Überblick

Die Verteilung der Publikationen auf Fachgebiete kann erste Hinweise auf Stärken eines Forschungssystems geben (Bezugsjahr 2014, Quelle: SCImago (2007). SJR – SCImago Journal & Country Rank. Retrieved July 15, 2015, from http://www.scimagojr.com). Das fachliche Profil der Ukraine entspricht nach wie vor dem klassischen osteuropäischen Profil mit sehr starker Physik und Astronomie sowie relativ schwacher Medizin. An erster Stelle in der Ukraine liegen Physik und Astronomie mit den höchsten Publikationsanteilen (20,5 Prozent, Welt: 6,7 Prozent, Deutschland: 9,2 Prozent), dann folgen Ingenieurwissenschaften (15,6 Prozent), die weltweit ebenfalls an zweiter Stelle liegen (Welt: 12 Prozent, Deutschland 8,7 Prozent). 

Hingegen ist die Medizin, die weltweit mit den höchsten Publikationsanteilen an erster Stelle liegt (Welt sowie Deutschland: etwa 17,5 Prozent), in der Ukraine mit einem Anteil von lediglich 3,4 Prozent von untergeordneter Bedeutung. Zwar hat der Anteil der Medizin in der Ukraine etwas zugenommen, während der Anteil von Physik und Astronomie in den letzten zwei Jahrzehnten leicht zurückgegangen ist.  Im Vergleich zu anderen osteuropäischen Ländern handelt es sich jedoch in der Ukraine nur um geringfügige Verschiebungen.

Eine Spezialisierung der Ukraine ist in folgenden Fachgebieten festzustellen (Auswahl basierend auf Spezialisierungsindex Länderanteil/Weltanteil  1,3):

  • Physik und Astronomie (20,4 Prozent, Welt: 6,7 Prozent, Deutschland: 9,2 Prozent)
  • Materialwissenschaften (14,4 Prozent, Welt: 5,9 Prozent, Deutschland: 6,2 Prozent)
  • Chemie (7,9 Prozent, Welt: 5,2 Prozent, Deutschland: 5,7 Prozent)
  • Mathematik (5,8 Prozent, Welt: 3,8 Prozent und Deutschland: 4,5 Prozent)
  • Erd- und Planetare Wissenschaften (3,8 Prozent, Welt: 2,6 Prozent, Deutschland: 3,6 Prozent)
  • Energie (3,7 Prozent, Welt: 1,9  Prozent, Deutschland: 1,5 Prozent).

Bei einem weltweiten Vergleich der Anzahl der Publikationen liegt die Ukraine im Jahr 2014 insgesamt auf Rang 46. Innerhalb der einzelnen Fachgebiete erreicht die Ukraine die beste Platzierung in Physik und Astronomie (Rang 23).

Im September 2010 unterzeichnete der ukrainische Präsident Janukowitsch die Änderungen zum Gesetz der Ukraine "Über die Schwerpunkte der wissenschaftlich-technischen Entwicklung". Seit der Verabschiedung dieses Gesetzes im Jahre 2001 ist dies seine dritte Fassung. Darin werden die folgenden, gegenüber der zweiten Gesetzesfassung kaum veränderten  "vorrangigen Entwicklungsrichtungen im Bereich Wissenschaft und Technik bis 2020" festlegt:

  • Grundlagenforschung;
  • Informations- und Kommunikationstechnologien;
  • Energie und Energieeffizienz;
  • umweltgerechte Naturnutzung;
  • Lebenswissenshaften, neue Technologien zur Vorbeugung und Behandlung verbreiteter Krankheiten;
  • neue Stoffe und Materialien.

Diese Entwicklungsrichtungen bestimmen gesetzesgemäß die Ausrichtung der staatlichen FuE-Förderung, Bildung, Fachausbildung sowie der staatliche Forschungsaufträge und Forschungsprogramme. Die dafür benötigten Finanzmittel sollen auf jährlicher Basis im Staatshaushalt festgelegt werden.

Im September 2011 unterzeichnete Präsident Janukowitsch zusätzlich das "Gesetz der Ukraine über die Prioritäten der Innovationstätigkeit in der Ukraine".

