Kurzprofil

Die westfranzösische Region Bretagne besteht aus den Départements Côtes-d'Armor, Finistère, Ille-et-Villaine und Morbihan. Hauptstadt der Region ist Rennes (207.000 Einwohner), ein bedeutender Industrie- und Handelsstandort im Départment Ille-et-Vilaine; ein weiterer zentraler Ort ist die Hafenstadt Brest (140.000 Einwohner) in der westlichen Bretagne.

Brest ist gleichzeitig das Zentrum des maritimen Cluster Pôle Mer Bretagne, der 2005 im Rahmen des französischen Clusterprogramms Pôles de compétitivité etabliert wurde und dessen Schwerpunkt in der maritimen Industrie liegt. Die Pôles des compétitivité (Wettbewerbspole) sind regional und thematisch ausgerichtet, werden staatlich gefördert und verbinden Akteure entlang der Wertschöpfungskette. Seit 2008 ist Brest zentraler Standort eines von zwei offiziellen Pôles de compétitivité im Bereich der maritimen Technologien, neben dem Standort Provence-Alpes-Côte d'Azur (PACA). In der gesamten Bretagne leben ca. 4,5 Mio. Menschen.

Weitere wichtige Stärken der Region liegen in IKT, der Automobil- sowie der Agrar- und Lebensmittelindustrie.

Internationale Anziehungskraft

Das vorliegende Clusterporträt fokussiert sich auf den maritimen Cluster Pôle Mer Bretagne. Durch die Lage Brests im Zentrum dieses Clusters profitiert die Stadt von spezifischen Standortvorteilen: Die Hafenstadt liegt unmittelbar an der tief ins Land ragenden Bucht Rade de Brest und bietet als bedeutendster Marinestützpunkt Frankreichs einen attraktiven Standort für maritime Technologien und Schiffbau.

Nachdem die Region lange Zeit als das "Armenhaus" Frankreichs galt, siedelten sich mithilfe von staatlichen Fördermaßnahmen besonders in den Küstenregionen Industrieunternehmen an, das Binnenland der Region ist jedoch nach wie vor agrarisch geprägt.

Mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 0,78 Prozent in den letzten fünf Jahren gilt die Bretagne inzwischen als eine der prosperierendsten Regionen Frankreichs. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Region beträgt 66,8 Mrd. EUR und kann damit einen Anteil von 4,8 Prozent am nationalen BIP vorweisen. Folgende Rankings geben Aufschluss über die internationale Anziehungskraft des Clusters:

  • Die Bretagne-Region platzierte sich in der Studie European Cities & Regions of the Future 2014/15 des fDi-Intelligence-Magazins in der Kategorie Top10 Mid-Sized European Regions – Infrastructure auf Platz 7.
  • Im Index régional de l'innovation der Agentur Bretagne Développement Innovation (BDI) von 2012 erreichte der Cluster gute Platzierungen: Nr. 1 im Bereich der Agrar- und Nahrungsmittelindustrie sowie im Bereich Meereswissenschaft und –Technologie.
  • Die Region Bretagne ist die fünftgrößte Industrieregion in Frankreich: Zu den bekanntesten internationalen Unternehmen mit Niederlassungen im Cluster zählen Canon, Nestlé u. a.
  • Aufgrund der sehenswerten Landschaft und der einzigartigen Kultur ist die Bretagne das zweitbeliebteste Reiseziel in Frankreich mit 14 Mio. Touristen jährlich.

Bezüglich ausländischer Direktinvestitionen (FDI) verfügt der Cluster noch über Entwicklungspotenzial: Wie im Annual Report 2013 – Job-Creating Foreign Investment in France der Wirtschaftsförderungsagentur Invest in France deutlich wird, konzentrieren sich FDIs zuvorderst auf die Sektoren Lebensmittelproduktion, Landwirtschaft und Fischerei. Der Anteil der ausländischen Unternehmen am regionalen Umsatz beträgt rund sieben Prozent (zum Vergleich: In der Region Île de France sind es 26 Prozent). Eine detaillierte Karte mit deutschen Investitionen gegliedert nach Wirtschaftssektoren findet sich auf der Webseite der Wirtschaftsförderagentur Invest in Bretagne.

