Kurzprofil

Das chinesische Suzhou ist eine bezirksfreie Stadt im Südosten der Provinz Jiangsu und liegt etwa 80 km von Shanghai entfernt. Die Präfektur Suzhou mit einer Fläche von 8.488 km² setzt sich aus insgesamt fünf Stadtbezirken (Gusu, Huqiu, Wuzhong, Xiangcheng und Wujiang) und vier kreisfreien Städten (Kunshan, Taicang, Changshu, Zhangjiagang) zusammen. Die Präfektur, in der rund 11,8 Mio. Menschen (4 Mio. im Kernbezirk) leben, wird im vorliegenden Porträt als Cluster begriffen.  

In Suzhou befinden sich verschiedene Entwicklungszonen und Industrieparks, darunter der (China-Singapore) Suzhou Industrial Park und der Suzhou New District. Der Cluster verfügt über eine große Vielfalt von Stärkefeldern, zu den wichtigsten zählen die Stahlindustrie, IT und Elektronikindustrie, Automobilindustrie, in jüngster Zeit wird auch die Nanotechnologie zum Stärkefeld ausgebaut. Ein weiterer traditioneller Schwerpunkt Suzhous liegt in der Textilindustrie. Das Pro-Kopf-BIP Suzhous betrug 2012 über 18.000 USD (das dritthöchste aller bezirksfreien Städte in China).

Die Altstadt ist von Kanälen, Brücken und Gärten, deren Bau teilweise bis in die Ming-Zeit zurückreicht, durchzogen, weswegen sie auch "Venedig des Ostens" genannt wird. Südlich von Suzhou liegt der Tai Hu, der drittgrößte Binnensee in China.

Internationale Anziehungskraft

Infrastrukturell zeichnet sich der Cluster durch seine strategisch günstige Nähe zu Shanghai aus. Vom Stadtkern Suzhou bis ins Zentrum Shanghais sind es rund 85 km Luftlinie. Mithilfe einer Schnellverbindung ist Shanghai in einer halben Stunde erreichbar. 2005 wurde zudem eine Ringautobahn um Suzhou herum fertiggestellt, die vor allem Taican, Kunshan und Changshu noch besser miteinander verbindet.

Zwar verfügt Suzhou über einen eigenen Flughafen, den Suzhou Guangfu Airport, dieser wird jedoch in erster Linie militärisch genutzt. Nahe gelegene Flughäfen sind der Wuxi Shuofang Airport, der Shanghai Hongqiao International Airport und der Pudong International Airport.

Seit einiger Zeit wird der Cluster auch international aufgrund beeindruckender Wachstumsraten verstärkt wahrgenommen. Eine Auswahl verschiedener Auszeichnungen und Rankingplatzierungen des Clusters sowie des Suzhou Industrial Parks (SIP) illustriert diese Entwicklung:

  • In dem Ranking der Shanghaier Tongji Universität, China’s Top 100 Industrial Parks, rangiert der Suzhou Industrial Park (SIP) unter den Top3.
  • CNN Money zählte Suzhou 2010 zu den China's 5 best new cities for business.
  • Im Rahmen einer Gesamtbeurteilung aller Entwicklungszonen in der Provinz Jiangsu erreichte der Suzhou Industrial Park von 2009 bis 2013 durchgehend den ersten Platz.
  • Im Hot spots – Benchmarking global city competitiveness-Ranking der Economist Intelligence Unit von 2012 erreichte Suzhou in der Kategorie “Wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit” den 13. Platz.
  • In der Forbes China's 2012 Best Cities For Business List tauchen alle fünf Städte des Clusters in den Top100 auf: Suzhou (Platz 9), Kunshan (Platz 40), Wujiang (Platz 59), Zhangjiagang (Platz 64) und Taicang (Platz 76).
  • Gewinn des Lee Kuan Yew World City Prize 2014 für nachhaltige Stadtplanung.
  • Suzhou gilt gemeinhin als eine der attraktivsten Städte Chinas, was sich  auch im Tourismus niederschlägt: In einer Rangliste der beliebtesten Touristenziele in China belegte Suzhou 2013 Rang 13.
  • Die rund ein Dutzend erhaltenen Gärten und Parkanlagen aus der Zeit der Ming-Dynastie zählen seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Mit dem Suzhou International Expo Center (188,600 m2 Fläche) verfügt der Cluster seit 2004 über ein hochmodernes Messezentrum, in dem jedes Jahr eine Vielzahl verschiedener Messen und Kongresse stattfinden. Das Messezentrum zählt inzwischen zu den zehn größten Messezentren in ganz China. Zu den wichtigsten regelmäßigen Messen im Cluster zählen:

  • China Congress and Exposition on Gerontology and Health Industry
  • Ende Mai 2014 fand zum ersten Mal die China International Optical & Electric Cable Industry Expo im Suzhou International Expo Center statt. In Suzhou wird die Hälfte aller chinesischen Glasfaserprodukte hergestellt.

