Kurzprofil

Das polnische Breslau (Wrocław) ist wirtschaftliches, wissenschaftliches und kulturelles Zentrum des Südwestens Polens sowie Hauptstadt der Woiwodschaft Niederschlesien (Dolny Śląsk). In der viertgrößten Stadt Polens leben 632.000 Menschen, in der gesamten Agglomeration Breslau ca. 1 Million.

Seit den 90er Jahren hat sich Breslau zu einem Industriezentrum des neuen Polens entwickelt, dessen Stärkefelder in IT, KPO/BPO (Knowledge Process Outsourcing/Business Process Outsourcing), Finanzdienstleistungen, Automobilindustrie, Elektronik und Haushaltsgeräte und Life Science liegen. Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Fläche von 292,9 km².

Internationale Anziehungskraft

Die Woiwodschaft Niederschlesien (Dolny Slask) erzielte im Jahr 2012 mit 47.056 PLN (ca. 11.500 EUR, Wechselkurs: 1 EUR = 4 PLN) das zweithöchste Pro-Kopf-BIP, und erwirtschaftete insgesamt 8,6 Prozent des polnischen BIP. Die schlesische Metropole  zählt seit Jahren zu den Städten mit der dynamischsten Entwicklung in ganz Polen, in Schlesien konzentrieren sich rund 15 Prozent der gesamten Wirtschaftskraft Polens. Die internationale Anziehungskraft Breslaus wird durch die mehr als 2.000 ausländischen Unternehmen, die sich in Breslau und Niederschlesien angesiedelt haben, illustriert. Deutlich wird die Attraktivität des Clusters auch durch die folgenden Auszeichnungen:

  • In der Studie European Cities and Regions of the Future 2014/2015, die im Februar 2014 vom Magazin fdi intelligence durchgeführt wurde, belegte Breslau in verschiedenen Kategorien sehr gute Platzierungen: Ein 2. Platz in den Kategorien Top 10 Eastern European Cities und Top 10 Eastern European Cities – FDI Strategy sowie ein 6. Platz in der Kategorie Top 10 Large European Cities – Business Friendliness stehen hier zu Buche.
  • Während der Fussball-Europameisterschaft 2012 war Breslau einer von vier polnischen Austragungsorten.
  • 2016 wird Breslau Kulturhauptstadt Europas sowie Verleihungsort des Europäischen Filmpreises sein, 2017 ist Breslau Ausrichter der World Games.
  • Laut einer Studie der Boston Consulting Group verfügt Breslau von allen polnischen Städten über das größte Potenzial zur Etablierung eines Innovationsclusters.
  • Die Jahrhunderthalle in Breslau wurde 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Der Flughafen (Airport Wroclaw) befindet sich etwa 10 km vom historischen Altstadtzentrum Breslaus entfernt; 2013 wurden hier über 2 Millionen Passagiere abgefertigt. Breslau wird u. a. aus Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt und München angeflogen. Seit 2011 verfügt die Stadt über eine sog. Autobahnumfahrung, mit der der Fernverkehr außerhalb der Innenstadt gehalten wird. Über den Hauptbahnhof Breslau gelangt man ohne Umsteigen nach Berlin, Dresden, Warschau, Prag und Kiew. Auch über die Oder ist Breslau mittels Wasserstraßen auf vielfältige Weise mit Ost- und Mitteleuropa verbunden.

Der Cluster profitiert in hohem Maße von seiner geographischen Nähe zu Deutschland im Westen (160 km bis zur Grenze) und Tschechien im Südosten (120 km). In den vier Sonderwirtschaftszonen Niederschlesiens haben sich deutsche Unternehmen in großer Zahl angesiedelt.

Die Nähe zu Deutschland war auch ausschlaggebend für die Errichtung mehrerer Amazon-Versandzentren in der Region 2014. Neben Amazon haben sich eine ganze Reihe weiterer großer multinationaler Unternehmen mit Standorten in Breslau niedergelassen; zu diesen zählen beispielsweise IBM, Hewlett-Packard, Google, Siemens und Volvo.

Hinsichtlich der ausländischen Direktinvestitionen nimmt Breslau den ersten Platz in Polen ein. Im Jahr 2012 wurden 18 von 53 Investitionsprojekten der Polnischen Agentur für Information und Auslandsinvestitionen in der Umgebung von Breslau realisiert.