Es bestehen derzeit internationale Partnerschaften innerhalb verschiedener Forschungs- bzw. Kooperationsprojekte zu Clustern und Organisationen in:       

Der Cluster ist darüber hinaus u. a. in folgende europäische Cluster-Netzwerke eingebunden:

12 km nordöstlich von Brest befindet sich der Aéroport Brest-Bretagne, an dem jährlich rund 1 Mio. Passagiere abgefertigt werden. Von Deutschland aus wird Brest von Air France bspw. über Paris-Charles-de-Gaulle angeflogen. Für das Jahr 2016 ist ferner die Inbetriebnahme einer TGV-Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Paris und der Bretagne geplant – die Bahnreise von der Hauptstadt bis nach Rennes wird dann nur noch 1 ½ Stunden, nach Brest und Quimper jeweils 3 Stunden dauern.

Am südlichen Stadtrand in der Bucht von Brest befindet sich der Port de Brest (Hafen von Brest), an dem jährlich rund 3 Mio. t Frachtgut umgeschlagen werden. Im Rahmen eines Investitionsprojekts in Höhe von 160 Mio. EUR wird der Hafen derzeit umgebaut, um dem Aufbau und Betrieb von Offshore-Windanlagen, Gezeitenkraftwerken und Energieindustrie ab 2016 zu genügen (u. a. durch den Bau eines zusätzlichen 350 m langen Kais). Der Port de Brest ist sowohl im Bereich der Wartung der französischen Flotte als auch der Reparatur ziviler Schiffe der führende Hafen in Frankreich.

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Thematische Stärkefelder

Die Bretagne ist die fünftgrößte Industrieregion Frankreichs mit mehr als 11.500 Unternehmen in den Stärkefeldern Maritime Industrie, IKT, Automobilindustrie sowie Lebensmittelwirtschaft. Bezüglich der Beschäftigtenzahlen dominiert nach wie vor die Lebensmittel- und Agrarindustrie mit ca. 80.000 Beschäftigten, der IKT-Sektor kommt ungefähr auf die Hälfte (42.000), danach folgen die Automobilindustrie (20.000) und die maritime Industrie (15.500).

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3.1 Maritime Industrie

Die französische Schiffbauindustrie erzielt jährlich einen Umsatz von ca. 10 Mrd. EUR und steht für insgesamt ca. 70.000 Arbeitsplätze; damit belegt sie weltweit den sechsten, europaweit den zweiten Rang. Im Pôle Mer Bretagne konzentrieren sich rund 15 Prozent der französischen Schiffsindustrie (15.371 Beschäftigte). Ferner konzentrieren sich 50 Prozent der gesamten französischen Meeresforschung im Cluster.

Die sechs identifizierten strategischen Felder (Six Domaines d'Actions Stratégiques) des Pôle Mer Bretagne liegen in der Sicherheit des Seeverkehrs, dem Schiffs- und Freizeitbootsbau, Meeresenergie und Bodenschätze, Biologische Meeresschätze, Umwelt- und Küstenplanung und -Entwicklung sowie Hafeninfrastruktur und Seeverkehr.

Innerhalb des Pôle Mer Bretagne beschäftigt sich ein Kompetenzzentrum bspw. mit der Entwicklung von elektrisch angetriebenen Fischerbooten, die mithilfe von Brennstoffzellen mit Energie versorgt werden. Im Rahmen des FILHyPyNE-Projekts soll ein 12 m langes Fischerboot mit einem Elektromotor ausgestattet werden, ab 2018 sollen rund 200 Exemplare pro Jahr produziert werden.  