Für den Zeitraum 2011-2021 legt es die folgenden strategischen Prioritäten fest:

  • Erschließung moderner Technologien für die Energieweiterleitung, Einführung energieeffizienter und ressourcensparender Technologien, Erschließung alternativer Energiequellen;
  • Erschließung moderner Technologien für fir hochtechnologische Entwicklung des Transportsystems, Raketen- und Weltraumbranche, Flugzeug- und Schiffbau ,militärische Technik und Ausrüstung;
  • Erschließung moderner Produktionstechnologien für Materialien, deren Bearbeitung und Verbindung,  Industrieaufbau im Bereich von Nanomaterialien und Nanotechnologien;
  • Technologische Erneuerung und Entwicklung des Agrarkomplexes;
  • Einführung moderner Technologien und Ausrüstung für eine hochwertige medizinische Versorgung, Behandlung und Pharmazie;
  • Breite Anwendung verbesserter Umwelttechnologien;
  • Entwicklung moderner IKT und Robotertechnik.

Die mittelfristigen Prioritäten werden durch Gestaltung und Umsetzung von staatlichen spezifischen (zielgerichteten) Programmen, staatlichen Aufträgen und einzelnen Innovationsprojekten umgesetzt. Allerdings wurden auch in jüngster Zeit staatliche spezifische Programme nicht immer in vollem Umfang finanziert.

 

Bio- und Agrarwissenschaften

In der Ukraine finden wissenschaftliche und wissenschaftlich-technische Aktivitäten im Bereich Agrar- und Biowissenschaften in über 120 Forschungseinrichtungen der Nationalen Akademie der Agrarwissenschaften, des Ministeriums für Agrarpolitik und Nahrungsmittel, der Staatlichen Agentur für Waldressourcen und der Nationalen Universität für Bioressourcen und Naturnutzung statt. Außerdem werden in die Forschungen im Bereich der Landwirtschaft auf Wettbewerbsbasis die hochqualifizierten Wissenschaftler der NAdWU, des Ministeriums für Ökologie und Naturressourcen der Ukraine, der Staatlichen Agentur für Wasserressourcen und der einschlägigen Hochschulen einbezogen.

Eine besondere Rolle im System der Agrarforschung besitzt die Nationale Akademie der Agrarwissenschaften der Ukraine, deren Einrichtungen den größten Teil der Forschungen durchführen. Zu den Hauptrichtungen der Forschungen der Akademie gehören:

  • Begründung der optimalen Struktur der Agrarlandschaften und Entwicklung des adaptiven Ackerbausystems;
  • Züchtung von landwirtschaftlichen Kulturen, deren Saatgut und Entwicklung der Anbautechnologien;
  • Schutz von landwirtschaftlichen Kulturen von Krankheiten, Schädlingen und Unkraut;
  • theoretische und angewandte Forschungen im Bereich der Physiologie, Biochemie, Genforschung bei landwirtschaftlichen Kulturen und Nutzvieh, Erhaltung ihres Genpools;
  • landwirtschaftliche Biotechnologie;
  • Getriebelehre und Entwicklung der Mechanisierungsmittel der Produktionsprozesse in Agrarproduktion, effektive Anwendung der Technik und deren Instandhaltung;
  • Züchtung neuer Nutzvieh-Genotypen und Entwicklung von Produktionstechnologien für tierische Erzeugnisse;
  • Erforschung von Tierkrankheiten und Entwicklung von Methoden und Mitteln für ihre Behandlung;
  • Forschungen im Bereich der Energieerzeugung aus den Produkten der Pflanzenzucht und erneuerbaren Energiequellen und Verfahren für ihre effektive Nutzung.

