StartseiteLänderAsienPalästinensische GebieteZusammenfassungÜberblick zur internationalen Kooperation

Überblick zur internationalen Kooperation: Palästinensische Gebiete

Die Palästinensischen Gebiete sind kein beliebtes Ziel für international mobile Studierende, Zahlen dazu fehlen. Hingegen sind die Studierenden aus den Gebieten überdurchschnittlich international orientiert: 11,4 Prozent strebten 2017 einen Abschluss im Ausland an (zum Vergleich: Deutschland 4 Prozent, OECD-Durchschnitt 2 Prozent, siehe Bildungsindikatoren). Zahlreiche Länder bieten Mobilitätsstipendien an (für eine Übersicht zu den Programmen, siehe Isaac et al. (2019): „Study of Higher Education and Research in Palestine“, S. 192 ff.). Als wichtigste Zielländer sind bisher Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi Arabien, die Türkei und Malaysia registriert. Deutschland folgt auf Rang 6, die USA auf Rang 8 (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten). Allerdings registrieren einige Länder wie beispielsweise Jordanien die Studierenden nach Nationalität und nicht nach dem Ort des Erwerbs der Hochschulzugangsberechtigung. In diesem Fall ist davon auszugehen, dass zumindest ein Teil der palästinensischen Studierenden bereits im Land geboren und dort aufgewachsen ist.

Der große Anteil der Promotionen im Ausland (siehe Abschnitt zum Bildungssystem) stellt zum einen eine Chance für den internationalen Wissenstransfer an die palästinensischen Hochschulen dar (siehe DAAD-Ländersachstand, S. 5).  Allerdings kehrt ein Teil der Promovierten nicht zurück, so dass die Hochschulen in den Palästinensischen Gebieten Schwierigkeiten haben, wissenschaftlichen Nachwuchs zu finden.

Eine wichtige Organisation zur Pflege der Diaspora sowie der internationalen wissenschaftlichen Kooperation ist die Palestinian Academy for Science and Technology (PALAST). Im Rahmen bilateraler Beziehungen baut PALAST sogenannte Wissenschaftsbrücken („Science Bridges“), an der sich palästinensische Hochschulen beteiligen. Derzeit sind Brückenprogramme mit der kanadischen Provinz Québec und Deutschland aktiv (siehe nächster Abschnitt). Weitere sind in Vorbereitung (zu Schweden, siehe Isaac et al. (2019), S. XVIII). Die private gemeinnützige Einrichtung Palestinian American Research Center (PARC) unterstützt seit 1998 Austausch und wissenschaftliche Kooperation zwischen den USA und den Palästinensischen Gebieten.

Zwei Institutionen, die im Rahmen des Friedensprozesses 1996 gegründet wurden, sind das Middle East Desalination Research Center (MEDRC) mit Sitz in Oman und das Arava Institute of Environmental Studies (AIES) in Israel. MEDRC arbeitet eng mit der palästinensischen Wasserbehörde PWA zusammen. Die Förderung ermöglicht dem wissenschaftlichen Nachwuchs aus den Palästinensischen Gebieten und Jordanien eine Postgraduierten-Ausbildung zum Thema Wasser. Ein wichtiger Geldgeber für das MEDRC sind die Niederlande. AIES, das mit der Ben-Gurion University kooperiert, unterhält heute fünf Forschungszentren und bringt Studierende und Forschende aus Israel, Jordanien und den Palästinensischen Gebieten zusammen.

Der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an der Gesamtzahl der wissenschaftlichen Publikationen war in den Palästinensischen Gebieten bereits im Jahr 1996 mit 57,7 Prozent sehr hoch. 2019 waren mit 66,2 Prozent sogar zwei Drittel aller Veröffentlichungen internationale Ko-Publikationen. Zum Vergleich: In Deutschland und anderen westlichen Industrieländern ist die internationale Ko-Publikationsrate im selben Zeitraum stark angewachsen, jedoch von einer niedrigen Ausgangsposition: von gut 30 auf über 50 Prozent (Quelle: SCImago. SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved June 11, 2020, from www.scimagojr.com). Die fünf wichtigsten Ko-Publikationsländer der Palästinensischen Gebiete spiegeln teilweise die wichtigsten Zielländer für internationale Studierende wider: die USA, Malaysia, Großbritannien, die Türkei und Deutschland. Das bestplatzierte arabische Land ist Marokko auf Rang 7, Israel folgt auf Rang 8. China belegt Rang 13 (Quelle: Scopus-Datenbank, Elsevier, Zeitraum 2017-2019).