3.2 Weitere Stärkefelder  

Die Bretagne ist die zweitwichtigste Region Frankreichs im Bereich IKT nach der Île de France: in der Bretagne konzentrieren sich über 800 Unternehmen mit insgesamt ca. 42.000 Beschäftigten, allein über 3.500 Forscher im IKT-Bereich. 35 Prozent der französischen IKT-Forschung findet in der Bretagne statt. Der Pôle de Compétitivité Images et Réseaux (deutsch: Bilder und Netzwerke) vereint Organisationen aus der Bretagne und dem Pays de la Loire aus dem Bereich IKT.

Seit der Niederlassung von Citroën in den sechziger Jahren hat sich die Automobilindustrie mit rund 200 Unternehmen und 20.000 Beschäftigten zum drittgrößten Industriesektor in der Bretagne entwickelt; die Wertschöpfungskette ist heute nahezu abgedeckt.

Die Lebensmittel- und Agrarindustrie steht für 40 Prozent des gesamten industriellen Umsatzes in der Bretagne (rund 18 Mrd. EUR) und zählt 80.000 Beschäftigte in 400 Unternehmen. Die Bretagne ist als Region in den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei und Fleischerzeugung in Frankreich führend, in der Lebensmittelverarbeitung zählt sie sogar zu den führenden Regionen in Europa: Allein in der letzten Dekade sind in diesem Sektor über 5.600 neue Arbeitsplätze entstanden.

Der westfranzösische Agrarindustrie-Cluster Valorial vereint mehr als 270 Mitglieder aus großen, kleineren und mittleren Unternehmen (darunter 15 ausländische) sowie Forschungs- und öffentlichen Einrichtungen.

Akteure und Netzwerke

Die FuE-Akteurslandschaft Pôle Mer Bretagne erstreckt sich entlang der Küste vom südlichen Vannes über Lorient, Quimper, Brest, Morlaix bis nach Lannion (Karte). Der Pôle hat momentan den (zweithöchsten) Status eines Pôle de Compétitivité à vocation mondiale (weltweit sichtbarer Exzellenzcluster). Dabei ist die Tatsache, dass der Cluster aktuell ca. 330 Unternehmen, darunter solche wie Alcatel Lucent Enterprise, Thalès u. a. sowie 170 KMU vereint, von entscheidender Bedeutung. Der Mitglieder-Vorstand des Pôle setzt sich aus Vertretern großer Unternehmen, KMUs, Universitäten, grandes écoles, Ausbildungszentren, Forschungs- und Innovationseinrichtungen, Industrie- und Handelskammern sowie Planungs- und Entwicklungsagenturen zusammen. Seit 2005 wurden im Pôle Mer Bretagne über 210 Projekte bewilligt und mit ca. 700 Mio. EUR gefördert.

Das Netzwerk Bretagne Dévelopment Innovation (BDI) ist ein regionales bzw. lokales Netzwerk aus insgesamt 14 Partnern und kümmert sich unter anderem um die bessere Strukturierung starker Branchen für eine höhere Wettbewerbsfähigkeit und den Ausbau der wirtschaftlichen Innovationskraft der Region. Das BDI betreibt gleichzeitig das französischsprachige Nachrichtenportal Bretagne Innovation.

Die wichtigsten technologischen Zentren des Cluster sind Rennes-Atalante, Brest-Iroise, Anticipa in Lannion, Quimper Cornouaille, Lorient sowie Saint-Brieuc/Ploufragan. In der Forschung hat vor allem die IKT einen herausgehobenen Stellenwert: Bereits 1957 begannen mit dem CNET (Centre National d'Études de Télécommunications) staatliche Forschungsaktivitäten im Bereich der Telekommunikation in Lannion.

Ein Ansprechpartner für deutsche Kooperationsinteressierte ist die Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer in Paris. Insgesamt finden sich 115 Niederlassungen deutscher Unternehmen in der Bretagne.

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Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Die jährlichen Absolventenzahlen des Clusters im Bereich Meereswissenschaften und –Technologien liegen bei etwa 2.000. Rund 25 Hochschulen forschen und lehren in Technik und IKT, die wichtigsten Hochschulen (écoles normale supérieures, dt. "Höhere Normalschulen") sind Telecom Bretagne, ENNSSAT, INSA, ENIB, SUPELEC, ENS Cachan, ESAT und ISEN.

