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Überblick zur internationalen Kooperation: Ukraine

Die Zuständigkeit für die Internationalisierung des Studiums liegt bei dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MBW), das seit 2003 mit Hilfe des Staatlichen Ukrainischen Zentrums für Internationale Bildung (Ukrainian State Center for International Education, USCIE) im Ausland für ein Studium in der Ukraine wirbt (Portal Study in Ukraine). Da die ukrainischen Studierendenzahlen stark zurückgegangen sind, stellen internationale Studierende eine zunehmend wichtige Einnahmequelle dar. Das Gros der internationalen Studierenden ist an den medizinischen Hochschulen eingeschrieben, da diese Ausbildung im Vergleich zu vielen anderen Ländern in der Ukraine vergleichsweise günstig ist, vor allem im Hinblick auf Studiengebühren aber auch auf Lebenshaltungskosten (siehe Olesya Friedman und Stefan Trines (2019): Education in Ukraine, Profile World Education Service).

Die internationalen Statistiken sind auf diejenigen internationalen Studierenden beschränkt, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Die Bilanz in Bezug auf die Internationalisierung des Studiums in der Ukraine fällt relativ gut aus. Der Anteil der internationalen Studierenden in der Ukraine hat seit 2007, als die Marke von 1 Prozent überschritten wurde, deutlich zugenommen. 2018 wurden mehr als 49.000 internationale Studierende mit einem Anteil von 3,1 Prozent registriert. Damit lag die Ukraine aber immer noch unter dem OECD-Durchschnitt von 6 Prozent (Deutschland: 8 Prozent). In die Gegenrichtung war die Zunahme stärker: Zwischen 2012 und 2017 wuchs der Anteil der ukrainischen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstrebten, von 1,6 auf 4,7 Prozent. Damit liegt die Ukraine inzwischen deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 2 Prozent (siehe Bildungsindikatoren).

Die wichtigsten Herkunftsländer für internationale Studierende in der Ukraine liegen sämtlich außerhalb von Europa und sind auf zwei Kontinente verteilt. Es sind Indien, gefolgt von den GUS-Ländern Aserbaidschan und Turkmenistan sowie Marokko und Nigeria. Die wichtigsten Zielländer für ukrainische Studierende sind hingegen mit weitem Abstand die Nachbarländer Polen (34.692) und Russland (15.263). Insbesondere Polen verzeichnete zwischen 2013 und 2017 mehr als eine Verdreifachung der Studierendenzahlen aus der Ukraine. Während auch in Russland die Anzahl der ukrainischen Studierenden zunächst stark zunahm, reduzierte sich die Anzahl zwischenzeitlich wieder und lag 2017 nur noch wenig über den Ausgangswerten von 2014. Hinter Polen und Russland folgen als Zielländer für ukrainische Studierende mit weitem Abstand Deutschland, die Tschechische Republik sowie Italien (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten).

Der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an allen wissenschaftlichen Publikationen hat in der Ukraine zwischen 1996 und 2007 von 21,9 Prozent auf 39,9 Prozent zugenommen. Seit 2007 ist allerdings keine weitere Zunahme mehr zu verzeichnen, der Anteil ist wieder leicht zurückgegangen und liegt inzwischen bei 36,3 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland ist – ähnlich wie in vielen anderen westlichen Industrieländern – die internationale Ko-Publikationsrate im selben Zeitraum von 30,9 Prozent auf 51,3 Prozent gestiegen (Quelle: SCImago. SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved June 4, 2019, from www.scimagojr.com).

Die wichtigsten fünf Ko-Publikationsländer der letzten drei Jahre sind die Russische Föderation und Polen, gefolgt von Deutschland, den USA und Frankreich. China liegt als zweites nichteuropäisches Land auf Rang 9. Den Spitzenplatz könnte Russland möglicherweise bald verlieren: 2017 hat sich Polen bereits an die erste Stelle vorgeschoben (Quelle: Scopus, Elsevier, 2016-18).

Für den Abschluss von Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Kooperation (WTZ) auf Länderebene ist in der Regel das Außenministerium zuständig (Übersicht WTZ-Abkommen Ukraine). Ein Schwerpunkt liegt mit 25 Abkommen auf den EU-Mitgliedstaaten und den zu dem Rahmenprogramm assoziierten Ländern (Europ. Kommission (2016), S. 57). Bilaterale Förderbekanntmachungen können sowohl durch das Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MBW) als auch zukünftig durch die Nationale Forschungsstiftung der Ukraine (NFSU) durchgeführt werden.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften (NAdWU) hat mehr als 110 bilaterale Kooperationsabkommen mit Einrichtungen in mehr als 50 Ländern geschlossen, unter denen gemeinsame Forschungsprojekte durchgeführt werden. Häufig wird mit den Akademien in den mitteleuropäischen Ländern Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei sowie mit der türkischen Einrichtung TÜBITAK zusammen gearbeitet. Ein beliebter Kooperationspartner ist auch die wichtigste französische Einrichtung für Grundlagenforschung, das Centre Nationale de la Recherche Scientifique (CNRS) (siehe Europ. Kommission (2016), S. 58).

