehörde und unterschiedlichen internationalen Organisationen, insbesondere der Arab League Educational, Cultural and Scientific Organization (ALECSO) und der Islamic Educational, Scientific and Cultural Organization (ISESCO) sowie 12 weiteren externen, internationalen Institutionen (s.a. Förderorganisationen).

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