Kurzprofil

Das kalifornische San Diego im Südwesten der USA ist eines der drei bedeutendsten biotechnologischen Zentren des Landes. Mit 1,3 Mio. Einwohnern ist San Diego die zweitgrößte Stadt des Bundesstaates und gleichzeitig Sitz der Verwaltung des San Diego County. Der Schwerpunkt des Clusters liegt auf Life Sciences, speziell auf Biotechnologie, Medizintechnik und Biopharmazeutika; der Bereich Cleantech spielt dazu eine immer größere Rolle. Einstmals "verschlafene Marinestadt", entwickelte sich San Diego seit den späten siebziger Jahren zu einem biotechnologischen Zentrum von Weltrang.

Als "Cluster San Diego" wird heute der Großraum San Diego inklusive der Countys Orange, Riverside und Imperial bzw. der "südkalifornische Raum" betrachtet. Im Großraum leben insgesamt 8,6 Mio. Menschen, wobei sich der Großteil (72 %) auf San Diego und Orange County verteilt. Insgesamt weist der Cluster über 97.000 Beschäftigte im Bereich Life Sciences auf.

Forschungsinstitute wie das Scripps Institution of Oceanography, Salk Institute for Biological Studies sowie die später gegründete Hochschule University of California San Diego haben großen Einfluss auf die Entwicklung des Clusters gehabt.

San Diegos etwas abseitige Lage mit der nahen Grenze zu Mexiko im Süden und der durch den Pazifischen Ozean gezogenen natürlichen Grenze im Westen galt lange Zeit als wirtschaftliches Hemmnis. Erst in den achtziger und neunziger Jahren entwickelte sich die Stadt, ohne dass hierfür ein koordinierter Plan zugrunde lag, zum Zentrum für Biotechnologie und Telekommunikation: Bereits 1978 wurde mit Hybritech das erste biotechnologische Unternehmen in San Diego gegründet.

Internationale Anziehungskraft

Der San Diego Biotech Cluster belegte im 2012 vom Beratungsunternehmen Jones Lang LaSalle veröffentlichten Global Life Science Cluster Report einen vielbeachteten zweiten Platz, noch vor Los Angeles und San Francisco.

San Diego verfügt über die dritthöchste Konzentration von Life Sciences-Firmen in der Welt, nur Boston und San Francisco können eine noch höhere Konzentration aufweisen.

Einen großen Anteil an der internationalen Anziehungskraft des Clusters hat auch die University of California, San Diego, in deren Geschichte 16 Forscher den Nobelpreis gewinnen konnten. In einem zum Teil kritisierten Universitäts-Ranking der Washington Monthly, in der einzig der "Beitrag zum Allgemeinwohl" gemessen wurde, landete die Universität im Jahr 2011 sogar auf Platz eins.

Cellan, ein in San Diego ansässiges Unternehmen, dass sich auf algenbasierte Bioprodukte spezialisiert hat, platzierte sich auf der Biofuels Digest The 50 Hottest Companies in Bioenergy – Liste 2012 auf dem vierten Rang; Sapphire Engery, ebenfalls in San Diego beheimatet, auf Platz acht.

Das Exportvolumen aller Life Sciences-Unternehmen im Cluster San Diego betrug 2011 insgesamt 6 Mrd. USD.

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Die exportstärkste Branche ist dabei die Medizintechnik und die Diagnostik mit 3,5 Mrd. USD, gefolgt von Biopharmazeutika (ca. 1,5 Mrd. USD) sowie der Industriellen Biotechnologie und Biokraftstoffen (677 Mio. USD). Die genannten Exportwerte beziehen sich auf den Großraum San Diego.

Betrachtet man den Gesamtwert der Ausfuhren getrennt nach County, so fällt auf, dass nicht San Diego (1,9 Mrd. USD), sondern Orange (3,3 Mrd. USD) das höchste Exportvolumen aufweisen kann; Riverside kommt auf ca. 780 Mio. USD, Imperial nur auf 6,4 Mio. USD.

Die im genannten südkalifornischen Raum registrierten Unternehmen erwirtschafteten 2012 einen Umsatz von insgesamt 32,9 Mrd. USD.

Die biotechnologische Branche ist in San Diego das für Wagniskapitalgeber beliebteste Investitionsziel. Vom ersten bis zum dritten Quartal 2013 wurden über eine halbe Milliarde USD in biotechnologische Unternehmen in San Diego investiert.

