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Bildung und Hochschulen

Diese Seite zeigt eine Zusammenstellung der fachlichen Aktivitäten aus den Länderberichten zum Thema "Bildung und Hochschulen". Die vollständigen Länderberichte finden Sie auf den Seiten der jeweiligen Länder.

1Afrika

1.1 Südafrika

Schulen und Hochschulen

Südafrika verfügt über ein dreistufiges Bildungssystem:

  • General Education and Training (GET): Vorschule bis Klasse 9 einschließlich,
  • Further Education and Training (FET): Klassen 10 bis 12 sowie berufsbildende Colleges
  • Higher Education (HE): Höhere Bildung (Hochschulen und Universitäten). 

Schulsystem

GET-Stufe: In Südafrika besteht Schulpflicht vom 7. bis zum 15. Lebensjahr bzw. zum Ende der 9. Klasse. Die neun Jahrgangsklassen (grades) sind unterteilt in die Phasen Foundation, Intermediate und Senior. Im Anschluss daran erhalten die Absolventen ein General Education and Training Certificate. 

FET-Stufe: Nach weiteren drei Jahrgangsklassen (grades 10-12) erwerben die Schüler am Ende der formalen Schulausbildung das Further Education and Training Certificate, das zur Immatrikulation an den südafrikanischen Universitäten berechtigt.

Wer es sich leisten kann (vorwiegend die weiße Bevölkerung), schickt seine Kinder auf die teilweise erstklassigen und teuren Privatschulen des Landes. Heute besuchen ca. 4% der südafrikanischen Schüler Privatschulen. Während hier die Erfolgsquote in Abschlussprüfungen bei ca. 98% liegt, schließen auf den staatlichen Schulen des Landes nur knapp 50% ihr Examen erfolgreich ab, rund ein Viertel davon mit Hochschulzulassungsberechtigung.

Zulassung zum Studium

Grundvoraussetzung für die Zulassung zum Studium an einer südafrikanischen Hochschule ist ein dem dortigen Sekundarschulabschluss mindestens ebenbürtiger Schulabschluss. Die deutsche Allgemeine Hochschulreife wird in der Regel anerkannt. Die Hochschulen halten je nach Fachrichtung zusätzlich eine Eingangsprüfung ab. 

Gebühren

An südafrikanischen Hochschulen werden generell Studiengebühren erhoben. Die Höhe schwankt je nach Hochschule, Fachrichtung und angestrebtem Abschluss zwischen 700 und 4.000 Euro (im Einzelfall bis zu 6.000 Euro) pro Jahr. Bei bestehenden Hochschulpartnerschaften werden zum Teil erheblich geringere Gebühren erhoben. Internationale Studierende müssen häufig zusätzlich zu den Studiengebühren eine gesonderte Gebühr (international student fee) entrichten.

Im Oktober 2015 kam es in Folge der Ankündigung einer erneuten Erhöhung der südafrikanischen Studiengebühren um zehn Prozent zu Ausschreitungen von Studierenden. Insbesondere die Witwatersrand ("Wits") University in Johannesburg, die beiden Universitäten von Kapstadt und die Universität in Durban waren hiervon betroffen. Die Wits wurde zeitweilig besetzt. Obwohl sie formal eine öffentliche Einrichtung ist, wird sie de facto semi-privat geführt. Weniger als 50 Prozent ihrer Mittel stammen aus dem öffentlichen Sektor.

Besonders für die Studenten mit schwarzer Hautfarbe stellen die immer höheren Studiengebühren eine Hürde beim Zugang zum höheren Bildungswesen dar. In den Medien ist vielfach die Rede von einer neuen Form der Apartheid: Die Mehrheit der schwarzen Studenten, die in der Regel aus armen Familien stammen, sind gezwungen, sich für einen Studienabschluss auf Jahre hinaus zu verschulden.

Der universitäre Protest weitete sich um den Jahreswechsel 2015/16 auf die nationale politische Ebene aus. Unter dem Motto "Freie Bildung für Alle" kam es zu einem Protestmarsch auf den Sitz der Regierungspartei ANC in Johannesburg. Diese Demonstration war die größte politische Kundgebung in Südafrika seit dem Ende der Apartheid. Unter diesem Druck gab Staatspräsident Zuma schließlich nach und setzte die Gebührenerhöhung für 2016 aus.

