Überblick

Mit Beginn der vergangenen Dekade hat sich die russische Wissenschaftslandschaft dank eines steil ansteigenden Staatshaushalts und eines damit verbundenen stark steigenden Wissenschaftshaushalts deutlich verbessert. Die russische Regierung behandelt nach jahrelanger Zurückhaltung das Thema Wissenschaft mit neuen Prioritäten und stellt z. T. hohe Budgets zur Umsetzung ambitionierter Forschungsprogramme und Initiativen zur Verfügung. Das weiter im Umbruch befindliche russische Bildungswesen gehört zu einem von vier Bereichen, die im Herbst 2005 zu „national vorrangigen Projekten“ erklärt wurden. Das nationale Prioritätsprojekt „Bildung“ wurde 2008 aus dem Föderalen Budget mit einer Summe von 1,26 Mrd. EUR (45,49 Mrd. RUR) gefördert. Die Hauptziele der Initiative(www.rost.ru/projects/education/ed1/ed11/aed11.shtml) liegen in der

  • Implementierung von Innovationsprogrammen 
  • Unterstützung des Lehrpersonals 
  • Motivation für den Nachwuchs

sowohl im Schul- als auch im universitären Bereich.
Neben der wirtschaftlichen Entwicklung wird die Lage in Russland durch die demographische Entwicklung in den nächsten Jahren erschwert. Das russische Bildungssystem steht daher vor der Herausforderung noch effizienter zu werden und alle Potenziale ausschöpfen zu müssen. Besonderes Augenmerk soll auf die Fachkräfteausbildung und den Forschernachwuchs gelegt werden.
Die russische Regierung strebt die Verbesserung der Qualität der Hochschulbildung, deren Anpassung an internationale Entwicklungen (Bologna-Prozess) und die Stärkung universitärer Forschung, die bislang traditionell in Russland keine wesentliche Rolle gespielt hat, an. Hochschulen sollen verstärkt in die Innovationskette eingebunden werden. Dieses Ziel verfolgt das schon 1996 vom russischen Bildungsministerium ins Leben gerufene Programm «Integrazija»: Im Rahmen dieses Programms entstanden in den vergangenen Jahren in zahlreichen russischen regionalen Zentren (u. a. Jekaterinburg, Nowosibirsk, Kazan, Perm und jüngst Irkutsk) sogenannte «Nautschno-issledovatel'skie zentry», die mit Hilfe von besonderen Lehrprogrammen und Praktika die Integration des akademischen Wissens in den Lehrbetrieb der Universitäten vor Ort fördern sollen. Zielgruppen sind sowohl Studierende wie auch Doktoranden in den Universitäten.

Derzeit wird die Gründung von weiteren Forschungszentren zu einem eigenständigen Programm innerhalb der Maßnahmen zur Verbesserung und Integration von Forschung und Lehre an den Hochschulen etabliert. Nationale Forschungsuniversitäten (NFU) (vergleichbar mit deutschen Forschungsinstituten) sind Bildungs- und Forschungseinrichtungen, die an einer bestehenden Universität integriert sind. Deren Ziel ist es, eine dynamische Entwicklung des wissenschaftlich-technischen Komplexes des Landes mit den benötigten personellen Ressourcen zu versorgen und zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der russischen Forschung im internationalen Vergleich beizutragen. Im Herbst 2008 wurden in einer Pilotphase die beiden ersten Nationalen Forschungsuniversitäten gegründet: Die Nationale Kernforschungsuniversität „MIFI“ am Moskauer Ingenieur-Physikalischen Instituts (Technische Universität) und die Nationale Technologische Forschungsuniversität „MISiS“ am Moskauer Instituts für Stahl und Legierung (Technologische Universität). In den Jahren 2009 und 2010 wurden landesweite Wettbewerbe zur Einrichtung weiterer NFU durchgeführt. Die inzwischen 29 Nationalen Forschungsuniversitäten bilden zusammen mit acht Föderalen und zwei "Klassischen" Universitäten (Lomonosov-Universität Moskau und Universität St. Petersburg) die Gruppe der "führenden Hochschulen" Russlands.