Zu den wichtigsten Instrumenten der Innovationsförderung in San Diego zählen zum einen die Forschungsförderung des National Institute of Health (NIH) und zum anderen Zuflüsse durch Wagniskpapital. Das NIH fördert nicht-bundesstaatliche Wissenschaftler und ihre Forschungseinrichtungen zum größten Teil im Bereich Grundlagenforschung. 2011 erhielt die UCSD mit ca. 400 Mio. USD die höchsten Zuschüsse der NIH in der gesamten Region, das Scripps Research Institute wurde mit über 2 Mio. USD, die University of California, Irvine mit ca. 120 Mio. USD gefördert. Insgesamt betrug die Fördersumme des NIH in die 2012 1,13 Mrd. USD.

Betrachtet man die Entwicklung des in den biotechnologischen Cluster San Diego investierten Wagniskapitals, so lässt sich ein starker Rückgang zwischen 2007 und 2010 feststellen, der auf die Finanzkrise seit 2007 zurückzuführen ist und deren Auswirkungen in den gesamten USA zu spüren waren; dasselbe gilt in abgeschwächter Form auch für die Medizintechnik und Diagnostik.

Der wichtigste und älteste Standort des Clusters San Diego ist der University of California San Diego Science Research Park in Torrey Pines Mesa. Weitere Standorte sind beispielsweise UTC/Eastgate, wo Eli Lilly, Illumina und Bristol-Myers Squibb ihren Sitz haben, Sorrento Mesa (BP Biofuels) und Sorrento Valley, wo insbesondere viele ältere Industriegebäude in Laborräume umgewandelt wurden und heute besonders Start-Up Unternehmen Platz geboten wird.

Kalifornien zieht die meisten Finanzdirektinvestitionen aller US-Bundesstaaten an: Allein im Jahr 2013 betrug die Summe der FDIs insgesamt 1,8 Mrd. USD. Seit einiger Zeit wird eine koordinierte Exportstrategie für den Cluster gemeinsam mit der Brookings Institution on the Metropolitan Export Initiative entwickelt; auch durch die Partnerschaft und der gemeinsamen Koordinierung mit Global Cities Initiative der soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit San Diegos gesteigert werden.

Zwischen dem Cluster Sophia Antipolis in Südfrankreich und dem Cluster San Diego gibt es mittlerweile intensivere Kontakte, vor allem im Bereich der Biotechnologie. Eine Delegation des Branchenverbands BIOCOM besuchte beispielsweise die Region Provence-Alpes-Côte d'Azur und tauschte sich dort mit wesentlichen Cluster-Akteuren aus.

Des Weiteren findet seit 2010 die BIOCOM Global Life Science Partnering Conference statt, dort treffen sich Führungs- und Entwicklungsfachkräfte führender Pharma- und Biotechunternehmen.

Direkt im Stadtgebiet von San Diego befindet sich der San Diego International Airport, welcher 17 Mio. Passagiere im Jahr abfertigt. Im Rahmen des „The Green Build“ – Projekts wurde 2009 mit dem Umbau des Flughafens begonnen, mit dem dieser in Zukunft den Erfordernissen des internationalen Flugverkehrs genügen soll, Ende 2013 sollte der Umbau abgeschlossen sein.

Thematische Stärkefelder

Das "Herz" des Clusters San Diego befindet sich in Torrey Pines Mesa (UCSD Science Research Park). Ein Drittel aller Biotech-Unternehmen in der Region haben ihren Ursprung in diesem Wissenschaftspark, der während des Zweiten Weltkriegs noch als Übungsplatz ("Camp Callan") für das US-Militär genutzt wurde. Danach entschied die Stadtführung, das Gelände für Cleantech-Unternehmen und FuE-intensive Firmen und Forschungseinrichtungen zu nutzen.

Rasch siedelten sich die ersten Forschungseinrichtungen ein (darunter das Salk Institute for Biological Studies und die Scripps Institution of Oceanography). Die Nähe zum Ozean und das fast perfekte Klima lockten zahllose Forscher und Wissenschaftler der Ostküste und aus dem mittleren Westen nach San Diego. Interessanterweise waren es in den fünfziger Jahren Institute wie die Scripps Institution of Oceanography, die den US-Bundesstaat davon überzeugten, die University of California San Diego in Torrey Pines Mesa zu errichten.

Ein Grund für die ausgeprägte Kooperations-Atmosphäre ist nach Aussage vieler Akteure die besondere Nähe der Forschungseinrichtungen zueinander, die zusätzlich von vielen Rad- und Fußgängerwegen gesäumt wird. Duane Roth, CEO der CONNECT-Organisation (siehe "Akteure und Netzwerke") beschrieb es einmal so: "Everybody is talking to everybody. Everybody is helping everybody and you never even talk about the boundaries anymore."

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Struktur des Clusters

Im Großraum San Diego arbeiten insgesamt über 97.000 Beschäftigte in den Branchen Biopharmazeutika, Industrielle Biotechnik und Biokraftstoffe, Medizintechnik, Handel mit Life Science Produkten und Forschung und Labordienstleistungen.

