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Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Türkei

Aus türkischer Perspektive hat die Zusammenarbeit mit Deutschland in Bildung und Forschung einen hohen Stellenwert. Als Zielland für türkische Studierende wie auch als Ko-Publikationsland für wissenschaftliche Veröffentlichungen platziert sich Deutschland unter den Top 5, als Herkunftsland für ausländische Studierende mit Rang 7 unter den Top 10 (siehe vorheriger Abschnitt).

Aus deutscher Perspektive liegt die Türkei als Herkunftsland für internationale Studierende ebenfalls auf Rang 7. Dabei werden nur diejenigen Studierenden mit türkischer Staatsangehörigkeit erfasst, die ihre Hochschulzugangsberechtigung außerhalb von Deutschland erworben haben (siehe HSI-Monitor - Studierende: Bildungsausländer*innen nach Herkunftsland/-region).

Grundlage für die Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit (WTZ) zwischen Deutschland und der Türkei war zunächst ein Abkommen, das 1997 zwischen dem Forschungszentrum Jülich und TÜBITAK geschlossen worden war. Eine neue Grundlage für die WTZ wurde 2014 durch eine Gemeinsame Erklärung zur Zusammenarbeit in Forschung, Bildung und Innovation geschaffen. Diese wurde durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das türkische Ministerium für Wissenschaft, Industrie und Technologie unterzeichnet. Heute ist auf deutscher Seite das BMBF federführend, auf türkischer Seite das Ministerium für Industrie und Technologie, vertreten durch TÜBİTAK.

Die Kooperation der beiden Länder in Bildung, Forschung und Innovation hat mit dem Deutsch-Türkischen Jahr der Forschung, Bildung und Innovation 2014 unter dem Motto „Science Bridging Nations“ einen Höhepunkt erlebt. Dabei setzten sich Deutschland und die Türkei dafür ein, auf Bedeutung und Erfolge der Zusammenarbeit aufmerksam zu machen und die Kooperation mit zukunftsweisenden Projekten weiter auszubauen. Doch der gescheiterte Putschversuch in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 2016 und die darauf folgenden Maßnahmen von Präsident Erdoğan stellten für die Zusammenarbeit einen tiefen Einschnitt dar. Seit 2016 wurden über 8.000 Akademikerinnen und Akademiker in der Türkei entlassen, ein Teil davon wurde inhaftiert. Auch nach der Beendigung des Notstands im Juli 2018 sind die Menschenrechtssituation sowie die Lage der Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei unbefriedigend. Die Wissenschaftsfreiheit wird durch den Hochschulrat YÖK (Yükseköğretim Kurulu) weiter stark eingeschränkt.

Die Selbständigkeit, die den staatlichen Universitäten 1961 zugestanden worden war, wurde 1981 durch das dritte Hochschulgesetz und mit der Errichtung des türkischen Hochschulrates YÖK weitgehend abgeschafft und durch das YÖK-Reformgesetz von 2004 nur teilweise wieder eingeführt. Nach den Notstandsdekreten von 2016 und der Einführung der Präsidentialverfassung 2017 kann von einer Autonomie der Hochschulen eigentlich kaum noch gesprochen werden (siehe DAAD-Ländersachstand Türkei 2020).

Seit 2016 wurden keine neuen Förderbekanntmachungen mit der Türkei veröffentlicht. Trotz der unbefriedigenden politischen Bedingungen der wissenschaftlichen Arbeit in der Türkei hält das BMBF im Sinne der Wissenschaftsdiplomatie an den Kontakten zwischen deutschen und türkischen Forschenden fest und pflegt weiterhin Kommunikationskanäle, wie beispielsweise zu TÜBİTAK. Durch die Förderung von Wissenschaftskooperationen trägt das BMBF maßgeblich zum Austausch und zur Stärkung der Zivilgesellschaften bei. Die institutionelle Zusammenarbeit mit der Türkei wird fortgesetzt, ebenso wie die im Jahr 2020/21 auslaufenden Kooperationsvorhaben im Rahmen der „2+2-Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Unternehmen“. Außerdem können im Einzelfall weiterhin Projekte unter der im Jahr 2012 veröffentlichten „Bekanntmachung zur Förderung der Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ) mit der Türkei“ gefördert werden. Die Bekanntmachung, deren Vorgängerversion bereits seit 1997 in Kraft war, hat zum Ziel, den Aufbau beziehungsweise die Vertiefung der wissenschaftlichen bilateralen Kooperation zwischen deutschen und türkischen Einrichtungen durch die Unterstützung des Austausches von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bei gemeinsamen Forschungsprojekten voranzutreiben. Außerdem wird die Vorbereitung gemeinsamer Projektanträge im Rahmen europäischer Forschungsprogramme unterstützt. Seit 2012 wurden unter dieser bilateralen Förderbekanntmachung mehr als 20 Projekte gefördert.

