Überblick

Folgende Strategien und Programme bestimmen maßgeblich die Entwicklung Russlands im Forschungsbereich:

Die Strategie der russischen Regierung für Forschung, Entwicklung und Innovation bis zum Jahr 2015 aus dem Jahr 2006 sieht vor, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bis 2015 von heute ca. 1% auf 2 % des BIP zu erhöhen, bis 2020 auf 2,5 - 3%. Die privaten FuE-Ausgaben sollen auf 55% gesteigert und die Zahl innovativer KMU auf 30.000  erhöht werden.

Diese Strategie wird ergänzt durch ein weiteres Strategiedokument der russischen Regierung aus dem Jahr 2012: Die Grundlagen der Politik der Russischen Föderation im Bereich der Entwicklung von Forschung und Technologien bis 2020 und darüber hinaus. Als eine der Hauptaufgaben wird dort der Anschluss an internationale Innovationssysteme und das Erreichen des internationalen Niveaus in den russischen Prioritätsbereichen bis 2020 formuliert.  Dies beinhaltet u.a. die Stärkung internationaler Großforschungsprojekte, die Erhöhung der internationalen Mobilität russischer Wissenschaftler und damit verbunden auch den Ausbau der internationalen wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit. Hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland sollen ebenso nach Russland geholt werden wie Spitzentechnologien. 

Die Regierungsstrategie „Innovatives Russland – 2020“ aus dem Jahr 2010 sieht eine Weiterentwicklung des langfristig angelegten russischen sozio-ökonomischen Entwicklungskonzeptes in eine explizit definierte Innovationsstrategie mit klaren Zielen, Prioritäten und Unterstützungsinstrumenten vor. Die Strategie wird in zwei Phasen umgesetzt: 2011-2013 Erhöhung der Innovationsfähigkeit der Wirtschaft (abgeschlossen); 2014-2020 breite Neuaufrüstung und Modernisierung der Industrie, Schaffung eines arbeitsfähigen nationalen Innovationssystems. Laut der Strategie soll im Jahre 2020 der Anteil der innovationsaktiven Unternehmen von heute 3 Prozent auf 40-50 Prozent steigen. Russische Hightechprodukte sollen von 0,3 Prozent auf 2 Prozent des Weltmarktes wachsen.
Die Umsetzung der Strategie wird von der Regierungskommission für Hochtechnologie und Innovationen koordiniert. Ein Schlüsselinstrument der Strategie ist der Ausbau der Technologieplattformen, der über die Russische Stiftung für Technologische Entwicklung (Russian Foundation for Technological Development) durchgeführt wird. Das Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MON) ist für den Bereich Forschung und Entwicklung, das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Handel sowie IPR Kommerzialisierung zuständig. 

Die Föderalen Zielprogramme (FZP) gelten als zentrales Element des Modernisierungsprogramms der russischen Regierung und dienen u.a. der Umsetzung der genannten wissenschaftlich-technologischen Ziele. Einige dieser Programme werden unter Beteiligung oder Federführung des russischen Ministeriums für Bildung und Wissenschaft implementiert. 

Folgende Zielprogramme sind für den Forschungsbereich in Russland von besonderer Bedeutung:

1. Föderales Raumfahrtprogramm 2006-2015: Das Programm bekommt die größten Zuschüsse aus dem Föderationshaushalt (ca. 9,2% aller FZP-Mittel). 

2. "Programm der wissenschaftlich-technologischen Entwicklung und der Modernisierung der Wirtschaft bis 2015“: Mit der Initiative wurden die folgenden Bereiche bei der zivilen technologischen Modernisierung als prioritär festgelegt: Atomindustrie, Raumfahrt, Flugzeugbau, Maschinenbau, Chemie- und Erdölindustrie, Medizin, Biotechnologie, Transport, Gesundheit und Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Für die nächsten Jahre wurde u.a. das ambitionierte Ziel der Weltmarktführerschaft auf dem Gebiet der Nanotechnologieforschung und –produktion ausgegeben. 