Quellen:

  • GATE-Germany - Länderprofile Edition Südafrika 2010
  • A Parent's Guide to Schooling – South Africa.Info
  • Jahresbericht 2013/2014 Forschung und tertiäre Bildung der Deutschen Botschaft in Pretoria, Juni 2014
  • DAAD Länderinformation Südafrika, 2008
  • South Africa Yearbook 2014/2015

Programme in der Bildung

Zwei Initiativen aus dem Bereich der tertiären Bildung sollen besonders hervorgehoben werden:

  • South African PhD Project
    Ein ambitioniertes Programm durch welches die Zahl der PhD – Abschlüsse bis 2025 verfünffacht werden soll. Besonderes Augenmerk wird auf die naturwissenschaftlichen, Ingenieurs- und technologischen Disziplinen gelegt.
  • South African Research Chairs Initiative (SARChI)
    Das SARChI Programm wurde 2005/2006 vom DST eingerichtet und wird von NRF durchgeführt. Ziel der Initiative ist, die Forschungs- und Innovationskapazität an öffentlichen Universitäten auszubauen und zu stärken, u.a. durch die Ausbildung von hochqualifizierten postgraduierten Studierenden. Die Einrichtung von SARChI Forschungslehrstühlen wird als strategisches Instrument verstanden. Die Lehrstühle werden an einer Universität eingerichtet, können aber in Partnerschaft mit einer anderen Universität, einem Science Council, einer nationalen Forschungseinrichtung oder einer öffentlichen Forschungsinstitution vergeben werden. Im Rahmen von mehreren Ausschreibungsrunden wurden inzwischen (Stand Februar 2016) 199 Lehrstühle an 21 Universitäten finanziert. Die verschiedenen Disziplinen orientieren sich an den nationalen Strategien und beinhalten Naturwissenschaften, Agrarwissenschaften, Maschinenbau, Medizin sowie Gesellschafts- und Sozialwissenschaften.

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1.2 Tunesien

Schulen und Hochschulen

Grundschulen (Enseignement de base)

Der primäre Bildungsbereich umfasst die ersten neun Schuljahre; hier gilt die allgemeine Schulpflicht. Es wird zwischen zwei Stufen unterschieden:

  1. sechs Jahre Grundschule gefolgt von
  2. drei Jahren Vorbereitungsschule an einem collège. Nach den ersten sechs Schuljahren müssen die SchülerInnen einen Test absolvieren, um zur zweiten Stufe zugelassen zu werden. Die Durchfallquoten hierzu konnten in den vergangenen Jahren stetig reduziert werden. 

Zum Abschluss des neunten Schuljahres haben die SchülerInnen ihr examen national de fin d'études de l'enseignement de base zu bestehen, um den Abschluss Diplôme de Fin d'Etudes de l'Enseignement de Base zu erlangen.

Weiterführende Schulen

Der sekundäre Bildungsbereich umfasst vier Schuljahre und ist offen für alle erfolgreichen Absolventen der neunjährigen Primarphase. Ziel dieser Bildungsstufe ist es, die Schüler entweder für einen Universitätszugang zu qualifizieren oder sie auf ihren Einstieg in die Berufswelt vorzubereiten. Er wird unterteilt in zwei zweijährige Stufen.

In den ersten zwei Jahren folgen alle SchülerInnen einem gemeinsamen Schulplan (tronc commun); in den folgenden zwei Jahren spezialisiert sich der Schulplan auf einen von fünf Wahlfächern (Fremdsprachen, technische Wissenschaften, Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Betriebswirtschaft). Mit der Ausnahme von Fremdsprachen werden alle anderen Kurse auf französischer Sprache absolviert. 

