Auswahl an Regierungs- und Ressortabkommen mit Partnerländern

Zuständig für den Abschluss von Abkommen auf Regierungsebene ist das russische Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung (MSHE). Daneben vereinbaren auch die Russische Akademie der Wissenschaften sowie die Förderagenturen internationale Kooperation. Nach Deutschland ist Frankreich für Russland der wichtigste Kooperationspartner. Die Akademie der Wissenschaften (RAW) pflegt die Verbindungen zu dem Nationalen Zentrum für Wissenschaftliche Forschung (CNRS). Bei den bilateralen Förderungen gibt es zwei Allianzen: Der Russische Fonds für Grundlagenforschung (RFBR) fördert gemeinsam mit dem CNRS, während der Russische Wissenschaftsfonds (RSF Überblick internationale Ausschreibungen) Partner der Nationalen Agentur für Forschungsförderung (Agence Nationale de la Recherche, ANR) ist. Im Mai 2018 wurde in St. Petersburg eine russisch-französische Forschungs-Roadmap unterzeichnet (analog zur Roadmap mit Deutschland, siehe unter Überblick zur Kooperation mit Deutschland).

Auch mit Italien besteht eine starke Verbindung in der Grundlagenforschung, vor allem über das National Institute of Nuclear Physics (Istituto Nationale di Fisica Nucleare, INFN) und jetzt über den National Research Council (CNR).

Während das Vereinigte Königreich und Russland viele wissenschaftliche Ko-Publikationen hervorbringen, sind die Beziehungen wenig formalisiert und basieren häufig auf persönlichen Kontakten zwischen Mitgliedern der russischen Diaspora in Großbritannien und Forschenden in Russland (siehe Science and Innovation Network – Russland 2016 Country Snapshot). 

Die USA war ebenfalls ein wichtiges Zielland für die russische Diaspora. Bis 2014 bestanden enge Kooperationen auf verschiedenen Gebieten der Grundlagenforschung sowie in der Luft- und Raumfahrt, die jedoch inzwischen durch die Konflikte im Zusammenhang mit der Krim-Annexion und der Ostukraine beeinträchtigt sind (siehe Gokhberg and Kusznetsova (2015): Russian Federation, UNESCO-Wissenschaftsbericht, S. 360). Daneben lag ein Schwerpunkt auf Innovation, insbesondere im Rahmen des Skolkowo-Projekts. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) beteiligt sich am Aufbau der Skoltech-Universität, während verschiedene US-amerikanische Unternehmen FuE-Zentren in Skolkowo eingerichtet haben (siehe Porträt Hightech-Region Skolkowo-Selenograd sowie R. Stone (2016): Global tensions rile experimental university. In: Science, Vol. 352, Issue 6282, pp. 136-137). 

Ein Partner von wachsender Bedeutung ist China. Traditionelle Verbindungen zwischen der Russischen und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) werden zunehmend ergänzt durch Technologiekooperationen im Rahmen von Technoparks und Hochschulen (siehe Gokhberg and Kusznetsova (2015), S. 361, sowie Russland-Analysen Nr. 374 (01.10.2019): Russland, China und die neue Seidenstraße).

Innerhalb Asiens hat die FuE-Zusammenarbeit zwischen Russland und Indien eine lange Tradition. Sie umfasst gemeinsame Förderbekanntmachungen unter Beteiligung des RFBR und des indischen Wissenschaftsministeriums, die Einrichtung bilateraler Forschungsexzellenzzentren sowie die Förderung von Technologietransfer durch ein Indo-Russian Science and Technology Centre (IRSTC) das 2011/12 in Moskau und Neu-Delhi eingerichtet wurde (Indische Botschaft in Moskau: Übersicht Indisch-Russische Wissenschafts- und Technologiekooperation).

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Teilnahme an europäischen Programmen und Initiativen

Russland engagiert sich seit längerem in Organisationen, die große Forschungsinfrastrukturen in Europa aufbauen und betreiben. So hat das Land einen Beobachterstatus mit besonderen Rechten in der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN-Russland), zusätzlich beteiligt sich Russland unter anderem an der Kernfusionsanlage ITER in Frankreich, sowie in Deutschland am Europäischen Röntgen-Freie-Elektronen-Laser XFEL (European XFEL, siehe unter Fachliche Stärken – Grundlagenforschung).

Die Kooperation zwischen der Europäischen Union (EU) und Russland in Bildung und Forschung ist weit gefächert. Bis 2014 gab es ehrgeizige Pläne zur Schaffung eines gemeinsamen Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturraums, danach wurden diese aufgrund der politischen Entwicklungen storniert. Die Kooperation unter bestehenden Abkommen und Programmen wird jedoch fortgesetzt. Dazu gehört ERASMUS Plus, das Mobilität im Hochschulbereich in beide Richtungen fördert. Fortgesetzt wird auch die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit auf der Basis eines Abkommens, das im Jahr 2000 geschlossen wurde (Webseite der EU zur Kooperation mit Russland im Bereich Forschung und Innovation), eine „Roadmap for EU-Russia Science and Technology Cooperation" legt thematische Prioritäten fest.

