StartseiteLänderEuropaFrankreichUmsetzung von Frankreichs Gesundheitsinnovationsplan hat höchste Priorität: Zahlreiche Maßnahmen bereits ins Leben gerufen

Umsetzung von Frankreichs Gesundheitsinnovationsplan hat höchste Priorität: Zahlreiche Maßnahmen bereits ins Leben gerufen

Berichterstattung weltweit

Am 14. Dezember weihte der französische Premierminister Jean Castex in Begleitung von Olivier Véran, Minister für Solidarität und Gesundheit, Frédérique Vidal, Ministerin für Hochschulbildung, Forschung und Innovation, und Agnès Pannier-Runacher, Industrieministerin, den Campus PariSanté ein. Anlässlich der Veranstaltung gab er einen Überblick über den aktuellen Stand der Umsetzung des Plan Innovation Santé 2030.

Der soeben eingeweihte Campus PariSanté stellt ein Cluster für digitale Gesundheit dar, dessen Gründung im Jahr 2020 vom französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron angekündigt worden war. Dieser Cluster bringt Forschung, Ausbildung, Innovation und Unternehmertum im Bereich der digitalen Gesundheitsversorgung zusammen, um Synergien zwischen öffentlichen und privaten Akteuren und somit Forschung und Innovation zu fördern. Ziel ist es, Frankreich zu einem der Innovationsführer weltweit im Bereich digitaler Gesundheit zu verhelfen. Der Campus PariSanté besteht aus fünf Gründungsmitgliedern: dem Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM), dem Institut national de recherche en sciences et technologies du numérique (INRIA), der Université Paris Sciences & Lettres (PSL), dem Health Data Hub und der Agence du numérique en santé (ANS).  

Der Campus PariSanté stellt einen der Umsetzungsschritte des Gesundheitsinnovationsplans „Plan Innovation Santé 2021-2030“ dar. Der am 29. Juni 2021 von Staatspräsident Emmanuel Macron vorgestellte Innovationsplan zielt darauf ab, Frankreich an die Spitze der europäischen Gesundheitsforschung zu bringen und Souveränität im Gesundheitsbereich zu erreichen. Drei Hauptziele wurden dabei spezifiziert:  

  • die Abhängigkeit Frankreichs vom Import im Bereich der Biotherapien zu durchbrechen, die Entwicklung und Produktion neuer Biomedikamente auf französischem Boden zu fördern und die Anzahl der Arbeitsplätze in diesem Bereich erheblich zu steigern;  
  • die Digitalisierung im Gesundheitswesen und die verstärkte Nutzung von digitalen Gesundheitsdaten voranzutreiben;  
  • Infektionskrankheiten effizient zu bekämpfen – und sowohl Präventionsstrategien als auch angemessene Reaktionen und Therapien zu entwickeln.  

Premierminister Jean Castex begrüßte, dass bereits in diesem Jahr zahlreiche Maßnahmen in das Gesetz zur Finanzierung der Sozialversicherung (LFSS) aufgenommen wurden, die den Zugang zu Gesundheitsinnovationen betreffen – darunter ein schnellerer Zugang zu neuen Medikamenten nach deren Zulassung; ein einfacherer Zugang zu kostenintensiven medizinischen Innovationen im stationären Setting; die Verbreitung von Telemonitoring-Angeboten bei nachgewiesenem klinischem Nutzen für die Patientinnen und Patienten oder zwecks Verbesserung organisationaler Abläufe; die Förderung von Investitionen und insbesondere von Produktionsstätten auf französischem Boden durch eine für die Industrie gerechtere Bepreisung von Gesundheitsprodukten.  

