Strategien und Programme der internationalen Bildungs-, Forschungs- und Innovationszusammenarbeit

Russland unterhält mit etwa 90 Ländern wissenschaftlich-technologische Partnerschaften. Unter den größeren und in diesem Bereich sichtbaren Akteuren sind die USA zu nennen. Schwerpunkt der Zusammenarbeit ist dabei vor allem die Luft- und Raumfahrt. Die entsprechende Vereinbarung zwischen NASA und ROSKOSMOS ist bis 2020 gültig. Ein weiteres starkes Engagement der USA besteht beim Aufbau des Innovationszentrums Skolkovo. Die dortige Skoltech-Universität wird vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) angeführt, große amerikanische Firmen wie Boeing, CISCO und IBM stehen beim Aufbau des Innovationszentrums in der ersten Reihe.

Zweites Schwergewicht in der bilateralen Kooperation ist Frankreich. Hauptakteur hierbei sind das Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS), das traditionell eng mit den Instituten der RAW zusammenarbeitet.

Zu beobachten ist ein Ausbau der Kooperation mit den asiatischen Staaten.

Ende 2013 unterzeichnete Staatspräsident Putin ein Memorandum zur Gründung einer russisch-vietnamesischen Universität in Hanoi.

Der wissenschaftliche Austausch mit China hat sich nach Angaben des MON im vergangenen Jahr verdoppelt. In Russland gibt es etwa 25.000 chinesische Studierende. 15.000 Russen studieren in China. Insbesondere den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Sibirien und dem Fernen Osten bieten sich China und Südkorea als attraktive Kooperationspartner an.

Die Kooperation mit Deutschland wird an anderer Stelle dargestellt (s. Statusbericht).

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Besondere Instrumente und Maßnahmen

Förderprogramm "Global Education"

Auf der Suche nach neuen Instrumenten zur Internationalisierung der Ausbildung wurde von der Agentur für Strategische Initiativen (ASI) das Förderprogramm "Global Education 2014-2016" ausgearbeitet. Master-, Promotions- und Vollassistenzprogramme an Hochschulen in den USA, Großbritannien, Deutschland und anderen Ländern in den prioritären Fächern Pharmazie, Luftfahrttechnik, Radioelektronik, Medizin, Schifffahrt und Verteidigungsindustrie werden angeboten.

Das MON ist für die Umsetzung des Programms zuständig und bereitet derzeit eine Liste mit angebotenen Hochschulen vor. Absolventen sind verpflichtet, drei Jahre nach dem Studium in Russland zu arbeiten. Wer sich doch für einen Arbeitsplatz im Ausland entscheidet, muss das Stipendium in dreifacher Höhe zurückzahlen. Das Programm soll den Studierenden ermöglichen, eine gute Ausbildung im Ausland zu erhalten und nach dem Studium einen sicheren Arbeitsplatz in Russland zu bekommen, aber auch gleichzeitig einen Abfluss von Fachkräften ins Ausland nach dem Studium zu verhindern. 

Dem Programm sind über 3 Jahre hinweg 4,5 Mrd. RUB (ca. 98 Mio. EUR) aus dem Staatsbudget zugeteilt worden. Pro Studierenden sind nicht mehr als 1,41 Mio. RUB (ca. 30.700 EUR) für drei Jahre eingeplant. Etwa 1.500 junge Menschen sollen so ein Studium im Ausland absolvieren.

Mega-Grant Wettbewerb

In den Jahren 2010 bis 2013 führte MON einen Förderwettbewerb (vier Runden: 2010, 2012, zwei in 2013) durch, der sich an führende nationale und internationale Wissenschaftler richtete. Diese sollen mit der Förderung des Ministeriums neue Forschergruppen an russischen Universitäten aufbauen. Der Wettbewerb hat in Russland aufgrund des eingesetzten Finanzvolumens, der internationalen Strahlkraft und der Einbindung internationaler Gutachter für hohe Aufmerksamkeit gesorgt. Unter den insgesamt 163 Gewinnern aus aller Welt befinden sich zwanzig renommierte Wissenschaftler aus namhaften deutschen Forschungseinrichtungen.

Ziele des Wettbewerbs sind der Auf- und Ausbau von Forschungsinfrastrukturen, die Internationalisierung russischer Universitäten und die bessere Verwertung von Forschungsergebnissen. Damit soll die russische Forschungslandschaft international wettbewerbsfähig gemacht werden.

Der Wettbewerb auf einen Blick:

  • Vier Wettbewerbsrunden 2010 bis 2013
  • Gewinner der ersten Runde: 40 (davon sieben aus Deutschland)
  • Gewinner der zweiten Runde: 39 (davon fünf aus Deutschland)
  • Gewinner der dritten Runde: 42 (davon zwei aus Deutschland)
  • Gewinner der vierten Runde: 42 (davon sechs aus Deutschland)
  • Rahmen: Insgesamt vier Monate Aufenthalt in Russland für die ausländischen Gewinner

Ab der dritten Förderrunde in 2012 wurden auch Institutsmitglieder der russischen Akademie der Wissenschaften antragsberechtigt. Die fünften Rund fand im Frühling 2014 statt.