Institutioneller Rahmen

Das Bildungswesen in Russland gliedert sich in vier Abschnitte: Die allgemeine Schulausbildung, die Berufsausbildung, die Hochschulausbildung sowie die Postgraduierte Ausbildung.

Während das Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MON) eine gewisse Oberhoheit bei allgemeinen Formulierungen zu Rahmenbedingungen (Art der Abschlüsse, Studiendauer, formale Qualifikationen, Bologna-Prozess) hat, sind die Ressortministerien für Finanzierung, Personal und Inhalt der Lehre verantwortlich.

Derzeit existieren in der Russischen Föderation folgende Arten von Hochschuleinrichtungen:

  • Föderale Universitäten (FU) – eine führende Bildungseinrichtung in einem Föderalen Bezirk, Zentrum für Wissenschaft und Bildung in den russischen Regionen. Es sind insgesamt bis zu 10 FU geplant, neun davon sind bereits eröffnet. Die Föderalen Universitäten entstehen mehrheitlich durch Zusammenschluss mehrerer Universitäten.
     
  • Universitäten – eine multidisziplinäre Einrichtung mit einer großen Auswahl von Ausbildungsprogrammen in verschiedenen Bereichen des Wissens. Besonderen rechtlichen Status genießen die ältesten Universitäten des Landes: die staatliche Universität Moskau und die staatliche Universität Sankt Petersburg.
     
  • Nationale Forschungsuniversitäten – eine Hochschuleinrichtung, die sowohl Forschung als auch Lehre betreibt. Zur nationalen Forschungsuniversität zählt eine Bildungseinrichtung, die diesen Titel durch einen offenen Wettbewerb erwirbt. Den Titel behält die Bildungseinrichtung für 10 Jahre. Die ersten zwei Einrichtungen dieser Art entstanden im Jahr 2008. Im Jahr 2009 sind 12 und im Jahr 2010 weitere 15 Einrichtungen dieser Art hinzu gekommen.
  • Akademien – eine Hochschuleinrichtung, die auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert ist (Landwirtschaft, Gesundheit, Kunst, Tourismus, Wirtschaft, Finanzen, etc.)
     
  • Institute – eine rein auf Lehre ausgerichtete Institution, welche Fachkräfte in einem bestimmten Bereich ausbildet. 

In Russland existieren vier Formen der akademischen Ausbildung:

  • Vollzeitstudium
  • Abendstudium
  • Fernstudium
  • Externes Studium

In der letzten Zeit wird intensiv an den Fernprogrammen gearbeitet, um den Bildungsinteressierten auch aus entfernten Regionen den Zugang zur Hochschulbildung zu ermöglichen.

Bildungspolitische Maßnahmen

Mit Erlass vom 09.04.2010 wurde eine staatliche Förderung der Kooperationen der russischen Hochschulen und der Industrie verkündet.

Eine weitere Maßnahme, die auf eine Verbesserung der Bildungssituation im tertiären Bereich in Russland zielt, ist das Monitoring von Universitäten mit dem Ziel ineffektive Bildungseinrichtungen zu identifizieren. Am 13. Dezember 2013 wurden auf einer Sitzung im Ministerium für Bildung und Wissenschaft Listen von "nicht-effektiven" staatlichen und nicht-staatlichen Hochschulen vorgestellt, die  entweder komplett geschlossen oder restrukturiert/reorganisiert wurden. Insgesamt zeigten 322 Hochschulen Anzeichen von mangelnder Effektivität,. 46 Hochschulen bedürfen einer Optimierung und 379 wurden für nicht effektiv befunden und sollen, falls möglich, reorganisiert oder geschlossen werden.

Des Weiteren wurde zur Gewährleistung eines transparenten Zugangs zum Studium bereits am 09.02.2007 die Einführung des Einheitlichen Staatlichen Schulabschlusses (JeGE) geregelt, der z.T. durch o.a. gesetzliche Reglungen für einzelne Universitäten wieder aufgehoben wurde. 2009 ist der erste Jahrgang von Schulabgängern mit dem JeGE in die Hochschulen aufgenommen worden. Damit müssen sich die Universitäten voneinander abheben, um Studienbewerber anzulocken, umso mehr, als die stark zurückgegangene Zahl der Schulabgänger den Wettbewerbsdruck noch verschärft. Im Schuljahr 2013 konnten Abiturienten den JeGE in 14 Fächern ablegen, darunter in vier Fremdsprachen (Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch). 

