StartseiteLänderAsienPalästinensische GebieteZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Palästinensische Gebiete

Die Kooperation mit Deutschland hat für die Palästinensischen Gebiete einen hohen Stellenwert: Als Zielland für palästinensische Studierende platziert sich Deutschland unter den Top 10, als Ko-Publikationsland für wissenschaftliche Veröffentlichungen sogar unter den Top 5 (siehe vorheriger Abschnitt).

Ein Abkommen zur Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ) besteht derzeit nicht. Bisherige Grundlage ist das „Memorandum of Understanding über Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) der Bundesrepublik Deutschland und der Organisation zur Befreiung Palästinas (PLO) zu Gunsten des Ministeriums für Bildung und Hochschulbildung (MoEHE)", das 2014 abgeschlossen wurde.

Das gemeinsame Förderprogramm PALGER soll eine langfristige deutsch-palästinensische Forschungskooperationen etablieren und damit die Zukunftsfähigkeit palästinensischer Universitäten und Forschungseinrichtungen stärken. Es richtet sich insbesondere an den wissenschaftlichen Nachwuchs. In den Jahren 2015 und 2017 wurden gemeinsame Förderbekanntmachungen veröffentlicht. Für die darunter geförderten etwa 30 deutsch-palästinensischen Forschungsprojekte  fand im September 2019 in Ramallah der zweite Evaluierungs- und Kick-off-Workshop statt.

Auf der Grundlage der Vereinbarung der beiden Ministerien im Rahmen des gemeinsamen Lenkungsausschusses wurde im Februar 2020 die dritte PALGER-Förderbekanntmachung für gemeinsame deutsch-palästinensische Forschungsprojekte veröffentlicht. Wichtige fachliche Schwerpunkte sind hier z.B. Management natürlicher Ressourcen, Erneuerbare Energien, Gesundheitsforschung sowie Interdisziplinäre und angewandte Geisteswissenschaften einschließlich Kulturerbe etc. Auf beiden Seiten soll der wissenschaftliche Nachwuchs stärker einbezogen werden, wobei auch Ausbildungs- und Vernetzungsmaßnahmen große Bedeutung beigemessen wird. Die zu fördernden Projekte sollen ab Frühjahr 2021 anlaufen.

Seit 2016 fördert BMBF die Palästinensisch-Deutsche Wissenschaftsbrücke (Palestinian-German Science Bridge, PGSB), ein siebenjähriges Pilotprojekt: Es dient der Entwicklung eines gemeinsamen, integrierten Forschungs- und Promotionsprogramms zwischen dem Helmholtz-Forschungszentrum Jülich (FZJ) und seinem Netzwerk von Partneruniversitäten auf der einen Seite und palästinensischen Universitäten auf der anderen Seite, vertreten durch die Palästinensische Akademie für Wissenschaft und Technologie (Palestinian Academy for Science and Technology, PALAST). Hochqualifizierte Absolventinnen und Absolventen palästinensischer Universitäten erhalten die Möglichkeit, im Rahmen von aufeinander aufbauenden Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten an den Forschungsaktivitäten des FZJ bzw. der Partneruniversitäten teilzunehmen und so eine akademische Ausbildung zu erhalten, die sie auf dem globalen Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig macht. Nach Rückkehr in ihr Heimatland sollen sie insbesondere zur Entwicklung einer nachhaltigen Forschungszusammenarbeit und zum schrittweisen Aufbau von Forschungsstrukturen, einschließlich eigener Promotionsprogramme, beitragen (PGSB-Webseite PALAST, PGSB-Webseite FZJ). Vor kurzem hat die Wissenschaftsbrücke einen Aufruf für "Forschungscluster" veröffentlicht. Dabei geht es darum, Kooperationsprojekte von der bilateralen Ebene auf eine multi-institutionell-strategische Gruppenebene zu heben, um die Nachhaltigkeit der Kooperationsprojekte zu sichern und Ideen für weitere Kooperationsrichtungen/-strategien für die Zukunft zu entwickeln.

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist 30 offizielle Kooperationen zwischen Deutschland und den Palästinensischen Gebieten aus. 23 deutsche Hochschulen kooperieren mit 10 palästinensischen Hochschulen und 2 sonstigen Einrichtungen (Stand: 08/2020).

Die internationale Mobilität von und in die Palästinensischen Gebiete wird durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert.

2019 hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt in den Palästinensischen Gebieten an 38 Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 11 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben. In den gleichen Kategorien erhielten 209 und 39 Geförderte aus den Palästinensischen Gebieten eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt, darunter auch Deutschlandaufenthalte, zu finanzieren.

Im Rahmen der Einzelförderung unterstützt die DFG deutsch-israelische Kooperationsprojekte, die gegebenenfalls weitere Partnerinnen oder Partner aus den Gebieten oder den Nachbarländern von Israel (Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien) einbinden können.

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) beherbergte 2019 acht palästinensische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler.

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) arbeitet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in den vier thematischen Schwerpunkten: Wasser und Abwasser, Förderung von Regierungsstrukturen sowie Stärkung der Zivilgesellschaft, ziviler Friedensdienst sowie Wirtschaftsreform, Beschäftigung und Arbeitsmarkt. Unter dem letzten Schwerpunkt unterstützt die GIZ den Aufbau von dualen Studiengängen nach deutschem Vorbild an der Al-Quds University, um die Arbeitsmarktchancen der Hochschulgraduierten zu erhöhen. Das Vorhaben gilt als Pilotprojekt für die gesamte arabische Welt (siehe DAAD-Ländersachstand 2019, S. 5). Die dualen Studiengänge ermöglichen den jungen Menschen, eine Ausbildung in einem Betrieb zu absolvieren und zeitgleich einen Hochschulabschluss zu erwerben. Vier Fachgebiete stehen im Fokus: Elektrotechnik, Betriebswirtschaftslehre, Informationstechnologie und Wirtschaftsingenieurwesen.

Einrichtungen, die vor Ort die deutsch-palästinensische Kooperation pflegen und unterstützen, sind

  • der DAAD, der ein Informationszentrum in Ostjerusalem betreibt;
  • die Friedrich Naumann Stiftung, die in Jerusalem ein Büro für die Kooperation mit Israel und den Palästinensischen Gebieten unterhält. Die Stiftung unterstützt auch den Aufbau des Wissenschaftssystems in den Gebieten;
  • die GIZ, die seit den 1980er-Jahren in den Gebieten tätig ist (Webseite GIZ in den Palästinensischen Gebieten). Seit Mai 2005 arbeitet sie gemeinsam mit der KfW Entwicklungsbank im Deutschen Haus für Entwicklungszusammenarbeit in Al-Bireh/Ramallah. Im August 2011 wurde zusätzlich ein GIZ-Programmhaus eröffnet, von dem aus die einzelnen Programme gesteuert werden. Ein weiteres GIZ-Büro gibt es im Gazastreifen. Ende 2019 waren über 170 Personen vor Ort bei der GIZ beschäftigt.

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