Die wichtigsten Unternehmen im Bereich Life Science sind Amylin Pharmaceuticals, Arena Pharmaceuticals, DJO Global, Gen-Probe Incorporated, Genetech, Illumina, Isis Pharmaceuticals, Life Technologies, Quidel und ResMed.

Die meisten Beschäftigten finden sich in den Branchen "Medizintechnik und Diagnostik" und "Forschung und Labordienstleistungen" (ca. 34.000 bzw. 32.000).

Bezüglich der Verteilung der Arbeitsplätze auf die jeweiligen Countys im Cluster liegen San Diego und Orange mit einem Anteil von jeweils 43 % gleichauf. Wie eingangs bereits erwähnt, wird bei der Betrachtung des Clusters San Diego der Großraum San Diego zusammen mit den Countys San Diego, Orange, Riverside und Imperial in den Blick genommen ("südkalifornischer Raum"). Dabei fällt auf, dass sich der Großteil der Arbeitsplätze der Biotech- und Life Science-Industrie in den Countys San Diego (ca. 42.000 Arbeitsplätze) und Orange (ca. 41.500) befindet. Riverside (ca. 13.000) und Imperial (ca. 700) spielen eine eher untergeordnete Rolle.

Eine weitere Branche, die in San Diego als Zukunftsbranche identifiziert worden ist, ist der Bereich Clean Tech bzw. Saubere Umwelttechnologien. Derzeit sind ca. 840 Cleantech-Unternehmen in San Diego registriert. San Diego gilt als siebtgrößter Cleantech-Cluster in den USA, das wichtigste Netzwerk der Branche ist cleanTECH San Diego.

Die drei größten Branchen sind Medizintechnik und Diagnostik mit einem Umsatz von 11,65 Mrd. US, der Bereich Biopharmazeutika mit 11,15 Mrd. USD und der Bereich Forschung und Labordienstleistungen (5,36 Mrd. USD).

3.1 Industrielle Biotechnologie und Biokraftstoffe

Zur industriellen Biotechnologie in San Diego zählen, laut dem Biotech-Verband BIOCOM, Unternehmen, die Enzyme verwenden und Biotreibstoffe auf Mikrobenbasis und anderer Technologien entwickeln und verwenden, um langfristig umweltschädliche Petrochemikalien zu ersetzen. Momentan sind in diesem Sektor ca. 680 Unternehmen registriert; von diesen befinden sich allein über 300 in San Diego County.

In den über 680 Unternehmen arbeiten momentan über 6.000 Beschäftigte (ca. 2.800 in San Diego), deren Durchschnittsgehalt derzeit bei ca. 54.100 USD im Jahr liegt. Die Unternehmen der Branche generierten 2012 einen Umsatz von 2,7 Mrd. USD. Zu den größten Arbeitgebern im Sektor zählen Global Household Brands (280 Beschäftigte) und BP Biofuels (120).

3.2 Medizintechnik und Diagnostik

Zum Sektor Medizintechnik und Diagnostik werden in San Diego Unternehmen gezählt, die medizinische Geräte, Laborgeräte, elektromedizinische Geräte (wie zum Beispiel Kernspintomographen), Ultraschallgeräte, zahnmedizinische Ausrüstung und Produkte sowie ophthalmologische Geräte entwickeln und herstellen. Die Konzentration medizintechnischer Firmen ist in San Diego doppelt so hoch wie im US-amerikanischen Durchschnitt, der nach Beschäftigtenzahl größte Sektor im Cluster steht für ca. 34.000 Arbeitsplätze (davon 19.600 in Orange County und ca. 9.600 in San Diego County).

Größter Arbeitgeber der Branche ist das Unternehmen Edwards Lifescience Corp. mit 1.800 Beschäftigten. Weitere wichtige Unternehmen sind beispielsweise Illumina mit Hauptsitz in San Diego, das im Jahr 2012 einen Umsatz von 1,15 Mrd. USD generierte. Auch ResMed (Umsatz 2013: 1,5 Mrd. USD) und Quidel (Umsatz 2012: 150 Mio. USD) sind in San Diego registriert.

3.3 Biopharmazeutika

Im biopharmazeutischen Bereich werden biologische Produkte, Medikamente und Therapeutika zur Verlängerung und Verbesserung der Lebenszeit entwickelt und produziert: hier finden sich derzeit über 200 Unternehmen mit knapp 11.500 Beschäftigten (Durchschnittsgehalt: 116.000 USD). Zu den größten Arbeitgebern im Cluster gehören Allergan Inc (2.000 Beschäftigte), Life Technologies Corp (1.400) und Watson Pharmaceuticals (ca. 1.300). Die Branche erzielte 2012 einen Umsatz von 3,7 Mrd. USD. BIOCOM schätzt, dass die Anzahl der Arbeitsplätze bis 2015 um acht Prozent steigen wird. Zentren des biopharmazeutischen Sektors im Cluster sind die Countys Orange (ca. 4.700) und San Diego (ca. 5.400).