Zum Ende der vierjährigen Sekundarphase müssen die SchülerInnen ihr Examen National du Baccalauréat bestehen, um die Hochschulzulassung zu bekommen. (Quelle: World Education News and Reviews, Education in Tunisia, April 2006; im Internet abrufbar unter: http://www.wes.org/ewenr/PF/06apr/pfpractical_tunisia.htm)

Universitäten und andere Hochschulen

Der tertiäre Bildungsbereich ist unterteilt in die drei Abschlüsse des Bolognasystems (B.A.; M.A. und PhD). Ausnahmen hierzu bilden das Medizinstudium mit acht Studienjahren sowie das Zahnarzt-, Pharmazie- und Architekturstudium mit jeweils sechs Studienjahren. Im Bereich der Ingenieurwissenschaften sind fünf Studienjahre üblich. Der Zugang zu den Universitäten und Hochschulen ist grundsätzlich offen für alle SchülerInnen, die das Baccalauréat erworben haben; sie haben die Garantie auf einen Studienplatz. An den öffentlichen Universitäten werden keine Studiengebühren oder Zugangsgelder erhoben, es bestehen Stipendienfonds für mittellose Studierende. Private Hochschulen verlangen dagegen Gebühren. 

Abbildung 6: Das tunesische Hochschulsystem nach der Einführung der "Bolognareformen"

Im tertiären Bildungsbereich Tunesiens bestehen vier unterschiedliche Bildungsinstitutionen:

  1. Universitäten (al-jamiat),
  2. Fakultäten (al-kuliat),
  3. Institute (almaahid) und
  4. "Écoles" (al-madaress).

Darüber hinaus gibt es 24 "Höhere Institute für technologische Studien", die unter der Aufsicht des Generaldirektoriums für technologische Studien stehen. Zu erwähnen ist ferner noch die Virtual University. Diese wurde 2003 auf Regierungsinitiative hin gegründet und bietet Studienkurse auf der Basis von e-Learning an und vergibt auch Abschlüsse und Zertifikate.

In Folge der Übernahme der Strukturen des Bolognasystems unterscheiden sich die Studienkurse an den Universitäten und den anderen Hochschulinstituten nicht länger in Struktur und Dauer.

Alle Universitäten bieten eine Vielzahl an Studiengängen an, Ausnahme der Regel hier ist die Ez-Zitouna Universität, an der ausschließlich Theologie gelehrt wird. Die Écoles sind auf ingenieurwissenschaftliche Studiengänge spezialisiert. Hier durchlaufen die Studierenden zunächst alle einen zweijährigen Angleichungs- und Vorbereitungskurs. An diesen schließt sich ein Auswahl- und Zuordnungsverfahren an. Das spezialisierte Ingenieurswissen wird dann in einem dreijährigen Studium erworben. An den Écoles wird in einer direkten Form gelehrt und streng und regelmäßig geprüft; es besteht generell ein zahlenmäßig gutes Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden (1:<10). Gleiches gilt auch für die Institute und die höheren Institute für technologische Studien (1:<14). An den Universitäten kommen auf einen Lehrenden 18 Studierende.

Links zu den bekanntesten tunesischen Hochschulen:

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1.3 Ägypten

Schulen und Hochschulen

Das ägyptische Bildungssystem ist in zwei Stufen aufgebaut: Grundschule (Ibtida'i) und Sekundarstufe (adadi). Die Unterrichtssprache an den staatlichen Schulen ist Arabisch. Die Schulpflicht beginnt mit 6 Jahren und umspannt nur die Grundschule. Vorschulen / Kindergarten (Hadana) existieren, sind aber nicht Teil des staatlichen Bildungssystems. 

Bildungsforschung

Die Entwicklung von Humankapital und dabei insbesondere die Verbesserung der Qualität und Relevanz von Studiengängen sowie -abschlüssen ist ein wichtiges Thema in Ägypten. In der Vergangenheit wurde vor allem auf die Quantität, also Anzahl der Studierenden, Absolventen etc. geachtet. Hier hat ein deutliches Umdenken stattgefunden. Neben der konsequenten Überwachung der Lehre durch Institutionen wie die National Authority for Quality Assurance and Accreditation of Education (NAQAAE) (vgl. Kap. Beratungsgremien für Forschungs- und Bildungspolitik) soll in Zukunft auch die Qualität der Forschung stärker in den Mittelpunkt rücken und verbessert werden. Verschiedene Maßnahmen wie etwa das gezielte Anwerben von Absolventen für die Wissenschaft (expand young scientists critical mass), die Förderung des internationalen Austausches und der Mobilität von jungen Wissenschaftlern, Exzellenzinitiativen, Forschungs- und Exzellenzlehrstühle sowie Karriere- und Kompetenzentwicklung werden in diesem Zusammenhang diskutiert (vgl. ERAWATCH-Report 2012).

