Kurzprofil

Das im brasilianischen Bundesstaat São Paulo gelegene Campinas wurde im Jahr 2000 offiziell zur Metropolregion Campinas (Região Metropolitana de Campinas, RMC) ernannt, welche sich über eine Fläche von rund 3.350 km² mit ca. 2,3 Mio. Einwohnern in 19 Gemeinden ausdehnt; die Stadt Campinas selbst hat 1,1 Mio. Einwohner auf 786 km².

Im gesamten Clustergebiet sind viele multinationale Konzerne aus allen Sektoren angesiedelt, zu diesen zählen Bosch, Bayer, BASF, Altana und Mercedes-Benz. Die Stärken von Campinas liegen in IKT, Automobilindustrie, Petro- und Agroindustrie.

Internationale Anziehungskraft

Die 1774 als Handelsposten gegründete Stadt Campinas liegt rund 100 km entfernt von São Paulo und gilt als eines der brasilianischen Zentren für Wissenschaft, Technologie und Innovation. Dieses Renommee rührt in hohem Maße aus der Ansiedlung einiger der größten brasilianischen Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationszentren: So meldet beispielsweise keine brasilianische Hochschule mehr Patente an als die Universität von Campinas (UNICAMP, siehe Kapitel "Bildung, Qualifikation und Fachkräfte"). Als Fremdsprachen sind Spanisch, Französisch und Englisch verbreitet.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der RMC liegt bei etwa 50 Mrd. USD (Campinas: 18,8 Mrd. USD), was ca. 7,9 Prozent des BIPs des Bundesstaats São Paulo und 2,3 Prozent des brasilianischen BIPs entspricht. Campinas ist zudem das viertgrößte Finanzzentrum Brasiliens.

Der Flughafen Viracopos ist ein internationaler Verkehrsflughafen und flächenmäßig das größte Luftfrachtzentrum in Südamerika, in dessen Ausbau im Rahmen der Investitionen für die Fussball-Weltmeisterschaft 2014 insgesamt 477 Mio. USD investiert wurden. Der Hafen von Santos, der größte in Lateinamerika, ist 178 km entfernt.

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Zwischen den drei südostbrasilianischen Metropolen Campinas, São Paulo und Rio de Janeiro ist eine Hochgeschwindigkeitszugverbindung geplant (die den Betrieb eigentlich schon 2014 – im Zuge der Fußballweltmeisterschaft – hätte aufnehmen sollen). Mit dem Trem de Alta Velocidade Rio-São Paulo werden Reisende für die Strecke von Campinas nach São Paulo nur noch 24 Minuten, von Rio nach São Paulo 80 Minuten benötigen. Rio de Janeiro, São Paulo und Campinas stehen – kumuliert – für 33 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts Brasilien (und für 20 Prozent der gesamten Bevölkerung).

Die wichtigsten Exportziele des Clusters sind Argentinien und die USA mit einem Anteil von 16 bzw. 13 Prozent. 2013 machten Investitionsgüter 33 Prozent, Zwischenprodukte ([Ersatz]teile, Industriebedarf sowie Nahrungsmittel und Getränke) sogar 48 Prozent des gesamten Exports aus.

Aus der Fortune 500 – Liste der größten Unternehmen der Welt haben sich inzwischen ca. 50 Unternehmen im Cluster niedergelassen. Weil Campinas eine aufgrund der Vielzahl von Akteuren und Institutionen sehr dynamische Region für Forschung, Entwicklung und Innovation ist und darüber hinaus eine – mit westlichen Technologiezentren vergleichbare – Dichte von Forschern in der Bevölkerung (sowie 20 technologische Forschungszentren und mehr als 400 wissenschaftliche und technologische Veranstaltungen pro Jahr) aufweisen kann, wird es verschiedentlich auch als das "brasilianische Silicon Valley" (z. B. im WIRED, Juli 2000, sowie FORBES, Dezember 2013) bezeichnet, wenngleich auch das südlicher, auf der Insel Ilha de Santa Catarina, gelegene Florianópolis diese Bezeichnung für sich beansprucht.