  •  Seit 2010 findet alljährlich die Nanotechnologie-Messe ChiNano im Clustergebiet statt.

Aufgrund der Nähe zu Shanghai und den (noch) vergleichsweise niedrigen Betriebskosten ist Suzhou eines der attraktivsten Ziele für ausländische Direktinvestitionen in China geworden. Die Summe der ausländischen Direktinvestitionen nach Suzhou betrug 2012 ca. 8,54 Mrd. USD, insgesamt haben sich dort bereits knapp 17.000 ausländische Unternehmen angesiedelt.

Das BIP in Suzhou betrug 2013 insgesamt 1,3 Billionen CNY (umgerechnet 154,4 Mrd. EUR) und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 9,6 Prozent gestiegen. Suzhou gilt als eine der reichsten Städte in ganz China. 2009 lag das BIP der Stadt noch bei 774 Mrd. CNY (umgerechnet 83 Mrd. EUR). Damit ist das BIP in nur vier Jahren um rund 85 Prozent gestiegen.

Zu den in Suzhou ansässigen Unternehmen zählen der Hardwarehersteller Logitech und Bosch, das hier Bremssysteme, (Motor-)Steuergeräte und Navigationssysteme herstellt. Desweiteren werden in Suzhou Notebooks und iPods für Apple produziert. GlaxoSmithKline unterhält einen Produktionsstandort für Medikamente für den chinesischen Markt und MTU Friedrichshafen produziert Dieselmotoren der Baureihe 2000. Philipps Healthcare baut derzeit ein neues Zentrum in Suzhou für den asiatischen Markt.

Größter Arbeitgeber ist Samsung mit etwa 4.000 Beschäftigten. Vor allem in der kreisfreien Stadt Taicang, die Suzhou administrativ untergeordnet ist, haben sich eine ganze Reihe deutscher Maschinenbau-Unternehmen niedergelassen.

Bezüglich des Anteils am gesamten BIP überwiegt der Industriesektor leicht mit 52,7 Prozent; dahinter folgt der Dienstleistungssektor mit 45,7 Prozent.

Die Gesamtsumme aller Exporte aus dem Cluster betrug 2012 153 Mrd. USD, die Summe der Importe ca. 120 Mrd. USD.

Thematische Stärkefelder

Der Cluster verfügt über Ökonomische und Technologische Entwicklungszonen (ETDZ) sowie eine Freien Exportzone (EPZ), der Zhangjiagang Free Trade Zone. Darunter befinden sich sowohl "nationale" als auch regionale (provincial-level) Entwicklungszonen: Der Unterschied zwischen diesen beiden Kategorien liegt darin, dass die nationalen Entwicklungszonen über eine höhere politische Eigenständigkeit verfügen. Die ETDZs sind in China ein wichtiges wirtschaftspolitisches Instrument, in denen mithilfe geringerer Steuern und massiver Subventionen die Ansiedlung ausländischer Unternehmen und Direktinvestitionen gefördert werden soll. Ähnliche Projektflächen finden sich auch im benachbarten Cluster Shanghai, in Peking und in Shenzhen.

Die beiden wichtigsten Ökonomischen und Technologischen Entwicklungszonen auf nationalem Niveau sind zum einen der (China-Singapore) Suzhou Industrial Park sowie die Suzhou National New & High-Tech Industrial Development Zone, die heute eher unter der Bezeichnung "Suzhou New District" bekannt ist. Weitere nationale ETDZs sind:

  • Changshu Economic and Technological Development Zone
  • Kunshan Economic and Technological Development Zone

Zusätzlich existieren folgende Sonderzonen.