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2Amerika

2.1 Argentinien

Schulen und Hochschulen

Das Schulsystem in Argentinien ist seit 2007 wieder in die traditionellen drei Abschnitte gegliedert. Das im März 2007 in Kraft getretene Nationale Bildungsgesetz (Ley Nacional de Educación) hebt das umstrittene Bundesgesetz für Bildung (Ley Federal de Educación) von 1993, aus Zeiten der Militärdiktatur in Argentinien, auf. Während der folgenden Jahre herrschte in Argentinien ein Föderales Bildungssystem, das die Umsetzung von ca. 50 verschiedenen Bildungsmodellen ermöglichte. Seit 2007 wird stufenweise wieder das alte, einheitliche Bildungssystem eingeführt. Verändert wurde auch die Rolle des Bundes bei der Finanzierung der Bildungsausgaben.
Das neue Schulsystem in Argentinien gliedert sich in drei Abschnitte:

  • Vorschule (Escuela Inicial): Ein Jahr obligatorische Vorschulbildung ab dem 5. Lebensjahr.  
  • Grundschule (Escuela Primaria): Je nach Bundesland besteht die Grundschule aus sechs oder sieben Jahren obligatorischer Schule.  
  • Weiterführende Schule (Escuela Secundaria): Je nach Bundesland besteht die Sekundarstufe aus fünf oder sechs Jahren. Sie ist in zwei Stufen untergliedert: Grundzyklus (Ciclo Básico): Drei Jahre. Spezialisierter Zyklus (Ciclo de especialización): Zwei JahreDieser Zyklus ermöglicht den Zugang zur Hochschule. Man kann zwischen drei Grundorientierungen wählen: Technik (Técnico), Wissenschaft (Bachiller) und Wirtschaft (Perito mercantil).

Seit 2007 gilt eine allgemeine Schulpflicht von 13 Jahren für alle Provinzen. In einer Studie von 2006 wurden durchschnittlich 8,7 Jahre Schulbesuch ermittelt (Quelle: Banco Interamericano de Desarrollo: Educación, Ciencia y Tecnología en América Latina y el Caribe. Un compendio estadístico de indicadores, 2006). Es gibt staatliche und private Schulen sowie die sogenannten "Educación Rural": Sie bezieht sich auf die Vorschul-, Grund- und Sekundarbildung von Kindern in ländlichen Gebieten Argentiniens. 

In der "Nationalen Operation Evaluierung 2010" (ONE 2010, DiNIECE) wurden die Schulleistungen in unterschiedlichen Fächern, Schultypen (privat/staatlich) und Regionen untersucht. In den Abschlussjahrgängen lagen durchschnittlich die 

Leistungen in Mathematik bei den staatlichen Schulen:

  • 12,5 % hohes Niveau
  • 34,6 % mittleres Niveau
  • 52,9 % niedriges Niveau

bei den privaten Schulen:

  • 28,9 % hohes Niveau
  • 40,6 % mittleres Niveau
  • 30,5 % niedriges Niveau

Leistungen in Sprachen bei den staatlichen Schulen:

  • 14,6 % hohes Niveau
  • 59,9 % mittleres Niveau
  • 25,4 % niedriges Niveau

bei den privaten Schulen:

  • 29,7 % hohes Niveau
  • 56,5 % mittleres Niveau
  • 13,8 % niedriges Niveau

Leistungen in Naturwissenschaften bei den staatlichen Schulen (Untersuchungen von 2008):

  • 6,6 % hohes Niveau
  • 29,7 % mittleres Niveau
  • 63,7 % niedriges Niveau

bei den privaten Schulen:

  • 15,7 % hohes Niveau
  • 41,4 % mittleres Niveau
  • 42,9 % niedriges Niveau

Hier zeigt sich die deutliche Qualitätsdiskrepanz zwischen der privaten und staatlichen Schulbildung in Argentinien. Die sogenannte "Educación rural" schnitt in der Evaluierungen der Leistungen noch schlechter ab als die staatlichen Schulen, so dass man auch von einem regionalen Leistungsgefälle ausgehen kann.