Die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union (EU) hat in der Ukraine eine lange Tradition, sowohl auf biregionaler als auch auf bilateraler Ebene. Im Bildungsbereich beteiligt sich die Ukraine am ERASMUS-Programm.

Das Wissenschafts- und Technologiezentrum in der Ukraine (UWTZ, bekannt als Science and Technology Centre in Ukraine, STCU) wurde 1993 gegründet, und nahm Ende 1995 seine Arbeit auf. Aserbaidschan, Georgien, Moldawien und Usbekistan traten ebenfalls bei. Ziel ist es, zivil ausgerichtete Forschungsprojekte zu finanzieren und so für Forschende, die über militärisch einsetzbares Wissen verfügen, Beschäftigung und neue Perspektiven zu schaffen. Mit Hilfe von Finanzmitteln der USA, Kanadas und der EU, die Schweden 1998 als Geldgeber ablöste, hat das STCU über einen Zeitraum von zwanzig Jahren (1996 - April 2016) 230 Mio. USD für die Ukraine bereitgestellt. Weitere Drittmittel in beträchtlicher Höhe konnten durch andere Programme mobilisiert werden (siehe STCU Annual Report (2016), S. 13).

Über die bi-regionale Kooperation ist die Ukraine gleich mehrfach mit der EU verbunden. Sie beteiligt sich zusammen mit Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien und Moldau an der Östlichen Partnerschaft (Eastern Partnership, EaP). Daneben vertiefte die Ukraine zwischen 2014-17 die Kooperation im Donauraum (DANUBE.INCO-NET). Nach dem Auslaufen des Projekts „Black Sea Horizon“ (2015-18) wurde im Mai 2019 die Zusammenarbeit in der Schwarzmeerregion auf eine neue Grundlage gestellt: Die Europäische Kommission und sieben Anrainerstaaten, darunter auch die Ukraine und die Russische Föderation, beschlossen eine Forschungs- und Innovationsagenda mit einer Laufzeit bis 2030 („Strategic Research and Innovation Agenda for the Black Sea“, SRIA-Factsheet).

2003 trat ein WTZ-Abkommen zwischen der Ukraine und der EU in Kraft  (siehe Webseite der EU zur Kooperation mit der Ukraine in Forschung und Innovation). Die Ukraine beteiligte sich an Projekten unter dem Siebten EU-Forschungsrahmenprogramm (FP7, 2007-13) und die EU unterstützte spezielle Netzwerke, so zum Beispiel BILAT-UKR (2008-2012) und das Nachfolgeprojekt BILAT-UKR*AINA (2012-15). Nach der Maidan-Revolution von 2014 hat die Ukraine die internationale Forschungskooperation in Richtung Westen bzw. zur Europäischen Union hin neu orientiert, u.a. durch Föderbekanntmachungen mit diversen europäischen Ländern, darunter Deutschland und Frankreich. Bereits 2013 hatte die Ukraine mit der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) ein Assoziierungsabkommen abgeschlossen.

Die volle Assoziierung mit dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) ab März 2015 stellt einen wichtigen Meilenstein dar: Ukrainische Antragstellende können seitdem unter allen Teilprogrammen des Rahmenprogramms gefördert werden. Zusätzliche Starthilfe bot das Projekt R&I-LINKS2UA (2015-19, Archiv), das zum Beispiel Reisestipendien für die Vorbereitung von Projektanträgen zur Verfügung stellte. Bis März 2019 warb die Ukraine 21,6 Mio. Euro an Fördermitteln unter Horizont 2020 ein. Unter den insgesamt 134 Projekten mit ukrainischer Beteiligung wiesen – ganz ähnlich wie unter FP7 – knapp zwei Drittel, nämlich 83 Projekte auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: Ecorda-Datenbank).

Andere Varianten europäisch-ukrainischer Kooperation setzen nicht auf eine Beteiligung an Projekten unter dem Rahmenprogramm der EU, sondern auf die Verbindung von nationalen und europäischen Fördertöpfen, um gemeinsame Projekte zu finanzieren (Public Public Partnerships, P2Ps, Übersicht ERA-LEARN Plattform). Die Ukraine nimmt aktuell an zwei erdwissenschaftlich orientierten ERA-NETS teil, die bis 2021 laufen: GEO-ERA und ERA-PLANET.

2018 wurde eine Roadmap zur Integration der Ukraine in den Europäischen Forschungsraum (ERA-UA) verabschiedet.

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