  • Zhangjiagang Bonded Zone
  • Suzhou Taihu Lake National Tourism Zone

(China-Singapore) Suzhou Industrial Park (SIP)

Der (China-Singapore) Suzhou Industrial Park (SIP) wurde 1994 eingerichtet und weist seitdem ein beeindruckendes durchschnittliches jährliches Wachstum von rund 30 Prozent auf. Die Entwicklungsfläche des Parks beträgt 288 km², mittlerweile ist fast die gesamte Fläche vollständig vermietet. 80 km² werden in Kooperation mit Singapur verwaltet. Über 5.000 ausländische Unternehmen haben sich im SIP niedergelassen, er ist das größte Kooperationsprojekt zwischen China und Singapur.

Der SIP ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung für den gesamten Cluster Suzhou, steht er doch für 15% des gesamten BIPs und für ca. 25% aller ausländischen Direktinvestitionen in den Cluster. Diese werden hauptsächlich aus Europa, Nordamerika und Asien getätigt, wobei Europa und Nordamerika mit einem jeweiligen Anteil von rund einem Viertel gleichauf liegen.

Zu den Schlüsselindustrien im SIP zählen der Maschinenbau, Elektronik und Informationstechnik. Deutsche Unternehmen, die Niederlassungen im SIP errichtet haben, sind Adidas, Braun, Bosch, GEA, Isola, Mahr, Siemens etc. Weitere internationale Unternehmen im SIP sind Nokia, Philips, Samsung, Hitachi, Fujitsu, Chrysler, Mitsubishi, Johnson and Johnson etc. Auch haben sich dort inzwischen über 160 Forschungszentren angesiedelt.

Suzhou New District

Die 1992 eröffnete Suzhou National New & Hi-Tech Industrial Development Zone bzw. der "Suzhou New District" verfügt über eine Gesamtfläche von 52km² und liegt etwa 5km westlich von Suzhou im Bezirk Huqiu. Die Leitung des Suzhou New District unterliegt der New High-Tech Industrial Company, die wiederum im Besitz der Stadtregierung von Suzhou ist. Zu den Schwerpunkten in der Entwicklungszone zählen Informationstechnologie, Präzisionsmaschinenbau, medizinische Produkte und Erneuerbare Energien, zu den geförderten Innovationsfeldern zählen u.a. High-Tech-Fertigung und umweltfreundliche Technologien. Auch hier haben sich mehrere deutscher Unternehmen niedergelassen, wie beispielsweise Jacob Müller, Knorr Bremse, Manz, Schäffler, Schneider, Schindler, Schott Glass, Siemens u. a.

In der folgenden Übersicht sind weitere Entwicklungszonen im Cluster mit den dazugehörigen Schwerpunkten aufgelistet.

Übersicht Entwicklungszonen in Suzhou

Entwicklungszone

Status

Gründungsjahr

Fläche

Schwerpunkte

Taicang Economic Development Area

provincial

1991

80km²

Automobilproduktion und -montage

Fertigung elektronischer Baugruppen

Versand

Lagerung

Logistik

Changshu Economic & Technological Development Zone

national

1992

71km²

Herstellung von Betriebsmitteln Automobilindustrie

Neue Energien, Kreativwirtschaft

Moderne Logistik

Kunshan New & Hi-tech Industrial Development Zone

national

1994

50-100km²

Biotechnologie und Pharmazeutika

Computersoftware

Fertigung elektronischer Baugruppen

Schwerindustrie

Telekommunikation

Wujiang Economic Development Zone

national

1993

40km²

Automobilproduktion und -montage

Werk- und Baustoffe

Produktion und Verarbeitung von Chemikalien

Schwerindustrie

Rohstoffverareitung

Kunshan Economic & Technological Development Zone

national

1985

25km²

IT

Präszisionsmaschinenbau

Zhangjiagang Free Trade Zone

national

1992

4km²

Feinchemie

Autoteile

Neue Telekommunikationsdienste

Neue Energien

Anlagenbau

Biomedizin

Tabelle: VDI TZ; Quelle: rightsite.asia

Zhangjiagang

In der kreisfreien Stadt Zhangjiagang leben insgesamt ca. 1,25 Mio. Menschen, das BIP der Stadt betrug 2012 rund 33 Mrd. USD (das dritthöchste aller kreisfreien Städte in China). Die Stadt verfügt über die im Oktober 1992 eingerichtete Zhangjiang Free Trade Zone (ZJG), deren Zentrum der Zhangjiagang Port ist. Auf einer Entwicklungsfläche von rund 4km² wird hier die Ansiedlung exportorientierter Unternehmen mithilfe verschiedener Subventionen gefördert:

  • Zollfreier Import von Werkzeugen und Anlagen.
  • Ausländische Produktionsbetriebe zahlen 25% Einkommensteuer, High-Tech-Unternehmen nur 15%.
  • Die Umsatzsteuer im ZJG liegt bei 17%, der Park erstattet einen Teil dieser Umsatzsteuer zurück (zwischen 9 und 11 Prozent).

