Überblick

In politischen Erklärungen werden Bildung und Forschung immer wieder als absolute Prioritäten für die Entwicklung des intellektuellen und ökonomischen Potentials der Ukraine bezeichnet. Dies hat sich in der Vergangenheit jedoch nur bedingt in der Reformierung und Finanzierung dieser beiden Bereiche widergespiegelt.

Der formale Rahmen für die strategischen politischen Zielsetzungen im Bereich der Bildung, Wissenschaft und Innovation ist dabei das Reformprogramm der Regierung 2010 bis 2014 mit jeweiligen jährlichen Umsetzungsplänen.

Außerdem decken spezifische Dokumente einzelne Bereiche ab:

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Bildungspolitische Ziele

Das ukrainische Hochschulsystem steht (Stand 2011) – wie das ukrainische Schulsystem – weiter unter starkem Reformdruck (Korruptionsbekämpfung, Europäisierung/ Internationalisierung). Die noch unter der Vorgängerregierung der derzeitigen Regierung begonnenen Reformen im Bildungsbereich wurden unter der neuen Administration teilweise wieder rückgängig gemacht, so zum Beispiel die Verlängerung der Schulzeit von elf auf zwölf Jahre. Die 2008 eingeführten anonymisierten, landesweiten Zugangstests zu den Universitäten sollten v. a. der Korruption beim Hochschulzugang entgegenwirken. Sie wurden in ihrer bestehenden Form unter dem neuen Bildungsminister Tabatschnik angepasst, so dass nun eine Durchschnittsleistung aus Schulzeugnis, Zugangstest – und in einigen Studiengängen auch wieder individuelle Zugangstests an den Universitäten – über die Immatrikulation entscheidet. Eine umfassende Hochschulreform ist von ihren Inhalten her umstritten und bisher nicht umgesetzt. 

Vielfachen Protest erntete der umstrittene Bildungsminister Tabatschnik mit einer geplanten Hochschulreform, welche die - sowieso begrenzte – Autonomie der Universitäten weiter beschnitten hätte. Die Reform hätte insbesondere auch die renommierte, nach westlichen Standards operierende Kiewer Mohyla-Akademie eingeschränkt. Die zuletzt beschlossenen Kürzungen im Bereich der staatlich finanzierten Studienplätze führten erneut zu großen Protesten. Zwar ist der Hochschulsektor durchaus reformbedürftig, jedoch weisen die Vorschläge des Bildungsministeriums eher in eine vom Geist der (Post-)Sowjetzeit geprägte Richtung.

Zentrale Probleme bleiben die umfassende Korruption, gerade im Bereich der Abschlüsse, die mangelnde finanzielle Ausstattung der Institutionen, die große, unübersichtliche Anzahl an höheren Bildungseinrichtungen mit oft mangelhafter Qualität und geringer Vernetzung. Zentrales Problem im Hochschulbereich bleibt außerdem die mangelnde finanzielle Ausstattung der Institutionen, die große, unübersichtliche Anzahl an höheren Bildungseinrichtungen mit geringer Vernetzung. Da die Gehälter im Bildungsbereich trotz Erhöhungen oft immer noch nicht zur Deckung der Lebenshaltungskosten reichen, geben viele qualifizierte Lehrkräfte ihren Beruf auf. Besonders schwierig ist die Lage auf dem Land fernab großer Städte.

Seit der Bildungsministerkonferenz in Bergen 2005 gehört die Ukraine offiziell zu den nunmehr 45 Mitgliedsstaaten des Bologna-Prozesses.

Auf dem Weg zur Vereinheitlichung des tertiären Bildungssektors sind in der Ukraine bereits entscheidende Vorgaben innerhalb eines kurzen Zeitrahmens implementiert worden. Dazu gehören die Einführung des zweistufigen Bachelor-Master-Systems, die Übernahme des ECTS (European Credit Transfer and Accumulation System) sowie die Ausstellung eines Diploma Supplement.

Die Ukraine arbeitet nun auch an einer Einführung des PhD-Levels. Fast alle Universitäten bieten eine Doktorandenausbildung nach dem klassischen Doktorvater-Modell. Die Doktorandenausbildung dauert in der Regel drei Jahre und wird entweder vom Staat oder vom Doktoranden selbst finanziert. Die Kosten betragen 500 bis 1.200 EUR pro Jahr. Die vom Staat finanzierten Doktoranden bekommen ein Stipendium in Höhe von 100 bis 220 EUR monatlich. Doktoranden werden auch in Forschungsinstituten der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften (AdW) ausgebildet. 

Weitere Reformen und Verbesserungen in der Lehre – insbesondere in der Provinz – sind notwendig, um ein (west)europäisches Bildungsniveau tatsachlich zu erreichen und an internationale Bildungsstandards anzuschließen.

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Forschungspolitische Ziele

Für die Ukraine sind die Stabilisierung der Forschungslandschaft, die Erhöhung der Effizienz und eine schrittweise Heranführung an internationale Forschungsstandards von entscheidender Bedeutung.

Im "Programm der Wirtschaftsreformen 2010-2014" des im Februar 2010 neu gewählten Präsidenten Janukowitsch wurden bestehende Probleme der ukrainischen FuE identifiziert und Reformschritte sowie Erfolgsindikatoren definiert. Als Ziel der Entwicklung des wissenschaftlich-technischen Bereichs und des Innovationsbereichs wurde im Programm die Steigerung des FuE-Anteils am BIP auf 1,5% gesetzt.

Am 09.09.2010 unterzeichnete der neue ukrainische Präsident Janukowitsch die Änderungen zum Gesetz der Ukraine "Über die Schwerpunkte der wissenschaftlich-technischen Entwicklung". Seit der Verabschiedung des o. g. Gesetzes im Jahre 2001 ist dies die dritte Fassung.

Sie legt die folgenden "vorrangigen Entwicklungsrichtungen im Bereich Wissenschaft und Technik bis 2020" fest:

  • Grundlagenforschung,
  • Informations- und Kommunikationstechnologien,
  • Energie und Energieeffizienz,
  • umweltgerechte Naturnutzung,
  • Lebenswissenschaften, neue Technologien für Vorbeugung und Behandlung verbreiteter Krankheiten,
  • neue Stoffe und Materialien.

Diese unterscheiden sich allerdings kaum von denen aus der zweiten Fassung des Gesetzes aus dem Jahr 2006, die die Kurzfristigkeit (Planungshorizont max. 1 Jahr) der realen ukrainischen Forschungspolitik auch nicht überwinden konnte.

Das Gesetz schreibt vor, staatliche FuE-Förderung, Bildung, Berufsbildung, staatliche Forschungsaufträge und Forschungsprogramme an den o. g. "Entwicklungsrichtungen" zu orientieren. Die dafür benötigen Kosten sollen auf jährlicher Basis im Staatshaushalt festgelegt werden.

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