2003 ist Russland dem Bologna-Prozess beigetreten und hat sich damit verpflichtet, die Bologna-Ziele bis 2010 zu erreichen. Bereits seit Mitte der 1990er Jahre haen einige Hochschulen in Russland parallel zum klassischen fünfjährigen Diplomstudium BA- und MA-Studiengänge eingeführt. Bislang stellen sich die russischen Hochschulen aber eher zögerlich auf die neuen Studiengänge ein.

In den letzten Jahren ist ein zunehmender Konkurrenzdruck zwischen staatlichen und privaten Hochschulen und die damit verbundene Kommerzialisierung der russischen Hochschulbildung zu vermerken. Es existieren kaum noch staatliche Studienplätze. Die Studenten müssen je nach Universität und Studiengang teils erhebliche Summen an Studiengebühren aufbringen um studieren zu können.

Gezieltes Modell der laufenden Hochschulreform ist eine Hochschulpyramide. 2009 hat es eine Reihe wichtiger neuer Gesetze, Verordnungen und Erlasse in Russland gegeben. Zu den wichtigsten rechtlichen und institutionellen Änderungen gehören die Reformen der Hochschullandschaft. Zukünftig sollen von den 344 dem MON unterstellten Hochschulen mittelfristig nur 230 bis 250 erhalten und weiterfinanziert werden. Kleinere und unwirtschaftlich geführte Hochschulen sowie die Zahl der sogenannten "Hochschulfilialen" sollen drastisch gesenkt werden. Nach dem Amtsantritt des neuen Bildungs- und Forschungsministers Liwanow im Frühjahr 2012 entbrannte eine breite, auch in der Öffentlichkeit ausgetragene Kontroverse um das Thema der angestrebten Konsolidierung im Hochschulbereich.

Ende Juni 2010 veröffentlichte das MON einen Wettbewerb zur Vergabe von Forschungs- und Entwicklungsgeldern. In den drei Jahren 2010 bis 2012 wurden insgesamt 12 Mrd. Rubel (ca. 290 Mio. EUR) investiert. Gefördert wurden Projekte an russischen Hochschulen (seit 2012 auch an der Akademie der Wissenschaften), die von international renommierten Wissenschaftlern durchgeführt werden. Das Programm wird von 2013 bis 2016 fortgesetzt. In diesen vier Jahren stehen knapp 11 Mrd. Rubel (ca. 267 Mio. EUR) zur Verfügung. Ziel ist die wissenschaftliche Einbindung von russischen Nachwuchswissenschaftlern, Doktoranden und talentierten Studierenden sowie die Möglichkeit, die apparative Ausstattung zu erneuern. Bedingung ist, dass ausländische Wissenschaftler vier Monate im Jahr persönlich das Projekt an der russischen Hochschule leiten müssen.

In dem Bemühen Russland für Absolventen ausländischer Hochschulen und Inhaber ausländischer akademischer Grade als Wirkungsstätte für Forschung und Lehre attraktiver zu machen, hat die Russische Regierung mit Erlass Nr. 389 vom 25.04.2012 sowie den hierzu ergangenen Verordnungen 811-r und 812-r vom 21.05.2012 zwei Listen ausländischer Bildungs- und wissenschaftlicher Einrichtungen zusammengestellt, deren Studienabschlüsse bzw. akademische Grade automatisch in der Russischen Föderation anerkannt werden. Nach den USA (68), Großbritannien (28) und Kanada (14) stellt Deutschland mit 13 Universitäten das viertstärkste Kontingent von Bildungs-und wissenschaftlichen Einrichtungen. 

Die russische Regierung hat 2010 das Budget im Wissenschafts- und Bildungsbereich von 9,9 Mrd. EUR (388,7 Mrd. RUB) 2009 auf und 8,5 Mrd. EUR (334,2 Mrd. RUB) gekürzt, zusätzliche Mittel aus dem föderalen Budget für die staatlichen Universitäten in den nächsten drei Jahren (2,3 Mrd. EUR) wurden jedoch bereitgestellt.