Erwähnenswert ist zudem das Unternehmen Arena Pharmaceuticals, das ein neuartiges Medikament zur Bekämpfung von Diabetes entwickelt.

3.4 Forschung und Labordienstleistungen

Der Bereich Forschung und Labordienstleistungen ist der zweitgrößte Arbeitgeber im Cluster mit ca. 32.000 Beschäftigten. Das Durchschnittsgehalt von ca. 104.000 USD ist 54 % höher als im US-amerikanischen Durchschnitt.

Zum Sektor werden sowohl öffentliche, universitäre als auch private Forschungseinrichtungen im südkalifornischen Raum gezählt. Grundlagenforschung in industrieller Biotechnologie, genetischer Sequenzierung und synthetischer Biologie als auch interdisziplinäre Forschung, wie zum Beispiel zwischen Mobilfunktechnik und Medizintechnik (siehe iHub San Diego im Kapitel "Akteure und Netzwerke"), zählen zu den Kerngebieten der Branche. Auch Anbieter von Auftragsforschung und Fertigung, wie etwa Pharmatek und Millenium Laboratories, fallen hierunter.

Die University of California San Diego ist mit Abstand größter Arbeitgeber im Cluster und stellt über 24.000 Arbeitsplätze. Zusätzlich stellen die beiden anderen zum University of California-Universitätsbund gehörenden Hochschulen UC Irvine und UC Riverside mit ca. 12.000 bzw. 4.000 Stellen einen großen Teil der Forschungs- und Labordienstleistungsarbeitsplätze im Cluster.

Der Umsatz lag 2012 bei ca. 5,4 Mrd. USD. Der Anteil der Arbeitsplätze im Bereich Forschung und Labordienstleistungen ist im Cluster mehr als dreimal so hoch wie im nationalen Durchschnitt.

3.5 Handel mit Life Science Produkten

BIOCOM zählt den Sektor Handel mit Life Science Produkten ("Life Science Trade") ausdrücklich mit zu den im Cluster etablierten Branchen: Gemeint ist der Vertrieb medizinischer Geräte und Instrumente und Pharmazeutika beispielsweise an Krankenhäuser, Life Science Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Zentrum der Branche ist Orange County mit über 8.000 von insgesamt ca. 14.000 Arbeitsplätzen, die seit 2009 im gesamten Cluster um 19 % gestiegen sind. Der Umsatz der Unternehmen im Cluster betrug 2012 knapp 3 Mrd. USD.

Auffallend ist eine starke Schwankung der auf die Countys bezogenen Durchschnittsgehälter: Dieses reicht von knapp 49.000 USD in Imperial County bis hin zu 132.500 USD in Orange County.

Forschungseinrichtungen

Die Stärke und Attraktivität des Clusters San Diego liegt aber gerade auch in den hervorragenden Forschungseinrichtungen, die in San Diego beheimatet sind, wie beispielsweise dem Scripps Research Institute (TRSI), einer Non-Profit Forschungseinrichtung, die Grundlagenforschung im Bereich Biowissenschaft betreibt, um diese medizinisch anzuwenden. Auch legt das TRSI Wert auf interdisziplinäre Programme und Kooperationen sowie der Ausbildung von Forschern für den Fachkräftebedarf in San Diego. Das TRSI verfügt über zwei Campusse: eine Hauptzentrale in La Jolla und eine neue Einrichtung in Jupiter (Florida).

Das Bioengineering Institute of California (BIC) besteht aus insgesamt zehn Campussen in Davis, Berkeley, San Francisco, Santa Cruz, Merced, Santa Barbara, Los Angeles, Irvine, Riverside und San Diego. Alle Campusse bieten bioingenieurwissenschaftliche Programme, sowohl für Nicht-Graduierte als auch Graduierte. Fokus des BIC liegt in der wechselseitigen Befruchtung von Forschung und Ausbildung im interdisziplinären Feld der Bioingenieurwissenschaften.

Im Jahr 2010 erklärte der frühere kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger San Diego zum siebten iHub Innovation Center in Kalifornien. Ziel des iHubs ist es, die Synergieffekte in den Bereichen mobile Gesundheit, Biokraftstoffe und Solarenergie und Energiespeicher zu fördern und damit neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen, den Vermarktungsprozess erheblich zu verkürzen und Finanzmittel zu mobilisieren.

