Kurzprofil

São Paulo ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates in Brasilien und die größte Portugiesisch-sprechende Stadt der Welt. Mit mehr als 12 Mio. Einwohnern im Stadtgebiet ist sie zudem die bevölkerungsreichste Stadt der südlichen Hemisphäre. In der Metropolregion Grande São Paulo leben ca. 21,5 Mio. Menschen. Damit ist die Region zehntgrößter Ballungsraum der Erde und die größte Agglomeration Südamerikas und bildet eines der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Zentren Brasiliens. Der Großraum ist zugleich der Standort mit den meisten deutschen Unternehmen außerhalb Deutschlands.

Die Metropolregion umfasst 39 Kommunen, darunter die Industrieregion ABCD (Santo André, São Bernardo do Campo, São Caetano do Sul, Diadema sowie drei weitere Gemeinden), die zahlreiche internationale Unternehmen beheimatet, insbesondere Automobilkonzerne. In unmittelbarer Umgebung befinden sich die Stadt Santos mit dem größten Hafen Lateinamerikas und die Metropolregion Campinas, die aufgrund einer der besten lateinamerikanischen Universitäten – UNICAMP –, des nationalen Forschungszentrums CNPEM, zahlreicher Industrieparks, Inkubatoren und ansässiger Hightech-Unternehmen auch als brasilianisches Silicon Valley bezeichnet wird. Die Stadt São Paulo hat nach New York die meisten Sitze multinationaler Konzerne.

Der Bundesstaat São Paulo ist mit rund 45,5 Mio. Einwohnern (amtliche Schätzung für 2018) der bevölkerungsreichste Brasiliens. Obwohl der Staat nur 3 Prozent der Gesamtfläche Brasiliens einnimmt, beheimatet er je gut ein Drittel der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen und verzeichnet die höchste Konzentration internationaler Unternehmen auf der Südhalbkugel. Das BIP São Paulos liegt bei umgerechnet rund 572,5 Mrd. US-Dollar (2018). Der Bundesstaat gilt als größter Industrie- und Wirtschaftsstandort der südlichen Hemisphäre, bezeichnet sich als weltweit führend in der Agrarindustrie und im Umweltschutz und bildet den größten Arbeits- und Verbrauchermarkt in Brasilien. Weitere wirtschaftlich bedeutsame Sektoren sind die Automobilindustrie, die pharmazeutische Industrie, Luft- und Raumfahrttechnik, der Energiesektor und die Tourismusbranche.

Internationale Anziehungskraft

São Paulo ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Brasiliens und Lateinamerikas. In der Region befinden sich drei große Flughäfen: In der Metropolregion liegen der Flughafen São Paulo-Guarulhos, der mit knapp 39 Mio. Passagieren und über 292.000 Flugbewegungen (2018) größte internationale Flughafen Lateinamerikas, und der Flughafen São Paulo-Congonhas, der zweitgrößte Flughafen des Landes, über den ausschließlich Inlandsflüge abgewickelt werden. Mit dem Flughafen Viracopos nahe Campinas, knapp 80 km nordwestlich von São Paulo, liegt ein weiteres internationales Drehkreuz in der Region. Der Standort gehört zu den größten Luftfrachtzentren Südamerikas, erlangt aber zunehmend Relevanz für den Passagiertransport.

Im Süden des Bundesstaats, etwa 70 km von São Paulo entfernt, liegt mit dem Hafen von Santos der größte Hafen Brasiliens und der nach Warenumschlag verkehrsreichste und wichtigste Containerhafen Lateinamerikas. Aufgrund der engen Anbindung an die Region fungiert der Hafen als zentraler Umschlagplatz für Waren und Rohstoffe.