Mit dem Projekt „Smart City Breslau“ soll in der Stadt eine sog. „Advanced Metering Infrastructure“ (AMI) installiert werden, mit deren Hilfe u. a. eine aktive Verbrauchsmessung eingerichtet und die Netzausfallsicherheit erhöht werden soll. Es ist eines der bislang größten realisierten Projekte dieser Art in Europa.

So wie in ganz Polen sind auch in Breslau verschiedene Sonderwirtschaftszonen und Technologieparks eingerichtet worden, in denen Unternehmen beispielsweise von Steuernachlässen bis 70 Prozent und Sonderkonditionen profitieren können. Zu den administrativen Sondergebieten zählen beispielsweise der Bukowice Industrial Park (25 km nordwestlich von Breslau), Wroclaw Industrial Park und die Wałbrzycher Sonderwirtschaftszone (WSEZ).

Thematische Stärkefelder

Der Cluster zeichnet sich heute einerseits durch seine sehr dynamische Entwicklung und andererseits durch eine sehr diversifizierte Branchenstruktur aus.

3.1 Automobilindustrie

Die Automobilindustrie des Clusters konzentriert sich in erster Linie im 65 km entfernten Wałbrzych. In unmittelbarer Nähe zu Breslau haben Toyota Motor Industries Poland und Volkswagen Motor Polska Dieselmotorenfabriken errichtet. Stark vertreten im Cluster ist auch Volvo, deren europäische Zentrale der Volvo Busproduktion und Baggerlader-Montage hier ihren Sitz hat. Volvo Polska beschäftigt in der Automobilbranche des Clusters die meisten Arbeitnehmer, dahinter folgen WABCO und Bosch.

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Die größten Automobilunternehmen in Breslau

Unternehmen

Produktion

Herkunftsland

Beschäftigte

Volvo Polska

Busse und Baggerlader

Schweden

2.300

WABCO Polska

Bremssysteme

USA

1.800

Bosch Polska

Bremssysteme und Assistenzsysteme

Deutschland

500

Eto Magnetic

Hydraulik

Deutschland

300

Sumitomo Chemical

Filter für Dieselmotoren

Japan

300

Auch Automobilhersteller wie Toyota, Volvo und Volkswagen verfügen über Produktionsstätten in der Region Breslau. Auch Volkswagen hat viele Jahre Motoren im nur 100 km von Breslau entfernten Polkwitz (Polkowice) produzieren lassen. Die Region um Breslau hat sich vor allem durch die Investitionen von Toyota zu einem Zentrum der Industrie für KfZ-Bauteile entwickeln können.

3.2 Elektronik und Haushaltsgeräte

Rund die Hälfte aller europäischen LCD-Bildschirme wird zurzeit in Niederschlesien produziert. Unternehmen wie LG Philipps, Toshiba und JVC haben mit ihren Investitionen zur Entwicklung der Region in diesem Sektor beigetragen. Eine Vielzahl der in diesem Sektor tätigen Unternehmen hat sich in der WSEZ niedergelassen.

3.3 Chemie und Pharma

Wichtige internationale Pharmaunternehmen wie U. S. Pharmacia, Hasco-Lek, Galena, 3M, Labor, S-Lab, Herbapol, Cezal haben Niederlassungen im Cluster. In der Region existieren viele Forschungs- und Entwicklungszentren, die sich auf den Bereich Biotechnologie, Chemie und Pharmazeutika spezialisiert haben. Dazu zählen:

3.4 Maschinenbau

Breslau und Niederschlesien genießen schon lange einen exzellenten Ruf im Bereich Maschinenbau; Unternehmen wie Wrozamet (gegründet 1946) und Pafawag (1832) bedienten lange Zeit den größten Teil der polnischen Inlandsnachfrage.

Heute haben sich auch multinationale Unternehmen wie ABB, Alstom, Sauer-Danfoss, Haco oder Bombardier im Cluster niedergelassen. Eine wichtige Rolle in der Ausbildung von Fachkräften spielt hier unter anderem die Fakultät für Maschinenbau der Technischen Universität Breslau. Unternehmen dieses Sektors haben sich zum Beispiel im Wroclaw Industrial Park (siehe Kapitel "Akteure und Netzwerke") niedergelassen.