San Diego verfügt heute insgesamt über mehr als 80 mit Life Science assoziierte  Forschungseinrichtungen: etwa zwei Drittel gehören zur UC San Diego, die restlichen sind entweder private oder andere akademische Forschungseinrichtungen.

Ein Beispiel ist das California Institute for Telecommunications and Information Technology (Calit2), das gemeinsam von der UCSD und UC Irvine getragen wird und dessen Forschungsschwerpunkt auf den Nanowissenschaften, der drahtlosen Kommunikation und Hochleistungsrechnern liegt. Das Calit2 fördert als offizieller Kooperationspartner des iHUB San Diego (Institute for Science and Innovation Anchor Partner) gezielt das Themenfeld Mobile Gesundheit und Präventivmedizin.

Das Ziel des seit 2006 bestehenden Sanford Consortium for Regenerative Medicine ist es, durch interdisziplinäre Kooperation Fortschritte in der Stammzellenforschung zu erzielen. Das Konsortium ermöglicht es Wissenschaftlern des La Jolla Insitute for Allergy & Immunology, des Salk Institutes for Biological Studies, des Sanford-Burnham Medical Research Institute, des Scripps Research Institute und anderen Organisation aus Torrey Pines gemeinsam in bestmöglich ausgestatteten Laboren und Einrichtungen zu forschen. Das Sanford-Gebäude ist 12.700 m² groß und befindet sich auf einem Grundstück der UC San Diego. Zusätzlich bietet Sanford Ausbildungsmöglichkeiten und Fördermittel für junge Wissenschaftler und bietet diesen eine professionelle Drittmittelbeschaffung.

Vor der Gründung des Sanford Konsortiums gab es keine Einrichtung, in der kooperierende Institutionen auf einer regelmäßigen und langfristig angelegten Basis gemeinsame Forschung betreiben konnten.

Im San Diego Center for Algae Biotechnology wird die Verwendung von Algen als Biokraftstoff erforscht. Es bestehen Kooperationen mit der UC San Diego, dem Scripps Research Institute, der SDSU und der Privatwirtschaft.

Das West Health Institute erforscht, wie sich die Gesundheitskosten durch Innovation senken lassen können. Es bestehen enge Kooperationen mit Scripps Health, UC San Diego, San Diego State University, Scripps Translational Science Institutes und dem Carlos Slim Health Institute.

Ziel des UC San Diego Clinical and Translational Research Institute ist es, wissenschaftliche Entdeckungen für medizinische Verbesserungen nutzbar zu machen. Auch hier wird mit der UC San Diego, der SDSU, dem Salk Institute, dem Sanford-Burnham Medical Research Institute, dem J. Craig Venter Institute, dem La Jolla Institute for Allergy & Immunology, verschiedenen Krankenhäusern und Handelsorganisationen kooperiert.

Akteure und Netzwerke

Branchenverbände wie CONNECT und BIOCOM spielen eine Schlüsselrolle in der Entwicklung des Biotechclusters in San Diego. Sie verbinden die verschiedenen Akteure und Institutionen des Innovationssystems miteinander, sorgen für eine Verringerung der Transaktionskosten und bauen Netzwerke zwischen Unternehmern, Forschungsinstitutionen, Investoren, Rechtsanwälten, Bauträgern, Marketingspezialisten und Regierungsvertretern auf, um so den Kooperationsgedanken im Cluster als Norm zu etablieren.

Der Branchenverband BIOCOM wird in San Diego als erster Ansprechpartner im Netzwerk gesehen, da es keine offizielle Organisationsform gibt, in der die Clusteraktivitäten zentral koordiniert werden. Mit über 500 Mitgliedern gilt BIOCOM als größter regionaler Life Science-Interessenverband der Welt. Der größte Teil (34 %) lässt sich dabei der Biotechnologie-Branche zurechnen, auch die Medizintechnik und Diagnostik (19 %) und die Auftragsforschung (13 %) sind zahlenmäßig gut vertreten.

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CONNECT wurde 1985 von einigen privaten Förderern und Freiwilligen und der University of California, San Diego finanziert und war seit seiner Gründung an mehr als 3.000 Unternehmensgründungen beteiligt. Erst im Jahr 2005 gliederte sich das Netzwerk vollständig aus der UCSD aus und gründete die CONNECT Foundation und die CONNECT Assocation.

Es wird als eines der erfolgreichsten Cluster-Netzwerke weltweit betrachtet, international gibt es inzwischen mehr als 50 Ableger-Programme, wie beispielsweise in New York City, Kolumbien und Saudi-Arabien. Als wesentliches Erfolgskriterium wird vom Netzwerk die Kooperationskultur ("culture of collaboration") zwischen Forschungsorganisationen, Geldgebern, Dienstleistungsanbietern und der etablierten Industrie genannt. CONNECT wurde im Jahr 2010 vom U.S. Department of Commerce mit dem Innovation Economic Development Award ausgezeichnet.