In Argentinien besteht ein Netz deutscher Auslandsschulen, an denen zum Teil das Deutsche Abitur zusätzlich zum nationalen Abschluss erlangt werden kann. Zudem wird deutsch an einigen Schulen angeboten. Sie sind zusammengefasst in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schulen in Argentinien. 

Der Bereich der Höheren Bildung wird in den Hochschulbereich sowie nicht-universitäre Institutionen (Instituciones Terciarias) unterteilt. An den nicht-universitären Institutionen können Abschlüsse in Bereichen der Lehrer- sowie der technischen Ausbildung erlangt werden. Insgesamt gibt es für diese Ausbildungen 1774 Institute, davon 772 unter staatlicher und 1002 unter privater Leitung. Die staatlichen Institute hängen finanziell von den jeweiligen Provinzregierungen bzw. der Stadt Buenos Aires ab. Besondere Bedeutung für die technische, nicht-universitäre höhere Bildung hat auch hier das Nationale Institut für Technische Ausbildung (INET). 

An den privaten und staatlichen Universitäten kann man verschiedene Hochschulabschlüsse erwerben. Die häufigste Bezeichnung für Abschlüsse ist die Licenciatura. Sie wird nach je nach Studiengang nach vier oder fünf Jahren  Regelstudienzeit erworben. In bestimmten Fächern, wie beispielsweise Jura und den Ingenieurswissenschaften, gibt es gesonderte Bezeichnungen. Die Studiendauer beträgt, je nach Studiengang, vier oder mehr Jahre. Dieser Titel gilt als Voraussetzung für einen Aufbaustudiengang (Posgrado), zu dem die Masterstudien (Maestría) sowie die Promotionsstudien (Doctorado) zählen. 

Argentinien verfügt über insgesamt 48 staatliche und 50 private Universitäten. 20 der privaten Hochschulen wurden während der Regierungszeit des neoliberalen Peronisten Carlos Menem gegründet. Das 1958 in Kraft getretene Gesetz zur Finanzierung der privaten Universitäten sieht ein Verbot finanzieller Unterstützung vor, erlaubt aber seit den 1990er Jahren unter Menem eine gezielte Förderung einzelner Forschungsprojekte.

Der 1985 gebildete Nationale Interuniversitäre Rat (Consejo Interuniversitario Nacional CIN) fasst als freiwilliger Zusammenschluss zahlreiche nationale Universitäten zusammen und muss seit einer entsprechenden Änderung des Hochschulgesetzes (1995) in allen wichtigen Veränderungen der argentinischen Hochschullandschaft konsultiert werden. Die privaten Hochschulen sind zur Hochschulrektorenkonferenz der Privaten Universitäten (CRUP) zusammengeschlossen.

Sämtliche Universitäten und Schulen Argentiniens sind auf der Webseite Universia aufgeführt. 

Spezielle Bildungsangebote

Außer diesen regulären Ausbildungsmöglichkeiten bietet das Nationale Bildungssystem (Sistema Educación Nacional, SEN) noch weitere Bildungsmöglichkeiten. Es handelt sich dabei um außerschulische Zusatzangebote oder Angebote für Personen, die aus verschiedenen Gründen nicht die normale Schulbildung durchlaufen konnten.

  • Spezialschulen (Educación Especial): Richten sich an behinderte und verhaltensauffällige Kinder, die nicht am regulären Unterricht teilnehmen können.
  • Erwachsenenbildung (Educación para Adultos): Ein Bildungsweg, der sich an Jugendliche und Erwachsene richtet, die nicht lesen und schreiben gelernt haben oder die obligatorische Schulzeit nicht in dem üblichen Alter vollendet haben. Diese Möglichkeiten sollen jedem sein ganzes Leben zur Verfügung stehen.
  • Fernstudien (Servicios Abiertos / a Distancia): Bietet jenen Personen, die nicht regelmäßig ortsgebundene Kurse besuchen können, die Möglichkeit einen Abschluss aus dem Bereich der gehobenen Bildung oder der höheren Bildung zu erlangen.
  •  Zweisprachige interkulturelle Ausbildung (Educación Intercultural Bilingüe): Garantiert Angehörigen indigener Bevölkerungsgruppen die Möglichkeit, einen Bildungsweg einzuschlagen, der gleichzeitig den Erhalt ihrer kulturellen Identität sowie ihrer Sprache stärkt. Der interkulturelle Dialog zwischen den verschiedenen Ethnien des Landes soll durch diese Bildung gestärkt werden.