3.5 Informations- und Kommunikationstechnologie

In Breslau befinden sich insgesamt über 350 Unternehmen, die dem IKT-Bereich zuzuordnen sind. Zu den wichtigsten IT-Unternehmen zählen beispielsweise IBM, HP, Google, Siemens und T-Systems.

3.6 Finanz- und Unternehmensdienstleistungen, Knowledge Process Outsourcing und Business Process Outsourcing

Breslau gilt hinter Warschau als das zweitwichtigste Finanzzentrum in Polen. Banken mit polnischen Hauptniederlassungen in Breslau sind etwa die Crédit Agricole Bank of Poland, Euro Bank, Santander Consumer Bank. Zusätzlich verfügt der Cluster über die meisten Leasing- und Inkassounternehmen in ganz Polen.

Zusätzlich findet sich eine Vielzahl von Dienstleistungszentren ausländischer Unternehmen wie etwa Atos, Credit Suisse, Google, McKinsey oder Volvo. Nokia Siemens Networks errichtete bereits 2000 ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Breslau, in dem derzeit rund 1.600 Beschäftigte arbeiten und dass sich zum weltweit zweitgrößten Programmierungs- und Ingenieurzentrum des Konzerns entwickelt hat.

Zwischen April 2013 und April 2014 ist die Zahl der Arbeitsplätze im Sektor Unternehmensdienstleistungen um 20,5 Prozent gewachsen; nur Warschau konnte mit 22,3 Prozent ein noch größeres Wachstum vorweisen. Mittlerweile sind mehr als 20.000 Menschen im Bereich Unternehmensdienstleistungen in Breslau beschäftigt.

Akteure und Netzwerke

In Breslau wird eine gezielte Strategie verfolgt, um den Cluster zu einem Zentrum europäischer Forschung auszubauen. Zu diesem Zweck intensivieren Hochschulen und Unternehmen des Clusters seit langem schon gemeinsame Projekte und Kooperationen. Dies beinhaltet z. B. auch, dass die Curricula der Hochschulen gezielt an die Anforderungen des Arbeitsmarktes angepasst werden. Als Verbindungsknoten zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wurde das Unterschlesische Zentrum für Wissens- und Technologietransfer (DOTWIT) gegründet. Beispiele für die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind:

  • Die Kooperation zwischen der Universität Breslau und Haco-Lec S.A. und dem Forschungs- und Entwicklungszentrum Novasome im chemischen und biotechnologischen Bereich.
  • Die Zusammenarbeit zwischen der Technischen Universität Breslau und Volvo im Bereich Forschung und Ausbildung.
  • Die Kooperation zwischen der Wirtschaftsuniversität Breslau und dem IBM Global Services Delivery Centre Polska Spółka.

In Polen gibt es derzeit 14 Sonderwirtschaftszonen (SEZ), wobei die älteste SEZ im ostpolnischen Mielec bereits vor fast 20 Jahren eingerichtet wurde. Ursprünglich als wirtschaftsförderndes Instrument für die strukturell schwächeren Regionen im Osten Polens gedacht, konzentrierten sich die Investitionen jedoch rasch im wirtschaftlich stärkeren Westen, wie beispielsweise Kattowitz oder das etwa 65 km südwestlich von Breslau gelegene Waldenburg (Wałbrzych).

Die Wałbrzycher Sonderwirtschaftszone (Wałbrzych Special Economic Zone) besteht aus administrativ ausgegliederten Gebieten, in denen bestimmte Vergünstigungen für Unternehmen angeboten werden. Die WSEZ ist die sich am schnellsten entwickelnde Sonderwirtschaftszone in Polen und belegt laut dem fDi Magazine Ranking den 4. Platz in Europa und den 22. weltweit. Seit dem 01. Juli 2014 werden großen Unternehmen 25 Prozent, mittleren 35 Prozent und kleinen 45 Prozent Steuerbefreiungen angeboten. In der direkten Nähe zu Breslau befinden sich sechs Standorte der Sonderwirtschaftszone: Brzeg Dolny, Jelcz-Laskowice, Olesnica, Olawa, Wolow und Breslau selber. Die AHK Polen schätzt, dass rund 80 Prozent der Unternehmen in den niederschlesischen Sonderwirtschaftszonen aus Deutschland stammen.

Der Wałbrzych Special Economic Zone "INVEST - PARK" (WSEZ) wurde bereits 1997 eingerichtet und setzt sich aus mehr als 40 Teilbereichen (Subzones) auf über 2.200 ha Gesamtfläche zusammen. 26 dieser Teilbereiche befinden sich in der Woiwodschaft Niederschlesien.

