Überblick

Die türkische Bildungslandschaft lässt sich zunächst in das formale und das non-formale Bildungssystem aufteilen. Das formale Bildungssystem umfasst Vor-, Primar-, Sekundar- und Hochschulbildung, der non-formale Sektor bezieht sich auf weiterbildende Maßnahmen z.B. in der Erwachsenenbildung. Beide Bildungssektoren unterstehen dem Ministerium für Nationale Bildung (Milli Eğitim Bakanlığı, MEB), das bereits seit der Entstehung des türkischen Bildungssystems (1857) das oberste Entwicklungs- und Kontrollorgan des nationalen Bildungsprogramms darstellt. Es orientiert sich an dem kemalistisch-laizistischen Nationalgedanken, seit 2003 spielt Religion jedoch immer mehr eine größere Rolle.

Betrachtet man das türkische Bildungssystem insgesamt, so lassen sich vielfältige Verbesserungsmöglichkeiten  erkennen. Im internationalen Bildungswettbewerb schneidet die Türkei laut Studien der OECD und des PISA unterdurchschnittlich ab. Die Vereinigung türkischer Industrieller und Geschäftsleute (Türk Sanayicileri ve isadamlari Dernegi, TÜSIAD) fordert eine Neustrukturierung des Bildungssystems, da an der Sensibilität junger Menschen gegenüber den Hochtechnologien gearbeitet werden muss, um auch den Ansprüchen einer Informationsgesellschaft zu genügen. Des Weiteren muss an Fremdsprachenkompetenz und innovativen Denkweisen gearbeitet werden. Besonders in Bezug auf hohe Arbeitslosigkeit müssen Bildungsreformen ergriffen werden, die sich darauf konzentrieren, Stadt-Land-Disparitäten abzuschaffen und geschlechtsspezifische Nachteile abzubauen.

Quelle: Schwarz, I. (2014): Das Bildungssystem der Türkei. Schulische Bildungslandschaft, nationale, internationale und zivilgesellschaftliche Einflussfaktoren. In: Klaus Kreiser et al. (Hrsg.): Junge Perspektiven der Türkeiforschung in Deutschland. Band 1. Berlin: Springer Verlag, S. 133-154.

Indikatoren für Bildung

Indikator

Türkei

Deutschland

OECD-Gesamt

Stand

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Bildung insgesamt [Prozent]

5,4

4,2

5,0

2016

Wachstum des Bildungsanteils am BIP (Differenz des BIP-Bildungsanteils zu dem des Vorjahres in Prozentpunkten) [Prozent]

0,6

0,0

0,0

2016

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: tertiäre Bildung [Prozent]

1,9

1,2

1,5

2016

Öffentlicher Anteil an den Ausgaben für tertiäre Bildung [Prozent]

74

83

66

2016

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

1

4

2

2017

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

7,199

3,092

k.A.

2017

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender im Land [Prozent]**

2***

8

6

2017

Anzahl Promovierender insgesamt

91.267

198.300

k.A.

2017

Anteil internationaler abschlussorientierter Promovierender im Land [Prozent]**

8***

10

22

2017

Anteil 25- bis 34-Jähriger mit einem Abschluss im Tertiärbereich [Prozent]

33

32

44

2018

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften (Ingenieurwissenschaften) [Prozent]

3 (15)

9 (22)

6 (14)

2017

PISA-Ergebnisse: Lesen [Punktzahl (Platzierung)]

466 (39)

498 (20)

487

2018

PISA-Ergebnisse: Mathematik [Punktzahl (Platzierung)]

454 (42)

500 (20)

489

2018

PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften [Punktzahl (Platzierung)]

468 (39)

503 (15)

489

2018

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Quellen: "OECD - Education at a Glance 2019", UNESCO Institute for Statistics und "OECD - PISA 2018: Ergebnisse"
Redaktion: 03.12.2019, von: Tim Mörsch, VDI Technologiezentrum GmbH

* OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.
** OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss in dem jeweiligen Land anstreben.
*** Statt auf internationale (d.h. bei im Ausland erworbener Hochschulzugangsberechtigung ohne Berücksichtigung der Staatsangehörigkeit) bezieht sich diese Angabe auf ausländische Studierende bzw. Promovierende.

