Überblick

Zentrales Instrument, um die Ziele des UNESCO-Wissenschaftsprogramms zu erreichen, sind zwischenstaatlich gesteuerte, wissenschaftliche Langzeitprogramme zu konkreten Forschungsgegenständen und in bestimmten Disziplinen:

  • Internationales Hydrologisches Programm (IHP) zum Thema Süßwasser, vor allem Forschung zu und Management von Fluss-Einzugsgebieten;
  • Zwischenstaatliche Ozeanographische Kommission (IOC) zur Erforschung und Beobachtung der Ozeane, inklusive Frühwarnsysteme;
  • ProgrammDer Mensch und die Biosphäre (MAB) zur Erforschung von Mensch-Umwelt-Beziehungen mit dem wichtigen Instrument der UNESCO-Biosphärenreservate;
  • Internationales Geowissenschaftliches Programm (IGCP);
  • Internationales Programm für die grundlegenden Naturwissenschaften (IBSP): Physik, Chemie, Biologie und Ingenieurswissenschaften;
  • Programm Management des sozialen Wandels (MOST): Sozialwissenschaften.

Weitere wichtige Programmelemente sind Bioethik und Menschenrechte.

Wissenschaftliche Langzeitprogramme

Das „International Hydrological Programme“ (IHP) fördert seit 1975 die Erforschung des Wasserkreislaufs vor dem Hintergrund einer sich verändernden Umwelt; ebenso fördert es neue Managementansätze zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Wasservorkommen. Beispiele sind die Definition von Regelungen zur gemeinsamen Bewirtschaftung grenzüberschreitender Flüsse, Strategien zur Abfederung von Dürrekatastrophen und zur Lösung von Ressourcenkonflikten zwischen Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung.

Der deutsche Beitrag zum IHP wird durch ein Nationalkomitee organisiert, das auch das Süßwasserprogramm HWRP der Weltmeteorologieorganisation (WMO) betreut. Das Nationalkomitee leistet einen eigenständigen Beitrag zu IHP und HWRP mit den folgenden Schwerpunkten: nachhaltige Nutzung von Süßwasservorkommen, grenzüberschreitende Zusammenarbeit an Donau und Rhein und Zusammenarbeit mit allen nordeuropäischen Staaten im Projekt FRIEND, das unter anderem den offenen Datenaustausch in der Region unterstützt. Das IHP/HWRP-Nationalkomitee ist die Plattform für die internationale Kooperation der deutschen Wasserforschung; es wird unterstützt durch ein Sekretariat an der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz.

Mehr Informationen zum IHP/HWRP-Nationalkomitee finden Sie hier.

Die „Intergovernmental Oceanographic Commission“ (IOC) fördert seit 1960 die Erforschung und Beobachtung der Weltmeere. Im Rahmen der IOC werden Forschungsprogramme koordiniert, zum Beispiel zur Wechselwirkung zwischen den Ozeanen und dem Klimawandel, zu gefährlichen Algenblüten, zur Korallenbleiche, dem CO2-Haushalt des Meeres und zum Nährstoffeintrag an den Küsten.

Die Ozeanbeobachtung, zum Beispiel durch das „Global Ocean Observing System“ (GOOS), ist der zweite Schwerpunkt der IOC. Die Schifffahrt hängt in entscheidender Weise von aktuellen Daten über die Ozeane ab. GOOS fasst für Nutzer in Wissenschaft und Verwaltung Echtzeit-Beobachtungsdaten einer Vielzahl von Instrumenten und Plattformen zusammen: freischwimmende und verankerte Bojen, auf Schiffen installierte Instrumente und Satelliten. Das globale Netzwerk der Meerespegel GLOSS liefert Daten für die Forschung zum Klimawandel und für die Katastrophenfrühwarnung. Das Programm IODE fördert den Aufbau globaler Kommunikationsinfrastrukturen zum Austausch ozeanographischer Daten.

Die IOC ist am bekanntesten für die von ihr koordinierten Tsunami-Frühwarnsysteme. Seit 1968 wurde das Warnsystem im Pazifik aufgebaut, seit 2005 auch im Indischen Ozean, in der Karibik und Nordost-Atlantik/Mittelmeer. Deutschland unterstützt diese Anstrengungen der IOC nachdrücklich, ein zentraler Beitrag ist das seit 2005 aufgebaute nationale Tsunami-Frühwarnsystem für Indonesien, das mit mehr als 40 Millionen Euro vom BMBF finanziert wird.