3. Föderales Zielprogramm “Forschung und Entwicklung in den vorrangigen Entwicklungsrichtungen des wissenschaftlich-technologischen Komplexes Russlands 2014 - 2020 ”: Mit einem Budget von 8 Mrd. Euro (381,945 Mrd. RUB) ist es das wichtigste Programm, das vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft verantwortlich koordiniert wird. Das Programm beinhaltet fünf Bereiche:

  • Durchführung von Forschungsaktivitäten
  • Internationale Kooperation
  • FuE Infrastrukturen
  • Materialien und technische Resourcen
  • Management des Programms

In diesem Zielprogramm sind die folgenden FuE-Prioritäten festgelegt, auf die die Förderung ausgerichtet wird: 

  • Lebenswissenschaften 
  • Nanosystem-Industrie
  • Informations- und Kommunikationstechnologien 
  • Rationelle Naturnutzung 
  • Energieeffizienz, Atomenergie
  • Transport und Raumfahrtsyste

Laut der Regierungsverordnung vom 2. Mai 2014 wird dem FZP für den Zeitraum 2014-2020 aus dem russischen Haushalt 202,23 Mrd. RUB (ca. 4,4 Mrd. EUR) zugeteilt. Neu im Programm ist die Fokussierung des FZP auf die angewandte Forschung. Eine der größten Aufgaben des FZP 2014-2020 ist die Integration des russischen wissenschaftlich-technologischen Komplexes in das globale internationale Innovationssystem. Zur Umsetzung dieses Ziels wird im Programm 2014-2020 ein spezieller Block „Internationale Zusammenarbeit“ gebildet.

Die russische Regierung hat entschieden, das bisher übliche Instrument der staatlichen Förderung von Schwerpunkten der nationalen Wirtschaft durch FZP zu ändern. Bis 2015 werden die FZP durch Staatliche Programme ersetzt. 90 Prozent der staatlichen Fördermittel sollen durch dieses Instrument erfolgen. Geplant sind etwa 40 Staatsprogramme, die FZP und Unterprogramme sowie einzelne Maßnahmen prioritärer Nationalprojekte einzelner Ressorts umfassen sollen.

Thematische Bereiche in Mrd. RUR (1? ? 35 RUR)

Thematische Bereiche

Total

Lebenswissenschaften

27,9

Nanotechnologie und Nanomaterialien

43,5

Informations- und Kommunikationstechnologien

8,9

Rationelle Naturnutzung

9,8

Energietechnik und Energieeffizienz

19,7

Internationale Zusammenarbeit

21,3

Insgesamt

131,1

Programme in der Bildung

Die Schwerpunkte der russischen Hochschulpolitik sind in der Innovationsstrategie 2020, im Föderalen Zielprogramm für Bildung 2011-2015 sowie in den Staatsprogrammen "Entwicklung der Bildung 2013-2020" und "Entwicklung von Wissenschaft und Technologie 2013-2020" verankert. (s. Kapitel 4.1 Besondere Instrumente und Maßnahmen)

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Programme in der Forschung

Die aktuellen Trends werden anhand einzelner Förderprogramme entsprechend unterstützt. In 2014 veröffentlichte die Russische Stiftung für die Geistes- und Sozialwissenschaften (RGNF) (call 2015) (http://www.rfh.ru/index.php/ru/konkursy/osnovnoj-konkurs/347-osnovnoj-konkurs-rgnf-2015-goda - auf Russisch) ein Programm zur Unterstützung von Forschungsvorhaben im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften. Zur Förderung des Informationsaustauschs und der Mobilität von Nachwuchswissenschaftlern bietet der Russische Fonds für Grundlagenforschung (RFFI) seit 2007 Fördermöglichkeiten für russische Experten (www.st-gaterus.eu/en/651.php).