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Allein im ersten Halbjahr 2014 wurden 65 Baugenehmigungen erteilt, 5.277 neue Arbeitsplätze geschaffen und über 5,242 Mrd. PLN Investitionsausgaben getätigt. Zu den größten Unternehmen mit Niederlassungen in der WSEZ zählen u. a. Toyota, IBM (IBM Global Delivery Centre Polska), Colgate und der deutsche Reifenhersteller Metzeler.

Deutlich wird die wichtige Stellung Breslaus auch hinsichtlich der Teilbereiche der Wałbrzych Special Economic Zone. Innerhalb Niederschlesiens befindet sich die größte Subzone im Zentrum des Clusters; innerhalb der gesamten Sonderwirtschaftszone kann nur Wreschen (Września) in der Woiwodschaft Großpolen eine noch größere Fläche vorweisen (358 ha). Die Standorte der WSEZ in direkter Clusternähe sind im folgenden Diagramm dunkelblau gekennzeichnet.

Der Wroclaw Technology Park (Wroclawski Park Technologiczny, WPT) befindet sich im westlichen Stadtgebiet Breslaus und richtet sich in erster Linie an FuE-intensive Unternehmen, die neue Technologien erforschen und einsetzen. Ziel ist es, das wissenschaftliche und industrielle Potenzial Breslaus und der gesamten Region noch besser nutzbar zu machen. Dazu wird im Park eine adäquate Infrastruktur zur Verfügung gestellt und Innovation, Industrie und Technologietransferfördernde Agenturen im Technology Park angesiedelt.

Mit dem Ziel, das Potenzial für Querschnittsaktivitäten in den Gebieten IT, Nano und Biotechnologie zu nutzen, wurde 2007 gemeinsam von den Universitäten sowie der Stadt- und Regionalverwaltung das EIT+ gegründet. Ziel und Aufgabe des EIT+ ist die Innovationsförderung durch Kooperation von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Derzeit wird unter Federführung des EIT+ der Pracze Campus ausgebaut, zusätzlich ist EIT+ Gründungspartner einer der sechs European Regional Innovation Communities (RICs), mit deren Hilfe die Entwicklung nachhaltiger und ökofreundlicher Technologien vor dem Hintergrund des Klimawandels gefördert werden sollen. Mithilfe des EIT+ entwickelte Technologien wurden bereits mehrfach für die Innovationsauszeichnung Brussels Innova nominiert.

Das Breslauer Programm Polish Champions unterstützt Unternehmen im Cluster bei der Erschließung neuer Märkte. Federführend involviert sind hier die Wroclaw Development Agency in Kooperation mit dem polnischen Wirtschaftsministerium und der Polnischen Agentur für Information und Auslandsinvestitionen sowie das Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers.

Das Wroclaw Academic Hub unterstützt die Kooperation zwischen Universitäten und Unternehmen im Sinne einer den Anforderungen des Arbeitsmarktes angepassten Bildungspolitik.

Die Knowledge and Innovation Community for Information and Communication Technologies zählt inzwischen über 80 Mitglieder, darunter multinationale Unternehmen wie Microsoft, Volvo und Siemens sowie lokale Forschungseinrichtungen und Universitäten.

Weitere wichtige Netzwerke im Cluster sind:

  • Network Nutribiomed Wroclaw (Biotechnologie, Medizin)
  • Mega-Nano Netzwerk (Erneuerbare Energien, 23 Mitglieder)
  • eHealth Poland (Medizin, IT)
  • Biotech (DCZT) (IT, Medizintechnik, Gesundheitswesen, Biotechnologie)
  • KGHM Cuprum (Rohstoffförderung)

Die Internetplattform Invest In Wroclaw ist ein Gemeinschaftsprojekt des Beratungsunternehmen JP Weber sowie der Agentur für die Entwicklung des Ballungsraums Wroclaw (Agencja Rozwoju Aglomeracji Wrocławskiej – ARAW). Auf der Internetseite werden aktuelle Wirtschaftsdaten der Region sowie juristische und steuerrechtliche Informationen angeboten.