Aufgrund der hohen Nachfrage sind die Leerstandsquoten von Bürogebäuden in Campinas derzeit recht niedrig. Im Cluster gelten die höchsten Hygiene-Standards und die höchste Stromversorgungsqualität im gesamten Bundesstaat. Außerdem werden steuerliche Anreize (eine Zusammenstellung der wichtigsten brasilianischen Steuern findet sich hier) geboten, wie etwa:

  • eine auf zwei Prozent reduzierte Dienstleistungssteuer,
  • eine Verminderung der Grundsteuer (real estate tax) von 30 bis 50 Prozent,
  • ein fünfzigprozentiger Erlass der Vermögenssteuer,
  • sowie die Befreiung von diversen Gebühren.

Anhand von Delegationsreisen nach Campinas und intensivierter Kooperationsbestrebungen chinesischer Akteure aus Politik und akademischer Welt wird deutlich, dass der Cluster auch für China inzwischen gesteigerte Attraktivität besitzt. So wurde beispielsweise erst kürzlich ein Konfuzius-Institut (bedingt vergleichbar mit dem Goethe-Institut) an der UNICAMP eingerichtet, wohin auch eine Abordnung der Tianjin-Universität im November 2014 reiste, eine Delegation aus dem südostchinesischen Dongguan besuchte Campinas im Sommer 2013.  Das Canadian Bureau for International Education (CBIE) sowie die Association of Universities and Colleges of Canada (AUCC) organisierte gemeinsam mit 14 kanadischen Universitäten eine Delegationsreise nach Brasilien (und Campinas). Der Cluster taucht in der 2013 Top 100 outsourcing destinations des Beratungsunternehmens Tholon auf.

Thematische Stärkefelder

Bis in die siebziger Jahre war die Campinas-Region in erster Linie landwirtschaftlich geprägt und konnte daneben allenfalls noch einen nennenswerten Dienstleistungs- und Handelssektor aufweisen. Heute liegen die Stärken des Clusters in IKT, Automobilindustrie, Petro- und Agroindustrie.

Die 1966 errichtete Universidade Estadual de Campinas (eher geläufig unter der Verkürzung ‚UNICAMP‘, siehe Kapitel „Bildung, Qualifikation und Fachkräfte“) und die damit verbundene Verfügbarkeit hochqualifizierter Forscher, Ingenieure und Studenten in den Bereichen Physik, Elektrotechnik, Computerwissenschaft, Mathematik, Maschinenbau sorgten dafür, dass Hightech-Unternehmen nun begannen, sich im Cluster anzusiedeln und, wie bspw. im Fall von IBM, FuE-Zentren zu errichten. Die Stadtverwaltung von Campinas begann dann – u.a. durch den Bau von CIATEC I und II (Companhia de Desenvolvimento do Pólo de Alta Tecnologia de Campinas), Industriezonen in unmittelbarer Nähe des Campus im Stadtteil Barão Geraldo – wachstums- und beschäftigungsfördernde Maßnahmen zu forcieren. Ein zweiter wichtiger Faktor war die Errichtung des Center for Research and Development (CPqD) durch Telebras, ein Forschungszentrum im Bereich IKT.

Laut dem Ministério do Trabalho e Emprego (MTE) konzentrieren sich heute 72 Prozent aller brasilianischen IKT-Dienstleistungsunternehmen sowie vier Prozent aller IKT-Dienstleistungsarbeitsplätze in Campinas. Bezüglich des Segments Datenverarbeitung und Online-Inhalte liegt der Anteil der Arbeitsplätze in Campinas bei 14 Prozent. In der Metropolregion Campinas (RMC) sind rund 60 Prozent der Haushalte mit Internetzugang ausgestattet; die Nachfrage nach Internetanschlüssen steigt derzeit jährlich um rund 30 Prozent.

Der Cluster verfügt über eine große Automobilbranche: Zu den im Sektor wichtigsten Unternehmen zählen General Motors, Mercedes-Benz, Honda, Toyota, Magnetti Marelli, Eaton Corporation, Tenneco, Bosch und Valeo.

