Für Bildung und Forschung zuständige Ministerien

Die Steuerung und die Förderung von Forschung und Entwicklung (F&E) sowie von Wissenschaft und Technologie in der Türkei ist Aufgabe des im Juli 2011 neu gegründeten Ministeriums für Wissenschaft, Industrie und Technologie (MWIT). Als ausführende Organisationen arbeitet der Wissenschaftlich-Technologische Forschungsrat (TÜBITAK). Im Jahr 1983 wurde der Oberste Rat für Wissenschaft und Technologie (BTYK) eingerichtet.

Das Staatliche Planungsamt (DPT) ist neben dem Finanzministerium und dem Staatssekretariat für die Schatzkammer die höchste politische Einheit für die Vergabe staatlicher Mittel. Die Staatliche Planungsorganisation dient dazu, die ökonomische, soziale und kulturelle Planung in einer Hand zu führen und zu fördern. Sie liegt im Geschäftsbereich des Ministerpräsidenten und ist ihm direkt zugeordnet. Sie ist die Beraterin des Parlaments in wirtschaftlich-kultureller, soziologischer sowie politischer Richtung. Sie arbeitet mit internationalen Einrichtungen zusammen, um Strategien für die Zukunft zu entwickeln und versucht die Aktivitäten des privaten Sektors und den Einsatz ausländischer Kapitalgeber zweckmäßig zu fördern. Die DPT ist zuständig für Projekte, die durch staatliche Mittel unterstützt werden und bereitet den Entwicklungsplan und das Entwicklungsprogramm vor. Die TÜBITAK ist sodann für die Umsetzung zuständig. Bei den staatlichen Forschungs- und Entwicklungsprojekten wird die Fachberatung seitens der TÜBITAK in Anspruch genommen. Die DPT stellt nicht nur für die staatlichen Investitionen Mittel zur Verfügung, sondern auch für die eigenen Projekte der TÜBITAK.

Das Ministerium für Erziehung (MEB) ist die zentrale Behörde und für die gesamte Planung, Programmgestaltung, die Beaufsichtigung und Kontrolle aller Schulen zuständig, darüber hinaus für ausgewählte Grundsatzfragen des Hochschulwesens und es vertritt es das Hochschulwesen in der großen Nationalversammlung der Türkei mit den Minister für Erziehung. Außerdem kann der Minister bei Versammlungen des Hochschulrates (YÖK) die Leitung übernehmen, hat aber kein Stimmrecht (s.a. Bildungslandschaft/Überblick). Die Beschlüsse des Hochschulrates und der Universitäten bedürfen allerdings keiner Bestätigung des Ministeriums für Erziehung (MEB). Die Hauptaufgabe des Ministeriums für Erziehung bezüglich des Hochschulwesens besteht darin, eine einheitliche nationale Bildungspolitik zu gewährleisten. Das MEB unterzeichnete die Bologna Erklärung in Jahre 2001. Für die wissenschaftliche Forschung ist das Ministerium für Erziehung nicht zuständig. Das Erziehungsministerium entsendet türkische Lehrer, die türkischen Kindern an Schulen in Deutschland muttersprachlichen Unterricht erteilen. Ferner unterstützt es mit eignen Mitteln bilaterale Zusammenarbeit von Universitäten in Form von Dual-Diploma/Promotionen und vergibt Stipendien an türkische Studenten für Auslandssemester.

Im Jahr 1963 wurde der Türkische Wissenschaftliche und Technische Forschungsrat (TÜBITAK) gegründet. Er unterstand bis 2011 direkt dem Premierminister und wurde dann dem Ministerium für Wissenschaft, Industrie und Technologie zugeordnet. Ziele sind die Entwicklung, Förderung, Leitung und Koordination von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich der grundlegenden und angewandten Wissenschaften. TÜBITAK berät auch die Regierung bei der Festlegung der Wissenschafts- und Technologiepolitik und unterstützt finanziell die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Universitäten sowie des öffentlichen und privaten Sektors. TÜBITAK übernimmt weiter die Sekretariatsdienste des 'Hohen Rates für Wissenschaft und Technologie' (BTYK), vergibt Stipendien und Preise und leistet Informationsdienste. Die TÜBITAK berät die Regierung in wissenschaftspolitischen Fragen und übernimmt die Vergabe von öffentlichen Fördermitteln, Stipendien und Preisen. Die TÜBITAK unterhält eigene Forschungseinrichtungen und ist für die Koordination internationaler Aktivitäten inklusive als Kontaktstelle zu den Forschungsrahmenprogrammen der EU zuständig.