In der Grundlagenforschung im Zeitraum 2011-2012 wurden 785 wissenschaftlich-technische Produkte entwickelt und 181 davon in die Produktion überführt. Zu den wichtigsten Ergebnissen der Grundlagenforschung im Zeitraum 2011-2012 gehören:

  • nationaler Bericht über die Bodenfruchtbarkeit der Ukraine;
  • Informations- und Auskunftsdatenbank über die Versorgung des Bodens durch bewegliche Formen von Spurenelementen und deren Beweglichkeitskoeffizienten;
  • Methodologie der Modellgestaltung für komplexen Schutz der meliorierten Territorien von der Grundwasserhebung und dem Bodenrückgang;
  • DNS-Technologien für die Auswahl nach molekularen Markern (MAS), Genmarker für die Widerstandsfähigkeit gegenüber Erkrankungen und Genmarker, mit deren Hilfe die wirtschaftliche wertvollen Eigenschaften von Weizen und Gerste kontrolliert werden;
  • Geoinformationsmodell für die Prognostizierung der Verbreitung von Quarantäneorganismen;
  • DNS-Pässe für verschiedene Schweinearten auf der Basis von Interlocus-Genassoziationen.

Im Rahmen der angewandten Forschungen wurden 413 Produkte entwickelt und 183 davon in die Produktion überführt. Die Forschungsinstitute der Akademie entwickelten 10 neue Arten der Technik, 35 ressourcensparenden Technologien; 368 anderen Arten der angewandten Produkte (darunter Verfahren, technische Anforderungen, technologische Handbücher, Empfehlungen, Schädlingsbekämpfungsmittel, Impfungen und Diagnostikmittel, Datenbanken, Methodiken).

Quelle:

  • Ansprechpartner für Forschungskooperationen in Kiew

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Geowissenschaften und Meeresforschung

Zentrale Einrichtungen der ukrainischen Meeresforschung waren bis zu den politischen Ereignissen im Frühjahr 2014 zwei Institute der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine in Sewastopol auf der Krim: das Institut für die Biologie der südlichen Meere (IBSS) sowie das Marine hydrophysikalischen Institut (MHI). Für die Meeresforschung im Schwarzen Meer wurden ukrainische Forschungsschiffe eingesetzt, vielfach nahmen aber auch ukrainische Wissenschaftler an Reisen deutscher Forschungsschiffe ins Schwarze Meer sowie an internationalen Meeresforschungsprojekten teil.

Für das ukrainische nationale wissenschaftlich-technische Programm zur Antarktisforschung 2011-2020 (umgesetzt durch die Staatliche Agentur für Wissenschaft, Innovationen und Informatisierung (SAWII) als Träger-bzw. Förderorganisation von ihrer Gründung 2010 bis zur Reorganisation 2014) sind Mittel in Höhe von 187 Mio. UAH (ca. 17,8 Mio. Euro) veranschlagt, davon 183 Mio. UAH (ca. 17,4 Mio. Euro) aus dem Staatsbudget und 4 Mio. UAH (ca. 0,4 Mio. Euro) aus anderen Quellen. 5-jährige Rahmenabkommen in diesem Bereich wurden 2007 mit Großbritannien, den USA, Slowenien, Spanien, der Slowakei, Tschechien, Peru, Chile und Russland unterzeichnet.

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Grundlagenforschung

Bei den staatlich geförderten FuE-Programmen in der Ukraine steht die Grundlagenforschung an erster Stelle mit einem Volumen von ca. 229 Mio. Euro für 2010, entsprechend etwa 48,8% der staatlichen FuE-Gesamtausgaben. 70,7% davon werden dabei durch die Nationale Akademie der Wissenschaften der Ukraine genutzt. 2011 wurde vom Ministerkabinett allerdings eine starke Reduzierung (um etwa 40%) der staatlichen Programme beschlossen.

Im März 1992 wurde der Staatliche Fonds für Grundlagenforschung der Ukraine (DFFD) gegründet. Damit wurde in der Ukraine das Wettbewerbssystem bei der Förderung von wissenschaftlichen und wissenschaftlich-technischen Projekten in verschiedenen Wissenschaftsbereichen eingeführt.

Der DFFD hat bis 2012 insgesamt 50 Wettbewerbe verschiedener Richtung durchgeführt: allgemein-thematische, nach festgelegten Branchenprioritäten, Verlagsausschreibung und die Stipendien des Präsidenten der Ukraine für die Förderung von Forschungsaktivitäten junger Wissenschaftler.

In den vergangenen 20 Jahren wurden beim DFFD mehr als 24.000 Anträge eingereicht und mehr als 5.500 Fördermaßnahmen realisiert.