Die Metropolregion verfügt über das am besten ausgebaute Schienennetz Lateinamerikas, mit einer Gesamtlänge von rund 370 km und einem Passagieraufkommen von täglich knapp 8 Mio. Menschen. Zum größten Teil besteht das Netz aus dem Vorortbahnsystem der Companhia Paulista de Trens Metropolitanos (827 Mio. Passagiere in 2017) und der Metrô São Paulo (1,3 Mrd. Passagiere in 2017). Das Fernstraßensystem des Bundesstaats ist mit einer Gesamtlänge von fast 35.000 km extrem gut ausgebaut und gilt als bestes Straßennetz Brasiliens.

Seit Dezember 2018 läuft in der Stadt São Paulo ein Pilotprojekt zur Elektrifizierung des Personennahverkehrs. 15 E-Busse des chinesischen Herstellers BYD sollen sukzessive eingeflottet und mit grünem Strom aus lokal produzierten Solarzellen betrieben werden.

Die Stadt unterhält insgesamt 42 Städtepartnerschaften, darunter mit Barcelona, Osaka, Paris, Shanghai und Seoul. Dem Forschungsnetzwerk Globalization and World Cities (GaWC) zufolge gilt São Paulo international als exzellent vernetzt (Alpha City, Stand 2018).

Als brasilianischer Bundesstaat ist São Paulo darüber hinaus in den Gemeinsamen Südamerikanischen Markt (spanisch: Mercado Común del Sur, "Mercosur"; portugiesisch: Mercado Comum do Sul, "Mercosul") eingebettet, den Brasilien gemeinsam mit Argentinien, Paraguay und Uruguay bildet. Zu den assoziierten Staaten gehören Bolivien, Chile, Ecuador, Kolumbien und Peru sowie Guyana und Suriname (die beiden letztgenannten vorbehaltlich Ratifizierung). Der Mercosur treibt wirtschaftliche und politische Integrationsprozesse unter den beteiligten Staaten voran und garantiert unter anderem den freien Verkehr von Gütern, Dienstleistungen und Produktionsfaktoren, beispielsweise durch die Abschaffung von Zöllen. Langfristig soll ein gemeinsamer Markt unter Angleichung von Rechtsvorschriften und Berücksichtigung des Umweltschutzes geschaffen werden; allerdings konnten viele Ziele des Gemeinsamen Südamerikanischen Marktes aufgrund von Streitigkeiten noch nicht verwirklicht werden.

São Paulo gilt als dynamischste und innovativste Stadt Brasiliens, zahlreiche Startups haben hier ihren Sitz – darunter die drei Startup-Unicorns 99, ein Netzwerk für Personentransport, das FinTech-Unternehmen Nubank sowie der E-Commerce-Anbieter PagSeguro. Neben London, Madrid, Seoul, Tel Aviv und Warschau unterhält Google auch einen Startup-Campus in São Paulo. Im Innovation Cities Index 2018 belegt die Stadt im globalen Vergleich Platz 79 und liegt in Lateinamerika auf Platz 2 hinter Mexiko-Stadt. Als etablierter Finanzstandort wird São Paulo im Global Financial Cities Index (GFCI) 24 als am höchsten platzierte Stadt Südamerikas auf Rang 55 geführt.

Die Region bietet Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Geldgebern aus dem Ausland zahlreiche Anreize für Investitionen, etwa in Form von Förderprogrammen, Steuerbegünstigungen und Darlehen. Eine Übersicht findet sich bei der Förderagentur Investe São Paulo sowie im Legal Guide for Foreign Investors in Brazil, einem Übersichtsdokument für ausländische Investoren.

In São Paulo finden zahlreiche nationale und internationale Fachmessen statt, unter anderem in den Bereichen Automobil, Transport und Logistik; Umwelt, Nachhaltigkeit und Energiesysteme; Biotech; Tourismus; IKT; Baumaterialien; sowie Elektrotechnik. Die drei größten Kongresszentren sind das Transamerica Expo Center, das Expo Center Norte und die São Paulo Expo.

