Überblick

Die OECD betrachtet Bildung als einen Prozess des lebenslangen Lernens "von der Wiege bis zur Bahre", der formales, nichtformales und informelles Lernen beinhaltet. Die Arbeiten in diesem Bereich stützen sich auf international vergleichbare Statistiken und Indikatoren, haben aber auch eine stark ausgeprägte qualitative Komponente. Das Endergebnis sind Politikempfehlungen, die darauf abzielen, sowohl die Qualität als auch die Ausgewogenheit der Bildungssysteme zu erhöhen. OECD-Veröffentlichungen über Bildungsfragen sind nicht nur für Regierungen und lokale Behörden von Bedeutung, sondern auch für die Zivilgesellschaft, Wissenschaftler, Bildungspraktiker und interessierte Laien (Quelle OECD).

Chancengerechtigkeit (Equity) stellt für die OECD im Bildungsbereich ein sehr wichtiges Ziel dar. Dafür gibt es mehrere Gründe: Bildung gilt als Schlüssel für Wirtschaftswachstum und für die Fähigkeit der Menschen zum Einkommenserwerb. Wo wesentliche Fertigkeiten fehlen, entstehen für Sozial- und Gesundheitssysteme hohe Kosten. Außerdem gewinnt Zugang zu Bildung in dem Maße an Wichtigkeit, in dem Gesellschaften auf kulturelle und ethnische Vielfalt und Bedürfnisse benachteiligter Gruppen eingehen müssen. Das OECD-Bildungsdirektorat unterstützt daher Länder in ihren Bemühungen, Zugang zu Bildung für alle zu schaffen - unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialem Hintergrund.
Zielsetzungen und Instrumente der OECD im Bereich Bildung werden nachfolgend unter den Gliederungspunkten

  • Analyse und Beratung,
  • Förderung von Mobilität und Internationalisierung

kurz dargestellt.

Weitere Informationen
Links/Institutionen

Analyse und Beratung

Das OECD Direktorat für Bildung sieht eine seiner Hauptaufgaben in der Entwicklung und Analyse international vergleichbarer, quantitativer Indikatoren. Das "International Education Indikators" (INES)-Projekt wurde vom CERI Governing Board bereits 1988 ins Leben gerufen. Es entspricht einem Wunsch der Politik nach internationalen Bildungsindikatoren, die es erlauben, die Leistung nationaler Bildungssysteme mit anderen Ländern zu vergleichen und die Effektivität und Entwicklung der Bildungssysteme besser erfassen und überprüfen zu können. Aktuelle Daten zu ausgewählten Indikatoren werden jedes Jahr in der Flaggschiffpublikation "Education at a Glance" veröffentlicht. Die Indikatoren beschreiben Bildungsergebnisse und -erträge, in Bildung investierte Finanz- und Humanressourcen, Bildungszugang, Bildungsbeteiligung und Bildungsverlauf sowie das Lernumfeld und die Organisation von Schulen. Zeitgleich mit der OECD-Publikation "Education at a Glance" erscheint die deutsche Übersetzung "Bildung auf einen Blick".

Die Analyse der Bildungspolitik  einzelner Länder mit Reformempfehlungen (Reviews of National Policies for Education) sind ein traditionelles Instrument der OECD. Mitgliedsländer können sich freiwillig zu einer Teilnahme entschließen und dabei auch den Fokus der Prüfung frei wählen (z.B. Schulen, Hochschulen, gesamtes Bildungssystem). In den letzten Jahren haben sowohl OECD-Mitgliedsländer als auch einige Nichtmitgliedsländer an solchen Analysen teilgenommen. Deutschland hat sich 1989 letztmals einer solchen prüfenden Analyse durch die OECD unterzogen.

Zu unterscheiden von den Analysen unter der Federführung des OECD-Bildungsdirektorats sind die Begutachtungen der Bildungspolitiken der Mitgliedsländer im Rahmen der sogenannten Wirtschaftsberichte (Economic Surveys). Dabei analysiert die OECD in Abständen von anderthalb bis zwei Jahren die wichtigsten wirtschaftlichen Herausforderungen für das teilnehmende Land und gibt länderspezifische Reformempfehlungen. Während die Teilnahme für die OECD-Mitgliedsländer grundsätzlich verpflichtend ist, nehmen einige Nichtmitgliedsländer (z. B. Brasilien, Indien und Russland) auf freiwilliger Basis teil. Innerhalb der letzten Jahre wurde in etwa der Hälfte aller Wirtschaftsberichte unter anderem ein Schwerpunkt auf Bildungssysteme der Teilnahmeländer gelegt.