Der Türkische Hochschulrat (YÖK) ist das oberste Organ des türkischen Hochschulsystems. Er besitzt kein eigenes Budget, seine Mittel erhält er direkt vom türkischen Parlament. Der YÖK ist eine von der Verfassung bestimmte Einrichtung. Er kann durch den Erlass von Verordnungen und Empfehlungen eigenständig handeln. Die Planung, die Einrichtung sowie die Aufsicht über die Universitäten, die Qualifikation und Personalangelegenheiten des Lehrpersonals und die Erhebung von Studiengebühren gehören zu den Zuständigkeiten des YÖK, ebenso die Grundfinanzierung und die Koordination des türkischen Hochschulwesens. Auch die Stiftungsuniversitäten stehen schließlich unter seiner Aufsicht.

Die meisten türkischen Ministerien, wie etwa das Verkehrsministerium und das Ministerium für Umwelt, verfügen über eigene Fördermittel zur Forschungsförderung innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs. Zwischen dem türkischen Ministerium für Umwelt und dem deutschen Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit besteht ein Deutsch-Türkischer Lenkungsausschuss für Umweltkooperationen, der 13.06.2014 zuletzt tagte.  

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Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik

Der Hohe Rat für Wissenschaft und Technologie (BTYK) legt politische Richtlinien in Wissenschaft und Forschung fest und berät die Regierung. BTYK wurde 1983 gegründet, untersteht dem Premierministerium und kam erstmals 1989 zusammen. Der Rat setzt sich aus den Ministerinnen und Ministern, dem YÖK-Vorsitz, TÜBITAK, DPS, TAEK, TRT und TOBB und einem von YÖK nominierten Person einer Universität. Per Gesetz tagt der Rat mindestens 2-mal jährlich.

Der Wissenschaftliche und technologische Forschungsrat (TÜBITAK) berät die Regierung in wissenschaftspolitischen Fragen und übernimmt die Vergabe von öffentlichen Fördermitteln, Stipendien und Preisen. Die TÜBITAK unterhält eigene Forschungseinrichtungen und ist ferner für die Koordination internationale Aktivitäten inklusive als Kontaktstelle zu den Forschungsrahmenprogrammen der EU zuständig.

Die Türkische Akademie der Wissenschaften (TÜBA) wurde 1993 als Gelehrtengesellschaft in der Türkei gegründet. Die Aufgaben sind herausragende türkische Wissenschaftsleistungen zu würdigen, öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen für den fachübergreifenden Austausch durchzuführen und die Internationalisierung der türkischen Wissenschaft zu fördern. Die TÜBA unterstützt die wissenschaftsbasierte Beratung in politischen Entscheidungsfindungsprozessen, die Aktivierung des Interesses für Hochschulbildung und Forschung in der Gesellschaft, die Verwendung der Türkischen Sprache als Wissenschaftssprache sowie die Forderung wissenschaftlicher Reflexion über zukunftsrelevante Schlüsselthemen. Die TÜBA übernimmt weiterhin die Repräsentationsfunktion für die türkische Wissenschaft im internationalen Dialog und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs der Türkei im Rahmen von wettbewerbsbasierten Initiativen (wie etwa im GEBiP-Programm für die Förderung herausragender Nachwuchswissenschaftler der Türkei). Die TÜBA wurde im Jahr 2011 das Recht auf Selbstbestimmung durch Änderung ihrer Statuten entzogen. Die Mehrzahl ihrer Mitglieder wird seither durch staatliche Stellen ernannt. TÜBITAK hingegen vertritt schon länger die Regierungslinie. Anfang Juli gab TÜBITAK anlässlich einer Ablehnung eines Förderungsantrags öffentlich bekannt, er werde keine Projekte im Bereich Evolution unterstützen, da dies ein umstrittenes Thema sei. (Dilek Dizdar 2014; Uni Mainz, www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=14040). Die TÜBA verfügt über wissenschaftliche, verwaltungsmäßige und finanzielle Autonomie. Gründungszweck ist es, die türkische Wissenschaft und Forschung dem internationalen Level anzunähern, Wissenschaftler zu motivieren, indem herausragende Leistungen honoriert werden, diese bekannt gemacht und das Ansehen der Wissenschaft in der Gesellschaft gestärkt wird. Die TÜBA ist dem Ministerpräsidenten direkt zugeordnet. Sie ist eine staatliche Einrichtung und dem Parlament gegenüber beratend tätig. Die von der TÜBA erarbeiteten Berichte sind richtungweisend für die türkische Forschungspolitik.

Bereits 1946 wurde die Interuniversitäre Vereinigung (UAK) gegründet. Sie ist eine Vereinigung, in der alle türkischen Universitäten mit Ihren Rektoren vertreten sind. Die Vereinigung unterhält fachspezifische Kommissionen, in welchen wissenschaftlicher Dialog und Kooperationen gefördert werden sollen. Universitätsrektoren haben in der Türkei und innerhalb Ihrer Universität wesentlich mehr Einfluss und Entscheidungsgewalt als in Deutschland üblich. www.yok.gov.tr/uak/

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