Thematische Stärkefelder

Der Bundesstaat São Paulo ist mit der dazugehörigen Metropolregion der mit Abstand bedeutendste Industriestandort Brasiliens. Mit 157 Mrd. US-Dollar macht der Staat ein Drittel der industriellen Wertschöpfung Brasiliens aus. Die wichtigsten Industriesektoren sind Nahrungsmittelproduktion und -verarbeitung; Verkokung, Erdöl, Biokraftstoffderivate; Automobil-, Anhänger- und Karosseriebau; chemische Erzeugnisse; Maschinen und Anlagen; sowie pharmazeutische Produkte. Im Dienstleistungssektor sind vor allem die Bereiche Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), Personal und Management sowie Wertsachentransporte und Sicherheitsdienstleistungen von Bedeutung. Als charakteristisch für die Region gelten die hohe Präsenz innovativer Unternehmen und die Konzentration von informations- und wissensintensiven Dienstleistungen; dadurch werden hohe Standards bei der Entwicklung neuer Produkte und Prozesse gesetzt.

Exporte spielen eine herausgehobene Rolle, ein Viertel aller brasilianischen Exporte stammen aus dem Staat São Paulo. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Zucker, Flugzeuge, Automobile, Reinalkohol, Rindfleisch, Orangensaft und Kaffeebohnen. Knapp ein Drittel dieser Exporte geht in die 12 Staaten der Lateinamerikanischen Integrationsvereinigung (ALADI), 22,5 Prozent in die Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA), 20,7 Prozent nach Asien und 14 Prozent in die EU. Unter den Einzelstaaten wird am meisten in die USA (17,4 %) und nach China (12,5 %) exportiert.

Neben den drei Startup-Unicorns 99, Nubank und PagSeguro sind in der Metropolregion weitere bedeutende Unternehmen aus verschiedenen Branchen ansässig. Dazu gehören die Brauerei Ambev, das nach Börsenwert größte Unternehmen des Landes und drittgrößte der südlichen Hemisphäre, der zu den größten lateinamerikanischen Unternehmen zählende Mischkonzern Votorantim, der in den Bereichen Finanzen, Energie, Chemie und Metallurgie tätig ist, sowie der Telekommunikationsdienstleister Telefônica Brasil. Darüber hinaus haben sich mehrere spezifische Stärkefelder in der Region herausgebildet.

Automobilindustrie

Die Automobilindustrie konzentriert sich hauptsächlich in der sogenannten ABCD-Region, einem Industrieviereck im Süden der Metropolregion São Paulo. Sie umfasst die Städte Santo André (A), São Bernardo do Campo (B), São Caetano do Sul (C) und Diadema (D) sowie drei weitere Gemeinden und bildet das Zentrum der brasilianischen Automobilindustrie mit Unternehmenssitzen und Forschungszentren von Daimler, Ford, Volkswagen und General Motors.

Ab Oktober 2019 will Toyota in Porto Feliz und Indaiatuba (je rund 100 km nordwestlich von São Paulo) die Produktion des Hybridmodells Corolla starten, dem weltweit ersten mit Flex Fuel Motor, der sowohl Benzin als auch Ethanol zur Energieerzeugung für den Elektromotor nutzen kann. In klassischen Verbrennungsmotoren wird die Flex Fuel Technologie in Brasilien seit längerem genutzt; 2018 waren knapp 88 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge in Brasilien mit einem solchen Motor ausgestattet. Mittlerweile ist das Land durch die Technologie zum weltgrößten Zuckerrohrproduzenten und nach den USA zum zweitgrößten Produzenten von Ethanol avanciert (Zuckerrohr wird zur Gewinnung des Ethanols genutzt).

Für die Automobilbranche nimmt der nationale Verband der Automobilhersteller ANFAVEA (Associação Nacional dos Fabricantes de Veículos Automotores) eine große Bedeutung ein. Er vertritt über 30 Automobilhersteller (darunter Audi, BMW, Ford, Honda, Mercedes-Benz, Nissan, PSA, Toyota und VW), koordiniert und vertritt deren Interessen und führt Marktanalysen durch.

