Strategien und Programme

Mit Unterstützung der 2008 gegründeten Agentur Rossotrudnichestvo („Federal Agency for the Commonwealth of Independent States Affairs, Compatriots Living Abroad, and International Humanitarian Cooperation”, Föderale Agentur für Angelegenheiten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, der im Ausland lebenden Landsleute und für internationale kulturelle Zusammenarbeit), die dem Außenministerium untersteht, wirbt Russland seit 2014 gezielt um internationale Studierende. Vor Ort ist ein Netzwerk von Russischen Zentren für Wissenschaft und Kultur (Russian Centres of Science and Culture, RCSC, siehe nächster Abschnitt) aktiv. 2017 wurde ein neues Staatsprogramm „Entwicklung des Exportpotentials des russischen Bildungssystems“ mit einem Volumen von fünf Mrd. Rubel (rd. 72 Mio. Euro) bis 2025 angenommen, unter dem das Webportal „StudyinRussia.ru“ eingerichtet wurde.

In dem Dekret 204 vom 7. Mai 2018 hat die russische Regierung das Ziel festgelegt, die Anzahl der internationalen Studierenden an den russischen Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen bis 2024 zu verdoppeln. Die Besten davon sollen in der Russischen Föderation eine Arbeit aufnehmen (siehe unter Bildungspolitische Ziele und Programme). In die gleiche Stoßrichtung wirkt auch der Förderwettbewerb „Mega Grants“, der 2010 zur Gewinnung international renommierter Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, einschließlich solcher aus der russischen Diaspora, lanciert wurde: Zwischen 2010 und 2017 wurden insgesamt sechs Förderrunden durchgeführt und 200 Laboratorien eingerichtet. Unter den Geförderten waren 104 ausländische und 96 russische Forschende, 69 davon mit Wohnsitz im Ausland (siehe Förderbilanz „Mega Grants“). Im Rahmen der Förderung der Exzellenzhochschulen unter der 5Top100-Initiative  („Russian Academic Excellence Project“) ist die Gewinnung ausländischer Nachwuchskräfte für die Wissenschaft seit 2013 ebenfalls ein wichtiges Ziel. Dabei kann jede der geförderten Hochschulen eigene Ansätze entwickeln (Quelle: Postdocs in Russia: Vast New Areas to Explore, May 21, 2019).

Bei der Förderung von Auslandsmobilität des russischen Nachwuchses gibt es dagegen eine gewisse Zurückhaltung. Die Sorge vor einer weiteren Abwanderung von Hochqualifizierten ist groß. Das 2014 eingeführte Förderprogramm „Global Education verbindet daher die Finanzierung von Postgraduiertenstudien an führenden Universitäten im Ausland mit einer Verpflichtung für die russischen Geförderten, nach ihrem akademischen Abschluss für mindestens drei Jahre in Russland zu arbeiten. Das Programm wird jedoch wenig nachgefragt.

Die russische Regierung hat in ihrer 2016 angenommenen Strategie deutlich gemacht, dass sie die internationale FuE-Kooperation und Integration Russlands in internationale Aktivitäten grundsätzlich befürwortet. Bedingung ist allerdings, dass die Identität der russischen Wissenschaft und die russischen Staatsinteressen geschützt werden und die Wirkungskraft der russischen Wissenschaft im Rahmen einer beiderseitig nützlichen Kooperation verbessert wird („Strategy for the Scientific and Technological Development of the Russian Federation“, S. 20 ff.).

Die Russische Akademie der Wissenschaften (RAW) pflegt die Kontakte mit 90 Partnern in 56 Ländern (Quelle: Webseite Internationaler Wissenschaftsrat ISC). Unter Partnerschaftsabkommen können sich Forschende um Mittel für gemeinsame Projekte und Forschungsaufenthalte bewerben. Besonders eng sind die Verbindungen mit Osteuropa, China und mit Frankreich.

Bilaterale Förderbekanntmachungen mit Partnerländern werden im Bereich der angewandten Forschung durch das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulen (MSHE) durchgeführt. Dabei wird das Internationale Zentrum für Innovationen in Wissenschaft, Technologie und Bildung (International Centre for Innovations in Science, Technology and Education, ICISTE) als Projektträger unterstützend tätig. Im Bereich der Grundlagenforschung sind der Russische Fonds für Grundlagenforschung (RFBR) und der Russische Wissenschaftsfonds (RSF, Überblick internationale Ausschreibungen) international aktiv. Auch der Fonds für kleine innovative Unternehmen (FASIE) hat bereits bilaterale Förderbekanntmachungen mit Deutschland und Frankreich durchgeführt (ERAWATCH-Report 2012, S. 44 ff.).

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Internationale Präsenz

Das Netzwerk von Russischen Zentren für Wissenschaft und Kultur (Russian Centres of Science and Culture, RCSC) wurde in den 90er Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stark verkleinert. Im Rahmen einer Hinwendung der russischen Regierung zu „Soft Power“-Instrumenten wird das Netzwerk seit 2012 wieder ausgebaut und umfasst inzwischen weltweit wieder 90 Zentren (Überblick Zentren RCSC). Die Aufgabe der Zentren ist es, im Ausland Interesse an der russischen (Wissenschafts-)Kultur und der russischen Sprache zu wecken und für ein Studium in Russland zu werben.

Die russische Regierung unterstützt auch den Expansionskurs russischer Hochschulen, die Auslandscampusse einrichten (siehe  E. Potapova und S. Trines (2017): Education in the Russian Federation). Ende 2013 unterzeichnete Staatspräsident Putin ein Memorandum zur Gründung einer russisch-vietnamesischen Universität in Hanoi. Die Moscow State University (MSU) hat in den GUS-Staaten Kasachstan, Usbekistan, Aserbaidschan, Tadschikistan und Armenien sowie in Slowenien Auslandscampusse etabliert, an denen etwa 2.500 Studierende eingeschrieben sind. 2017 haben die MSU und das Beijing Institute of Technology 2017 im chinesischen Shenzhen die MSU-BIT University gegründet. Im September 2019 gaben die St Petersburg State University (SPbU) und das chinesische Harbin Institute of Technology bekannt, dass ein gemeinsamer Campus in Harbin eingerichtet wird (siehe Pressemitteilung).

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Ergebnisse von Evaluierungen

2014/15 führte die russische Nationale Forschungsuniversität Higher School of Economics (HSE) im Auftrag des Wissenschaftsministeriums eine Studie zur internationalen Wissenschafts- und Technologiekooperation Russlands mit 25 Ländern durch. Dabei wurde eine bibliometrische Analyse mit Befragungen und Interviews mit Fachleuten kombiniert, um vielversprechende Kooperationsländer und -themen für Russland zu identifizieren (siehe M.N. Kotsemir et al. (2015): Empirical Analysis of Multinational S&T Collaboration Priorities – The Case of Russia, Technology and Innovation WP BRP 53/STI/2015).

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