Das Bildungsniveau ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen; entsprechend hat der Anteil an jungen Erwachsenen mit höchstens einem Mittelschulabschluss abgenommen: Im Jahr 2012 hatten 54% der 25- bis 34-Jährigen lediglich einen Mittelschulabschluss. Allerdings liegt die Türkei damit deutlich hinter dem OECD Durchschnitt von 17%. Der Oberschulabschluss ist jedoch auch in der Türkei als Zugangsvoraussetzung für die  Hochschulausbildung und somit die Aussicht auf einen besser bezahlten Beruf sehr wichtig geworden. In der Türkei ist der Anteil der 25- bis 34-Jährigen mit Oberschulabschluss auf 25% angestiegen, ist jedoch im Vergleich zum OECD-Wert 44% noch immer gering. Der Oberschulabschluss wird in der Regel mit 17 Jahren erworben und liegt damit im OECD Durchschnitt. Mit Oberschulabschluss bzw. Hochschulabschluss verdienen insbesondere Frauen deutlich mehr als mit einem Mittelschulabschluss (Oberschule +53%, Hochschule +99%). Die Vorteile einer höheren Bildung spiegeln sich auch in der Beschäftigungsrate wieder: 76% der Hochschulabschlussabsolventen hatten einen Arbeitsplatz, im Vergleich von nur 51% bei  Mittelschulabsolventen. Diese guten Prognosen für Hochschulabgänger und auch die staatliche Bildungsreformen führten dazu, dass von 2005 bis 2012 der Anteil der 25- bis 34-Jährigen im tertiären Bildungsweg von 10% auf 15% anstieg. Bemerkenswert ist der mit 29% überdurchschnittlich hohe Anteil an weiblichen Hochschulabsolventen in den Bereichen IT, Wissenschaft, Ingenieurwesen und Mathematik  (OECD Durchschnitt ist 20%).

Laut den oben angegebenen Indikatorzahlen liegen die Ausgaben für Bildung niedriger im Vergleich zum Mittel der OECD Mitgliedstaaten; die Schülerzahlen pro Lehrer sind größer und der Anteil tertiär Graduierter an der Gesamtbevölkerung liegt auf einem niedrigeren Niveau.

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Schulen und Hochschulen

Schulen und Hochschulen

Die türkische Bevölkerung ist sehr jung - etwa 25 Prozent sind im schulpflichtigen Alter. Deshalb hat der Bildungssektor große Bedeutung für die weitere Entwicklung des Landes. Im Schuljahr 2013/14 wurden 16,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in 56.506 Grund -, Mittel- und Oberschulen unterrichtet. Zum Vergleich: an deutschen allgemeinbildenden Schulen wurden 11,1 Millionen Schüler unterrichtet. Aufgrund der sehr jungen türkischen Bevölkerung ist der Bildungssektor ein Engpassfaktor für die weitere Entwicklung des Landes.

Die AKP-Regierung unternimmt seit ihrem Amtsantritt im November 2002 umfangreiche Bemühungen zur Reform des zentralistischen und auf veralteten Methoden und Strukturen beruhenden Bildungswesens. Nach der Bildungsreform im Jahre 2004 (Erhöhung der Schulpflichtzeit an den Gymnasien von 3 auf 4 Jahre), wurde im Zuge des letzten tiefgreifenden Bildungsreformgesetzes vom April 2012 die Schulpflicht von 8 auf 12 Schuljahre angehoben. Der Schulbesuch gliedert sich in je 4 Jahre Grundschule, Mittelschule und Oberschule (bisher: 8 Jahre durchgehende Grundschule), wobei der Anschluss an die nächste Stufe nicht sofort erfolgen muss. Der Besuch der Oberschule ist auch im Wege von Fernunterricht möglich. Bemühungen hinsichtlich eines stärker religiös geprägten Bildungssystems setzen sich weiterhin fort.

Im Jahr 2015 steht dem Erziehungsministerium ein Budget von rund 62,2 Mrd. TL (ca. 23 Mrd. Euro) zur Verfügung. Bei ihren Bemühungen zur Reform des Bildungswesens wird die Regierung von der EU und UNICEF unterstützt – wobei letztere vor allem auch ein Interesse daran haben, Chancengleichheit für alle Einkommensschichten und vor allem für Mädchen zu erreichen.

Vorschulische Bildung

Die vorschulische Bildung ist freiwillig und umfasst die Erziehung der Kinder im Alter von 36 bis 72 Monaten. Die Ziele der vorschulischen Bildung sind die Gewährleistung der körperlichen Gesundheit und die Förderung der geistigen Entwicklung der Kinder, die Vorbereitung auf die Grundschulbildung und die Ermöglichung einer qualitativ gleichwertigen Bildung für Kinder aus regional ungünstig gelegenen Gebieten.