Luft- und Raumfahrtindustrie

Einer der führenden Konzerne im Bereich der Luft- und Raumfahrt ist der brasilianische Flugzeughersteller Empresa Brasileira de Aeronáutica S.A. (Embraer) mit Sitz in São José dos Campos im Bundesstaat São Paulo. Das 1969 von der brasilianischen Regierung als staatliche Flugzeugfabrik gegründete Unternehmen hat sich auf Geschäftsflugzeuge und Regionaljets spezialisiert. In den letzten Jahren hat sich Embraer mit einen Umsatz von knapp 5,1 Mrd. US-Dollar (2018) zum drittgrößten Flugzeughersteller weltweit entwickelt, nach Airbus und Boeing. Im Juli 2018 hat Embraer eine Absichtserklärung für ein Joint Venture mit Boeing unterzeichnet, bei dem der brasilianische Konzern seine gesamte Zivilsparte einbringt; im Februar 2019 wurde die strategische Partnerschaft durch die Aktionäre bestätigt.

Die Stadt São José dos Campos ist ein herausragender Standort für die moderne brasilianische Luft- und Raumfahrt, die als Geburtsstätte dieses Industriezweigs gilt. Seit der Gründung des Departamento de Ciência e Tecnologia Aeroespacial im Jahre 1945 konnte sich die Branche rasch entwickeln. Die vom Verteidigungsministerium ins Leben gerufene Abteilung gründete kurz darauf eine Hochschule für Luft- und Raumfahrttechnik (Instituto Tecnológico de Aeronáutica, ITA), die heute die national angesehenste auf diesem Gebiet ist. Im Jahr werden nur etwa 100 Studierende an dieser Hochschule zugelassen.

Darüber hinaus liegt in der Stadt der Parque Tecnológico São José dos Campos (PqTec-SJC), einer der fortschrittlichsten Technologieparks in Brasilien; mehr als 6.000 Menschen arbeiten oder studieren dort (Stand 2018). Er verfügt über technologische Entwicklungszentren in den Bereichen Luftfahrt, Gesundheit, Wasserressourcen und Umwelthygiene. Die im PqTec-SJC ansässigen Unternehmen sind neben der Luft- und Raumfahrtindustrie in den Bereichen IKT, elektronische Messtechnik, Geoprozesstechnik, Verteidigung, Energie, Gesundheit und Biomedizin tätig. 2019 wurden Expansionspläne für ein neues Quartier bekanntgegeben: die "Technologische Stadt" mit 308.000 m² Nutz- und Wohnfläche.

Das Brasilianische Institut für Weltraumforschung (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais, INPE) hat seinen Hauptsitz in São José dos Campos. Dessen Forschungsschwerpunkte liegen in Astro- und Geophysik, Wetter- und Klimastudien, Beobachtung der Erdbewegung, Entwicklung innovativer Technologien, Experimente in Testlaboren (u. a. Fehleranalyse, Systementwicklung) sowie Satellitenüberwachung.

Finanzwesen

In São Paulo-Stadt ist die einzige Börse des Landes ansässig, die B3 – Brasil Bolsa Balcão S.A., die 2017 aus der Vorläufer-Börse BM&FBovespa und der Verrechnungsstelle Cetip hervorging. Mit einer Marktkapitalisierung von 938 Mrd. US-Dollar Ende 2018 gehört die Börse zu den 20 größten weltweit; über 420 Unternehmen sind an ihr gelistet (Stand Juni 2019).

Zahlreiche Bankinstitute haben ihren Sitz in der Region, unter anderem die Itaú Unibanco und die Banco Bradesco, die zu den größten Banken Brasiliens und der südlichen Hemisphäre zählen, sowie die größte Investmentbank Lateinamerikas BTG Pactual. Die Stadt São Paulo allein macht die Hälfte des brasilianischen Finanzsektor-Umsatzes aus.

Biotechnologie und Lebenswissenschaften

Im Bereich der Biotechnologie, Lebenswissenschaften und Herstellung von Pharmazieprodukten ist der Bundesstaat São Paulo ebenfalls ein wichtiger Standort. Zahlreiche Forschungseinrichtungen in den Lebenswissenschaften haben ihren Sitz im Bundesstaat oder direkt in der Metropolregion (s. Abschnitt Akteure und Netzwerke), außerdem sind viele Biotech-Unternehmen in der Region angesiedelt, darunter auch das weltweit größte Unternehmen der Branche Amgen.