Die staatliche Université de Bretagne Occidentale (Universität der Westbretagne, UBO) hat rund 18.000 Studierenden (Anteil der internationalen Studenten: 1,8 Prozent) und sechs Fakultäten, mehrere Fachinstitute und eine Ingenieursschule (Ecole Supérieure d'Ingénieurs en Agroalimentaire de Bretagne atlantique, ESIAB). Im Universitätsranking des Le Parisien rangiert die Hochschule auf Platz 12 von 76 französischen Universitäten. Die UBO verfügt darüber hinaus über 39 Forschungsabteilungen (12 davon in Kooperation mit anderen Institutionen).

Die UBO spielte auch eine entscheidende Rolle bei der Gründung der Universität der Südbretagne (Université de Bretagne Sud, UBS), der vierten bretonischen Universität. An der UBS studieren derzeit 8.000 Studierende in den Bereichen Recht & Wirtschaft, Sprachen & Geisteswissenschaften sowie Naturwissenschaften, Technik & Gesundheit. Sie verfügt über Standorte in Lorient, Vannes und Pontivy. Die 1962 gegründete École Supérieure de Commerce Bretagne Brest (ESC Bretagne Brest, auch: The Graduate School of Management of Brittany) ging im Januar 2013 gemeinsam mit anderen Wirtschaftshochschulen (Tours, Poitiers, Orléans, Amiens, Clermont) in der France Business School (FBS) auf. Seither findet sich in Brest der Campus l'ESC Bretagne Brest. Weitere Forschungs- und Ausbildungsinstitutionen im Cluster:

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Entwicklungsdynamik

Im Juli 2012 wurden alle 71 Pôles de Compétitivité in Frankreich evaluiert: Der zweithöchste Status des Pôle Mer Bretagne als Pôle à vocation mondiale wurde bestätigt. Zusätzlich wurden die Pôles auf einer dreistufigen Skala hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit bewertet: Hier erzielte Mer Bretagne die zweithöchste Bewertung, performant (leistungsfähig). Der IKT-Pôle Images et Réseaux wurde hier mit dem höchsten Rang trés performant (sehr leistungsfähig) bewertet.

Frankreich plant in den nächsten Jahren verstärkt Investitionen im Bereich der regenerativen Stromerzeugung, auch, um den großen Anteil von Atomstrom zu reduzieren – experimentiert wird derzeit mit Gezeitenkraftwerken, schwimmenden Windenergieanlagen, thermischer Meeresenergie und Wellenenergie. Der auf militärischer Marine und Energie spezialisierte Industriekonzern DCNS (der u. a. einen Standort im bretonischen Lorient betreibt) will sich im Bereich der erneuerbaren Meeresenergien stärker profilieren. Ein Prototyp der schwimmenden Windenergieanlagen mit einer Kapazität von 2,5 MW wird bereits vor der bretonischen Insel Groix gebaut und getestet. DCNS schätzt das Marktpotenzial für solche Anlagen in Europa auf 23.000 MW. Im Rahmen des Förderpakets Programme des investissements d'avenir, PIA ("Investitionen für die Zukunft") der französischen Regierung wurden seit April 2014 insgesamt sechs Projekte aus dem Bereich erneuerbare Meeresenergien mit über 30 Mio. EUR gefördert.

Die RIS3-Strategie für die Bretagne-Region wurde im Oktober 2013 veröffentlicht und identifiziert vier prioritäre Aktivitätsfelder:

  1. Förderung von Innovation und Unternehmerkultur in der Bretagne
  2. Verbesserung der Wirkkraft von Forschung und Innovationspotenzial auf die Wirtschaft, bspw. durch die Förderung von Innovation durch die Abdeckung der Wertschöpfungskette und einen verbesserten Technologietransfer
  3. Förderung der Forschung und Entwicklung in benachbarten Themenfeldern
  4. Förderung des gesamten regionalen Innovationssystems.

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