Im Rahmen von OECD-Bildungsforschungsprojekten mit einem thematischen Fokus werden für die teilnehmenden Länder meist Länderberichte (Country Reviews) mit Bestandsaufnahmen und Reformempfehlungen erstellt. Beispiele sind die Projekte

  • zur frühkindlichen Bildung (Early Childhood Education and Care): Starting Strong I-III in den Jahren 2002-2011
  • zur Ausrichtung der Berufsbildungssysteme auf den Arbeitsmarkt: Learning for Jobs (2010) und Skills beyond School (2013)
  • sowie zum Hochschulwesen (Tertiary Education Review).

Die OECD hat in Deutschland insbesondere eine gewisse Bekanntheit durch die Durchführung von PISA erlangt. Das internationale Programm zur Messung von Schülerleistungen (Programme for International Student Assessment - PISA) misst die Kompetenzen von 15-jährigen Jugendlichen in den Bereichen Leseverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften. Die PISA-Studie wird seit 2000 periodisch in alle drei Jahre stattfinden Projektzyklen mit wechselnden Schwerpunkten durchgeführt:

  • Lesekompetenz (2000, 2009),
  • Mathematik (2003, 2012),
  • Naturwissenschaften (2006, voraussichtlich 2015).

Das zentrale Anliegen von PISA ist es, Aussagen darüber zu treffen, wie gut Schülerinnen und Schüler darauf vorbereitet sind, den Herausforderungen der Wissensgesellschaft insbesondere auf dem Arbeitsmarkt zu begegnen. Auf der Grundlage der PISA-Daten können Vergleiche der Leistungsfähigkeit der Bildungssysteme der Teilnahmeländer über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden.

Der mit PISA verfolgte Ansatz, über die breit angelegte und regelmäßig wiederholte Messung von Kompetenzen Informationen zu gewinnen, soll in den folgenden Jahren von der OECD noch mit interaktiven und online durchgeführten Tests erweitert werden.

2013 hat die OECD darüber hinaus erstmals einen internationalen Vergleichstest zur Erwachsenenbildung durchgeführt. Unter dem Titel PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult Competencies) haben sich 25 Staaten, darunter auch Deutschland, an dem Test beteiligt, dessen Ergebnisse im Oktober 2013 veröffentlicht worden sind. Ziel von PIAAC ist es, Kompetenzen von Erwachsenen zu vergleichen. Hierfür wurden in Deutschland rund 5.000 Personen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren repräsentativ ausgewählt und ihre Kompetenzen in Form einer Haushaltsbefragung von Herbst 2011 bis Frühjahr 2012 erfasst. Im Fokus stehen dabei Schlüsselkompetenzen wie Lesen, Mathematik und allgemeine Kompetenzen. Darüber hinaus wurden personenbezogene Kontextinformationen erfasst, die es ermöglichen, die Ergebnisse zu analysieren und zu interpretieren. Hierzu gehören unter anderem Fragen nach dem Bildungsabschluss und dem Beruf. Mit seinem arbeitsmarktbezogenen Fokus ist PIAAC die umfassendste Untersuchung von Kompetenzen Erwachsener, die bislang international vergleichend gemacht wurde.

Darüber hinaus  ist eine weitere OECD-Studie in Vorbereitung: Kurzprofile zur Bildungspolitik in allen OECD-Mitgliedsstaaten, die als sogenannte Country Profiles 2013-2015 veröffentlicht und als Sammlung unter dem Titel Education Policy Outlook zur Verfügung stehen sollen.

Die in den OECD-Projekten seit 2002 bereits erworbenen Erkenntnisse und die daraus abgeleiteten Empfehlungen ("Policy Orientations") hat das Bildungsdirektorat in dem Kompendium "Education Today: the OECD Perspektive" zusammengefasst. Es wurde 2009 veröffentlicht und ist jedermann zugänglich (siehe unten).

Nach oben

Förderung von Mobilität und Internationalisierung

Im Gegensatz zur EU legt die OECD zum Zweck der Förderung von Mobilität und Internationalisierung keine eigenen Förderprogramme auf. Stattdessen wird die OECD durch die Bereitstellung von Bestandsaufnahmen, Prognosen und Empfehlungen zur Internationalisierung tätig. Entsprechende Projekte werden vor allem durch das Bildungsforschungszentrum CERI durchfeführt. An dem Projekt "Governing Complex Education Systems" (GCES) nimmt Deutschland 2013 mit einer Fallstudie zu dem BMBF-Programm "Lernen vor Ort" teil.

Nach oben

Eine Initiative vom

Projektträger