Überblick

Das Direktorat für Wissenschaft und Technologie strebt an, Regierungen analytische Grundlagen für Politikformulierung und Politikempfehlungen in den Bereichen Wissenschaft, Technologie und Industrie zu liefern, um Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand zu fördern. Seit kurzem liegt ein verstärktes Augenmerk der OECD auf der Bedeutung von Innovation für Entwicklungs- und Schwellenländer.

Ziele und Instrumente der OECD im Bereich Wissenschaft und Technologie werden nachfolgend unter drei Gliederungspunkten im Überblick dargestellt:  

  • Analyse und Beratung,
  • Angleichung nationaler Ziele und Rahmenbedingungen,
  • Förderung internationaler Forschungskooperation.

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Analyse und Beratung

Für Analyse und Beratung nutzt die OECD folgende Instrumente:

  • Statistische Handbücher
  • Regelmäßige Veröffentlichung aktueller Daten
  • Regionale Innovationsberichte (Reviews of Regional Innovation)
  • Länderinnovationsberichte (Review of Innovation Policy)
  • Länderspezifische Wirtschaftsberichte (Economic Surveys) mit Empfehlungen zu Forschung und Innovation
  • Flaggschiffpublikationen mit Ländervergleichen (Statistiken und Analyse von Politiken und Strategien)
  • die Innovation Policy Platform zum besseren Austausch von länderspezifischen Daten und Informationen
  • Themenspezifische Analysen.

Um einen sinnvollen Ländervergleich zu ermöglichen, muss zunächst eine Einigung auf gemeinsame Standards bei der Informationssammlung erfolgen. In diesem Bereich ist die OECD seit vielen Jahrzehnten durch die Entwicklung von Handbüchern (Manuals) tätig, die die standardisierte Datensammlung und Dateninterpretation erlauben. Die bekanntesten Beispiele sind das Frascati-Handbuch, das seit den 60er Jahren die Regeln für die Erfassung statistischer Daten zu Forschung und Entwicklung festlegt, und das Oslo-Handbuch zu Innovationen (1993). Ein Handbuch zu Patentstatistiken wurde erstmals 1994 veröffentlicht.

Die OECD-Handbücher werden regelmäßig überarbeitet. So wurde beispielsweise in der dritten Auflage des Oslo-Handbuchs 2005 das Innovationskonzept auf nicht-technologische Formen von Innovation ausgedehnt. Das aktuelle Frascati-Handbuch wurde 2015 veröffentlicht. Das Oslo-Handbuch befindet sich kurz vor einer Neufassung.

Zweimal im Jahr veröffentlicht die OECD die neuesten verfügbaren Daten zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit der OECD Mitgliedsländer und ausgewählter Nichtmitgliedsländer unter dem Titel Main Science and Technology Indicators. Die Zeitreihen umfassen sechs oder sieben Jahre.

Die OECD arbeitet zudem kontinuierlich daran, neue Ansätze für die Messung und Quantifizierung im Bereich Forschungs- und Innovationspolitik zu entwickeln ("Measurement Agenda").

Seit 2007 werden auf Wunsch von OECD-Mitgliedsländern Prüfungen regionaler Innovation (Reviews of Regional Innovation) auf subnationaler Ebene durchgeführt.

Prüfungen von Innovationspolitiken einzelner Länder (Reviews of Innovation Policy) sind ein traditionelles Instrument der OECD, um Ländern bei der Gestaltung ihrer Wissenschafts- und Innovationspolitiken Hilfestellungen zu geben. Im Rahmen einer 2013 veröffentlichten Studie zu Südostasien hat die OECD erstmals eine ganze Region mit den sechs Ländern Indonesien, Kambodscha, Singapur, Thailand und Vietnam untersucht. Ko-finanziert wurde der Bericht durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das japanische Forschungsministerium MEXT und das EU-geförderte Netzwerk SEA-EU-NET. Die letzten Reviews of Innovation Policy werden für Norwegen und Finnland erstellt.

Zu unterscheiden von den Prüfungen von Innovationspolitiken sind die Begutachtungen von Innovationspolitiken im Rahmen der sogenannten Wirtschaftsberichte (Economic Surveys, in Deutschland inoffiziell auch Deutschlandexamen genannt). Dabei analysiert die OECD in Abständen von 1 ½ bis 2 Jahren die wichtigsten wirtschaftlichen Herausforderungen für das teilnehmende Land bzw. die EU und gibt Reformempfehlungen. Während die Teilnahme für die OECD-Mitgliedsländer grundsätzlich verpflichtend ist, nehmen einige Nichtmitgliedsländer, wie z. B. Brasilien und Russland auf freiwilliger Basis teil. Je nach Einschätzung der nationalen Problemlage gibt die OECD den teilnehmenden Ländern auch Empfehlungen zur Forschungs-/Innovationspolitik. 

