StartseiteLänderEuropaRusslandZusammenfassungÜberblick zur internationalen Kooperation

Überblick zur internationalen Kooperation: Russland

Zuständig für internationale Hochschulzusammenarbeit ist das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung (MSHE). Derzeit sind sowohl Studium als auch Forschung in Russland noch vergleichsweise wenig internationalisiert. Der Anteil von 1 Prozent der russischen Studierenden, die 2018 einen Abschluss im Ausland anstrebten, liegt unter dem OECD-Durchschnitt. Mit Unterstützung der 2008 gegründeten Agentur Rossotrudnichestvo (Föderale Agentur für Angelegenheiten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, der im Ausland lebenden Landsleute und für internationale kulturelle Zusammenarbeit) wirbt Russland seit 2014 gezielt um internationale Studierende. Die Anstrengungen haben durchaus Früchte getragen: Anzahl und Anteil der internationalen Studierenden, die in Russland einen Abschluss anstreben, hat sich seit 2009/10 verdoppelt. Mit 262.000 internationalen Studierenden und einem Anteil von 4 Prozent im Jahr 2018 belegt Russland innerhalb der Gruppe der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) einen Spitzenplatz und liegt weltweit auf Rang 5 (siehe Bildungsindikatoren). Im Mai 2018 legte ein  Präsidialdekret fest, dass die Anzahl der internationalen Studierenden bis 2024 verdoppelt werden soll.

Für 2018 fehlen Angaben zu den Herkunftsländern für internationale Studierende in Russland. 2017 waren die wichtigsten Herkunftsländer sämtlich Mitglieder bzw. ehemalige Mitglieder der Gemeinschaft der Unabhängigen Staaten (GUS), die vor 1991 zur Sowjetunion gehörten: Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, die Ukraine und Tadschikistan. China lag auf Rang 6, Indien auf Rang 9. Das wichtigste Zielland für russische Studierende im Jahr 2018 war Deutschland, gefolgt mit weitem Abstand von der Tschechischen Republik, den USA, Großbritannien und Frankreich (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten).

Der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an allen wissenschaftlichen Publikationen hatte in Russland 2006 die Marke von 34,4 Prozent erreicht, ist danach jedoch stetig zurück gegangen und fiel 2019 auf 22,9 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland ist ähnlich wie in vielen anderen westlichen Industrieländern die internationale Ko-Publikationsrate zwischen 1996 und 2019 von etwa 30 auf über 50 Prozent angewachsen (Quelle: SCImago. SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved June 26, 2020, from www.scimagojr.com). Die fünf wichtigsten Ko-Publikationsländer der letzten drei Jahre entsprechen weitgehend den wichtigsten Zielländern für russische Studierende: Es sind die USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien. China überholte 2018 Italien und ist nun auch für den Dreijahreszeitraum auf Rang 5 platziert (Quelle: Scopus, Elsevier, 2017-19).

Die internationale Forschungs- und Innovationskooperation Russlands hat eine Reihe von Facetten:

  • Anwerbung von internationalen Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Rahmen des FörderwettbewerbsMega Grants“;
  • Zusammenarbeit der Russischen Akademie der Wissenschaften mit anderen Forschungseinrichtungen unter Kooperationsabkommen;
  • Durchführung von bilateralen Förderbekanntmachungen mit Partnerländern im Bereich der angewandten Forschung durch das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulen (MSHE) und im Bereich der Grundlagenforschung durch den Russischen Fonds für Grundlagenforschung (RFBR) und den Russischen Wissenschaftsfonds (RSF – Überblick internationale Ausschreibungen);
  • Beteiligung an multilateralen Förderbekanntmachungen der BRICS-Gruppe (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika);
  • Aufbau von Forschungs- und Innovationskapazitäten in Russland mit internationaler Beteiligung (siehe Rolle des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und multinationaler Unternehmen in Skolkowo, Porträt Hightech-Region Skolkowo-Selenograd);
  • Aufbau und Nutzung von Forschungsinfrastrukturen in Russland mit internationaler Beteiligung (z.B. Vereinigtes Institut für Kernforschung (Joint Institute for Nuclear Research, JINR) in Dubna mit 18 Mitgliedsländern);
  • Beteiligung an internationalen Forschungsinfrastrukturen im Ausland, z.B. in der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN), der Kernfusionsanlage ITER in Frankreich, dem Europäischen Röntgen-Freie-Elektronen-Laser XFEL und dem Beschleunigerzentrum zur Forschung mit Antiprotonen und Ionen FAIR in Deutschland (siehe Überblick zur Kooperation mit Deutschland).

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Kooperation mit der Europäischen Union

Im Jahr 2000 wurde ein Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit zwischen Russland und der EU unterzeichnet. Aktuelle Informationen können auf der Webseite der EU zur Kooperation mit Russland im Bereich Forschung und Innovation abgerufen werden. Aufgrund der Annexion der Krim im Jahr 2014 haben sowohl die EU als auch die USA Sanktionen gegen Russland verhängt, die auch die internationale Technologiekooperation betreffen können. Für weitere Informationen verweisen wir auf das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Die russische Beteiligung unter dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) war im Vergleich zum 7. Forschungsrahmenprogramm zwischenzeitlich stark zurück gegangen (siehe „Roadmap for EU-Russia Science and Technology Cooperation", 2018). Bis März 2020 warb Russland vor allem zum Thema Forschungsinfrastrukturen europäische Fördergelder in Höhe von 13,7 Millionen Euro ein (zum Vergleich: Brasilien erhielt ebenfalls knapp 13 Millionen). Unter den insgesamt 112 Projekten, an denen sich das Land bisher beteiligte, wiesen mit 91 Projekten 80 Prozent (vier Fünftel) auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Datenbank).

Das derzeit größte Projekt ist CREMLINplus („Connecting Russian and European Measures for Large-scale Research Infrastructures – plus“) , unter dem zwischen 2020-24 die Zusammenarbeit von Großforschungseinrichtungen in Russland und der EU koordiniert wird. Russland beteiligt sich auch an verschiedenen Public Public Partnerships, die nationale und europäische Fördertöpfe kombinieren (Übersicht ERA-LEARN Plattform), darunter das Netzwerk ERA.Net RUS plus (siehe nächste Abschnitte unter Überblick zur Kooperation mit Deutschland).

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