Strategien und Programme

Das Ministerium für Hochschulwesen, Forschung und Innovation MESRI bereitet eine eigene Internationalisierungsstrategie vor (Stand September 2017), aber auch in der Nationalen Forschungsstrategie „France Europe 2020“ und der Nationalen Hochschulstrategie StraNES finden sich internationale Zielsetzungen. Die Wissenschaftsstrategie des Ministeriums für Europa und Auswärtige Angelegenheiten MEAE aus dem Jahr 2013 „Eine wissenschaftliche Diplomatie für Frankreich“ gibt darüber hinaus zusätzliche Orientierung. Dort wird das Ziel formuliert „eine internationale Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“. Insgesamt wird die Forschungs- und Innovationspolitik verstärkt den europäischen Vorgaben entsprechend weiterentwickelt.

Auch im Bereich der Hochschulen setzt sich Frankreich für eine verstärkte Europäisierung ein und hat insbesondere die im Herbst 2018 veröffentlichte Pilotausschreibung „Europäische Hochschulen“ der Europäischen Kommission initiiert. Das französische Hochschul- und Forschungssystem soll im Ausland attraktiver und besser lesbar werden. Das ist ein Hauptziel zahlreicher Reformen der letzten 15 Jahre. Im Herbst 2018 wurde bekannt gegeben, dass Nicht-EU-Studierende in Frankreich zum Wintersemester 2019/20 an den staatlichen Universitäten bis zu 3.770 Euro Gebühren zahlen sollen, Promovierende werden davon ausgenommen. Möglicherweise sollen jedoch weitere Ausnahmen zur Anwendung kommen.

 

2013 wurde zur Förderung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit die Möglichkeit für mehrjährige Aufenthaltsgenehmigungen für alle internationalen Masterstudierenden und Doktoranden geschaffen und der Einsatz von Fremdsprachen als Unterrichtssprache erleichtert. Seit 2016 können ausländische Forschende über den „Passeport Talents“ auf vereinfachtem Wege eine bis zu vierjährige Aufenthaltsgenehmigungen erlangen, mit der auch die Familie einreisen kann und volljährige Familienmitglieder eine Arbeitserlaubnis erhalten.

Seit 2010 wirbt die Internationalisierungsagentur Campus France für französische Studienangebote und die internationale Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern. Sie verwaltet auch die meisten nationalen Stipendienprogramme:

Das größte nationale Programm für internationale Studierende sind die Eiffel-Stipendien für Masterstudierende und Promovierende aus den Natur-, Wirtschafts-, Rechts- und Politikwissenschaften (Webseite Campus France Eiffel).

Das MEAE fördert weltweit wissenschaftliche Partnerschaften zwischen französischen Forschenden und ihren ausländischen Partnern im Rahmen des „Hubert Curien Programms“ (Webseite Campus France Partenariats Hubert Curien, PHC))

Weiterhin hat das Außenministerium MEAE seit 2004 17 Forschungsnetzwerke (Programme zur Netzwerkforschung /Programmes de Recherche en Réseaux P2R) speziell mit Deutschland, Indien, China, Israel und Südafrika initiiert und fördert regionale Forschungsnetzwerke in verschiedenen Weltregionen zu verschiedenen Themen (Informationswissenschaften, Lebenswissenschaften, Nachhaltige Entwicklung, Mathematik und Biologie/Biotechnologien).

Allerdings hat sich das Budget der französischen Regierung für Mobilitätsstipendien seit 2004 fast halbiert: von 133 Millionen Euro auf 71 Millionen Euro (2016). In Reaktion auf aktuelle politische Ereignisse wurde 2017 wiederum aber ein Förderprogramm für Wissenschaftler im Exil (Accueil en Urgence des Scientifiques n Exil, PAUSE) sowie ein Förderprogramm für ausländische Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die in Frankreich arbeiten möchten (Webseite Campus FranceMake our planet great again“), aufgelegt.