Russland beteiligt sich auch an dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20). Unter dem Vorgängerprogramm von Horizont 2020, dem 7. EU-Forschungsrahmenprogramm, gehörte Russland mit über 300 Projekten zu den aktivsten Drittstaaten, dagegen war die Beteiligung unter Horizont 2020 in den Anfangsjahren des Programms stark zurückgegangen. Möglicherweise ist die Teilnahme weniger attraktiv, weil russische Konsortialpartner aufgrund der allgemein geänderten Finanzierungsregeln nur noch in Ausnahmefällen europäische Fördergelder erhalten. Allerdings stellt das russische Wissenschaftsministerium Ko-Finanzierungen bereit. Ein Grund für den Rückgang könnte daher auch in der Einschätzung vieler europäischer Antragsteller liegen, nach der russische Konsortialpartner seitens der Europäischen Kommission nicht erwünscht sind (siehe Roadmap (2018), S. 3).

Für die zukünftige russisch-europäische Kooperation im Bereich der Forschungsinfrastrukturen / Großforschungseinrichtungen schafft ein Horizont 2020-Projekt Rahmenbedingungen und Strukturen. Das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) koordiniert ab 2020 die Zusammenarbeit von Großforschungseinrichtungen in Russland und der EU unter dem Projekt CREMLINplus („Connecting Russian and European Measures for Large-scale Research Infrastructures – plus“), das auf den Arbeiten des Vorgängerprojektes CREMLIN (2015-18) aufbaut.

Andere Varianten russisch-europäischer Kooperation setzen nicht auf einen gemeinsamen Fördertopf unter dem Rahmenprogramm der EU, sondern auf die Verbindung verschiedener nationaler und europäischer Fördertöpfe, um gemeinsame Projekte im Rahmen von Public Public Partnerships (P2Ps) zu finanzieren. Thematische Netzwerke, an denen Russland über den Fonds für kleine innovative Unternehmen (FASIE) derzeit teilnimmt, führen gemeinsame Förderbekanntmachungen in den Fachgebieten Biotechnologie (ERA CoBioTech), Fertigungstechnologien (MANUNET III), Materialwissenschaften (M-ERA.NET 2) sowie zu FuE in kleinen und mittleren Unternehmen (IraSME) durch (Übersicht ERA-LEARN Plattform). Außerdem ist Russland seit 1993 Mitglied des Netzwerks EUREKA zur Unternehmensforschung und -innovation, beteiligt sich jedoch bisher nicht an dem Förderprogramm Eurostars.

Nach dem Auslaufen des Projekts „Black Sea Horizon“ (2015-18) stellten die Europäische Kommission und sieben Anrainerstaaten, darunter auch die Ukraine und die Russische Föderation, im Mai 2019 die Zusammenarbeit in der Schwarzmeerregion auf eine neue Grundlage: Sie beschlossen eine Forschungs- und Innovationsagenda mit einer Laufzeit bis 2030 („Strategic Research and Innovation Agenda for the Black Sea“, SRIA-Factsheet).

Eine wichtige Rolle unter den P2Ps nimmt das 2012 gegründete Netzwerk ERA.Net RUS Plus ein. ERA.Net RUS Plus veröffentlichte 2014/15 unter Beteiligung von Russland sowie elf weiteren Ländern (Belgien, Deutschland, der Schweiz, Estland, Lettland, Finnland, Bulgarien, Moldau, Griechenland, der Türkei und der Slowakei) eine erste gemeinsame Förderbekanntmachung, gefolgt von einer zweiten 2017/18. Unter beiden Bekanntmachungen zusammen wurden 500 Anträge eingereicht und 98 Projekte gefördert. Aufgrund dieses Erfolges und dem Wunsch der Partner, die Kooperation fortzusetzen, wurde die Laufzeit der Partnerschaft verlängert. ERA.Net RUS Plus veröffentlichte im November 2019 eine dritte Förderbekanntmachung (siehe Überblick zur Kooperation mit Deutschland).

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Mitgliedschaften in internationalen Regierungsorganisationen und -foren

Zwischen 1998 und 2014 wurde die G7-Gruppe der klassischen Industrieländer durch die Aufnahme von Russland zur G8 erweitert. 2014 entschieden die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Japan, Kanada, dem Vereinigten Königreich und den USA, Russland aufgrund der Annexion der Krim aus der Gruppe auszuschließen. Diese trifft sich seitdem weiter als G7-Gruppe. Russland ist weiterhin Mitglied der G20, zu der neben den G7-Ländern auch die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika sowie Argentinien, Australien, Saudi-Arabien und die Türkei gehören. Durch die Mitgliedschaft ist das Land an den jährlichen Beschlüssen der Staats- und Regierungschefs beteiligt, die auch Bildung und Forschung betreffen können. Zusätzlich finden Treffen der G20-Bildungs- und Wissenschaftsministerien statt.