Jean Castex erinnerte an das Versprechen des französischen Präsidenten, mehr als 1 Milliarde Euro an Krediten zur Verfügung zu stellen, um die biomedizinische Forschung zu stärken. Durch die Schaffung von Exzellenzzentren, die Ausbildung, Pflege, Forschung und Innovation in dem Bereich zusammenbringen, soll die Landschaft der biomedizinischen Forschung in Frankreich verändert und modernisiert werden. Die vorhandenen Forschungsinfrastrukturen sollen gestärkt und mit den besten Technologien und Ausrüstungen ausgestattet werden. Dadurch soll auch die internationale Attraktivität der französischen biomedizinischen Forschung für junge, ausländische Forscherinnen und Forscher gesteigert werden.  

Berichtet wurde auch über die am 18. Oktober 2021 gestartete Beschleunigungsstrategie „Digitale Gesundheit“. Ausgestattet mit 650 Millionen Euro, die unter anderem aus dem Programm für Zukunftsinvestitionen (PIA) stammen, soll sie dazu beitragen, Frankreich bis 2025 zum Weltmarktführer im Bereich der digitalen Gesundheit zu machen. Jean Castex kündigte an, dass in den kommenden Monaten Aufrufe zur Einreichung von Projekten (AAP) für Unternehmen in diesem Sektor veröffentlicht und Projekte in Höhe von insgesamt 150 Millionen Euro auf 5 Jahre gefördert würden.  

Um diese Innovationsdynamik weiter zu unterstützen kündigte Jean Castex für den Beginn des kommenden Jahres die Einrichtung einer Agentur für Innovation im Gesundheitswesen („Agence de l’innovation en santé“) an. Die Agentur soll sich drei prioritären Aufgaben widmen, und zwar:  

  • Kurz- und langfristige strategische Innovationsziele in Abstimmung mit allen Forschungs- und Innovationsakteuren definieren;  
  • Als zentrale Anlaufstelle für Innovationsträger im Sinne eines „one-stop-shop“ fungieren, mit dem Ziel, die Zeit bis zur Markteinführung neuer Produkte zu verkürzen;  
  • Schließlich soll die Agentur die Steuerung des Plans Innovation im Gesundheitswesen und dessen Mittel in Verbindung mit dem Begleitausschuss fortsetzen.  

Darüber hinaus wurde über bereits erzielte Meilensteine des Plans „France Relance“ im Bereich Gesundheit berichtet. Seit September 2020 hat die Regierung 166 öffentlich-private Projekte mit öffentlichen Mitteln in Höhe von 816 Millionen Euro gefördert – mit dem Ziel, die nationale Produktion strategisch wichtiger und kritischer Gesundheitsprodukte zu stützen und somit Frankreichs Souveränität in dem Bereich zu steigern. Darunter widmen sich 20 Projekte mit einem öffentlichen Budget von insgesamt 344 Millionen Euro der Wertschöpfungskette für Impfstoffe gegen Covid-19 und Medikamente zu dessen Behandlung.  

Die bevorstehende Einführung der Beschleunigungsstrategie "Biotherapie und Bioproduktion innovativer Therapien" wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die französische Industriestruktur zu stärken, um die Entwicklung von Biotherapien zu unterstützen, und somit zukünftig nicht mehr zu 95 Prozent von ausländischen Biotherapien abhängig zu sein. 

Auf europäischer Ebene unterstützt Frankreich schließlich die Einrichtung eines transnationalen, wichtigen Vorhabens von gemeinsamem europäischem Interesse (IPCEI) mit dem Ziel, die Europäische Union in die Lage zu versetzen, in den strategischen Therapiegebieten von morgen eine führende Position einzunehmen. Im Fokus soll dabei die Entwicklung innovativer Produktionsprozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette stehen.  

Zum Nachlesen

Quelle: MESRI Redaktion: von Sylvie Rijkers-Defrasne, VDI Technologiezentrum GmbH Länder / Organisationen: Frankreich Themen: Bildung und Hochschulen Innovation Lebenswissenschaften Netzwerke Wirtschaft, Märkte

Weitere Informationen

Eine Initiative vom

Projektträger