Seit 2010 koordiniert es im Auftrag des US-Bundesstaats Kalifornien den Innovation Hub San Diego. Zu den Aufgaben des Netzwerks zählt die Anwerbung von Kapitalgebern und Fachkräften in den Cluster San Diego.

Das San Diego Biotech Network (SDBN) ist ein noch recht junges, 2008 gegründetes Biotechnologie-Netzwerk, das mithilfe von regelmäßigen Netzwerkveranstaltungen und Online-Kommunikation den direkten Kontakt zwischen Biotech-Fachleuten im Großraum San Diego fördern möchte. Darüber hinaus bietet es Interessierten ein laufend aktualisiertes Verzeichnis aller Biotech-Unternehmen in San Diego an.

Die Internationalisierung des Clusters wird unterstützt durch das World Trade Center San Diego (WTCSD), einem südkalifornischen Handelsverband, dessen Vorteil vor allen Dingen im Zugang zu einem großen internationalen Handelsnetzwerk mit mehr als 2 Mio. registrierten Mitgliedern weltweit liegt. Das WTCSD bietet umfassende internationale Unternehmensdienstleistungen an, um regionalen Akteuren dabei zu helfen, ihr Geschäft international auszuweiten. Das WTCSD ist eine 1994 gegründete, privat-öffentliche Partnerschaft und wird von einem 45-köpfigen Vorstand, bestehend aus internationalen Fachleuten und gewählten Amtsträgern, geleitet.

Die San Diego Regional Economic Development Corporation leistet für die Unternehmen der Region Hilfestellung bei der Akquise von Fachkräften und Kapitalgebern und betreibt darüber hinaus Lobbyarbeit für die Unternehmen vor Ort.

Das UC San Diego Technology Transfer Office (TTO) ist in die UCSD eingebettet; es fördert und erleichtert den Technologietransfer von an der UCSD entwickelten Innovationen in Unternehmen in der ganzen Welt und ist offizieller Partner des iHubs San Diego (Tech Transfer Anchor Partner).

Im Großraum San Diego leben 90.000 Deutsche, die beispielsweise für Unternehmen wie Bosch (BSH Home Appliances), Thyssen Krupp Bilstein oder Carl Zeiss Vision arbeiten.

Mittlerweile existiert eine ganze Reihe von Anlaufstellen und Brückenköpfen für Deutsche im unmittelbaren Clustergebiet. Die German American Chamber of Commerce California in San Diego unterstützt Unternehmer bei Firmengründungen und Direktinvestitionen in San Diego und den USA. Zudem vermittelt sie Praktika in den USA und berät Unternehmer, Absolventen und Praktikanten in Visa-Fragen.

Die German American San Diego Foundation ist eine Non-Profit-Organisation und wurde 2013 von Unternehmen unterschiedlichster Branchen gegründet. Sie operiert im gesamten südkalifornischen Raum sowie in der nordwestmexikanischen Stadt Tijuana, die nur wenige Kilometer südlich von San Diego liegt. Der Fokus liegt auf der Realisierung deutsch-amerikanischer Projekte und Kooperationen in der Region, wie zum Beispiel die Förderung der Cologne Rhine River – San Diego-Tijuana – Regional Partnership. Dazu gehören Delegationsbesuche der Organisation Bio River – Life Science im Rheinland in San Diego und Treffen mit Akteuren des BIOCOM-Netzwerks.

Ein von deutsch-amerikanischen Unternehmen ins Leben gerufene Programm, "Skills Initiative", hat den Facharbeitermangel als eine der größten Herausforderungen auf dem amerikanischen Markt identifiziert und es sich daher zum Ziel gemacht, dort für das deutsche Modell der dualen Ausbildung zu werben. In Kooperation mit der German American San Diego Foundation wird für dieses Modell auch in San Diego geworben.

Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Mit insgesamt 260.000 Studenten weist San Diego County einen der höchsten Studentenanteile in den USA auf. Die öffentliche Forschungsuniversität University of California San Diego (UCSD) mit Sitz in La Jolla, Kalifornien, wurde 1960 gegründet und gehört zum University-of-California-System. Die UCSD wird in den USA zu den Public-Ivy-Universitäten gezählt (diese können sich trotz ihrer öffentlichen Finanzierung mit den acht Elite-Universitäten im Nordosten der USA messen). 2013 waren über 26.000 Studenten eingeschrieben, die Zahl der Studienbewerber ist in den vergangen fünf Jahren um über 40 Prozent auf 67.400 (2013) gestiegen. Die Hochschule zählt zu den Top-5% der US-amerikanischen Universitäten im Bezug auf die Anzahl der internationalen Studierenden: 9,1% der Studierenden sind internationaler Herkunft, ihr Anteil ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Die UCSD bietet mehr als 100 Studienfächer an, darunter Sozialwissenschaften (38,1% der Studenten), Ingenieurswissenschaften (20,3%) und Biologie (18,7%), womit sie für den Cluster von besonderer Bedeutung ist.

