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Energie- und Meerestechnik Südwestnorwegen

Der Südwesten Norwegens hat eine lange Tradition als Zentrum der Energie- und Meerestechnik. Die Region erstreckt sich rund um die südliche und westliche Küste Norwegens, in den Städten Bergen, Kristiansand und Ålesund. Zusammen mit dem für die Ölindustrie zentralen Standort Stavanger leben alleine in den bedeutsamen Städten der Region mehr als eine halbe Million Einwohner. Im Zuge der Entdeckung von Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee in den 1960er Jahren hat sich die Region um die Städte Stavanger, Bergen und Kristiansand in den folgenden 50 Jahren kontinuierlich zu einem weltweit führenden Standort in diesem Sektor entwickelt. In den letzten Jahren wirken die Akteure den sinkenden Förderquoten durch zunehmende internationale Vernetzung und technologische Innovationen entgegen. Die drei „Global Centres of Expertise” (GCE), GCE Blue Maritime, GCE Ocean Technology (vorher: GCE Subsea) und GCE Node, sind die starken Cluster der Region in den Bereichen Öl- und Gasindustrie sowie in der Unterwassertechnologie und Meerestechnik.

Die Bedeutung der Region für Norwegen, dem laut Human Development Report fortschrittlichsten Staat der Erde (2018), lässt sich am Bruttoinlandsprodukt erkennen. Die Ölindustrie und verwandte Sektoren waren 2018 für 21 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. Der Staatliche Pensionsfonds Ausland / Ölfonds (Statens pensjonsfond utland oder Oljefondet), der aus den Einnahmen der Ölindustrie gespeist wird und der den Wohlstand des Landes sichern soll, verfügt mittlerweile über mehr als eine Billion US-Dollar (Stand Oktober 2019). Ebenfalls stark in der Region ist die Maritime Industrie, die einen Anteil von knapp 7% am Bruttoinlandsprodukt hat (2014).

Deutschland ist neben Schweden und Großbritannien der wichtigste Haupthandelspartner Norwegens: 2018 gingen knapp 16 Prozent der norwegischen Exporte nach Deutschland und Importe stammten zu ca. 10 Prozent aus Deutschland.

Seit Juli 2017 ist das Norwegian Research Center (NORCE) als Zusammenschluss vieler regionaler Forschungsinstitute und mit rund 1.000 Mitarbeitern eines der größten, unabhängigen Forschungsinstitute des Landes. Neben seinem Sitz in Bergen ist das NORCE in 10 weiteren Büros an den norwegischen Küsten vertreten, darunter auch in Südwestnorwegen mit Büros in Haugesund, Randaberg (bei Stavanger), Stavanger, Kristiansand und Grimstad. Die Forschungsgebiete sind Klima, Energie, Umwelt, Gesundheit, Gesellschaft und Technologie. Dabei zählen die University of Bergen, die University of Stavanger und die University of Agder in Kristiansand zu den größten Stakeholdern des NORCE. Das Research Centre arbeitet mit internationalen Partnern zusammen, darunter in verschiedenen Projekten auch mit deutschen Universitäten (z. B. im Projekt SELFIE mit der TU Berlin).

Bergen ist mit etwa 280.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Norwegens. Neben der Erdöl- und Gasindustrie prägen der große Seehafen und die damit verbundene traditionsreiche Fischerei- und Werftindustrie die lokale Wirtschaft. Weitere wichtige Wirtschaftsfaktoren sind die Aquakultur und der Tourismus. In der Stadt gibt es an der Universität Bergen (18.000), der Western Norway University of Applied Sciences (16.000) und der Norwegischen Handelshochschule (3.400) insgesamt knapp 40.000 Studierende. Die Stadt ist zudem Sitz des Clusters GCE Ocean Technology, das unter anderem mit dem deutschen Subsea Monitoring Network zusammenarbeitet. Zu den Mitglieder des Clusters zählt auch das deutsche Unternehmen Kuehne + Nagel (mit Standorten u. a. in Bergen, Kristiansand, Stavanger und Ålesund). Der Erdöl- und Erdgas-Produzent Wintershall Dea ist ein weiteres Beispiel für ein deutsches Unternehmen mit Niederlassung in Bergen (und Stavanger).

Stavanger bildet mit seinen über 130.000 Einwohnern zusammen mit der 15 km südlich gelegenen Stadt Sandnes das wirtschaftliche Zentrum der Region. In Stavanger haben vier internationale Ölunternehmen ihren Sitz, u. a. das zu 67 Prozent staatliche Unternehmen Equinor ASA (vorher Statoil), das mit mehr als 20.000 Mitarbeitern einer der wichtigsten Arbeitgeber des Landes ist. Außerdem sitzen zahlreiche staatliche Organisationen in Stavanger. Hierzu zählen Petoro, das Norwegian Petroleum Directorate (NPD) oder die Petroleum Safety Authority Norway. In der Region Stavanger sind vor allem die Energiebranche, z. B. mit der internationalen Energiemesse ONS, und Technologien in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Sicherheit von Bedeutung. Zudem befinden sich in der Region verschiedene Netzwerke und Cluster, u. a. in den Bereichen Smart City, Offshore Wind, Robotik und Automation.

Die Universität Stavanger, an der etwa 12.000 Studierende eingeschrieben sind, kooperiert sowohl mit Unternehmen in der Region als auch mit dem NORCE Forschungszentrum. Auch auf internationaler Ebene arbeitet die Universität mit verschiedenen Partnern zusammen, so zum Beispiel seit November 2019 im Rahmen des European Consortium of Innovative Universities (ECIU) mit zehn europäischen Universitäten aus zehn verschiedenen Staaten, darunter mit der TU Hamburg.

Wie Bergen hat sich auch Kristiansand (ca. 90.000 Einwohner) an der Südspitze Norwegens aus seiner maritimen Tradition heraus zu einem wichtigen Standort der Öl- und Gasindustrie entwickelt. Zudem ist die Stadt Sitz des GCE Node, einem Cluster für Meerestechnologie das mit verschiedenen internationalen Partnern zusammen arbeitet. Neben der maritimen und Öl-Industrie sind in der Region auch die Prozessindustrie, zusammengeschlossen im Norwegian Center of Expertise Sustainable Process Industry (NCE Eyde), die IT-Branche (s. auch IT-Cluster Digin), die Tourismusbranche und die Gesundheitsbranche von zentraler Bedeutung für die Region. In der Stadt befindet sich außerdem ein Campus Universität Agder, an der knapp 13.000 Studierende eingeschrieben sind.

In der Provinz Møre og Romsdal, die das Cluster GCE Blue Maritime beheimatet, leben über 265.000 Menschen in 35 Kommunen. Ålesund ist mit knapp 48.000 Einwohnern die größte Stadt und Sitz des GCE-Clusters. Über 25.000 Beschäftigte, also rund 10 Prozent der Bevölkerung der Provinz Møre og Romsdal, arbeiten in der maritimen Industrie. Die norwegische maritime Industrie wird zum Beispiel über die Deutsch-Norwegische Handelskammer mit der maritimen Industrie in Norddeutschland vernetzt.

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