Bi- und multilaterale Kooperationen: Russland

  1. Teilnahme an europäischen Programmen und Initiativen

Teilnahme an europäischen Programmen und Initiativen

Kooperationsrahmen

Den Rechtsrahmen für die Zusammenarbeit zwischen Russland und der EU in Forschung und Entwicklung (FuE) bilden mehrere Abkommen und Vereinbarungen: An erster Stelle steht das EU-Russische WTZ-Abkommen ‚Agreement on cooperation in science and technology between the European Community and the Russian Federation‘ aus dem Jahr 2000 (Verlängerung im Februar 2014). Hinzu kommen sektorale Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der nuklearen Sicherheit und der Kernfusion von 2001. In übergreifenden politischen Konzepten und Vereinbarungen für die EU-Russland Beziehungen findet die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung ebenfalls ihren Niederschlag. So beispielsweise in der Roadmap des vierten Raumes für Bildung und Forschung aus dem Jahr 2005 und in Artikel 62 ‚Science and Technology‘ des Partnerschafts- und Kooperationsabkommens (PKA) von 2007.

Die im WTZ-Abkommen festgehaltenen gemeinsamen Schwerpunkte der Kooperation wurden über die Jahre und in regelmäßigen Arbeitsgruppentreffen weiterentwickelt und beziehen sich heute auf Luft- und Raumfahrt, Energie, Umwelt, Ernährung, Landwirtschaft und Biotechnologien, Gesundheit, IKT, Infrastrukturen (auch e-Infrastrukturen), Nanotechnologien und neue Materialen sowie die Mobilität von Wissenschaftlern. Die Fortschritte in der Kooperation werden anhand von immer wieder neu vereinbarten Roadmaps überprüft. Die EU-Russland FuE-Kooperation wurde darüber hinaus im Jahr 2013 evaluiert. Das Gutachten gelangt zu einem grundsätzlich positiven Ergebnis, formuliert einige konkrete Empfehlungen für die zukünftige Ausgestaltung der Kooperation und spricht sich für eine Fortschreibung des WTZ-Abkommens in seiner bestehenden Form aus. Auf EU-Ebene existieren fachliche Arbeitsgruppen mit Russland in den genannten Schwerpunkten der Kooperation. In den Arbeitsgruppen werden gemeinsame Ausschreibungen für Forschungsprojekte realisiert.

Auf Ebene der EU-Mitgliedstaaten wurde 2013 unter deutscher Federführung im Rahmen des Strategic Forum for International Science & Technology Cooperation (SFIC) eine gemeinsame Länderinitiative mit RUS auf den Weg gebracht. SFIC trägt zur Internationalisierung des Europäischen Forschungsraums (ERA) bei. Angestrebt wird ein intensiverer Austausch der EU-Mitgliedstaaten über internationale FuE-Aktivitäten, das Bündeln von Maßnahmen und eine gemeinsame Prioritätensetzung.
Im November 2013 wurde das gemeinsame EU-Russische Wissenschaftsjahr 2014 in Moskau eröffnet, mit dem die EU und Russland die erfolgreiche Kooperation in Forschung und Entwicklung mit zahlreichen Veranstaltungen Anstöße zur Ausweitung der Zusammenarbeit geben wollen.

Förderinstrumente

Zentrale Förderinstrumente der EU für die internationale Forschungszusammenarbeit sind die Forschungsrahmenprogramme (FP). Über diese fördert die EU in der Regel multilaterale Verbundprojekte von EU-Mitglieds- und assoziierten Staaten. An den Verbundprojekten können sich Drittländer wie Russland beteiligen. Das siebte Forschungsrahmenprogramm (FP7) endete 2013. Russland war bislang der erfolgreichste Drittstaat hinsichtlich des Gesamtumfangs der Teilnahme und der erhaltenen EU-Fördermittel.

Im neuen EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation ‚Horizon 2020‘ (H2020), das 2014 startet, hat sich der Teilnehmerstatus für Russland geändert. Aufgrund der positiven Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre fallen gleich mehrere Länder (nicht nur Russland) aus der sogenannten ‚automatischen Förderung‘ in H2020 heraus, d.h. Wissenschaftler dieser Länder erhalten bei einer Teilnahme an EU-finanzierten Forschungsprojekten nicht mehr automatisch Fördermittel der EU. Die nationalen Regierungen müssen nun – sofern ihnen an der Beteiligung ihrer Wissenschaftler an EU-Projekten gelegen ist – entsprechende Mittel für deren Beteiligung bereitstellen.

Neben der Kooperation in den FP wurden in den vergangenen Jahren im Rahmen der sektoralen Arbeitsgruppen gemeinsame, sogenannte ‚coordinated calls‘ in für EU und Russland prioritären Forschungsthemen durchgeführt. Die Mittel kamen von EU-Kommission und MON. Insgesamt fanden acht solcher coordinated calls statt, u.a. in den Bereichen Energie, Gesundheit, Luft- und Raumfahrt, Nanotechnologien.

Eine weitere wichtige Grundlage für die EU-RUS Zusammenarbeit in der WTZ sind die Austausch- und Hochschulkooperationsprogramme der EU. Zu den bekanntesten zählen die Förderangebote des European Research Council, das Mobilitätsprogramm Marie Skłodowska-Curie (ehemals Marie Curie) sowie das neue EU-Bildungsprogramm Erasmus+ (2014-2020), unter dessen Dach die ehemaligen Programme Erasmus Mundus (für die Etablierung gemeinsamer Masterprogramme) und TEMPUS (zur Förderung der Entwicklung des Hochschulsystems u.a. in Russland) in der neuen Programmrunde bis 2020 weitergeführt werden. So haben beispielsweise seit 2007 fast 350 russische Wissenschaftler/innen Marie Skłodowska-Curie Stipendien und 25 eine Förderung des European Research Councils erhalten.

COST

European Cooperation in the Field of Scientific and Technical Research (COST)
Derzeit zählen zu COST 35 Staaten, Russland ist allerdings kein COST-Mitgliedsland. COST ist jedoch offen für Institutionen aus Nicht-COST-Ländern, wenn es einen "mutual benefit" gibt. Die Institutionen der nicht-COST-Länder stellen einen Antrag auf Teilnahme, das CSO (Committee of Senior Officials), das höchste Entscheidungsgremium in COST, entscheidet darüber von Fall zu Fall. In der Regel werden nicht-COST-Länder finanziell nicht unterstützt, mit Ausnahme der "non-COST near neighbour countries", zu denen auch Russland zählt. Wie die Mitgliedsländer können sie 2 Delegierte zu den COST-Meetings entsenden, die dann auch die Reisekosten erstattet bekommen. In allen Aktivitäten mit Russland-Beteiligung sind  auch deutsche Einrichtungen involviert. 

EUREKA

Russland ist seit 1993 Mitglied von EUREKA. Derzeit zählen 40 Staaten und die Europäische Kommission zu den Vollmitgliedern. Etwa 100 Projekte mit russischer Beteiligung wurden bereits abgeschlossen. 8 aktuelle Projekte können derzeit (1.8.2014) aufgezählt werden. Eine Übersicht über die Projekte mit Russland-Beteiligung findet man auf der Seite http://www.eurekanetwork.org/project-search.

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