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Der Bundesstaat São Paulo, in dem der Cluster Campinas liegt, ist derjenige Bundesstaat, in dem sich mit Abstand die meisten Automobilteil-Zulieferer angesiedelt haben (siehe Diagramm).

Das Agribusiness in Campinas ist eng mit der Ethanolherstellung verbunden. So wurde auch das brasilianische Ethanol-Programm in Campinas entwickelt: Die Forschungseinrichtungen (beispielsweise das Zentrum für Bioethanol-Forschung (CTBE)) und Unternehmen der Region waren sowohl für den Boom des Biokraftstoffs in den achtziger Jahren als auch für den Aufschwung ab 2003 verantwortlich.

Die Metropolregion ist des Weiteren ein wichtiger Standort für die Petroindustrie. Mit einer Fördermenge von über 360.000 Barrel pro Tag befindet sich die von Petrobras betriebene Paulínia REPLAN Refinery – eine der größten Raffinerien Lateinamerikas – in unmittelbarer Nähe zum Cluster und ist Grund für die Ansiedlung einer Vielzahl petrochemischer Unternehmen wie zum Beispiel DuPont, Rhone-Poulenc, and Royal Dutch Shell.

Campinas kann zusätzlich eine beachtliche Pharmaindustrie vorweisen; Unternehmen wie Medley Farma, EMS Farma, Altana, Merck Sharp and Dohme haben hier Standorte. Zudem ist der Cluster zweitwichtigstes Zentrum für Biotechnologie im Bundesstaat, direkt nach der Bundeshauptstadt São Paulo (siehe Diagramm).

Zu den herausragendsten Innovationen im Cluster gehören zum Beispiel:

  • Glasfasertechniken für Telekommunikation und medizinische Anwendungen
  • Design und Fertigung integrierter Schaltkreise
  • Satellitengestützte Umweltbeobachtung natürlicher Ressourcen
  • Softwaresysteme für die Landwirtschaft
  • Digitale Telefonvermittlungssysteme
  • Tiefwasser-Erdölexplorationsanlagen und -Technologien
  • Biomedizinische Geräte
  • Medizinische Software
  • Produktion von gentechnisch veränderten Lebensmitteln

Akteure und Netzwerke

Das unabhängige, 1976 gegründete Telecommunication Research and Development Center (Centro de Pesquisa e Desenvolvimento em Telecomunicações, CPqD) betreibt Forschung im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie und ist wesentlicher Akteur im Cluster; 2000 eröffnete das Zentrum eine eigenständige Dependance im Silicon Valley. Beim Technology Park of Campinas handelt es sich um ein mit dem CPqD assoziierten Technologiepark.

Das Agronomical Institute of Campinas (IAC; Instituto Agronômico de Campinas) ist eine Forschungseinrichtung, die an die São Paulo Agency of Agrobusiness Technology (Agência Paulista de Tecnologia dos Agronegócios, APTA) angegliedert ist. 1887 gegründet, ist sie die älteste Forschungseinrichtung mit landwirtschaftlichem Schwerpunkt in Lateinamerika. Das IAC sieht seine Aufgabe in der Erforschung und der Transferierung von Wissen und Technologie im Bereich Landwirtschaft sowie verwandten Themenfeldern, um die Pflanzenproduktion im Sinne einer nachhaltigen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung zu verbessern. Die Forschungsschwerpunkte liegen in landwirtschaftlicher Forschung, Phytotechnologie und Pflanzenverbesserung, Boden- und Klimaverhältnissen, Agrartechnik sowie den Biowissenschaften. Das IAC leistete unter anderem Pionier-Arbeit auf dem Feld der satellitenbasierten Fernerkundung vor dem Hintergrund landwirtschaftlicher Anwendungen und etablierte das Brazilian System of Geographic Information (SGI).

Das Food Technology Institute (Instituto de Tecnologia de Alimentos, ITAL) wurde 1963 als Zentrum für Tropenforschung und Lebensmitteltechnologie gegründet und forscht heute mit Schwerpunkt auf Lebensmittel- und Getränkesicherheit sowie Verpackungstechnologie.