Russland ist Mitglied der Vereinten Nationen (UN) und diverser Unterorganisationen, darunter der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO).

Ein Aufnahmeantrag Russlands in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt seit 2014 auf Eis. Allerdings nahm Russland bereits lange vor seinem Mitgliedsantrag an der Arbeit der Bildungs- und Wissenschaftsgremien der OECD teil und tut dies auch weiterhin.

Das Land ist außerdem Mitglied in den folgenden internationalen Regierungsorganisationen, die Schwerpunkte in den Bereichen Forschung und Innovation setzen:

  • Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC);
  • Weltbiodiversitätsrat (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES).
  • Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (International Renewable Energy Agency, IRENA).

Russland ist bisher kein Mitglied der Internationalen Energieagentur (International Energy Agency, IEA).

Russland ist Mitglied der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), in der sich verschiedene Nachfolgestaaten ehemaliger Sowjetrepubliken zusammengeschlossen haben.

Daneben ist Russland Mitglied in der Shanghai Cooperation Organisation (SCO), die auf russische und chinesische Initiative hin der regionalen Zusammenarbeit in Eurasien dienen soll.

Seit 2009 treffen sich die Staats- und Regierungschefs der BRICS-Länder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika einmal pro Jahr und seit 2014 finden jährliche Treffen der BRICS-Minister für Wissenschaft und Technologie statt. Zu den bisherigen Ergebnissen des BRICS-Prozesses gehören die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding von 2015 („MoU on Cooperation in Science, Technology and Innovation between the Governments of BRICS Countries“), ein gemeinsames Forschungsrahmenprogramm (siehe unten) sowie ein Aktionsplan zur Innovationskooperation (2017-2020).

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Teilnahme an multilateralen Programmen und Initiativen

Die BRICS haben 2015 auf dem vierten Ministertreffen in Moskau ein gemeinsames multilaterales Rahmenprogramm für Wissenschaft, Technologie und Innovation ins Leben gerufen („BRICS STI Framework Programme", BRICS STI FP). Russland nimmt eine Führungsrolle bei der Initiative ein; das Sekretariat wurde bei dem Russischen Fonds für Grundlagenforschung (RFBR) eingerichtet. Seit 2016 wurden drei koordinierte Förderbekanntmachungen für prioritäre Themen veröffentlicht. Die Partner der Forschungskonsortien müssen aus mindestens drei verschiedenen BRICS-Ländern stammen. Die verantwortlichen Förderorganisationen auf russischer Seite sind neben dem RFBR das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulen (MSHE) sowie der Fonds für kleine innovative Unternehmen (FASIE).

In der weltweit größten Nichtregierungsorganisation im Bereich Wissenschaft, dem Internationalen Wissenschaftsrat (International Science Council, ISC) ist Russland durch die Russische Akademie der Wissenschaften (RAW) vertreten.

Russland nimmt seit dem Jahr 2000 regelmäßig an dem OECD-Programm zur Kompetenzmessung von Schülerinnen und Schülern (PISA) teil. In den Jahren 2011-12 hat sich das Land auch an den erstmals durchgeführten Kompetenzmessungen der erwachsenen erwerbstätigen Bevölkerung (PIAAC) beteiligt, eine Teilnahme an der zweiten Runde 2021-22 ist beabsichtigt. Russland hat außerdem 2011 sein Wissenschafts- und Innovationssystem durch die OECD begutachten lassen. Innerhalb des OECD Economic Surveys 2014 erfolgte eine weitere Begutachtung, die sich auch auf das Bildungssystem erstreckte (siehe unter Ergebnisse von Evaluierungen).

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Sitzland für Einrichtungen internationaler Organisationen

Das Vereinigte Institut für Kernforschung (Joint Institute for Nuclear Research, JINR) wurde 1956 in Dubna in der Nähe von Moskau gegründet. Für sozialistische Länder war es als Alternative zur Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) konzipiert. Dementsprechend setzen sich die Mitglieder heute hauptsächlich aus den GUS-Staaten sowie mittel- und osteuropäischen Ländern zusammen. Weitere Länder wie Ägypten, Italien, Ungarn und Deutschland nehmen an den Aktivitäten des Instituts auf der Basis von Kooperationsabkommen teil (siehe Überblick zur Kooperation mit Deutschland).

Das UNESCO-Institut für den Einsatz von Informationstechnologien in der Bildung (UNESCO Institute for Information Technologies in Education, UNESCO IITE) wurde 1997 in Moskau eröffnet.

Der Russische Fonds für Grundlagenforschung (RFBR) in Moskau beherbergt seit 2015 das Sekretariat, das die Förderbekanntmachungen unter dem BRICS STI Framework Programme" administriert (siehe oben).

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Eine Initiative vom

Projektträger