Weitere bilaterale Projekte werden im Rahmen der Fachprogramme durchgeführt. Insgesamt wurden seit dem Jahr 2000 etwa 400 Projekte mit Mitteln des BMBF gefördert. Das schließt multilaterale Projekte im Rahmen europäischer Aktivitäten, wie ERA-Netze, Eurostars und Eureka, mit ein (siehe vorheriger Abschnitt) (Überblick zu bilateralen und multilateralen Projekten mit einer Förderung des BMBF).

Das Flaggschiffprojekt der bilateralen Zusammenarbeit, die Türkisch-Deutsche Universität (TDU) in Istanbul wurde im Deutsch-Türkischen Jahr offiziell eröffnet. Vorausgegangen waren die Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Gründung der TDU durch die beiden Außenminister im Jahr 2008 in Berlin und die Grundsteinlegung durch den deutschen und den türkischen Präsidenten im Oktober 2010 in Istanbul. Zum Wintersemester 2019/20 wurden an der TDU bereits 21 Studiengänge angeboten – unter anderem öffentliches Recht, Politikwissenschaften, Betriebswirtschaftslehre, Kultur- und Kommunikationswissenschaft und Informatik. Das BMBF und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) sind an der Umsetzung des Projektes maßgeblich beteiligt. Im Januar 2020 wurde der fertiggestellte neue Campus der TDU in Istanbul durch den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet. Zukünftig sollen hier einmal 5.000 Studierende lernen und forschen. Zurzeit sind es rund 2.500.

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist derzeit 1.578 offizielle Hochschulkooperationen zwischen deutschen und türkischen Hochschulen aus (Stand: 08/2020). 227 deutsche Hochschulen kooperieren mit 142 türkischen Hochschulen und einer außeruniversitären Einrichtung.

Internationale Mobilität zwischen Deutschland und der Türkei wird vom DAAD, der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. 2014 schloss der DAAD eine Kooperationsvereinbarung mit dem türkischen Hochschulrat YÖK ab.

Das ERASMUS Plus-Programm fördert Mobilität in beide Richtungen in großem Umfang: Zwischen 2017 und 2019 erhielten 985 Studierende, Praktikantinnen und Praktikanten sowie 58 Hochschullehrkräfte und Mitglieder des Hochschulpersonals aus Deutschland Finanzierung für einen Aufenthalt in der Türkei. Im Gegenzug kam die ERASMUS-Finanzierung für Aufenthalte in Deutschland 2.913 bzw. 217 Geförderten aus der Türkei zugute.

2019 hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt in der Türkei an 144 Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 145 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben. In den gleichen Kategorien erhielten 925 und 174 Geförderte aus der Türkei eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt – darunter auch Deutschlandaufenthalte – durchzuführen. Dazu kommen 1.151 anderweitig Geförderte aus der Türkei, die vor allem eine DAAD-Förderung im Rahmen studienvorbereitender Maßnahmen erhalten haben.

2019 beherbergten Institute der Max-Planck-Gesellschaft (MPIs) 214 türkische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Die MPIs führten 34 Projekte mit Partnern in der Türkei durch.

iMOVE beobachtet die Aus- und Weiterbildungsbranche der wichtigsten internationalen Märkte. Die Analysen der Entwicklungen und Trends stellt iMOVE als Studien und Marktinformationen bereit.

Vor Ort in der Türkei tragen und unterstützen unter anderen folgende Einrichtungen die deutsch-türkische Kooperation:

  • Die Türkisch-Deutsche Universität (TDU) in Istanbul hat den Lehrbetrieb im Wintersemester 2012/13 aufgenommen (siehe oben);
  • Der DAAD unterhält seit dem Jahr 2000 zwei Informationszentren in Istanbul und in Ankara (DAAD Türkei);
  • Das Orient-Institut Istanbul (OIIST) war zwischen 1989 und 2008 als Nebenstelle des Orient-Instituts in Beirut tätig. Seit 2009 ist es ein eigenständiges turkologisches und regionalwissenschaftliches Forschungsinstitut im Verbund der Max Weber Stiftung;
  • Das Deutsche Archäologische Institut, heute unter der Zuständigkeit des Auswärtigen Amtes, verfügt seit 1929 über eine Abteilung in Istanbul (DAI Istanbul);
  • Im Oktober 2014 vereinbarten das IHP – Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik und die Sabancı University die Einrichtung eines gemeinsamen Labors (IHP-Sabanci University Joint Lab "More-than-Moore").

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