Im Rahmen der wissenschaftlichen und technischen Kooperation zwischen ITAL und dem Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (Fraunhofer IVV) wurde 2012 das Fraunhofer Project Center for Innovations in Food and Bioresources at ITAL eingerichtet. Das von der Regierung São Paulos finanzierte Gebäude verfügt über insgesamt fünf Labore. Die Forschung konzentriert sich auf vier Themenschwerpunkte:

  • Energie und Nutzung von biogenen Rohstoffen für technische Applikationen und Materialentwicklung
  • Innovation in Folien und Verpackungsmaterialien
  • Verfahrensentwicklung für gesunde und funktionelle Lebensmittel- und Lebensmittelzutaten
  • Lebensmittelqualität und sensorische Aspekte

Die Forschungsschwerpunkte des Renato Archer Information Technology Centers (Centro de Tecnologia da Informação Renato Archer, CTI) liegen in der Elektronik, der Mikroelektronik und 3D-Software für Industrie- und Medizinanwendungen.

Ein großer Teil der technologischen Stärke des Clusters ist CIATEC (Development Company of Campinas High Technology Pole, Companhia de Desenvolvimento de Pólo de Alta Tecnologia de Campinas) zu verdanken. CIATEC wurde 1985 mit dem Ziel, Campinas zu einem technologischen Zentrum Brasiliens auszubauen, gegründet und ist zu fast 100 Prozent im Besitz der Stadtverwaltung von Campinas (Prefeitura Municipal de Campinas). Das Unternehmen organisiert die Ansiedlung und Vernetzung von Hightech-Industrie in Campinas und hat zu diesem Zweck zwei Technologieparks gegründet, in denen ausschließlich Unternehmen und Hochtechnologie angesiedelt und unterstützt werden. Im 800.000 Quadratmeter großen "Park 1" haben sich bereits Unternehmen wie Air Liquide, Tecnometal, Cyclobras, Comaq und Planifer niedergelassen. Auch in "Park 2" haben sich inzwischen einige technologieorientierte Unternehmen und Institutionen angesiedelt, wie etwa Northern Telecom (150 Beschäftigte), Eldorado Instituto de Pesquisa (450) oder Global Tech (Hewlett Packard / Venturus; 600 Beschäftigte). Neben steuerlichen Erleichterungen stellt CIATEC Grundstück, Wasser, Strom, Breitband-Internetzugang und Konferenzräume zur Verfügung. Zusätzlich werden junge Unternehmen mit Beisitzern in der Geschäftsführung und anderen Managementhilfen unterstützt. Verschiedene multinationale Unternehmen sind inzwischen sogar aus größeren Metropolregionen abgewandert, um Standorte in von CIATEC verwalteten Projektflächen zu eröffnen. Zu diesen gehören beispielsweise BASF, Toyota, TetraPak, Dell, Honda, Ambev, Hewlett Packard, Medley, Bosch und Unilever.

CIATEC ist darüber hinaus an der Planung und Umsetzung von wissenschafts- und technologiepolitischen Fragen beteiligt und koordiniert die Anwerbung und –siedlung wissenschaftlicher und technologischer Forschungsunternehmen in die beiden Parks. Gleichzeitig fungiert CIATEC als Inkubator für Technologie-Startups im Cluster und unterstützt diese u. a. in rechtlichen und finanziellen Belangen bzw. agiert als Mittler zwischen Unternehmen und Finanzierungsagenturen wie etwa FAPESP (Foundation for Research Support of the State of São Paulo), FINEP (Studies and Projects Financer) oder CNPq (National Council of Scientific and Technological Development). CIATEC unterhält darüber hinaus strategische Kooperationsbeziehungen mit SEBRAE (Brazilian Service of Support to Micro and Small-Size-Enterprises), Forschungszentren und verschiedenen Universitäten. Die Realisierung eines dritten CIATEC-Parks ist derzeit noch in der Planungsphase.