Taicang

In Taicang haben sich mittlerweile rund 200 deutsche Unternehmen angesiedelt, darunter rund 190 klein- und mittelständische deutsche Maschinenbauer (zumeist aus Baden-Württemberg), die sich zum größten Teil in der Taicang Economic Development Area konzentrieren. Dazu kommen noch 300 amerikanische und europäische Unternehmen. Das BIP Taicangs betrug 2012 15,7 Mrd. USD.

In dem Forbes-Ranking „10 Richest Chinese County-level Cities” belegte Taicang 2011 mit einem Durchschnittsgehalt von rund 35 Tsd. CNY den siebten Platz.

Changshu

Changshu verfügt über 2 Millionen Einwohner und verbuchte 2012 ein BIP von über 31 Mrd. USD. Dort  haben sich mittlerweile über 3.000 ausländische Unternehmen aus 50 Ländern angesiedelt, darunter 32 Fortune500-Unternehmen. Zu den Unternehmen zählen Continental, Dunlop, Mitsubishi, Sharp, WalMart und Toyota. Jaguar hat den Bau einer neuen Fabrik in Changshu angekündigt.

Changshu ist auch Standort einer Fabrik des neuen chinesischen Autoherstellers Qoros, einer Kooperation des chinesischen Autoherstellers Cherry und der Israel Corporation, die seit 2007 rund 2,5 Mrd. USD in die Entwicklung der Marke investiert haben. Die Fabrik in Changshu verfügt über eine potenzielle Produktionskapazität von 450.000 Autos pro Tag.

Ausländische Direktinvestitionen nach Changshu stammen zu einem Drittel aus Taiwan. Die wichtigsten Branchen in Changshu umfassen Textilien, Papierindustrie, Feinchemikalien, Maschinenbau, Stahl und Forstwirtschaft. In Changshu haben sich über 4.000 Textil- und Bekleidungsunternehmen niedergelassen, die gemeinsam einen Jahresumsatz von rund 50 Mrd. CNY (umgerechnet ca. 5,9 Mrd. EUR) erzielen.

In Changshu befindet sich außerdem die 2003 von der Provinzregierung Jiangsu eingerichtete Changshu Southeast Development Zone, in der die Ansiedlung von Unternehmen aus den Branchen Biotechnologie, Pharmazeutika, Computersoftware, Schwerindustrie, Rohstoffverarbeitung, Forschung und Entwicklung und Telekommunikation gefördert wird.

Der Changshu Science and Technology Park (CSTP) wurde erst 2009 eingerichtet und verfügt über eine Entwicklungsfläche von 1km². Der Park besteht aus Hochschulen und akademischen Forschungsinstituten, weiter aus einem Technological Pioneering Park, einem Returned Students Pioneering Park, einem Innovation Park und einem International Enterprise R&D Park. Im CSTP werden die Innovationsfelder moderner Anlagenbau, neue Werkstoffe, neue Energien, Biopharmazeutika und Umweltschutztechnologien gefördert. Der Wissenschaftspark hat inzwischen Kooperationen mit mehr als 10 chinesischen Universitäten vereinbart.

Kunshan

Im kreisfreien Kunshan, das sich aus zehn Großgemeinden zusammensetzt, leben ca. 700.000 Menschen. Kunshan liegt geographisch in der Mitte zwischen Suzhou und Shanghai. Das BIP der Stadt hat sich binnen zehn Jahren von ca. 20 Mrd. CNY im Jahr 2000 auf ca. 210 Mrd. CNY in 2010 mehr als verzehnfacht, 2012 betrug das BIP der kreisfreien Stadt umgerechnet 43 Mrd. USD. Forbes China zeichnete Kunshan 2010 mit dem ersten Platz in dem „25 Best County-level Cities in China-Ranking“ aus.