Knapp 60 Prozent der brasilianischen Hersteller für medizinische Geräte haben ihren Sitz im Staat São Paulo, entsprechend hoch ist die Konzentration spezialisierter Arbeitskräfte. Ferner gibt es in der Region fünf Technologieparks, die auf Lebenswissenschaften und Gesundheitsvorsorge spezialisiert sind. Die brasilianische Pharmaindustrie ist ebenfalls zu großen Teilen in Staat São Paulo ansässig, insbesondere in der Metropolregion und in Campinas. Zusätzlich befindet sich die Fundação para o Remédio Popular (FURP) in São Paulo-Stadt. Die FURP ist ein pharmazeutisches Labor der Regierung des Bundesstaats und der größte öffentliche Arzneimittelhersteller in Brasilien sowie einer der größten in Lateinamerika. Die Stiftung ist für die Entwicklung und Herstellung, den Vertrieb sowie die Abgabe von Arzneimitteln zuständig.

Von deutscher Seite sind Henkel, BASF, Bayer, Boehringer Ingelheim und Evonik maßgebliche Akteure in der Pharma- und Chemieindustrie der Region. Evonik hat im April 2018 ein neues Labor für Anwendungstechnik in Americana (120 km nordwestlich von São Paulo) eröffnet.

Ebenso von Bedeutung ist das Centro de Inovação, Empreendedorismo e Tecnologia (Cietec). Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige privatrechtliche Vereinigung, die innovatives Unternehmertum fördert und den Transfer von Forschung in den Markt unterstützt. Das Zentrum fungiert als Inkubator und Fördermittelgeber und bietet Beratungen für Startups sowie Dienstleistungen in den Bereichen Technologiemanagement, Marketing und Verwaltung an. Bis Ende 2018 wurden über 100 Unternehmen durch Citec inkubiert, die mehr als 130 Patente angemeldet haben. Insgesamt sind über 250 Unternehmen aus den Sektoren Biotechnologie, Elektronik, Chemie, Lebenswissenschaften und Informationstechnik im Citec zusammengeschlossen.

Akteure und Netzwerke

Im Bundesstaat São Paulo sind zahlreiche staatliche Forschungseinrichtungen aus Agrarwissenschaften, Lebenswissenschaften, Geowissenschaften, Geisteswissenschaften, angewandte Sozialwissenschaften und Ingenieurswissenschaften angesiedelt, viele davon direkt in der Metropolregion:

Agrarwissenschaften

Lebenswissenschaften

Geowissenschaften

Geisteswissenschaften

Angewandte Sozialwissenschaften

Ingenieurswissenschaften

In unmittelbarer Umgebung um die Hightech-Region spannt sich das São Paulo Technology Parks System (SPTec) auf, das sich über den gesamten Bundesstaat erstreckt und vom State Department of Economic Development, Science, Technology and Innovation (SDECTI) verwaltet wird. Von 80 Technologieparks des Landes ist ein Viertel im Staat São Paulo angesiedelt, darunter der Technologiepark in São José dos Campos, der zu den führenden Parks in Brasilien zählt.

Ebenfalls dem SDECTI zugeordnet ist das Paulista Network of Incubators of Technology Based Companies (RPITec), ein Inkubatornetzwerk, das innovative Projekte in der Region begleitet. Aufgaben von RPITec sind die Förderung der Implementierung und Stärkung von technologiebasierten Gründerzentren im Bundesstaat São Paulo, die Förderung einer Kultur des innovativen Unternehmertums sowie die Integration von Inkubatoren durch intensiven Informationsaustausch und die Verbreitung von Wissen und Prozessen des Technologie-, Markt-, Geschäfts- und Internationalisierungsmanagements von Unternehmen. Ferner sollen Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der im Bundesstaat beheimateten Unternehmen gestärkt und entsprechende Studien bzw. Evaluationen zum Innovationsgrad der Region durchgeführt werden.