Die Hochschule ist Mitglied in der Association of American Universites, einer 1900 gegründeten nordamerikanischen Organisation führender Forschungsuniversitäten, deren Ziel die Förderung der akademischen Lehre und Forschung in Nordamerika ist. Zusätzlich ist sie Mitglied der National Association of State Universities and Land-Grant Colleges sowie des Southwest Border Security Consortium.

Immer wieder landet die Universität in Hochschulranglisten auf den vordersten Plätzen: Im Hochschulranking für das Jahr 2012 des Magazins Washington Monthly, in dem der jeweils universitäre Beitrag zum Allgemeinwohl bewertet wurde, landete sie beispielsweise auf Platz eins. Nach einer Erhebung des U. S. News & World Report in 2013 belegte die UCSD nur Platz 39. Im Academic Ranking of World Universities 2013 belegt sie Platz 14, im Top 100 Universities-Ranking des Center for World University Rankings Platz 20.

Unter der Ägide des Universitätskanzlers Richard C. Atkinson von 1980 bis 1995 wurden die Verbindungen der Hochschule zur Stadt San Diego intensiviert und gefördert. Der Technologietransfer zwischen Universität und Industrie nahm zu, die Summe der Privatspenden an die Universität stieg von 15 Mio. USD auf 50 Mio. USD. Seit Beginn der 2000er hat die UCSD ihre Position ausgebaut und unter anderem zwei neue Fachschulen, die Skaggs School of Pharmacy und die Rady School of Management und – gemeinsam mit der UC Irvine – das California Institute for Telecommunications and Information Technology errichtet. 2010 übertraf das Forschungsauftragsvolumen der UCSD erstmals 1 Mrd. USD.

Zu den aktuellen und ehemaligen Professoren an der UCSD zählen eine Reihe von Nobelpreisträgern, wie etwa Roger Yonchien Tsien (Nobelpreis für Chemie 2008), Sydney Brenner (Nobelpreis Physiologie/Medizin 2002) und Clive W. J. Granger (Nobelpreis Wirtschaftswissenschaften 2003).

Im sozialen Bereich spielen Diversität, Gleichstellung und Inklusion für die UCDS eine herausgehobene Rolle: Es existiert ein Diversity Council, zu dessen Kernaufgabe unter anderem zählt, den Anteil afro-amerikanischer Studierender an der UCSDS langfristig zu erhöhen (2011 lag der Anteil afroamerikanischer Studierender bei 2%).

Die Bedeutung der UCSD für den Biotech Cluster San Diego ist unverkennbar:

  • 2012 verlieh die Universität über 8.000 Studienabschlüsse
  • 40 Prozent der 141.000 UCSD-Alumni leben in San Diego County
  • Mitarbeiter, Studierende und Alumni der UCSD haben mittlerweise ca. 650 Unternehmen gegründet, darunter viele Biotech- und Technologiefirmen
  • der Jahresumsatz der UCSD-assoziierten Unternehmen belief sich 2012 auf 15,3 Mrd. USD, gleichzeitig stehen diese Unternehmen für über 18.000 Arbeitsplätze
  • die UCSD ist der größte Arbeitgeber mit Sitz in San Diego

Der Bedarf akademisch ausgebildeter Führungskräfte im Bereich Life Science und Biotech wird auch von vielen Bildungseinrichtungen der Region abgedeckt, in dem diese MINT-Absolventen zur Verfügung stellen. Im Jahr 2011 wurden in San Diego County ca. 56.000 Hochschulabschlüsse erworben, darunter waren über 7.000 Abschlüsse in einem MINT-Fach.

Mit der San Diego State University (SDSU) befindet sich eine weitere staatliche Universität im Clustergebiet. An der bereits 1897 gegründeten Universität sind ca. 32.000 Studenten eingeschrieben, der Jahresetat lag 2012 bei über 136 Mio. USD. Sie verfügt über das aus privaten Mitteln finanzierte Donald P. Shiley BioScience-Center, in dem neue Behandlungsansätze zur Bekämpfung von Herzbeschwerden und die Rolle von Entzündungen bei Herzkrankheiten erforscht wird. Von den ca. 270.000 Alumni der SDSU leben ca. 60% in San Diego und stellen dort den Großteil der regionalen Ingenieure, Lehrkräfte und Unternehmer.