Die Kunshan Economic & Technical Development Zone (KETD) wurde 1985 eingerichtet und erhielt 1992 die Auszeichnung als „State-level development zone“. Die KETD zählt zu den fünf stärksten nationalen Entwicklungszonen in China. Insgesamt wurden bereits über 15 Mrd. CNY in die 25km² große Entwicklungszone investiert. Bisher haben sich ca. 1.800 ausländische Unternehmen in der Zone registriert, darunter 60 Fortune500-Unternehmen.

Wujiang

Wujiang ist im Gegensatz zu den vorgenannten kreisfreien Städten lediglich ein Stadtbezirk von Suzhou. In Wujiang leben 1,5 Mio. Menschen, im Osten grenzt der Stadtbezirk direkt an Shanghai. In Wujiang hat sich mittlerweile eine vollständig abgedeckte IT-Wertschöpfungskette mit mehr als 700 IT-Unternehmen herausgebildet; der Bezirk hat sich auch durch die Einrichtung der Wujiang Economic & Technological Development Zone zu einem der wichtigsten IT-Produktionszentren (insbesondere im Bereich der LCD-Fertigung) in China entwickelt.

Vergleicht man die BIPs der einzelnen kreisfreien Städte um Suzhou herum als auch jenes des Suzhou Industrial Parks, so fällt auf, dass Kunshan hier mit 43 Mrd. USD das größte BIP vorweisen kann. Insgesamt jedoch ist die Wirtschaftsleistung recht gleich verteilt.

Akteure und Netzwerke

Die weit fortgeschrittene Internationalisierung ist eines der wesentlichen Merkmale des Clusters Suzhou: Nicht nur der Suzhou Industrial Park, der in Kooperation mit Singapur entstanden ist oder die investitionsfreudigen taiwanischen Unternehmen im Suzhou New District (wie etwa BenQ und Asus) sind Beleg hierfür, sondern auch die vielfältigen internationalen Kooperationen im Bildungsbereich.

So ist im Januar 2014 das neue "Internationalization Research Centre der Xi'an Jiatong-Liverpool University" (XJTLU, siehe Kapitel "Bildung, Qualifikation und Fachkräfte") eröffnet worden. Inmitten des Suzhou Dushu Lake Science and Education Innovation District, einer Pilotzone zur Internationalisierung von Bildung des chinesischen Bildungsministeriums, versucht das Zentrum der zunehmenden Internationalisierung von Bildung und Forschung Rechnung zu tragen und interdisziplinäre Forschung zu unterstützen.

Zu den mit dem Zentrum assoziierten Hochschulen im Cluster zählen die XJTLU, Renmin University of China, The Suzhou Research Institute of National University of Singapore, The Suzhou Research Institute of Wuhan University, The China (Suzhou) Research Institute of the University of Dayton, SIP Institute of Advanced Technology of the University of California, Los Angeles, Southeast University Monash University Joint Graduate School (Suzhou), Shandong University Graduate School (Suzhou) und HKU Space of Global College.

Mit der "Suzhou Nanopolis" wurde 2012 inmitten des SIP auf einem Areal von ca. 1 km² ein nationales Zentrum der Nanotechnologie und –forschung geschaffen, welches von der chinesischen Regierung mithilfe von Finanzierungen und Subventionen für Unternehmen und Projekte gefördert wird. "Nanopolis" ist nur eines von insgesamt sieben Projekten der zweiten Projektphase im Dushu Lake Science-Education Innovation Park, mit deren Hilfe der Cluster zum Zentrum nanotechnologischer Forschung avancieren soll. Das gesamte Investitionsvolumen dieser Projektphase liegt bei 26,7 Mrd. CNY (umgerechnet ca. 3,2 Mrd. EUR, Wechselkurs: 1 EUR = 8,3 CNY (31.12.12)). Im Umfeld der Projektfläche haben sich mittlerweile über 100 Nanotechnologie-Unternehmen angesiedelt.

Der Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA) vereinbarte 2012 eine Zusammenarbeit mit der Suzhou Nanotech Co. Ltd., der Trägergemeinschaft von "Nanopolis", mit dem Ziel, Verbindungen zu Forschungseinrichtungen, Universitäten und Fachkräften der Nanotechnologie herzustellen und die Ansiedlung deutscher Unternehmen in Nanopolis zu fördern.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterhält seit Mai 2014 eine Außenstelle in Suzhou, die als interdisziplinäre Plattform, Inkubator und zentrale Kontaktstelle des KIT für Industrie und Wissenschaft in China wirken soll. Geplant sind Workshops, Seminare und Konferenzen zu den strategischen Forschungsfeldern des KIT. Bereits seit einigen Jahrzehnten besteht eine strategische Partnerschaft zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Cluster.