Die vorschulische Bildung hat in den letzten Jahren wichtige Entwicklungen gemacht. Die Einschulungsrate bei 3-Jährigen erhöhte sich zwischen 2005 und 2012 von 2 auf 5%. Im Jahr 2012 befanden sich 19% der 4-Jährigen in frühkindlicher Ausbildung, eine deutliche Steigerung im Vergleich zu 2005 mit 5%.

Grundschulbildung

Die Grundschulbildung umfasst den Unterricht für 5- bis 8-jährige Kinder und dauert vier Jahre. Das Einschulungsalter wurde im Zuge der Schulreform von 2012 auf fünf Jahre herabgesetzt.  Für alle türkischen Staatsangehörigen, ob Jungen oder Mädchen, besteht eine generelle Schulpflicht; der Besuch an staatlichen Schulen ist kostenlos. Der verpflichtende Fremdsprachenunterricht wird seit dem Schuljahr 2012/13 ab der 2. Klasse mit jeweils 2 Wochenstunden angeboten. Seit einigen Jahren greifen auch zivilgesellschaftliche Akteure in die Bildungslandschaft ein. Diese arbeiten daran, alternative, international diffundierende Bildungsstrategien (wie etwa Montessori, Waldorf, Summerhill, Reggio etc.) in der Türkei einzuführen, sie zu etablieren ist aufgrund der zentral organisierten und homogenisierten Systems des Ministeriums für Nationale Bildung nur in äußerst begrenztem Ausmaß möglich. Sie werden hauptsächlich in den Metropolen Istanbul und Ankara betrieben. Ein gelungenes Beispiel stellt die „demokratische“ Waldorfschule „eine andere Schule ist möglich“ („Başka Bir Okul Mümkün!“ dar. Ab dem 5. Schuljahr ist ein Wechsel in eine Imam-Hatip-Schule möglich (bisher: Wechsel erst nach der 8. Klasse) und ermöglicht so eine frühzeitige, von der Opposition kritisierte, religiöse Ausbildung.

Mittelschulbildung

Die Mittelschulbildung umfasst den Unterricht für 9- bis 13-jährige Kinder und dauert ebenfalls vier Jahre. Der verpflichtende Fremdsprachenunterricht wird seit dem Schuljahr 2012/13 ab der Mittelstufe mit 4 Wochenstunden angeboten. Insgesamt erhalten knapp 140.000 Schülerinnen und Schüler Deutschunterricht, wovon der Anteil derer mit Deutsch als erster Fremdsprache 13.766 beträgt. Die Tatsache, dass ab 2005 an ca. 1.500 Gymnasien die zweite Pflichtfremdsprache wieder eingeführt wurde, hat die Stellung des Deutschunterrichts an türkischen Schulen gestärkt. Im Bereich der zweiten Fremdsprache rangiert Deutsch in der Türkei mit ca. 90% an erster Stelle. Der Bedarf insbesondere an Deutschlehrern steigt dadurch weiter an. In der Türkei sind ca. 90 von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) vermittelte Lehrer tätig. Im Zuge der Reform ist es seit dem Schuljahr 2013/14 erstmalig in der Geschichte der Türkei auch möglich, Sprachunterricht in den regionalen Muttersprachen wie Kurdisch (Kurmandschi und Zaza) und Tscherkessisch mit 2 Wochenstunden als Wahlpflichtfach an allgemeinbildenden staatlichen Mittelschulen und Imam-Hatip-Mittelschulen zu wählen. Das Lehrmaterial für diese Sprachen/Dialekte wurde vom Ministerium für Nationale Erziehung erarbeitet.