Kleine und mittelständige Unternehmen werden seit 1994 mit diversen Maßnahmen von der Regierung unterstützt. Außerdem erhalten Antragsteller von dem Fonds für kleine innovative Unternehmen (FASIE) im Rahmen des Programms START eine einjährige Unterstützung ihrer Firmengründung (http://www.fasie.ru/programmy/start). Das FASIE-Programm UMNIK widmet sich seit 2008 jährlich der Förderung innovativer Projekte junger Unternehmensgründer (http://www.fasie.ru/programmy/qumnikq).  

Im April 2010 unterzeichnete der russische Premierminister Putin das Dekret Nr. 220 über ‚Maßnahmen zur Gewinnung führender Wissenschaftler für russische Bildungs- und Forschungseinrichtungen’. Der Wettbewerb hat in Russland aufgrund des eingesetzten Finanzvolumens (258 Mio. Euro), der internationalen Ausstrahlung und der Einbindung internationaler Gutachter für hohe Aufmerksamkeit gesorgt. (s. Punkt 4 Internationale Kooperation).

Die Maßnahme steht im Kontext der Modernisierungsinitiative der russischen Regierung, in deren Zusammenhang die Innovationskraft nicht nur der russischen Wirtschaft, sondern auch des russischen Wissenschaftssystems gestärkt werden soll. In diesem Rahmen wurden im Jahr 2010 neben Dekret Nr. 220 weitere Dekrete erlassen, die sich mit der Förderung der Kooperation zwischen den russischen Hochschulen und innovativen Unternehmen zur gemeinsamen Technologieentwicklung (Nr. 218) oder dem Aufbau innovativer Infrastrukturen (Nr. 219) befassen. Hinzu kommt ein Dekret zur Förderung des Technologietransfers und zur Erleichterung im Umgang mit IPR (Nr.217) von 2009.

Der Bereich Biotechnologie nimmt in den letzten Jahren an Bedeutung zu. Der damalige russische Premier Wladimir Putin unterzeichnete im April 2012 das Programm für die Entwicklung von Biotechnologien bis 2020. Russland soll Putin zufolge konkurrenzfähige innovative Produkte auf dem Weltmarkt anbieten. Derzeit entfallen auf Russland 0,2 % des Umsatzes auf dem biotechnologischen Weltmarkt. Es wird angestrebt, den russischen Anteil am Weltmarkt der Biotechnologien bis 2020 auf 3-5 % zu erhöhen.

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Innovationsprogramme

Die Regierung der Russischen Föderation unternimmt zahlreiche Maßnahmen, um eine attraktive Innovationslandschaft zu schaffen und die Zusammenarbeit von Industrie und universitärer Forschung zu stärken. Die Reformen und Neuerungen sollen verstärkt Anreize für Ausgründungen an Hochschulen und Forschungsinstituten bieten und auch zu einer stärkeren Interaktion zwischen Wirtschaft, Bildung und Forschung führen.

Technoparks

Im Jahr 2006 wurde von der Regierung der Russischen Föderation das staatliche Programm "Aufbau der Technoparks im Bereich der Hochtechnologien in der Russischen Föderation" verabschiedet, in dessen Rahmen Pilotprojekte in den Gebieten Moskau, Nowosibirsk, Nishnij Nowgorod, Kaluga, Tomsk, Tjumen, Tatarstan und St. Petersburg gestartet wurden. Hauptziele sind die beschleunigte Entwicklung hochtechnologischer Bereiche und die Stärkung der Wissenschaft als Katalysator für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die über 140 bestehenden Technoparks in Russland stellen den Ausgründungen Infrastruktur zur Verfügung und sind z.T. selbst an der Entwicklung innovativer Produkte beteiligt. Gründer der Technoparks sind in der Regel Universitäten, wissenschaftliche Zentren, Industrieunternehmen und nichtstaatliche Firmen, aber auch Behörden, Banken und gesellschaftliche Organisationen. Im Unterschied zu Sonderwirtschaftszonen bieten Technoparks keine Steueranreize an. Ihre Vorteile sind die Infrastruktur sowie die Unterstützung bei der Patentierung von Forschungsergebnissen. In den Technoparks ist auch der Aufbau staatlicher Businessinkubatoren vorgesehen, die kleinen innovativen Unternehmen Mieten zu Vorzugsbedingungen anbieten.