Zu den wichtigsten Herausforderungen gehört die Versorgung des Clusters mit Fachkräften. Durch verschiedene Programme und Projekte versucht auch CONNECT, die Verfügbarkeit von Fachkräften für das Biotech Cluster San Diego langfristig aufrecht zu erhalten. Dazu zählen u. a. das Programm "Entrepreneurs 4 Young Innovators", in dem Schülern Anreize gegeben werden sollen, eine Berufslaufbahn im Bereich Life Science einzuschlagen und diesen Unternehmen mit interessanten Technologieprodukten vorgestellt werden, die Online-Plattform theportfolium.com, auf der Studenten ihre wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichen können und Praktika in technologische Unternehmen vermittelt werden.

Im Juni 2010 gab das kalifornische Arbeitsministerium (Californian Department of Labor) bekannt, dass es der Region San Diego einen Zuschuss in Höhe von vier Mio. USD bewilligt, um Berufsausbildungen für mehr Arbeitskräfte in der aufstrebenden Biokraftstoff-Branche zu finanzieren.

Ein noch relativ junges Projekt ist das San Diego Festival of Science & Engineering, das unter anderem vom BIOCOM-Netzwerk, der UC San Diego und dem Reuben H. Fleet Science Center ausgerichtet wird. Das Festival richtet sich vornehmlich an Kinder und Jugendliche, um bei diesen die Begeisterung für MINT-Fächer zu wecken.

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Entwicklungsdynamik

Insgesamt verfügt San Diego über eine breitgefächerte Industriestruktur: Von Biotechnologie, Pharma, Medizintechnik und Clean Tech bis hin zu traditionell in San Diego verankerten militärischen Forschungsinstituten und damit verbundenen Ausgliederungen. Mit der UCSD und privaten Instituten verfügt der Cluster gleichzeitig über Forschungseinrichtungen von Weltrang und darüber hinaus über ein etabliertes Netzwerk von Wagniskapitalgesellschaften.

Mithilfe des 2010 eingerichteten iHub Innovationszentrum San Diego fördert der US-Bundesstaat Kalifornien drei konvergierende Themenfelder, sowohl aus Life Science als auch aus dem Bereich Clean Tech:

1. die Kooperation zwischen drahtlosen Kommunikationstechnologien und dem Bereich Life Science im Stärkefeld Telemedizin ("mobile health")

2. die Entwicklung von erneuerbaren Kraftstoffen unter Verwendung von Algen und anderen Biomaterialen

3. Solarenergie und Energiespeicherung

Der iHub San Diego (insgesamt existieren 16 "Innovation Hubs" in Kalifornien) zeigt so, dass eine koordinierte Politik zwischen Bundesstaat, Universitäten, regionalen Wirtschaftsförderern, Inkubatoren und Handelsverbänden in San Diego möglich ist – die fehlende Koordinierung war noch 2001 in einer Studie von Michael E. Porter bemängelt worden. Zusätzlich entwickeln die Clusterakteure inzwischen mithilfe von externen Beratern eine gemeinsame Internationalisierungsstrategie für den Cluster.

Ein Blick auf die Summe der von den National Institutes of Health bewilligten Fördergelder für die Region San Diego ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich San Diego mittlerweile als herausragender Biotech-Standort in den USA etabliert hat: Nach einem kräftigen Rückgang in der zweiten Jahreshälfte 2011 sind die Fördergelder in die Region von 115,5 Mio. USD im ersten Quartal 2012 auf 272,5 Mio. USD im dritten Quartal gestiegen; im selben Quartal stieg die Zahl der neugegründeten Technologieunternehmen mit 115 auf den höchsten Wert seit vielen Jahren. Insgesamt förderten die NIH San Diego 2012 mit Zuschüssen in Höhe von 870 Mio. USD. Diese Förderungen sind ein wesentlicher Faktor im Innovationspotenzial der University of California, San Diego und der ansässigen Unternehmen. Dies zeigt gleichzeitig, dass sich die Nachwirkungen der Finanzkrise seit 2007, die auch im Cluster spürbar waren, zurückgegangen sind. Auch die Beschäftigtenzahlen erholen sich seit 2010 stetig.

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Akteure im Cluster

Ansprechpartner

AHK San Francisco - Office for the Western United States

Ansprechpartner: Rene van den Hoevel
Managing Director

German American Chamber of Commerce, Inc.
Office for the Western United States
One Embarcadero Center, Suite 1060, San Francisco, CA 94111
Phone: +1 (415) 248 1241
Fax: +1 (415) 627 – 9169
E-Mail: rhoevel(at)gaccny.com
URL: www.gaccwest.com I www.ahk-usa.com

Länderbericht USA

Karten zum Cluster

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