Oberschulbildung

Die Oberschule baut auf der allgemeinen Grundschulbildung auf und umfasst eine vierjährige Ausbildung für 14- bis 17-jährige Kinder an allgemeinbildenden oder beruflich-technischen Gymnasien. Jeder Schüler, der die Grund- und Mittelschulbildung absolviert hat, muss eine Oberschule entsprechend der beruflichen Orientierung besuchen. Dies ist seit der Bildungsreform im Jahr 2012 verpflichtend. In der Türkei existieren unterschiedliche Formen der Gymnasialen Stufe: (1) Allgemeinbildende Gymnasien, (2) Sozialwissenschaftliche Gymnasien, (3) Sportwissenschaftliche Gymnasien, (4) Naturwissenschaftliche/technische Gymnasien, (5) "Anadolu" Gymnasien, (6) „Anadolu" Lehrer Gymnasien, (7) „Anadolu" Gymnasien mit Schwerpunkt Kunst. Außer an allgemeinbildenden Gymnasien werden zur Aufnahme an den schulischen Einrichtungen zentrale Prüfungen durchgeführt. An den Gymnasien mit Schwerpunkt Kunst und den sportwissenschaftlichen Gymnasien wird zur Aufnahme der Schüler eine Reifeprüfung verlangt.

Deutschsprachige Schulen in der Türkei

In der Türkei existieren vier deutsche Auslandsschulen, bzw. deutsche Schulzweige, die durch das Bundesverwaltungsamt – Zentralstelle für das Auslandsschulwesen – anerkannt sind und entsprechend gefördert werden. Diese Schulen werden durch die Entsendung erfahrener deutscher Pädagogen seit Jahren unterstützt. Das Alman Lisesi und das Istanbul Lisesi bieten neben dem türkischen Gymnasialprogramm die Möglichkeit, die deutsche Reifeprüfung (Abitur) abzulegen. Die Privatschule der Deutschen Botschaft Ankara sowie deren Zweigstelle in Istanbul führt nach Lehrplänen des Bundeslandes Thüringen zu den mittleren Bildungsabschlüssen und danach zum International Baccalaureat (engl./dt.). Letztere Schulabschlüsse ermöglichen ein Studium in Deutschland sowie weltweit in Ländern, deren Universitäten das Abitur oder das englischsprachige IB anerkennen.

Im Jahr 1986 wurde das sogenannte Anadolu-Programm gegründet. Ziel dieses Lehrerentsendeprogramms war es zunächst, den vielen türkischen Rückkehrer-Kindern den Einstieg in das türkische Schulsystem zu erleichtern. Zum Anadolu-Programm gehörten deshalb landesweit Schulen nicht nur mit Deutsch als erster Fremdsprache, sondern mit deutschsprachigem Fachunterricht. Derzeit sind 27 entsandte deutsche Lehrer an 13 staatlichen Anadolu-Gymnasien in Ankara, Istanbul, Izmir, Antalya und Adana tätig. Sie unterrichten Deutsch als erste Fremdsprache. 

Ende des Jahres 2007 hat das Auswärtige Amt die "Initiative Schulen – Partner der Zukunft" gestartet. Mit dieser Initiative soll die Auslandsschularbeit substanziell ausgebaut werden, um so das Potenzial der Deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik als integrativen Bestandteil der Außenpolitik stärker zu nutzen. Auch in der Türkei werden zahlreiche Projekte im Rahmen der Initiative durchgeführt. Gemeinsam mit den Goethe-Instituten und den Fachberatern des Bundesverwaltungsamts hat die Planung und Durchführung mehrerer Programme bereits begonnen.

Quelle: (1) Schwarz, I. (2014): Das Bildungssystem der Türkei. Schulische Bildungslandschaft, nationale, internationale und zivilgesellschaftliche Einflussfaktoren. In: Klaus Kreiser et al. (Hrsg.): Junge Perspektiven der Türkeiforschung in Deutschland. Band 1. Berlin: Springer Verlag, S. 133-154./ (2) Deutsche Botschaft Ankara/Türkei/Kultur- und Bildungspolitik

Hochschulwesen

Die Hochschuleinrichtungen bauen auf die gymnasiale Stufe auf und umfassen ein mindestens zweijähriges Studium. Die Aufnahme an eine Hochschule wird landesweit von der zentralen Vergabestelle für Studienplätze (ÖSYM) durch eine Aufnahmeprüfung durchgeführt. Zur Prüfung werden die Schüler des letzten Schuljahres eines Gymnasiums, Schüler, die in den Jahren zuvor die Aufnahmeprüfung nicht bestanden haben, und Studenten, die nach Beginn eines Studiums das Studienfach wechseln wollen, zugelassen.