Die Flaggschiffveröffentlichung der OECD im Wissenschaftsbereich ist der Wissenschafts-, Technologie- und Industrieausblick (Science, Technology and Industry Outlook - STI Outlook), der in den geraden Jahren publiziert wird.

In den ungeraden Jahren veröffentlicht die OECD das Scoreboard Wissenschaft, Technologie und Industrie (Science, Technology and Industry Scoreboard - STI Scoreboard). Im Scoreboard wird anhand von 200 vergleichbaren internationalen Indikatoren untersucht, wie sich die OECD-Länder und wichtige aufstrebende Volkswirtschaften in den Bereichen Wissenschaft und Technologie, Globalisierung und Industrie entwickeln. Seit kurzem verwendet die OECD verstärkt bibliometrische Daten, z.B. zur Analyse der Mobilität von Forschern.

Neben statistischen Analysen und Länderprüfungen führt die OECD thematische Studien zur Wissenschafts- und Innovationsforschung durch. Ein Beispiel bietet eine breit angelegte Studie zu Forschungsexzellenzinitiativen unter Beteiligung von insgesamt 20 Ländern, darunter auch Deutschland. Die Ergebnisse wurden im Februar 2014 in einem Abschlussbericht der OECD veröffentlicht.

Die Innovation Policy Platform IPP ist ein gemeinsames Projekt von OECD und Weltbank. Die webbasierte Plattform soll durch offenen Datenzugang kollektive Lernprozesse in Wissenschafts-, Technologie- und Innovationspolitik erleichtern. Zielgruppe sind politische Entscheidungsträger, die gezielte Unterstützung benötigen, um nationale Innovationssysteme zu analysieren und aufzubauen.

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Angleichung von nationalen Zielen und Rahmenbedingungen

Bei der Harmonisierung nationaler Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation könnte die OECD grundsätzlich auch durch den Abschluss völkerrechtlich bindender Verträge tätig werden. In diesem Bereich wurden jedoch bisher nur "weiche" Instrumente in Form von Empfehlungen des Rates und Erklärungen angenommen. Diese entfalten zwar keine bindende Wirkung für die OECD-Mitgliedsländer, reflektieren aber deren politisches Engagement. 

Außerdem verabschiedet der Ministerrat zunehmend umfassende Strategiepapiere, wie die OECD-Innovationsstrategie (2015) und die OECD-Strategie für umweltverträgliches Wachstum ("Green Growth", 2011).

Die Innovationsstrategie soll eine gemeinsame Vision für nationale Politikgestaltung in Mitgliedsländern wie Nichtmitgliedsländern bieten, obgleich die OECD anerkennt, dass die Ausgangssituation in den Ländern sehr unterschiedlich ist. 

Für umweltverträgliches Wachstum ("Green Growth") spielt Innovation ebenfalls eine wichtige Rolle, zusammen mit der Verteuerung von Umweltverschmutzung, Infrastrukturprogrammen, Regulierung und steuerlichen Anreizen.

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Förderung internationaler Forschungskooperation

Im Gegensatz zur EU fördert die OECD internationale Forschungskooperation nicht durch ein eigenes Programm zur Finanzierung länderübergreifender Forschungsprojekte. Stattdessen wird die OECD vor allem durch die Bereitstellung von Bestandsaufnahmen (wie z.B. zur Nanotechnologie) und Empfehlungen für internationale Forschungskooperation tätig. 

Die grundsätzliche Bedeutung internationaler Forschungs- und Technologiekooperation für Wachstum und Wohlstand unterstrich der OECD-Rat bereits 1988 und 1995 durch die Annahme zweier Empfehlungen.

Das Global Science Forum der OECD hat seit seiner Gründung verschiedene Aktivitäten zu internationaler Forschungskooperation unternommen, z.B. die Veröffentlichung eines Berichts zu Best Practice sowie die Erarbeitung eines Musterabkommens für internationale Forschungszusammenarbeit. In mehreren Fällen haben Projekte des Global Science Forums dazu geführt, dass neue internationale Organisationen zur Bearbeitung ausgewählter Forschungs- bzw. forschungspolitischer Aufgaben gegründet wurden z.B. die Global Biodiversity Information Facility GBIF.

Thematisch konzentrieren sich die Arbeiten der OECD vor allem auf drei Schwerpunkte:

  • Forschungsinfrastrukturen,
  • Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern sowie
  • Bewältigung globaler Herausforderungen bzw. das Erreichen einer nachhaltigen Entwicklung durch internationale Forschungszusammenarbeit.

Das OECD-Projekt zur Governance internationaler Forschungszusammenarbeit (2009-12) zwecks Bewältigung globaler Herausforderungen geht auf eine deutsche Initiative zurück. Die eigentliche Projektarbeit wurde von einem wissenschaftlichen Expertennetzwerk unter dem Dach der OECD durchgeführt. Dabei übernahm das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) die wissenschaftliche Koordination und leistete mit einer Förderung des BMBF gleichzeitig auch den deutschen Expertenbeitrag.

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