Auswahl an Regierungs- und Ressortabkommen mit Partnerländern

Die britische Regierung hat in der Industriestrategie angekündigt, dass verstärkt internationale Abkommen mit anderen Ländern geschlossen bzw. bestehende internationale Abkommen zu bilateralen Forschungsstrategien weiter entwickelt werden sollen. Mit den USA waren die wissenschaftlichen Beziehungen lange Zeit weniger formalisiert. 2017 wurde jedoch ein Rahmenabkommen abgeschlossen, unter dem auch eine enge Zusammenarbeit im Bereich großer Forschungsinfrastrukturen vereinbart wurde.

Bereits 1978 hatte das Vereinigte Königreich (Großbritannien) ein erstes Regierungsabkommen zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit China abgeschlossen. 2017 vereinbarte das Land mit China eine bilaterale Forschungsstrategie und ist damit das erste Land überhaupt, mit dem China gemeinsam eine solche Strategie entwickelt hat (Pressemitteilung). Schwerpunkte der Zusammenarbeit werden auf den Lebenswissenschaften, Nahrungsmittelsicherheit, erneuerbaren Energien und Umwelttechnologien liegen. Im Jahr 2018 wurden Vereinbarungen zwischen den Ländern unterzeichnet, die eine Intensivierung der Bildungszusammenarbeit vorsehen. Unter der Kampagne „English is GREAT“ werden insgesamt 300 Millionen Chinesinen und Chinesen beim Erlernen der englischen Sprache unterstützt.

Mit Indien hat das Land 1996 einen Kooperationsvertrag zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit unterzeichnet. Seit 2006 werden Kooperationen der Hochschulen unter dem Programm „UK India Education and Research Initiative" (UKIERI) gefördert. Das Programm geht derzeit in die dritte Phase (2016-21) mit insgesamt 57 Partnerschaften und mehr als 80 involvierten Hochschulen. Der UK-India Ministerial Science and Innovation Council legt seit 2006 die Prioritäten für die gemeinsamen Forschungsprogramme mit Indien fest, die derzeit zum Beispiel durch den Newton Fund umgesetzt werden. Insbesondere seit der Etablierung einer Präsenz der Forschungsräte vor Ort im Jahr 2008 hat sich die Zusammenarbeit intensiviert (siehe vorheriger Abschnitt).

2018 wurde zudem eine UK-India Tech Partnership vereinbart. In einem Pilotprogramm investiert die britische Regierung zunächst eine Million GBP. Im Rahmen der Maßnahme wird vor allem die Zusammenarbeit mit den indischen Regionen Pune und Bangalore im Bereich Mobilität der Zukunft, Virtual- und Augmented Reality, Neue Materialien und Künstliche Intelligenz verstärkt. Sollte sich das Programm bewähren, könnten die Ausgaben bis zum Jahr 2022 auf 13,5 Millionen GBP steigen und weitere Regionen einschließen. Zusätzlich soll der gemeinsame Aufbau eines modernen Fertigungszentrums in Indien vorbereitet werden.

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Teilnahme an europäischen Programmen und Initiativen

Als Mitgliedsland der Europäischen Union konnte sich das Vereinigte Königreich (Großbritannien) bisher an dem Programm zur Förderung der Bildungsmobilität ERASMUS+ und dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) voll beteiligen.

Die Förderung unter Horizont 2020 wäre bis Ende 2020 unter einem Austrittsabkommen gesichert. Für Projekte in Horizont 2020 mit britischer Beteiligung, deren Laufzeit über die EU-Mitgliedschaft vom Vereinigten Königreich hinausgeht, hat die britische Regierung angekündigt, die finanzielle Unterstützung für die britischen Teilnehmer zu übernehmen.

Im Falle eines „No-Deal Szenarios“ würde das Vereinigte Königreich automatisch zu einem Drittstaat. Industrialisierte Drittstaaten können unter bestimmten Bedingungen an Verbundprojekten in Horizont 2020 teilnehmen, erhalten aber in der Regel keine Förderung durch die EU.

Die Auswirkungen eines harten Brexits auf das neue europäische Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont Europa“ sind derzeit noch offen. Dies hängt einerseits davon ab, wie die Bestimmungen zur Assoziierung von Drittstaaten im Rahmenprogramm ausgestaltet werden, andererseits von möglichen späteren Verhandlungen zu einem Assoziierungsabkommen zwischen der Europäischen Kommission und dem Vereinigten Königreich. In der im Mai 2019 vorgestellten neuen internationale Forschungs- und Innovationsstrategie („UK International Research and Innovation Strategy") bekennt sich das Vereinigte Königreich dazu, die gute Kooperation mit der EU und einzelnen Mitgliedstaaten auch zukünftig fortsetzen zu wollen. Die Möglichkeit einer Assoziierung zu dem künftigen Rahmenprogramm der EU werde geprüft (S. 8).