Das Suzhou Institut für Nanotechnologie und Nanobionik (SINANO) wurde 2006 als gemeinschaftliches Projekt der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS), der Provinz Jiangsu, der Stadt Suzhou und dem SIP als eine von zwei chinesischen Forschungseinrichtungen im Bereich Nanotechnologie gegründet und befindet sich im Suzhou Industrial Park. Derzeit sind über 500 Forscher auf 150.000 m² Labor- und Büroräumen beschäftigt. Die Forschungsschwerpunkte des SINANO liegen in der Nanotechnologie, den Neuen Werkstoffen, Nanobiomedizin, Systemintegration, Chipdesign und interdisziplinärer Forschung. Das SINANO betreibt Kooperationen mit Forschungsgruppen aus den USA, Deutschland, Japan, Russland und anderen Ländern.

Ein Beispiel für diese internationalen Kooperationen des SINANO ist das Sino-German Center for Nanodevices (SGCN), eine 2012 vereinbarte Kooperation zwischen der TU Braunschweig und dem SINANO. Ziel des von Braunschweig aus koordinierten Projekts ist es, eine Plattform für Nanotechnologie und die Entwicklung von Nano-Bauelementen zu werden. Zu den Forschungsfeldern des SGCN zählen Nano-Photonik (LEDs), Nano- und Biosensoren, Nano Energie, Nanosynthese und Herstellung, Nanoanalytik und neue Forschungsgebiete.

Das AHK – Chien Shiung Ausbildungszentrum wurde im Juni 2007 von der AHK und dem Taicang Chien Shiung Institut für Technologie gegründet. Das Ausbildungszentrum orientiert sich am deutschen Modell der dualen Berufsausbildung und sorgt für mehr gut ausgebildete Fachkräfte in Taicang.

Deutschsprachige Brückenköpfe

Für Kooperationsinteressierte aus Wirtschaft und Politik gibt es verschiedene deutschsprachige Ansprechpartner in der Region:

  • Die Asia-Pacific Consulting GmbH ist eine auf Asien spezialisierte Unternehmensberatung, die Geschäftsstellen in Shanghai, Peking, Hangzhou, Suzhou und Düsseldorf unterhält.
  • GIC German Industry and Commerce Taicang
  • DUSA – European Association Suzhou, eine Non-Profit Organisation, die 2002 von mehreren deutschen Unternehmen gegründet wurde, bietet kleineren und mittleren deutschen Unternehmen Unterstützung bei der Geschäftsanbahnung in China. Die DUSA bietet Workshops, Trainings, Informationsveranstaltungen und mehr an.
  • Die AHK Greater China mit Repräsentanz in Shanghai ist als Ansprechpartner für deutsche Kooperationsinteressierte zuständig für die gesamte Provinz Jiangsu.

Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Die Versorgung des Clusters mit hochqualifizierten Arbeitskräften wird unter anderem durch die 24 Universitäten im Cluster sichergestellt. Im Suzhou Industrial Park ist ein eigenes Berufsbildungszentrum eingerichtet worden, das Institute of Vocational Technology. Dieses bietet Ausbildungsgänge in den Fachbereichen Mechatronik, Industrielektronik, Feinmechanik und Kommunikationstechnologie an. Im SIP arbeiten ca. 500.000 Menschen, 43.000 werden im Schnitt jedes Jahr neu eingestellt.

Die wichtigsten Bildungseinrichtungen im Cluster

Die renommierte Soochow-Universität wurde 1900 von Methodisten gegründet und gehört zu den wichtigsten Forschungsuniversitäten in China. An der staatlichen Hochschule sind etwa 50.000 Studierende eingeschrieben und werden von rund 1.600 Professoren betreut. In einem Ranking von 2013 landete die Soochow-Universität auf Platz 36 von 704 chinesischen Universitäten. Die Universität ist auf zwei Campusse aufgeteilt: Ein Campus befindet sich im Stadtzentrum von Suzhou, ein zweiter im Suzhou Industrial Park.