Die Nationale Agentur für Forschungsförderung ANR fördert Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Für Individualförderungen ist die Zugehörigkeit zu einer Einrichtung oder einem Unternehmen relevant, nicht die Nationalität. Es ist zum Beispiel auch möglich, Anträge für Wissenschaftler oder Wissenschaftlerinnen zu stellen, die sich noch im Ausland befinden, dann aber beim französischen Antragsteller eingestellt werden. Mit zahlreichen Staaten hat die ANR binationale Vereinbarungen für gemeinsame Ausschreibungen wie zum Beispiel die Kooperation mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), mit der seit 2007 jährlich geistes- und sozialwissenschaftliche Projekte gefördert werden (Webseite ANR International).

Bei der bilateralen Zusammenarbeit auf Ebene der Forschungszentren ist das Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung CNRS der wichtigste Akteur. 2017 förderte es über 780 bilaterale Kooperationen zwischen CNRS-Angestellten und ausländischen Partnern (Webseite CNRS International).

Nach oben

Internationale Präsenz

Eine Karte von Campus France bietet eine Übersicht zu den französischen Forschungseinrichtungen im Ausland (Stand 2016).

Das Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung CNRS  hat im Ausland gemeinsam mit ausländischen Institutionen und Hochschulen 36 gemischte internationale Forschungseinheiten geschaffen (Unités mixtes internationales, UMI). Unternehmen sind in 4 gemischten Einheiten vertreten (Webseite CNRS International).

Frankreich hat nach und nach ein Netzwerk französischer Forschungsinstitute im Ausland („Réseau des instituts français de recherche à l'étranger“, IFRE) aufgebaut, die sich in Archäologie sowie in Geistes- und Sozialwissenschaften spezialisiert haben. Derzeit gibt es 27 Forschungsinstitute und 7 Antennen in 34 Ländern. In Deutschland gehören das sozialwissenschaftliche Centre Marc Bloch in Berlin und das Institut Franco-Allemand de Sciences Historiques et Sociales (IFRA/SHS) in Frankfurt/Main dazu. Sie unterstehen sowohl dem CNRS als auch dem Ministerium für Europa und Auswärtige Angelegenheiten MEAE (Webseite MEAE zu IFRE).

Frankreich verfügt für die Entwicklungszusammenarbeit über eine besondere Infrastruktur in Form von Netzwerken außeruniversitärer staatlicher Institute, die vorwiegend im Ausland forschen und kooperieren. Diese sind sowohl dem Ministerium für Europa und Auswärtige Angelegenheiten MEAE als auch dem Ministerium für Hochschulwesen, Forschung und Innovation MESRI unterstellt:

  • das 1943 gegründete Forschungsinstitut für Entwicklung IRD („Institut de recherche pour le développement“) sowie
  • das Zentrum für internationale Zusammenarbeit in der Agrarforschung für Entwicklungszusammenarbeit CIRAD („Centre de coopération internationale en recherche agronomique pour le développement“), das 1984 gegründet wurde.

Ein weiterer wichtiger Akteur auf internationaler Ebene ist das private gemeinnützige Institut Pasteur, das mit staatlicher Unterstützung ein Netzwerk von 32 Forschungszentren in 25 Ländern im Bereich der Gesundheits- und Infektionsforschung unterhält (Institut Pasteur International Network).

Im Bereich der Hochschulen gibt es 133 Standorte im Ausland, die Ableger französischer Einrichtungen oder eigenständig auf Basis bilateraler Abkommen organisiert sind. Die Internationalisierungsagentur Campus France wirbt mit 178 Außenstellen weltweit um Studierende und Forschende.

Nach oben

Ergebnisse von Evaluierungen

2017 wiesen Campus France und die Interessensverbände der französischen Universitäten und Hochschulen daraufhin, dass durch mangelnde finanzielle Ressourcen das Risiko bestehe, im zunehmend weltweiten Wettbewerb um internationale Studierende deutlich an Attraktivität zu verlieren. Sie forderten den Ausbau der Mobilitätsstipendien, eine weltweite Informationskampagne, mehr Budget für die Betreuung ausländischer Studierender und Wissenschaftler, vereinfachte Bewerbungsverfahren und die Entwicklung innovativer Ausbildungsformate sowie die Verbesserung der Aufenthaltsbedingungen.

Nach oben

Eine Initiative vom

Projektträger