Das Bildungsministerium (MEB) übt aufgrund eines umfangreichen Zuständigkeitsbereiches einen großen Einfluss auf alle Schulformen aus. Das Bildungsministerium unterzeichnete die Bologna Erklärung in Jahre 2001. Die Hauptaufgabe des MEB bezüglich des Hochschulwesens besteht darin, eine einheitliche nationale Bildungspolitik zu gewährleisten. In der großen Nationalversammlung der Türkei wird das Hochschulwesen durch den Minister für Erziehung vertreten. Der Erziehungsminister kann bei Versammlungen des Hochschulrates (YÖK) die Leitung übernehmen, besitzt jedoch kein Stimmrecht. Die Beschlüsse des Hochschulrates und Universitäten bedürfen keiner Bestätigung des Ministeriums.

Der Türkische Hochschulrat (Yükseköğretim Kurulu, YÖK) ist das oberste Organ des türkischen Hochschulsystems. Der YÖK ist eine von der Verfassung bestimmte Einrichtung und das wichtigste Gremium der Hochschulen. Der Hochschulrat setzt sich aus 21 Mitgliedern zusammen, von denen jeweils 7 vom universitären Rat, von der Regierung und vom Staatspräsidenten als Kandidaten aufgestellt und für eine Amtszeit von 4 Jahren ernannt werden. Der Vorsitzende des Hochschulrates und einer seiner Stellvertreter werden vom Staatspräsidenten aus dem Kreis der Mitglieder ernannt. Der Hochschulrat ist eine von der Politik nicht beeinflussbare, verfassungsmäßig autonome Einrichtung. Er kann durch den Erlass von Verordnungen eigenständig handeln. Die Planung, die Einrichtung sowie die Aufsicht über die Universitäten, die Qualifikation und Personalangelegenheiten des Lehrpersonals sowie die Erhebung von Studiengebühren gehören zu den Zuständigkeiten der YÖK, ebenso die Grundfinanzierung und die Koordination des türkischen Hochschulwesens.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche neue Hochschulen gegründet. Universitäten werden aufgrund der Empfehlungen des Hochschulrates (YÖK) an das Ministerium für Nationale Erziehung und der Zustimmung des Kabinetts und anschließendem Gesetzerlass des Parlaments gegründet.

Laut ERAWATCH gibt es 164 türkischen Universitäten, von denen 61 in Privatbesitz sind. Insgesamt sind 130.653 akademische Mitarbeiter beschäftigt. An den Hochschulen studierten 2.263.704 weibliche und 2.672.887 männliche Studierende in 2012/2013, von denen 25.644 bzw. 34.667 an einem Promotionsprogramm teilnehmen.

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Berufliche Bildung

Technisches Fachpersonal für die Industrie und Dienstleistungssektor werden an beruflich-technischen Gymnasien ausgebildet. Diese Ausbildung bereitet auch auf eine Hochschulausbildung vor. In dünn besiedelten Gebieten wurden Gesamtschulen (ÇP Lise) aus Kostengründen eingerichtet, die nach der Grundschulbildung anstatt einer gymnasialen Oberstufe besucht werden können.

Das türkische Bildungsministerium (MEB) und das BMBF gründeten 2005 die deutsch-türkische Arbeitsgruppe für berufliche Bildung (AG). Auf bisher acht Treffen (Stand September 2014) wurden aktuelle Entwicklungen und gemeinsame Maßnahmen im Bereich berufliche Bildung abgestimmt. Im Februar 2012 wurde eine gemeinsame Absichtserklärung (MoU) der Bildungsminister zur vertieften Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung unterzeichnet.

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Weiterbildung

Dienstleistungen im Bereich der Fernbildung dienen der Gewährleistung von Chancengleichheit, der Unterstützung der Grundschul- und Mittelschulbildung und des Hochschulwesens sowie der Durchsetzung des Grundsatzes einer lebenslangen Bildung/Erziehung .

Nach Einführung der achtjährigen Schulpflicht wurde in den Jahren 1998 -1999 die Fern-Grundschulbildungsschule gegründet, um Schülern, die nach der damals noch fünfjährigen Schulpflichtzeit aus unterschiedlichen Gründen keine Mittelschule besucht hatten, es zu ermöglichen, die achtjährige Schulpflicht zu komplettieren.

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Bildungsorganisationen

Der zentralisierte Aufbau des türkischen Bildungssystems durch das Ministerium für Nationale Bildung (Milli Eğitim Bakanlığı, MEB) wird durch den wachsenden Einfluss internationaler Akteure (OECD, Weltbank, Europäischer Kommission, UNICEF, UNESCO) vervollständigt.

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Eine Initiative vom

Projektträger