Die Finanzierung der Technoparks erfolgt sowohl aus den föderalen und regionalen Budgets, als auch durch private Investoren. Der Staat stellt dafür etwa 700 Mio. Euro (33 Mrd. Rubel) zur Verfügung. Die staatlichen Mittel stehen nur für den Aufbau der Infrastruktur zur Verfügung. Wissenschaftliche und industrielle Objekte sollen auf Kosten der privaten Investoren gebaut werden. Mittlerweile haben ca. 1.000 innovative Kleinunternehmen ihren Platz in Technoparks gefunden.

Zentren für Innovation und Technologie, Wissenschaftsparks

Dieses Element der Innovationsförderinfrastruktur richtet sich vorwiegend auf die Unterstützung bereits bestehender KMU. Das Hauptziel dieses Förderinstruments ist die Gewährleistung einer stabilen Verbindung zwischen KMU und der Industrie. Das erste Innovations-technologische Zentrum wurde 1996 in St. Petersburg gegründet. Dieser Modellversuch war auch Grundlage für das 1997 vom MON und dem Bortnik-Fonds (FASIE) aufgelegte Programm zur Aktivierung der Innovationstätigkeit im wissenschaftlich-technischen Sektor Russlands. Mittlerweile existieren in Russland über 100 solche Einrichtungen. Als ein klassisches Beispiel für diese Form der Förderinfrastruktur wird der Wissenschaftspark der MGU (http://scienspark.ru) genannt.
Liste der wichtigsten Zentren für Innovation und Technologie : http://eng.unitc.ru/catalogitc.html

Zentren für Technologietransfer an Hochschulen und Instituten

Die ersten Technologietransferzentren wurden 2003 in 6 Föderationsbezirken an Forschungsinstituten der RAW, Hochschulen und staatlichen Forschungszentren eingerichtet. Die Aufgabe der Technologietransferzentren besteht darin, die Gründung hochtechnologischer KMU mit dem Ziel der Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen zu unterstützen. Die Zentren bieten eine wissenschaftliche und organisatorische Begleitung der FuE-Projekte, Unterstützung bei der Vermarktung der innovativen Produkte sowie wissenschaftlich-technische, juristische, finanzielle und Marketingunterstützung an. Nach Angaben des MON wurden bereits 112 Zentren eingerichtet.

Gemeinschaftszentren für Innovation

An den Gemeinschaftszentren können Forschungsinfrastruktur von Vertretern mehrerer Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Industrie und Unternehmen gemeinsam genutzt sowie Forschungsprojekte im Auftrag der Industrie betrieben werden. Solche Zentren wurden vorrangig an Instituten der RAW eingerichtet.

Business-Inkubatoren

Mit dem Aufbau von Business-Inkubatoren wird die Bildung studentischer Ausgründungen unterstützt. In Business-Inkubatoren können Studenten effektive Managementstrategien und moderne Businessansätze praxisnah erlernen.

Das Russische Netz für Technologietransfer (RTTN)

Im Jahr 2002 wurde das Russische Netz für Technologietransfer (RTTN) als eine Vereinigung von 60 russischen Innovationszentren aus 25 Regionen Russlands und der GUS, spezialisiert auf den Technologietransfer, gegründet. Die wichtigsten Aufgaben des RTTN sind eine effiziente Verbreitung von technischen Informationen, die Suche nach Partnern für die Umsetzung von Innovationsprojekten, die Vermarktung forschungsintensiver Technologien in Russland und die Schaffung eines Innovations- und Infrastruktur-Tools.

Eine Initiative vom

Projektträger