An Kleine und Mittlere Unternehmen richtet sich der Lower Silesia Innovation Voucher, mit dem innovative Forschung finanziell unterstützt wird. Der Voucher hat dabei einen Wert von etwa 4.200 € und wird vom Wrocław Centre of Technology Transfer of the Wrocław Technical University ausgestellt, für die Förderungsphase 2012-2014 standen umgerechnet insgesamt 1,3 Mio. € zur Verfügung.

Deutsche Ansprechpartner im Cluster

Die Deutsch-Polnische Industrie- und Handelskammer (AHK) ist die größte bilaterale Kammer in Polen, in Breslau unterhält die AHK ein Regionalbüro. Als Ansprechpartner fungiert auch das Europa-Forum, ein Netzwerk mit überwiegend deutschen Unternehmen. Eine wichtige Rolle im deutsch-polnischen Dialog nimmt seit 2002 auch das Willy Brandt-Zentrum (WBZ) Breslau an der Universität Breslau ein. Das WBZ engagiert sich dabei mit Unterstützung des DAAD in Forschung, Lehre und Beratung.

Die medizinische Universität Wroclaw schloss im Oktober 2014 einen Kooperationsvertrag mit dem Städtischen Klinikum Görlitz: Praktikantinnen und Praktikanten sowie junge Ärztinnen und Ärzte sollen nun verstärkt ausgetauscht werden, zudem sind gemeinsame Forschungsprojekte geplant.

Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Breslau beherbergt knapp 30 öffentliche wie private Universitäten und Hochschulen mit ca. 143.000 Studierenden (rund ein Fünftel der Gesamtbevölkerung). 2013 gab es 1.400 Absolventen aus dem Fachbereich IT, 8.700 aus der Wirtschaft und 3.500 Maschinenbauer. Im Cluster finden sich derzeit insgesamt fünf internationale Schulen. Der überwiegende Teil der Studierenden in der Region Niederschlesien (86 Prozent) studiert in Breslau, der Anteil an der Summe aller eingeschrieben Studierenden in Polen liegt bei knapp einem Zehntel.

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Die größten Universitäten in Breslau

Universität

Zahl der Studenten

Zahl der Absolventen

Universität Breslau

31.500

8.600

Technische Universität Breslau

33.700

6.900

Wirtschaftsuniversität Breslau

16.100

3.900

University of Environmental and Life Science

10.800

2.300

Medical University

5.600

1.500

Andere

39.700

12.100

Insgesamt

137.400

35.300

Die Universität Breslau (Uniwersytet Wrocławski) – bereits 1702 gegründet – blickt wie die Stadt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Mit ca. 35.000 Studenten, rund 3.400 Mitarbeitern (davon über 420 Professoren) und zehn Fakultäten ist sie gemeinsam mit der Technischen Universität Breslau (Politechnika Wrocławska) die zentrale Hochschule im Cluster. Das Budget der Universität Breslau betrug 2012 366 Mio. PLN. 2001 wurde hier die Deutsch-Polnische Gesellschaft der Universität Wroclaw e. V. gegründet. Sowohl wissenschaftliche und kulturelle Projekte als auch der Austausch zwischen polnischen und deutschen Universitäten soll gefördert werden. Inzwischen zählt der Verein mehr als 500 Mitglieder.

Von zentraler Bedeutung für den Cluster ist auch die 1910 gegründete Technische Universität Breslau (Politechnika Wrocławska) mit ihren über 33.000 Studenten. Sie gehört zu den besten technischen Universitäten in Polen und wurde 2006 und 2007 als beste technische Universität Polens ausgezeichnet. Das Budget von 532 Mio. PLN bestreitet sie zu fast einem Drittel aus Auftragsforschung. Die TU Breslau verfügt u. a. über Fakultäten für Chemie, Elektrotechnik, Informatik und Management, Maschinenbau Energietechnik, Technische Naturwissenschaften sowie Mikrosysteme und Photonik.

Die Wirtschaftsuniversität Breslau (Wroclaw University of Economics) beherbergt ca. 18.000 Studenten. 1947 als private Handelshochschule gegründet, umfasst das Studienangebot heute 6 Fachrichtungen mit 47 Schwerpunkten. Insgesamt umfasst die Wirtschaftsuniversität vier Fakultäten: Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften, Regionalwirtschaft und Tourismus.

