Für Bildung und Forschung zuständige Ministerien

Zwischen 2004 und 2018 gab es in Russland ein Ministerium mit einer umfassenden Zuständigkeit für alle Bildungssektoren sowie für die Wissenschaft. Nach den Wahlen im Mai 2018 wurden die Zuständigkeiten auf zwei neue Ministerien verteilt: ein Bildungsministerium, das für frühkindliche und schulische Bildung sowie berufliche Aus- und Weiterbildung zuständig ist, sowie ein Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung (MSHE).

Die Führungsrolle des MSHE im Wissenschaftssystem wurde außerdem gestärkt, indem dem Ministerium im Mai 2018 erstmals die Russische Akademie der Wissenschaften (RAW) direkt unterstellt wurde. Die Bundesagentur FANO, die ab 2013 die Aufsicht über die RAW ausgeübt hatte, wurde aufgelöst, während deren Chef Mikhail Kotyuko im Zeitraum zwischen Mai 2018 und Januar 2020 das Ministeramt übernahm. Im Januar 2020 wurde er durch den neuen Minister Walerij Nikolajewitsch Falkow, der zuvor Rektor der University of Tyumen war, abgelöst.

Dem Ministerium unterstellt ist seine Territorialverwaltung, die als ausführender Arm insbesondere für die Verwaltung des staatlichen Immobilienbesitzes der Hochschulen zuständig ist. Für die Regionen im asiatischen Teil Russlands existieren drei eigenständige Territorialverwaltungen für den Ural, Sibirien und den Fernen Osten. Eine politische Mitgestaltung dieser Regionalorgane, wie im Übrigen auch der regionalen Bildungs- und Wissenschaftsministerien der einzelnen Föderationssubjekte, ist im zentralistisch ausgerichteten System Russlands nicht vorgesehen. Letztere sind auch nicht für die regionale Hochschulbildung zuständig, da ihnen nicht die Universitäten ihrer Regionen unterstellt sind.

Neben dem MSHE kommt dem Ministerium für Handel und Industrie eine wichtige Rolle zu: Es finanziert eine Reihe von Industrieforschungseinrichtungen, darunter viele Staatliche Forschungszentren und vergibt über den Industrial Development Fund (IDF) Förderung an Unternehmen. Weitere Kompetenzen liegen bei den russischen Fachministerien wie dem Agrar- und dem Umweltministerium. Das Gesundheitsministerium hat eigene Forschungseinrichtungen und ist zusätzlich für die medizinischen Hochschulen zuständig.

Seit 2011 werden die russischen Ministerien durch die Agentur für strategische Initiativen (Agency for Strategic Initiatives, ASI) unterstützt, die sich um die Umsetzung ausgewählter Initiativen in Bildung, Forschung und Innovation sowie anderen Politiksektoren kümmert, so beispielsweise um die „Nationale Technologie-Initiative" („National Technology Initiative", NTI).

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Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik

Das Analytische Zentrum für die Regierung der Russischen Föderation (Analytical Center for the Government of the Russian Federation, ACRF) setzt seit 2005 die Arbeit verschiedener Vorgängerorganisationen fort, die seit 1959 tätig waren. Mittels Studien und Analysen leistet das Zentrum heute einen Input in die Gestaltung von Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik.

2009 wurde mit dem Präsidialrat für Wissenschaft und Bildung (Presidential Council for Science and Education) ein neues Koordinierungs- und Beratungsgremium gegründet, das für die Strategieentwicklung in Bildung, Wissenschaft und Innovation, sowie für die internationale wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit zuständig ist (Zusammenfassungen der Sitzungen des Präsidialrates unter dem Vorsitz von Präsident Putin sind hier abrufbar). Der Rat berät das Staatsoberhaupt und hat außerdem weitere Funktionen wie beispielsweise die Erstellung von Monitoring-Berichten zur Koordinierung von föderalen, regionalen und öffentlichen Organisationen sowie die Vergabe von staatlichen Auszeichnungen im Bereich Wissenschaft und Bildung.

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