Seattle

Die Metropolregion Seattle (auch Seattle-Tacoma-Bellevue Metropolregion genannt) liegt im US-Bundesstaat Washington, etwa 155 Kilometer südlich der Grenze zu Kanada und erstreckt sich auf einer Fläche von über 15.200 Quadratkilometern. Mit beinahe vier Millionen Einwohnern erzielt sie den 15. Platz der größten Metropolregionen der USA.

Seattle ist mit 368 Quadratkilometern Fläche und rund 745.000 Einwohnern die größte Stadt der Region und zählt regelmäßig zu den wachstumsstärksten Großstädten der USA. Sie ist der Verwaltungssitz des King County und gilt als wirtschaftliches, wissenschaftliches und kulturelles Zentrum im Pazifischen Nordwesten.

Die Region hat ein Bruttoregionalprodukt (GDP) von rund 277 Millionen USD (Stand 2018 für King County). Mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Jahreseinkommen von 68.460 USD gehört Seattle zu den wohlhabendsten Städten des Landes. Aufgrund des hohen Wirtschaftswachstums und hohen Bildungsniveaus ist Seattle ein starker Wirtschaftsraum und wurde wiederholt mit dem ersten Platz der Forbes-Liste für "Best Places for Business and Careers" (2018 und 2019) ausgezeichnet. Alle Fortune 500 Unternehmen des Bundesstaates befinden sich zudem in der Metropolregion.

Die Region ist einer der größten Pro-Kopf-Exporteure des Landes. Durch die Meeresbucht Puget Sound direkt mit dem Pazifik verbunden, sind die Häfen von Seattle und Tacoma ein bedeutender Handelsknotenpunkt und bilden gemeinsam den viertgrößten Containerhafen Nordamerikas. Der Großteil des Handelsvolumens erstreckt sich auf den Warenaustausch mit Ost- und Südostasien, insbesondere China, Japan, Südkorea und Taiwan, gefolgt von Kanada und Alaska. Die wichtigsten europäischen Handelspartner sind Deutschland und Italien. Neben Lebensmitteln, allen voran Sojabohnen, werden primär Flugzeugteile exportiert. Dies ist vor allem auf Boeings Präsenz in der Region zurückzuführen.

In Seattle gegründet, blieb Boeing auch nach seiner Hauptsitzverlagerung 2001 nach Chicago durch die Verkehrsflugzeugsparte lokal erhalten. Das Boeing-Werk in Everett, 45 Kilometer außerhalb Seattles, ist Boeings Hauptproduktionsstandort mit über 30.000 Arbeitsplätzen. Die Luft- und Raumfahrtbranche hat in der Region einen starken Wirtschaftseinfluss. Nirgends sonst gibt es eine vergleichbar hohe Konzentration an SpaceTech-Unternehmen und entsprechenden Arbeitsplätzen. Zu ihnen gehören unter anderem SpaceX, Blue Origin, Spaceflight Industries und Stratolaunch. Das Luft- und Raumfahrtcluster setzt sich außerdem aus der Pacific Northwest Aerospace Alliance, der King County Aerospace Alliance, dem Joint Center for Aerospace Technology Innovation und einer Vielzahl an akademischen Forschungskonsortien und Innovationszentren zusammen. Das Cluster verfügt über viele internationale Verbindungen, beispielsweise zur deutschen Luft- und Raumfahrtinitiative Niedersachsen Aviation.

Ein weiterer starker Wirtschaftsfaktor ist die IT- und Digitalbranche. Technologie-Größen wie Amazon und Microsoft haben ihren Hauptsitz im Großraum Seattle und stellen zusammen über 100.000 lokale Arbeitsplätze. Andere bekannte Firmen mit Niederlassungen in Seattle sind Google (zweitgrößter Standort), T-Mobile USA und Facebook. Seattle gilt als ein Zentrum der Tech-Branche und belegt den 12. Rang auf Savills Tech-Cities-Liste sowie Platz 16 des internationalen Innovation-Cities-Index. Das Informations- und Kommunikationstechnologiecluster hat internationale Strahlkraft, insbesondere in den Bereichen Cloud Computing, Künstliche Intelligenz, Big Data sowie Virtual und Augmented Reality. Die Clusterschwerpunkte ziehen vermehrt auch die Aufmerksamkeit der deutschen Automobilindustrie auf sich. So haben Volkswagen und Microsoft für die Entwicklung einer Automotive Cloud eine strategische Partnerschaft initiiert. In dem neu entstehenden Volkswagen-Entwicklungszentrum in Seattle sollen digitale Ökosysteme neuer Fahrzeuggenerationen sowie ein vernetzter Fahrzeugdienst realisiert werden. Auch Mercedes-Benz zog die lokale Expertise im Bereich Cloud Computing nach Seattle. In ihrem stadtnahen Forschungs- und Entwicklungs-Hub arbeiten mittlerweile über 80 Beschäftigte in Kooperationen mit Amazon, Microsoft und Google an der digitalen Vernetzung von Fahrzeugen.

Das Life Science-Cluster profitiert ebenfalls von der lokalen Tech-Branche und ihren Innovationen. Zugehörig sind über 1.000 Biotech-Unternehmen, Gesundheitszentren, Forschungsinstitutionen, Stiftungen und Start-ups sowie zahlreiche Clusterpartner weltweit. Schwerpunkte des Clusters sind vor allem Global Health, Zell- und Krebsforschung. Clusterköpfe wie die Washington Global Health Alliance und Life Science Washington verbindet unter anderem die Arbeit des Center for Global Infectious Disease Research, des Fred Hutchinson Cancer Research Center, Juno Therapeutics, des Institute for Health Metrics and Evaluation oder der Bill & Melinda Gates Foundation.

Eine weitere Stärke der Hightech-Region ist das hohe Bildungsniveau der Bevölkerung. 63 Prozent der über 25-Jährigen haben mindestens einen Hochschulabschluss. Institutionen wie die University of Washington und die Seattle University sorgen zudem mit ihrem breiten Angebot an MINT-Fächern für einen stetig wachsenden Fachkräftepool. Die besonders renommierte University of Washington rangiert seit Jahren sowohl unter den 20 besten Universitäten des Landes (Platz 17, 2020) als auch unter den Top-30 Universitäten weltweit (Platz 26, 2020). Mit rund 58.000 Studierenden ist sie zudem die größte Universität der Region, mit einer hohen Reputation in den Bereichen Medizin, Ingenieurswesen, IT, Biologie, Germanistik und Soziale Arbeit.

Die University of Washington pflegt mit vielen deutschen Hochschulen Partnerschaften in zahlreichen Studienbereichen: Neben Germanistik zählen dazu Fächer wie Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften, IT oder Physik. Zu den beinahe 20 Partnerprogrammen gehören unter anderem die TU Berlin und TU Dresden, die Ludwig-Maximilian-Universität München sowie die Universitäten in Mannheim, Heidelberg und Tübingen. Durch eine aktive Kooperationskultur zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und den hohen Grad an Forschungsmitteln trägt die Universität maßgeblich zum Entwicklungsgeist der Region und ihrer Cluster bei und zählt auch international zu den innovationsreichsten Universitäten. Ein jährliches Forschungsbudget von 1,58 Mrd. USD bestätigt den Innovations- und Technologietransfer-Charakter der Universität, ebenso wie 476 ausgestellte Patente, 1.806 vergebene Lizenzen und 77 entstandene Start-ups und Spin-Off-Unternehmen in den letzten fünf Jahren.

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