Indikatoren für Bildung

Indikator

Russland

Deutschland

OECD-Gesamt

Stand

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Bildung insgesamt [Prozent]

3,1

4,2

5,0

2016

Wachstum des Bildungsanteils am BIP (Differenz des BIP-Bildungsanteils zu dem des Vorjahres in Prozentpunkten) [Prozent]

0,0

0,0

0,0

2016

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: tertiäre Bildung [Prozent]

1,1

1,2

1,5

2016

Öffentlicher Anteil an den Ausgaben für tertiäre Bildung [Prozent]

64

83

66

2016

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

1

4

2

2017

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

5,887

3,092

k.A.

2017

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender im Land [Prozent]**

4***

8

6

2017

Anzahl Promovierender insgesamt

99.273

198.300

k.A.

2017

Anteil internationaler abschlussorientierter Promovierender im Land [Prozent]**

7***

10

22

2017

Anteil 25- bis 34-Jähriger mit einem Abschluss im Tertiärbereich [Prozent]

63

32

44

2017/18/18

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften (Ingenieurwissenschaften) [Prozent]

3 (23)

9 (22)

6 (14)

2017

PISA-Ergebnisse: Lesen [Punktzahl (Platzierung)]

479 (29)

498 (20)

487

2018

PISA-Ergebnisse: Mathematik [Punktzahl (Platzierung)]

488 (30)

500 (20)

489

2018

PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften [Punktzahl (Platzierung)]

478 (33)

503 (15)

489

2018

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Quellen: "OECD - Education at a Glance 2019", UNESCO Institute for Statistics und "OECD - PISA 2018: Ergebnisse"
Redaktion: 03.12.2019, von: Tim Mörsch, VDI Technologiezentrum GmbH

* OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.
** OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss in dem jeweiligen Land anstreben.
*** Statt auf internationale (d.h. bei im Ausland erworbener Hochschulzugangsberechtigung ohne Berücksichtigung der Staatsangehörigkeit) bezieht sich diese Angabe auf ausländische Studierende bzw. Promovierende.

 

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Schulen und Hochschulen

Das Schulsystem

Aufgrund der demografischen Entwicklung ging die Schülerzahl in den letzten fünf Jahren um rund ein Viertel zurück. Seit dem Schuljahr 2011/12 ist eine leicht positive Veränderung zu beobachten. Im Schuljahr 2013/14 besuchten 13.783.000 Schülerinnen und Schüler in Russland eine allgemeinbildende Schule.

Die Schulpflicht beträgt in Russland neun Jahre. An staatlichen Schulen ist der Schulbesuch gebührenfrei, die bereits obligatorische Schuluniform und die Lehrbücher müssen jedoch von den Erziehungsberechtigten finanziert werden.

In Russland beginnt die Schulausbildung im Alter von 6 bis 7 Jahren. Das russische Schulsystem sieht folgende Stufen vor:

  • 1.- 4. Klasse Grundschule
  • 5.-9. Klasse Hauptschulbildung und
  • 10. –11. Klasse Mittelschulbildung

Folgende Abschlüsse sind möglich:

  • Allgemeiner Hauptschulabschluss: Er wird nach neunjähriger Schulzeit erworben und eröffnet die Möglichkeit einer Berufsausbildung an einem Technikum oder einer Berufsschule.
  • Allgemeine Mittelschulbildung: Dieser Abschluss wird nach elfjähriger Schulzeit erworben. Das verliehene Reifezeugnis (attestat zrelosti) wird von etwa zwei Dritteln der Schüler erworben und ist Ausweis der allgemeinen Hochschulreife.