Die Hauptaufgabe der am Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie angesiedelten Deutschen IOC-Sektion ist die Koordinierung der Mitwirkung deutscher Institutionen und Wissenschaftler in den IOC-Gremien. Deutschland stellt laufend nationale Infrastruktur für die IOC-Ausbildungsprogramme zur Verfügung, z.B. die deutschen Forschungsschiffe.

Mehr Informationen zur Ozeanbeobachtung finden sich hier.

Das Programm „Man and the Biosphere“ (MAB) erarbeitet seit 1970 Grundlagen für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen weltweit. Wichtigstes Instrument des MAB-Programms ist das Weltnetz der 696 Biosphärenreservate (Stand Juni 2018). Die UNESCO-Biosphärenreservate sind einerseits im Weltmaßstab repräsentative Ökosysteme, wichtiger noch ist andererseits ihre Rolle als Modellregionen für nachhaltige Entwicklung. Deutschland besitzt 16 Biosphärenreservate (Stand Juni 2018), z.B. die Wattenmeere, Schaalsee, Rhön, Schorfheide Chorin, Flusslandschaft Elbe und Spreewald.

Das Nationalkomitee für das UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ ist eine Einrichtung des Bundesumweltministeriums, das Bundesamt für Naturschutz trägt das Sekretariat. Persönlich berufene Experten tragen zur nationalen Umsetzung und Fortentwicklung von MAB bei, insbesondere evaluieren sie die deutschen Biosphärenreservate und begutachten Neuanträge.

Mehr Informationen zu MAB-Nationalkomitee finden sich hier und zu UNESCO-Biosphärenreservate hier

Das „International Geoscience Programme“ (IGCP) ist ein thematisch breit angelegtes Programm der Geowissenschaften, mit einem Fokus auf gesellschaftlich relevante Forschungsthemen. Das IGCP ist ein Programm von Einzelprojekten, die auf Basis von Anträgen aus der Forschergemeinde bewilligt werden. Bisher haben in über 500 IGCP-Projekten Wissenschaftler aus rund 150 Staaten zusammengearbeitet. Mit mehr als 25.000 Veröffentlichungen seit 1972 gehört das IGCP zu den erfolgreichsten internationalen Forschungsprogrammen in den Geowissenschaften.

Mehr Informationen zum IGCP und dem deutschen Beitrag zu diesem Programm finden Sie hier.

Das „International Basic Science Programme“ (IBSP) wurde 2005 aufgelegt. Es umfasst Einzelprojekte in den Disziplinen Mathematik, Physik, Chemie, Biologie und Ingenieurwissenschaften, die auf Basis von Anträgen aus der Forschergemeinde bewilligt werden. Im Mittelpunkt soll die Stärkung regionaler Kooperationen stehen. Mehr Informationen finden sich hier

Das Programm „Management of Social Transformations“ (MOST) zielt auf einen intensiveren Austausch zwischen Politik und Sozialwissenschaften ab. Themen sind zum Beispiel Migration, Armutsbekämpfung und die alternde Gesellschaft. Das seit 1993 bestehende MOST finanziert keine Forschungsprojekte, sondern dient als Multiplikatorforum für politikrelevante Forschungsergebnisse.

Mehr Informationen finden sich hier.

Das Bioethik-Programm der UNESCO setzte bis 2005 einen Schwerpunkt auf die Formulierung neuer internationaler normativer Instrumente. Hintergrund ist der rasante Fortschritt der Lebenswissenschaften und der Medizin und die fortschreitende Globalisierung der Forschungsstrukturen. Viele Schwellen- und Entwicklungsländer sind nicht in der Lage, selbst angemessene Antworten auf die neuen Herausforderungen zu finden. Die drei Erklärungen der UNESCO zur Bioethik sind im globalen Maßstab die maßgeblichen Referenzdokumente zu diesem Themenkomplex.

  •  Allgemeine Erklärung über das menschliche Genom und Menschenrechte (1997)
  •  Internationale Erklärung über humangenetische Daten (2003)
  •  Allgemeine Erklärung über Bioethik und Menschenrechte (2006)

Erarbeitet wurden die drei Erklärungen maßgeblich vom Internationalen Ausschuss für Bioethik (IBC) und vom Zwischenstaatlichen Ausschuss für Bioethik (IGBC). Derzeit liegt der Schwerpunkt der UNESCO-Aktivitäten darin, die Umsetzung der etablierten Standards zu unterstützen. Beispiele sind die „Globale Ethikwarte“, ein System von Internet-Datenbanken mit Informationen zu Experten, Gesetzgebung und Ausbildungsprogrammen in der Ethik, und ein Programm zur ethischen Ausbildung von Ärzten, Wissenschaftlern und Krankenschwestern.

Mehr Informationen finden sich hier.

Eine Initiative vom

Projektträger