Die Xi’an Jiaotong-Liverpool Universität wurde 2006 gegründet und ist eine britisch-chinesische Kooperation zwischen der University of Liverpool und der Jiaotong-Universität Xi‘an. Der Unterricht an der natur- und ingenieurwissenschaftlich ausgerichteten, privaten Hochschule erfolgt in englischer Sprache. Der Campus befindet sich etwa 12km südöstlich vom historischen Stadtzentrum. Der Anteil ausländischer Professoren ist insgesamt recht hoch, momentan studieren etwa 7.000 Studenten an dem Campus in Suzhou, weitere 2.000 Studierende an der University of Liverpool. 2011 wurde die Universität von der Nachrichtenwebsite sina.com als einflussreichste chinesisch-ausländische Hochschule ausgezeichnet.

Das deutsch-chinesische Mittelstandsinstitut (DCMI) ist Teil der staatlich anerkannten, privaten Fachhochschule des Mittelstands (FHM). Zentraler Sitz des 2005 gegründeten FHM-Instituts ist das Baltic College FHM Schwerin, Ziel ist die Ausbildung hochqualifizierter deutschsprachiger Führungsnachwuchskräfte aus China für Unternehmen in China oder Deutschland. Das DCMI ist eine Kooperation der FHM mit der Soochow-Universität, es werden gemeinsame Studiengänge in internationaler Betriebswirtschaft angeboten. Gefördert wird die Kooperation auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

In Kunshan, das administrativ zu Suzhou gehört, ist eine Kooperation zwischen der Duke University in Durham, North Carolina (siehe Cluster Research Triangle Park) und der Wuhan Universität sowie der Stadt Kunshan geplant, um eine neue Universität mit dem Namen Duke Kunshan University zu errichten. Die Fakultäten der Duke Kunshan sollen Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaft, Informationstechnologie und Medizin abdecken.

Weitere Bildungseinrichtungen im Cluster:

  • Changshu Vocational Training Center
  • Riverside Vocational Training School
  • Zhangjiagang TV University
  • Shazou Professional Institute of Technology (die erste Hochschule, die im Alleingang von einer kreisfreien Stadt gegründet worden ist)

Entwicklungsdynamik

Suzhous schnelles Wachstum seit den 90er Jahren führte auch zu gewissen Problemen: Jedes Jahr siedeln sich mehr als 200 Unternehmen in Suzhou und Umgebung an, so dass der Mangel an Fachkräften mittlerweile das drängendste Problem in Suzhou ist.

Ein weiteres Problem für den Cluster sind die jüngsten Kostenanstiege: So haben sich die Grundstückspreise in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Unternehmen siedeln sich inzwischen vermehrt westlich von Suzhou in Wuxi und Changshu oder im Norden der Provinz Jiangsu an, wo sich das Pro-Kopf-BIP weiterhin auf einem Niveau von etwa 800 USD befindet.
Derzeit arbeitet die Stadtregierung Suzhous daran, eine Genehmigung für eine ähnliche Freihandelszone wie die China (Shanghai) Free Trade Zone in Shanghai zu erhalten, in der zahlreiche, auch finanzpolitische Reformmaßnahmen auf einem abgesteckten Terrain getestet werden. Suzhou wäre die erste Stadt in der Provinz Jiangsu, die eine eigene Freihandelszone nach Shanghaier Vorbild einrichten würde; mit ihr bewerben sich 14 weitere festlandchinesische Städte um eine solche Freihandelszone.

Für eine Genehmigung für Suzhou sprechen die Standortvorteile: die ohnehin weit fortgeschrittene Internationalisierung des Clusters und die enge Kooperation mit Singapur und Taiwan, auch im Bereich Finanzdienstleistungen, könnten Argumente für die Einrichtung einer solchen Zone sein.

Trotzdem sind Prognosen für die Entwicklungsdynamik des Clusters insgesamt gut: In einer von der Oxford Economics Intelligence Unit herausgearbeiteten Studie, Global Cities 2030, werden die Haushalte in Suzhou im Jahre 2030 rund 100 Mrd. USD zur Verfügung haben. Auch wird in der Studie prognostiziert, dass das Bruttoinlandsprodukt Suzhous bis 2030 um beinahe 400 Mrd. USD steigen wird und damit das zehnthöchste BIP-Wachstum weltweit erzielen wird.

Ansprechpartner

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