Außerdem erfolgte eine Zusammenarbeit mit ähnlichen ausländischen Programmen (Weißrussischer Fonds für Grundlagenforschungen, Russischer Fonds für Grundlagenforschungen, Russischer humanitärer Fonds, Nationaler wissenschaftlicher Fonds der USA). Seitdem wurden durch den DFFD zahlreiche Ausschreibungen zu unterschiedliche Themen und für unterschiedliche Zielgruppen durchgeführt.

Seit Oktober 2013 ist die Ukraine assoziiertes Mitglied bei CERN.

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Information und Kommunikation

Von der Staatlichen Agentur für Wissenschaft, Innovation und Informatisierung der Ukraine werden/wurden hier als Träger- bzw.
Förderorganisation die folgenden Programme umgesetzt:

  • das unbefristete nationale Programm zur Informatisierung (für 2011 waren ca. 73.300 Euro vorgesehen);
  • das staatliche spezifische wissenschaftlich-technische Programm für die Einführung und Anwendung von GRID-Technologien 2009–2013 (für 2011 waren ca. 190.000 Euro vorgesehen);
  • das staatliche Programm "IKT in der Bildung und Wissenschaft" 2006-2010 (Finanzierungsumfang 2010 ca. 431.000 Euro).

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Mobilität und Raumfahrt

Von der nationalen Weltraumagentur der Ukraine als Träger- bzw. Förderorganisation werden/wurden die folgenden staatlichen Sonderprogramme umgesetzt: 

  • nationales Raumfahrtprogramm 2008-2012 mit einer Gesamtfinanzierung von etwa 2,50 Mrd. UAH (ca. 238 Mio. Euro), darin enthalten sind die Erdbeobachtungssatelliten "Sitsch-2" mit etwas 75 Mio. UAH (ca. 7,1 Mio. Euro) und "Sitsch-2M" mit 120 Mio. UAH (ca. 11,4 Mio. Euro) sowie der Telekommunikationssatellit "Lybid" bis 2013
  • nationales Raumfahrtprogramm 2013-2017 mit einer Gesamtfinanzierung von etwa 2,58 Mrd. UAH (ca. 240 Mio. Euro), davon vom Staatsbudget 1,12 Mrd. UAH (ca. 100 Mio. Euro)

Gemäß einem Erlass des Premierministers Asarow vom März 2011 über das Konzept der staatlichen Politik im Raumfahrtbereich im Zeitraum bis zum Jahr 2032 ist eine Gesamtfinanzierung von 38,5 Mrd. UAH (ca. 3,67 Mrd. Euro) vorgesehen, in diesem Rahmen soll der Transfer der führenden Raumfahrttechnologien in die Realwirtschaft erfolgen.

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Physikalische und chemische Technologien

Im Laufe der letzten Jahre wurden von den Wissenschaftlern gemeinsam mit Industrieunternehmen der Ukraine Entwicklungsarbeiten im Rahmen der Nanowissenschaften durchgeführt, die nicht nur für die ukrainische Wissenschaft, sondern weltweit von Bedeutung sind. Die Entwicklung der Forschungen zur Nanowelt sowie verschiedener Nanotechnologien auf der heutigen Entwicklungsstufe wurde in folgenden Hauptrichtungen durchgeführt:

  • Funkelektronik und radioelektronische Komponenten;
  • Bearbeitung von Materialien und Schutzbeschichtungen;
  • Werkstoffkunde;
  • Messung und Ananlyse der Nanostrukturen;
  • neue Stromquellen;
  • Medizin.

Im Rahmen des ukrainischen staatlichen wissenschaftlich-technischen Sonderprogramms "Nanotechnologien und Nanomaterialien" 2010-2014 bewilligte die Nationale Akademie der Wissenschaften der Ukraine 120 Forschungsprojekte mit einer Gesamtfinanzierung von 19,2 Mio. UAH, das Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Ukraine 11 Forschungsprojekte mit Gesamtfinanzierung von 72.1 Mio. UAH (ca. 7 Mio. Euro). Für 2011 waren etwa 2,0 Mio. Euro für die Programmfinanzierung mit der Staatlichen Agentur für Wissenschaft, Innovation und Informatisierung der Ukraine und der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine als Projektträger vorgesehen.

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