Zu den für die Zukunft vorgesehenen Maßnahmen gehören auch die Einführung einer einjährigen Vorschule, eines zwölften Schuljahres sowie die Einrichtung von Profilklassen in den beiden letzten Schuljahren. Die Reform des Bildungswesens soll bis 2020 stufenweise umgesetzt werden. (Quelle: AA;www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/RussischeFoederation/Kultur-UndBildungspolitik.html)

Das Hochschulsystem

Das Hochschulwesen der Russischen Föderation und der GUS-Staaten unterscheidet sich in vielen Punkten von den westeuropäisch geprägten Studiensystemen. Ein grundlegender Unterschied besteht darin, dass das Prinzip der Einheit von Forschung und Lehre im russischen Hochschulwesen noch nicht verankert wurde. Die Hochschulen befassen sich überwiegend mit der Lehre und führen nur zum Teil angewandte Forschung durch. Dies soll sich ändern: Universitäten werden schrittweise zu Forschungszentren ausgebaut, welche neben dem Lehr- auch noch einen Forschungsauftrag haben.

Eine Reihe weiterer Initiativen wird dezeit (Stand Mai 2014) an russischen Hochschulen durchgeführt:

  • Öffentliche Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen industrienahen Hochschulen der Industrie und der Wirtschaft
  • Gründung von nationalen Forschungsuniversitäten
  • Unterstützung der führenden russischen Universitäten
  • Einbeziehen von führenden Wissenschaftlern
  • Entwicklung der Innovationsinfrastruktur
  • Gründung von föderalen Universitäten

Der Bologna-Prozess in Russland

Verlässliche Zahlen zum Stand der Umsetzung des Prozesses an allen Hochschulen Russlands existieren bis heute kaum. Gleichwohl ist inzwischen eine deutliche Zunahme der neuen Abschlüsse Bachelor und Master zu verzeichnen. Den landesweit 1,3 Mio. Diplomabschlüssen standen 2011 bereits 126.600 Bachelor- und 26.300 Masterabschlüsse gegenüber. Von weiteren Reformen ausgenommen sind die Fächer Medizin und Jura, ferner die Lehrerausbildung und die dem militärischen Bereich zuzuordnenden Fächer.

Zwei Jahre begleiteten Experten im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) die Umsetzung der Bologna-Reform als Berater der Hochschulen (letzte sechste Projektphase: 01. Juli 2011 bis 30. Juni 2013).

Die Hochschulen lassen sich anhand ihrer fachlichen Bandbreite und ihrer administrativen Zugehörigkeit kategorisieren:

a) Fachliche Bandbreite

  • Die klassischen Universitäten: Sie zeichnen sich durch ein breites Fächerangebot aus, das dem der deutschen Volluniversitäten nahe kommt.
  • Akademien und Universitäten mit wesentlich engerer Spezialisierung: z. B. Hochschulen für Architektur und Bauwesen, Pädagogische und Medizinische Hochschulen oder Wirtschaftsakademien.
  • Universitäten und Hochschulen, die neu gegründet oder umgewidmet wurden: Sie sind in ihrer fachlichen Ausrichtung meist auf 2-3 Fächer begrenzt. Häufig handelt es sich um private Hochschulen.

b) Administrative Zugehörigkeit
Nur ein Teil der Hochschulen wird durch das Ministerium für Wissenschaft und Bildung betreut, andere unterstehen den Fachministerien, sind aber frei zugänglich. Während das Bildungsministerium eine gewisse Oberhohheit bei allgemeinen Formulierungen zu Rahmenbedingungen (Art der Abschlüsse, Studiendauer, formale Qualifikationen, Bologna-Prozess) hat, sind die Ressortministerien für Finanzierung, Personal und Inhalt der Lehre verantwortlich. Alle im administrativen Bereich anfallenden Aufgaben werden vom Rektor, von Prorektoren oder Dekanen wahrgenommen.

Studiengänge und -abschlüsse

An den russischen Hochschulen können folgende akademische Abschlüsse erworben werden:

  • Bachelor (in der Regel nach vierjährigem Studium) 
  • Magister (entspricht dem Master-Grad; nach einem zweijährigen Studium im Anschluss an den Bachelor) 
  • Diplom (fünf- bis sechsjähriges Studium)

Bei den wissenschaftlichen Graden unterscheidet man zwischen dem:

  • Kandidat der Wissenschaften (Aspirantur - in etwa der deutschen Promotion vergleichbar): Voraussetzung für die Aufnahme in die Aspirantur ist ein abgeschlossenes Studium (Diplom oder Master). Die 3-jährige Aspirantur ist wesentlich verschulter im Vergleich zur deutschen Promotion. In dieser Zeit sind Vorlesungen und Kurse zu absolvieren, die zum Teil nur mit dem Promotionsfach zu tun haben. Nach drei Jahren muss eine abgeschlossene wissenschaftliche Arbeit vorgelegt werden.
  • Doktor der Wissenschaften (in etwa der deutschen Habilitation vergleichbar): Voraussetzung für den Beginn einer Habilitation ist die abgeschlossene Aspirantur. Neben der Habilitationsschrift muss der Habilitand weitere eigene Publikationen vorlegen und seine Lehrbefähigung nachweisen. Die Erstellung der Habilitation nimmt mindestens fünf Jahre in Anspruch und wird mit dem Titel "Doktor der Wissenschaften" abgeschlossen. Da die Lehrbefugnis nicht von einer abgeschlossenen Habilitation abhängt, ist es nicht ungewöhnlich, erst im Alter von 50 Jahren oder später mit der Habilitation zu beginnen. Bis dahin kann der Habilitand Dozent oder Lehrstuhlleiter an einer Universität oder wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Forschungsinstitut sein.
    Die Doktorantur (Habilitation) gehört seit kurzem nicht mehr zum Bildungsbereich, sondern ist dem Forschungsbereich zugeordnet.

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Berufliche Bildung

Die Berufsschule heißt in Russland "Professionalnoje Technitscheskoje Utschilische". Es gibt zwei unterschiedliche Ausbildungsrichtungen für Berufsschüler:

  • die mindestens einjährige grundlegende Berufsbildung "natschalnoje professionalnoje obrasowanije" (NPO) an einer Berufsschule und
  • die mindestens dreijährige mittlere Berufsbildung "sredneje professionalnoje obrasowanije" (SPO), allerdings soll die einjährige NPO aufgeben werden, da sie einer umfassenden Fachkräftequalifizierung nicht mehr gerecht wird.

Der Einstieg in die Berufsausbildung erfolgt entweder nach der neunten Klasse (Hauptschulbildung) oder mit Abschluss der elften Klasse (Mittelschulbildung). Die Ausbildungsstätte der mittleren Berufsbildung ist traditionell das Technikum, heute bezeichnen sich allerdings die meisten Schulen als "Colleges". Diese Ausbildung entspricht in etwa der an einer deutschen Fachschule.

In Russland gibt es 236 Ausbildungsberufe.

Von den 538.000 Berufsschulabsolventen im Jahr 2009/2010 wurden nur 25 % direkt bei einem Unternehmen eingestellt. Dabei handelte es sich in erster Linie um Angestellte in Supermärkten, Restaurants und Friseursalons. Mehr als die Hälfte aller Absolventen plante weiter zur Schule oder zur Universität gehen, 16 % leisteten Militärdienst, 6 % schlugen eine vollkommen andere Berufslaufbahn ein.

Die Ballungsgebiete der Russischen Föderation weisen meist eine sehr geringe Arbeitslosigkeit und einen großen Fachkräftemangel auf. Das ist auch ein erfolgskritisches Problem für die in Russland produzierenden und Handel treibenden deutschen Firmen.

Die Russische Föderation plant in den nächsten Jahren ihr Berufsbildungssystem grundlegend zu reformieren. Die deutsche duale Berufsbildung genießt in Russland einen exzellenten Ruf. Zentrale Elemente des deutschen Berufsbildungssystems sollen in Russland eingeführt werden. Hierzu zählen die u. a. Ausbildereignungsverordnung (AEVO), Rahmenlehrpläne sowie überbetriebliche Ausbildungszentren. Im Rahmen eines staatlichen Wettbewerbs unter den russischen Regionen wurden vor diesem Hintergrund im Dezember 2013 zehn Pilotregionen zur Einführung von dualer Berufsausbildung in RUS ausgewählt. Dort sollen in den kommenden drei Jahren neue gesetzliche Rahmenbedingungen für die duale Berufsausbildung geschaffen und praktische Beispiele v.a. in Hochtechnologieberufen implementiert werden. Koordiniert wird die Initiative von der russischen Agentur für Strategische Initiativen (ASI).

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Eine Initiative vom

Projektträger