2011 war die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) die erste VN-Organisation, die die Palästinensischen Gebiete als vollwertiges Mitglied aufnahm. Israel und die USA haben sich als Reaktion darauf aus der Organisation zurückgezogen. Vor Ort ist die UNESCO bereits seit 1997 mit dem National Office in Ramallah vertreten. Zwei von der UNESCO unterstützte Einrichtungen arbeiten in bzw. mit den Gebieten zusammen: Das 1995 gegründete UNESCO Biotechnology Educational and Research Center (BERCEN) an der Bethlehem University setzt sich für die Etablierung von grüner Biotechnologieforschung in den Palästinensischen Gebieten sowie der arabischen Welt ein. Die erste Synchrotron-Strahlungsquelle im Nahen Osten wurde im Rahmen des UNESCO-Projekts „Synchrotron Light for Experimental Science and Applications in the Middle East“ (SESAME) an der Al Balqa Applied University in Allen (Jordanien) aufgebaut und 2017 eröffnet. Herzstück des Vorhabens, an dem neben Jordanien und den Palästinensischen Gebieten auch Ägypten, Iran, Israel, Pakistan und die Türkei beteiligt sind, ist der aus Deutschland stammende Speicherring BESSY I. Die Anlage produziert hoch intensive Synchrotron-Strahlung vom Infrarot- bis zum Röntgen-Bereich und bietet Forschenden der gesamten Region modernste Arbeitsmöglichkeiten.

Die palästinensische Nationalkommission (Palestinian National Commission for Education, Culture and Science, PNCECS) fungiert als Schnittstelle zwischen der Palästinensischen Autonomiebehörde und der UNESCO sowie weiteren internationalen Organisationen wie ESCWA, ALECSO und ISESCO. Die Wirtschafts- und Sozialkommission für Westasien (United Nations Economic and Social Commission for Western Asia, ESCWA) unterstützt die Entwicklung ihrer Mitgliedsländer, so beispielsweise durch das ESCWA-Technology Center in der El Hassan Science City in Jordanien, das insgesamt 18 Mitgliedsländer berät. Die Palästinensischen Gebiete sind außerdem Mitglied in der der Arabischen Liga und ihrer Unterorganisation für Bildung, Kultur und Wissenschaften ALECSO mit Hauptsitz in Tunis. Weiterhin sind sie Mitglied der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (Organization of Islamic Cooperation, OIC) und ihrer Unterorganisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur ISESCO, deren Hauptsitz sich in Rabat in Marokko befindet.

Die EU-Kommission ist bereits seit längerem in Ramallah durch das National Erasmus+ Office in Palestine vertreten und unterstützt den Aufbau des palästinensischen Hochschulsektors durch EU-Programme (früher Erasmus Mundus and TEMPUS, heute Erasmus+). Zur Kooperation in Wissenschaft und Technologie haben die Palästinensischen Gebiete mit der EU bisher keine bilaterale Vereinbarung abgeschlossen, sie pflegen die Kooperation jedoch auf regionaler Ebene (Webseite der EU zur Kooperation in Wissenschaft und Forschung mit dem Mittelmeeraum). Eine Beteiligung an der langfristig angelegten Partnerschaft für Forschung und Innovation im Mittelmeerraum (PRIMA) wird von Seiten der Palästinensischen Behörde zwar angestrebt (siehe Isaac et al. (2019), S. 198), sie konnte bisher aber aufgrund von Finanzierungsproblemen nicht verwirklicht werden. An Ausschreibungen unter dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) können sich die Palästinensischen Gebiete zwar beteiligen und in der Regel Förderung erhalten. De facto ist die Beteiligung allerdings nur sehr gering: Bis März 2020 warben die Gebiete europäische Fördergelder in Höhe von 0,29 Millionen Euro ein. Unter den insgesamt acht Projekten, an denen sich die Gebiete bisher beteiligten, wiesen mit sechs Projekten über die Hälfte auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Vertragsdatenbank).

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