Skolkowo-Initiative

Seitdem im Jahr 2010 der Startschuss für die Errichtung des Innovationszentrums Skolkowo im Südwesten Moskaus nach dem Vorbild des amerikanischen Silicon Valley gegeben wurde, steht die Initiative im Zentrum der russischen und der internationalen Aufmerksamkeit. Von Seiten der russischen Skolkowo-Verantwortlichen wurde in den vergangenen Jahren der Kontakt zu internationalen Spitzenforschungseinrichtungen und Unternehmen gezielt gesucht.

Die Skolkovo Foundation  ist verantwortlich für die Entwicklung des Skolkowo Technologieparks sowie für die stadtplanerische Errichtung der eigentlichen Innovationsstadt. Fachlich ist sie organisiert nach den thematischen Clustern Biomedizin, Energieeffizienz, Kernforschung, IKT und Raumfahrt, die weitgehend den russischen strategischen Entwicklungsprioritäten entsprechen. In diesen Themenfeldern wirbt die Skolkovo Foundation nicht nur mit Investitionsanreizen und steuerlichen Vergünstigungen um russische Unternehmen, sondern spricht auch gezielt internationale Unternehmen und Forschungseinrichtungen an.

Skoltech ist fester Bestandteil der Konzeption der Skolkowo-Initiative, wird aber unabhängig von der Skolkovo Foundation aufgebaut und gemanagt. Wichtigster Kooperations- und Gründungspartner von Skoltech ist das amerikanische Massachusetts Institute of Technology MIT. Skoltech und MIT haben Ende 2011 eine Vereinbarung geschlossen, die die enge Zusammenarbeit für mindestens drei Jahre festlegt und eine dauerhafte strategische Partnerschaft vorbereitet. Sie ziehen bereits nach einem Jahr eine erste positive Bilanz der Kooperation. 

Die Themenschwerpunkte der universitären Ausbildung und Forschung entsprechen den Skolkowo-Clusterthemen: Informatik, Energiewissenschaft und -technologie, biomedizinische Wissenschaft und Technologie, Raumfahrtwissenschaft und -technologie sowie zivile Kernforschung und -technologie. Für die Entwicklung der Curricula und die universitäre Lehre sollen bis 2020 rund 200 führende Wissenschaftler aus aller Welt gewonnen werden. Skoltech soll als innovatives Modell für die Umstrukturierung der russischen universitären Ausbildung und Forschung dienen.

Neben der universitären Ausbildung sieht Skoltech die Einrichtung eines Zentrums für Entrepreneurship und Innovation (Center for Entrepreneurship and Innovation CEI) vor, das die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen unterstützen soll. Darüber hinaus sollen insgesamt 15 Forschungsinstitute (Centers for Research, Education and Innovation CREI) mit internationalen Partnereinrichtungen entstehen, die mit jeweils bis zu 9 Mio. Euro pro Jahr für fünf Jahre finanziert werden. Für die Etablierung dieser 15 Institute wird ein zweistufiger Förderwettbewerb in drei Runden (2011, 2012 und 2014) durchgeführt. 

Im Dezember 2012 standen die drei ersten CREI der ersten Förderrunde fest:

  • Infectious Disease and RNA Therapeutics, MIT und Lomonossow Universität zusammen mit der University of Texas Southwestern
  • Stem Cell Research, University Medical Centre Groningen (NL) und Vavilov Institute of General Genetics
  • Electro-Chemical Energy Storage, MIT und Lomonossow Universität

Zwischenzeitlich sind 1.002 Startup-Unternehmen aus 44 Regionen in Skolkovo registriert, 209 Zuschüsse wurden gewährt. Von den beteiligten Firmen wurden 275 Anträge auf Rechte an geistigem Eigentum gestellt. Der Umsatz von Startup-Unternehmen von 2012 bis Mitte 2013 belief sich auf ca. 195 Mio. Euro, für Zuwendungen wurden mehr als 189 Mio. Euro bewilligt.

Technologieplattformen

Ein weiteres, relativ neues Instrument der russischen Innovationspolitik sind die sogenannten Technologieplattformen. 2011- 2013 wurden 34 Technologieplattformen gegründet. Sie sollen eine Basis für Forschung und Entwicklung neuer Technologien darstellen und als Verbindungspunkt zwischen Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft in verschiedenen Regionen Russlands dienen.

Die Technologieplattformen bilden das Hauptinstrument zur Umsetzung der Zielprogramme in der Innovationspolitik, vor allem dem Programm für "Forschung und Entwicklung in prioritären Richtungen des wissenschaftlich-technologischen Komplexes 2014-2020" mit einem angepeilten Volumen 239 Mrd. RUB (ca. 5,2 Mrd. EUR). Ein Teil der Finanzierung der angewandten Forschung soll aus dem Bereich der Wirtschaft kommen.

Schwerpunkte der Technologieplattformen sind Medizin- und Biotechnologien, Energieeffizienz, Nuklearforschung, IT- und Kommunikationstechnologien, Photonik, Luft-und Raumfahrt, Verkehrstechnologien, Metallurgie und neue Materialien, Naturressourcenförderung, Erdöl- und Gasbearbeitung, Maschinenbau und Elektronik, Umweltentwicklung und Industrietechnologien. Gut entwickelt sind zwischenzeitlich einige Technologieplattformen in den Bereichen Medizin, Pharmazie und Biotechnologien.

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