São Paulo gilt nach wie vor als dynamisches Innovationsökosystem mit vielen Startups und ist daher eine beliebte Region für Investoren. Neben dem landesweit größten Accelerator Startup Farm mit Sitz auf dem Google Campus, der durch Visa und IBM finanziert wird, sitzen weitere Business Angels und Venture Capital (VC) Firmen in der Region:

In São Paulo sind zahlreiche deutsche Brückenköpfe vertreten, die den Zugang zu regionalen Märkten, akademischen Einrichtungen und weiteren Akteuren erleichtern. Dazu zählen das Deutsche Generalkonsulat São Paulo, die DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, die Bank für Internationale Projekt- und Exportfinanzierung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW IPEX-Bank) sowie der VDI-Brasilien und der VDI-Freundeskreis Brasilien. Des Weiteren haben das Goethe-Institut und das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) Standorte in São Paulo, in denen jeweils ein Büro des örtlichen DAAD-Informationszentrums unterhalten wird. Im DWIH haben neben dem DAAD die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), mehrere deutsche Hochschulen und die Fraunhofer-Gesellschaft Büros eingerichtet.

Außerdem ist die Deutsch-Brasilianische Industrie und Handelskammer (AHK) in der Region vertreten, die unter anderem die Initiative "AHK startup connected" ins Leben gerufen hat. Die Initiative wurde in Zusammenarbeit mit ausgewählten deutschen Großunternehmen gestartet und verfolgt das Ziel, deutsche und brasilianische Startups beim Geschäftsaufbau zu unterstützen. Dazu wird jährlich der Startup-Innovationspreis vergeben; seit 2013 haben laut aktuellem Geschäftsbericht mehr als 1.000 Jungunternehmen an dem Wettbewerb teilgenommen. Seit 2004 ist der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V. (DGRV) mit einem Büro im Deutschen Wirtschaftszentrum der AHK in São Paulo vertreten.

Von brasilianischer Seite bietet die Investitionsförderung Investe São Paulo umfassende Unterstützungs- und Beratungsdienstleistungen zur Ansiedlung von Unternehmen an (s. Liste von ausländischen Handelskammern im Bundesstaat und Liste von Unternehmerverbänden). Im Dezember 2018 wurde das erste öffentliche Innovationszentrum hub/sp in der Region eröffnet. Investe SP verfolgt damit das Ziel, die Startup-Szene mit Bildungseinrichtungen, der Politik, privaten Investoren und Gründern zu vernetzen.

Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

In der Region sind landesweit führende und international angesehene Forschungseinrichtungen und Universitäten angesiedelt. Gut die Hälfte (52 %) aller brasilianischen Publikationen kommt aus dem Bundesstaat; in absoluten Zahlen übertrifft São Paulo alle lateinamerikanischen Staaten.

Zu den wichtigsten Hochschulen in und um São Paulo, aber auch in Lateinamerika gehören die Universidade de São Paulo (USP), die Universidade Estadual de Campinas (UNICAMP) in Campinas, die Universidade Estadual Paulista (UNESP), die Universidade Federal de São Paulo (UNIFESP), die Pontifícia Universidade Católica de São Paulo, eine Universität päpstlichen Rechts, die zu den größten und renommiertesten des Landes zählt, die Universidade Federal do ABC (UFABC) in Santo André sowie die Universidade Federal de São Carlos (UFSCar).

Die USP ist Brasiliens größte und renommierteste Universität und gleichzeitig eine der besten Universitäten Lateinamerikas. Die Hochschule hat acht Standorte mit 48 Lehr- und Forschungseinrichtungen im gesamten Bundesstaat, davon 29 im Stadtkern São Paulos mit einem Schwerpunkt auf Gesellschaftswissenschaften sowie Biotechnologie und Lebenswissenschaften. Darüber hinaus deckt die Universität sämtliche Forschungsdisziplinen ab und kooperiert mit je vier Krankenhäusern und Museen. Im Times Higher Education World University Ranking liegt die USP auf Rang 2 in Lateinamerika (2018), weltweit belegt sie einen Rang zwischen 251 und 300 (2019). 2017 waren knapp 98.000 Studierende eingeschrieben.