Der Unicamp Science and Technology Park (Parque científico e tecnológico da UNICAMP) wird von der Inova Unicamp Innovation Agency verwaltet und verfügt über eine Entwicklungsfläche von ca. 100.000 m². Unter den bereits angesiedelten Unternehmen im Park finden sich beispielsweise IBM und Samsung. Lenovo hat den Bau eines neuen FuE-Zentrums (Investitionsvolumen: 100 Mio. USD) im Park angekündigt, das vorausichtlich 100 neue Arbeitsplätze schaffen wird. Weitere Industrie- und Technologieparks im Cluster sind etwa Softex, TechnoPark, InCamp, Polis, TechTown, Industrial Park of Campinas.

Die Inova Unicamp Innovation Agency ist speziell für die Verwaltung und Kommerzialisierung des Wissens und Knowhows der UNICAMP zuständig, wirbt Forschungsaufträge ein und unterstützt in Form des Gründerzentrums Incamp Unternehmensgründungen im Umfeld der Universität. Zusätzlich leitet die Inova Unicamp Innovation Agency den Unicamp Science and Technology Park.

Das Secretariat of International Cooperation (SMCI) wurde 1994 eingerichtet und befindet sich im Rathaus von Campinas. Die Ziele des SMCI liegen in der Anwerbung und Förderung neuer Investitionen nach Campinas, im Ausbau der Aktivitäten der bereits angesiedelten Unternehmen sowie in der Aufrechterhaltung und Pflege der internationalen Beziehungen der Stadt.

Die 1987 gegründete Anprotec – Brazilian Association of Science Parks and Business Incubators (Associação Nacional de Entidades Promotoras de Empreendimentos Inovadores) vereint derzeit etwa 280 Mitglieder, darunter Inkubatoren, Wissenschaftsparks, Bildungs- und Forschungseinrichtungen und staatliche Stellen.

Das 2010 gegründete National Center for Research in Energy and Materials (Centro Nacional de Pesquisa em Energia e Materiais CNPEM) agiert als administratives Dach für vier nationale brasilianische Forschungszentren:

Weitere Institutionen und Einrichtungen (oder technologische Zentren und Verbände) im Cluster sind:

Das Von Braun Center (offiziell: Wernher von Braun Center for Advanced Research, Centro de Pesquisas Avançadas) ist eine private Forschungseinrichtung mit Sitz in Campinas. Das Zentrum bietet wissenschaftlich-technologische Dienstleistungen an.

Die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer São Paulo (AHK São Paulo) hat u.a. das Ziel, den bilateralen Handel zu stärken und fungiert – aufgrund der geographischen Nähe – auch als Ansprechpartner für Kooperationsinteressierte und Interessierte im Cluster Campinas. Auch das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) São Paulo ist im Gebäude der AHK untergebracht.

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Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Campinas besitzt auch hinsichtlich seiner Bildungslandschaft internationales Renommee. Im Cluster sind rund 5.000 Studierende in IKT-assoziierten Fächern eingeschrieben, 16 Prozent der Einwohner haben einen Hochschulabschluss.

Die Universidade Estadual de Campinas (UNICAMP) ist eine 1962 gegründete, öffentliche Universität mit Hauptcampus in Barão Geraldo, einem Stadtteil von Campinas (sowie weiteren Campussen in Limeira, Piracicaba und Paulínia). Die Universität mit ca. 37 Tsd. Studenten und 20 Fakultäten repräsentiert ca. 15 Prozent der gesamten brasilianischen Forschungsleistung und weist die höchste Zahl an Patenten aller brasilianischen Universitäten auf. Im Times Higher Education 2013-2014 World University Ranking belegt die Hochschule einen Platz im Bereich der Plätze 301-350 und ist dabei sowohl in Brasilien als auch in ganz Lateinamerika die am zweitbesten platzierte Universität. In der Rangliste Top 100 Under 50, in der die 100 besten Universitäten, die jünger als 50 Jahre sind, gelistet werden, belegt UNICAMP einen Platz unter den besten 50. Im SCImago Institutions Ranking 2014, in dem die Zitationshäufigkeit wissenschaftlicher Journale verglichen wird, belegt die Hochschule den dritten Rang in Brasilien und den sechsten Rang in Südamerika.