2001 gründete die TU Breslau in Kooperation mit der Technischen Universität Liberec in Tschechien und der Hochschule Zittau/Görlitz Hochschule für Technik, Wirtschaft und Sozialwesen die Neisse University. Im Rahmen dieses trilateralen Hochschulnetzwerks wird der Bachelor-Studiengang Information and Communication Management angeboten, der Studienort wechselt jährlich zwischen den drei teilnehmenden Universitäten.

Beschäftigte sowie Studenten in Breslau verfügen über gute Fremdsprachenkenntnisse, in ganz Polen ist der Anteil der Einwohner, die über mindestens eine Fremdsprache verfügen, innerhalb der letzten drei Jahre von 46 auf 52 Prozent gestiegen. Alleine an den drei größten Universitäten Breslaus (der Universität Breslau, der Technischen Universität Breslau und der Wirtschaftsuniversität Breslau) werden 34 Studiengänge in englischer Sprache angeboten. Unter den Breslauer Studenten ist Englisch die weiterbreiteste Fremdsprache (ca. 90 Prozent), direkt dahinter folgt Deutsch mit rund 45 Prozent.

Dabei verfügen viele Breslauer auch über Auslandserfahrung durch Auslandsaufenthalte und –Praktika: Ca. 56.000 absolvierten bereits ein Praktikum in einem ausländischen Unternehmen, rund 140.000 haben bereits im Ausland gearbeitet.

Generell zeichnen sich die Fachkräfte im Cluster durch eine hohe Mobilität aus: 30,8 Prozent der Beschäftigten haben bereits zeitweise in Deutschland, 18,8 in Großbritannien und 11,6 in den USA gearbeitet. Eine Studie des Personaldienstleisters HAYS Polen im Bereich Unternehmensdienstleistungen ergab, dass 85 Prozent der Beschäftigten bei einem attraktiven Angebot die Stadt wechseln würden. Laut einem Artikel in der Welt arbeiten dort mittlerweile auch viele Italiener und Spanier. Etwa zehn Prozent aller im Bereich BPO angestellten Arbeitnehmer sind Ausländer.

Entwicklungsdynamik

Als wichtigste Sektoren für die Entwicklung des Innovationspotenzials in Niederschlesien werden im Strategiedokument Regional Innovation Strategy for Lower Silesian Voivodeship for years 2011-2020 die Bereiche Chemie, Pharma, Automobilindustrie, Elektronikindustrie und IT identifiziert. Als mögliche zukünftige Stärkefelder werden Biolebensmittelproduktion, die Produktion moderner Materialien, Industriedesign, Unterhaltungselektronikindustrie und Maschinenbau genannt.

Nachdem die Laufzeit für die polnischen Sonderwirtschaftszonen im Jahr 2008 bis 2020 verlängert worden war, herrschte in letzter Zeit Unklarheit darüber, wie es über 2020 hinaus mit den SEZ weitergehen würde. Bereits seit 2011 wirkte sich diese Unklarheit auf die Investitionsvorhaben ausländischer Unternehmen in die SEZ aus, das Investitionsvolumen sank. Laut einer Befragung von Ernst & Young unter Investoren sind die in den SEZ verfügbaren Steuererleichterungen für 97 Prozent der Unternehmen der Hauptgrund dafür, in Polen zu investieren. Im Juli 2013 sind die Laufzeiten für die insgesamt 14 polnischen Sonderwirtschaftszonen bis zum 31. Dezember 2026 verlängert worden. Dass Polen seine Sonderwirtschaftszonen überhaupt anbieten kann, hängt auch damit zusammen, dass vor dem EU-Beitritt des Landes 2004 eine Sonderregelung bis 2020 ausgehandelt wurde – die Steuervergünstigungen für Unternehmen in Sonderwirtschaftszonen hätten laut Beitrittsvertrag sogar eigentlich schon 2011 entfallen müssen, da die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen mit EU-Recht nicht vereinbar ist.

Erst im Oktober 2014 beschloss die Stadt, im Förderungszeitraum 2014 bis 2020 Unternehmen in Breslau eine noch größere Ermäßigung auf ihre Grundsteuer zu gewähren. Vergünstigungen beziehen sich hierbei vor allen Dingen auf Mikro- und Kleinfirmen, die neue Technologien entwickeln oder neue Arbeitsplätze im Cluster schaffen. Gemeinsam mit der oben erwähnten Verlängerung der Laufzeit der Sonderwirtschaftszonen bleibt Breslau mittelfristig für Investoren interessant.

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