In der Hochtechnologie-Region Campinas, nordwestlich von São Paulo, liegt die zweitwichtigste Universität des Landes UNICAMP. Sie umfasst 26 Fakultäten, drei Krankenhäuser und 21 interdisziplinäre Forschungseinrichtungen und verzeichnet sowohl die meisten Publikationen pro Fakultätsmitarbeiter als auch die in absoluten Zahlen meisten Patentanmeldungen in Brasilien. 2017 waren hier rund 40.000 Studierende eingeschrieben.

Die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft ist in der Region von hoher Relevanz. Um Spitzenforschung in Anwendungen zu bringen, führt die Fundação de Amparo à Pesquisa do Estado de São Paulo (FAPESP) Forschungseinrichtungen und Unternehmen zusammen. Dazu bietet FAPESP eine Vielzahl von Forschungsprogrammen an, kann bei der Finanzierung Beihilfe leisten und vermittelt qualifizierte Arbeitskräfte. Darüber hinaus fördert die Einrichtung derzeit 17 sogenannte Research, Innovation and Dissemination Centers (RIDCs), die im gesamten Bundesstaat angesiedelt sind (Übersicht).

Neben nationalen Partnern unterhält FAPESP internationale Kooperationen unter anderem mit Argentinien, Kanada, Israel, Spanien, Frankreich, Großbritannien und den USA. Aus Deutschland haben das das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die DFG, der DAAD , das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, die Fraunhofer Gesellschaft, die Max-Planck-Gesellschaft, die TU München, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die Universität Münster sowie die Universität Hamburg Kooperationsabkommen mit der FAPESP geschlossen.

Insgesamt ist das (Aus-)Bildungsniveau in der Region sehr hoch. Während der Anteil an kaum oder wenig gebildeten Arbeitnehmern (0 bis 7 Bildungsjahre) im Bundesstaat São Paulo unter dem Durchschnitt Brasiliens liegt, haben 62 Prozent im Bundesstaat mindestens 11 Bildungsjahre gesammelt, wohingegen dies bundesweit nur auf die Hälfte der Menschen zutrifft. Insbesondere der Anteil an sehr hoch gebildeten Arbeitskräften (15 Jahre und mehr) liegt mit knapp 20 Prozent deutlich über dem brasilianischen Durchschnitt von ca. 14 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten des Bundesstaats arbeitet in der Metropolregion São Paulo.

Entwicklungsdynamik

2014 hat die Stadt den bis 2030 angelegten und unter breiter Beteiligung der Bevölkerung entwickelten City of São Paulo Strategic Master Plan verabschiedet. Darin enthalten ist ein integriertes Mobilitäts- und Verkehrskonzept, das den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, den Ausbau von Rad- und Fußgängerwegen, die Einrichtung autofreier Zonen und Carsharing-Angebote umfasst. Die Flächennutzung in der Stadt soll optimiert werden, Wohneinheiten sollen vor allem entlang gut ausgebauter Verkehrsnetze (Zug, U-Bahn, Bus) entstehen. Des Weiteren formuliert die Strategie das Ziel, Grünflächen und Parks in der Stadt zu bewahren und auszubauen.

Aufgrund der Wirtschaftskraft im Bundesstaat und speziell in der Metropolregion São Paulo sowie dem ausgeprägten Netzwerk aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Transferpartnern kann davon ausgegangen werden, dass die Region auch in Zukunft eigene Innovationen hervorbringen und auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig bleiben wird. Gleichwohl lässt sich derzeit nicht abschätzen, ob und inwieweit die Politik des neu gewählten Präsidenten Jair Bolsonaro Einfluss auf die Region haben wird.

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