Die Hochschule legt in den letzten Jahren verstärkt Wert auf Internationalisierung; einerseits ist dies ablesbar an den gestiegenen Zahlen von ausländischen Studierenden (siehe Diagramm), zum anderen an Kooperationsvereinbarungen mit anderen renommierten Hochschulen wie etwa den Universitäten von Tokio, Manchester, Berkeley oder Yale.

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Im Februar 2013 wurde die Einrichtung eines Konfuzius-Instituts an der UNICAMP beschlossen. Die Universität war auch nationale Vorreiterin im Bereich der Kooperationen zwischen Universitäten und der Privatwirtschaft. Empresa Junior ist ein an UNICAMP angegliedertes (und von Studenten betriebenes und Professoren betreutes) Beratungsunternehmen, das Partnerschaften mit Natura und Unilever unterhält.

Die zweitgrößte Universität ist die private Päpstliche Katholische Universität von Campinas, Pontifícia Universidade Católica de Campinas (PUC Campinas). Hier werden ca. 20.000 Studenten von ca. 2.500 Professoren und Dozenten unterrichtet. Die Hochschule hat Fakultäten für Wirtschaftswissenschaften und Business Administration (CEA), Mathematik, Umwelt und Technologie (CEATEC), angewandte Human- und Sozialwissenschaften (CCHSA) sowie für Sprache und Kommunikation (CLC).

Weitere Universitäten und Hochschulen im Cluster sind:

  • Universidade Paulista (UNIP)
  • Universidade São Francisco (USF)
  • Universidade Salesiana (UNISAL)
  • Faculdades de Campinas (FACAMP)
  • Faculdade Comunitária de Campinas (FAC)
  • Faculdade Politécnica de Campinas (POLICAMP)
  • Faculdade Metropolitana de Campinas (METROCAMP)
  • Escola Superior de Administraçaõ de Marketing (ESAMC)
  • Instituto Paulista de Ensino e Pesquisa (IPEP)
  • Instituto Brasileiro de Tecnologia Avançada (IBTA)

Entwicklungsdynamik

Im Vergleich zum Silicon Valley ist das Investitionsvolumen im Clusterinsbesondere bzgl. Startups und Technologieunternehmen -  noch recht gering. Die Cluster-Akteure versuchen dies durch Vernetzung und Förderung – beispielsweise durch die Campinas Startup Association – zu verbessern.

Ein Standortvorteil des Clusters gegenüber dem um ein Vielfaches größeren São Paulo sind die etwas niedrigeren Lebenshaltungskosten bei gleichzeitig höherer Lebensqualität durch beispielsweise (bislang) geringere Kriminalitätsraten, so dass der Cluster – in Verbindung mit den exzellenten Bildungseinrichtungen wie etwa der UNICAMP auch in Zukunft für Studenten aus dem Süden Brasilien attraktiv bleiben wird.

Naturkatastrophen bzw. Dürre spielen im Entwicklungspotenzial des Clusters eine Rolle: Während einige Stadtteile von Campinas insbesondere im Sommer von Überschwemmungen bedroht sind, wurde das Frühjahr 2015 eher von dramatischem Wassermangel im gesamten Bundesstaat São Paulo bzw. im Süden Brasilien geprägt. Zwar verfügt der Norden des Landes über genügend Trinkwasserreserven, jedoch ist es technisch bislang nicht möglich, diese in den Süden zu transferieren, weshalb dieser Teil des Landes nach wie vor auf Regenwasser angewiesen ist.

Als einer der BRIC-Staaten blickte Brasilien im Laufe der letzten Jahrzehnte auf ein bemerkenswertes wirtschaftliches Wachstum zurück, das sich seit 2013 jedoch verlangsamt hat. Das politische und soziale Klima hat sich eher verschlechtert: Sichtbar wird dies anhand des Korruptionsskandals im Zusammenhang mit dem halbstaatlichen Mineralölunternehmen (auch im Cluster vertretenen) Petrobras, in den offenbar selbst Spitzenpolitiker verstrickt sind und der, nach Ansicht der ZEIT, "das Land lähmt." Wichtige Reformen lassen noch auf sich warten, ausländische Investoren verhalten sich abwartend.

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