Andere Varianten europäischer Kooperation setzen nicht auf einen gemeinsamen Fördertopf unter dem Rahmenprogramm der EU, sondern auf die Verbindung verschiedener nationaler Fördertöpfe, um gemeinsame Projekte im Rahmen von Public Public Partnerships (P2Ps) zu finanzieren. Derzeit ist das Vereinigte Königreich an mehr als 60 aktiven P2Ps beteiligt (siehe ERA-LEARN-Plattform), darunter verschiedenen ERA-NETS z. B. zu Informations- und Kommunikationstechnologien (CHIST-ERA III)  und Erkrankungen im neurologischen Bereich (ERA-NET NEURON). Außerdem nimmt das Land an gemeinsamen Programminitiativen z. B. für neurodegenerative Krankheiten (JPND) und antimikrobiellen Resistenzen (JPIAMR) und zur Nutzung von geschichtlichem Wissen (HERA JRP UP) teil. Als zuständige Förderagenturen agieren gewöhnlich die Forschungsräte, Innovate UK, und teilweise das Umweltministerium. In zwei P2Ps zu Bioenergie (BESTF3) und Offshore-Windenergie (DemoWind 2) engagiert sich das britische Wirtschaftsministerium als Koordinator.

Das Vereinigte Königreich gehörte außerdem 1985 zu den Gründungsmitgliedern des Netzwerks zur Unternehmens- und Innovationsförderung EUREKA und beteiligt sich an dem gemeinsamen Förderprogramm Eurostars. Dabei wird das Land durch die Förderorganisation Innovate UK vertreten (EUROSTARS-Webseite Vereinigtes Königreich). Den Vorsitz bei EUREKA 2018/19 hat die britische Regierung dazu genutzt, zusätzliche 20 Millionen GBP zur Unterstützung der internationalen EUREKA-Zusammenarbeit bereitzustellen („UK International Research and Innovation Strategy", S. 18) .

Auch unter den Gründungsmitgliedern der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) ist das Vereinigte Königreich vertreten. An dem Internationalen Thermonuklearen Experimental-Reaktor (ITER) ist das Land über EURATOM beteiligt. Da die britische Regierung jedoch 2017 angekündigt hat, die Mitgliedschaft an EURATOM mit dem Austritt aus der EU zu beenden, ist ungewiss, ob und wie das Vereinigte Königreich zukünftig an ITER beteiligt sein wird.

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Mitgliedschaften in internationalen Regierungsorganisationen und -foren

Das Vereinigte Königreich ist Mitglied der G7 und der G20. Während die G7 ein informeller Zusammenschluss der klassischen Industrieländer ist, gehören zu den G20 auch die BRICS-Länder sowie Argentinien, Australien, Saudi-Arabien und die Türkei. Durch die Mitgliedschaft ist das Land an den jährlichen Beschlüssen der Staats- und Regierungschefs beteiligt, die auch Bildung und Forschung betreffen können. Zusätzlich finden Treffen der G7- und der G20-Wissenschaftsministerinnen und -minister statt.

Das Vereinigte Königreich ist Gründungsmitglied der Vereinten Nationen (UN). Außerdem ist es Mitglied der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO).

Weiterhin ist das Vereinigte Königreich Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und hat damit in den allgemeinen Bildungs- und Wissenschaftsgremien der OECD vollen Delegiertenstatus.

Das Land ist außerdem Mitglied in den folgenden Regierungsorganisationen, die Schwerpunkte in den Bereichen Forschung und Innovation setzen:

  • Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC);
  • Weltbiodiversitätsrat (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES);
  • Internationale Energieagentur (International Energy Agency, IEA);
  • Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (International Renewable Energy Agency, IRENA).

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Teilnahme an multilateralen Programmen und Initiativen

Das Vereinigte Königreich (Großbritannien) beteiligt sich seit dem Jahr 2000 regelmäßig an dem OECD-Programm zur Kompetenzmessung von Schülern (PISA). Zwischen 2008 und 2013 hat das Land an dem OECD-Programm zur Kompetenzmessung der erwachsenen erwerbstätigen Bevölkerung (PIAAC) teilgenommen. 

Außerdem hat die britische Regierung 2016 die Vermittlung von (beruflichen) Kompetenzen durch die OECD begutachten lassen (Getting Skills Right: United Kingdom, 2017, OECD-Studie). Die OECD hat auch das englische System für betriebliche Ausbildung untersucht und Reformvorschläge gemacht (Apprenticeship in England, United Kingdom, 2018, OECD-Studie).

Das Vereinigte Königreich beteiligt sich am Belmont Forum und ist assoziiertes Mitglied der Global Biodiversity Information Facility.

In der weltweit größten Nichtregierungsorganisation im Bereich Wissenschaft, dem Internationalen Wissenschaftsrat (International Science Council, ISC) ist das Land durch die traditionsreichen Fachgesellschaften Royal Society und British Academy sowie die Fördereinrichtung Economic and Social Research Council (ESRC) vertreten.

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Sitzland für Einrichtungen internationaler Organisationen

Einer der fünf Standorte des Europäischen Labors für Molekularbiologie (European Molecular Biology Laboratory, EMBL), das 1994 gegründete European Bioinformatics Institute (EMBL-EBI) hat seinen Sitz in Hinxton, Cambridgeshire. Das EBI operiert auf dem Wellcome Genome Gampus in unmittelbarer Nachbarschaft des Wellcome Sanger Institute.

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