Bildungsforschung

Wichtigstes Zentrum für Forschungsaktivitäten im Bildungsbereich ist das Internationale Institut für Planung der Bildung (IIPE) der UNESCO. Das Institut ist auf Analysen und Informationen zu relevanten Aspekten der Bildungssysteme lateinamerikanischer Staaten spezialisiert.

Eine der jüngsten Aktivitäten im Bildungsbereich Argentiniens war die Erstellung einer Wanderausstellung zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des argentinischen Bildungswesens. Besonderer Fokus wird hierbei auf die Problematik der langjährigen Militärdiktatur gelegt. Ziel der Ausstellung ist es, die verschiedenen Etappen in der Geschichte der Bildung des Landes ins Gedächtnis zu rufen, um die Zukunft in diesem Bereich besser zu gestalten.

Weitere Bildungsprogramme, die vom ehemaligen Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Technologie (MECyT) in den letzten Jahren ins Leben gerufen wurden sind u.a.:

  • Programm zur Gleichberechtigung im Bildungsbereich,
  • Programm zur Stärkung der Solidarität durch Bildung,
  • Nationale Lesekampagne,
  • Alphabetisierungsprogramme,
  • Weiterbildungsprogramme für Lehrkräfte (PROFOR) sowie
  • Programm zur Reform der Verwaltung der Bildungssysteme (PREGASE).

Zusätzliche Informationen zu den Inhalten der einzelnen Programme sind auf der Seite des Bildungsministeriums zu finden.

Programme in der Bildung

In den letzten Jahren wurden von der argentinischen Regierung zahlreiche Programme begonnen, um die bestehenden Probleme im Bildungssektor zu beheben. Einige der Initiativen, hinter denen das Ministerium für Bildung und Kultur als verantwortliche Institution steht, werden im Folgenden präsentiert.

Nationales Programm zur Bildungsaufnahme

Seit dem Jahre 2005 arbeitet dieses Programm für Kinder und Erwachsene, die aus unterschiedlichen Gründen die Schule nie begonnen oder abgebrochen haben. Durch verschiedene Projekte ("Todos a Estudiar", "Volver a la Escuela") sollen sie wieder in das nationale Schulsystem integriert werden oder die Möglichkeit zu alternativen Bildungswegen erhalten.

Programm für gleiche Bildungschancen (PIIE)

Dieses Programm wurde ebenfalls im Jahre 2005 begonnen, um Institutionen der Grundbildung 1 und 2 (EGB 1 und 2) zu stärken, die sich um die Bildung von sozial schwachen Kindern und Jugendlichen im ganzen Land kümmern. 

Nationales Programm für 700 Schulen

Dieser Plan ist Teil des Programms zur Verbesserung des Bildungssystems (PROMSE) und entstand unter dem Motto "Mehr Schulen, bessere Bildung" in Kooperation des Ministeriums für Planung, Öffentliche Investitionen und Dienste und des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Technologie (MECyT). Ziel des Programms ist es u.a. durch eine verbesserte Bildungsinfrastruktur die durchschnittliche Schulbildung, die Eintritte in die höhere Bildung und die Effizienz im Ausgabenbereich zu erhöhen.

Von 2003 bis 2011 stiegen die staatlichen Ausgaben für Schulbildung von 3,6% auf 6,5% des BIP. Im selben Zeitraum wurde der Mindestlohn für Lehrer verfünffacht und es wurden rund 1.900 Schulen, vor allem in entlegenen Regionen, gebaut.

Der Nationale Plan für Schulbildung und die Ausbildung von Lehrern 2012 - 2016 "Plan Nacional para la Educación Obligatoria y la Formación de Docentes" knüpft an die bestehenden Programme (Plan 2009 - 2011) an. Neue Schwerpunkte sind Frühkindliche Bildung, Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonal und die bessere Koordinierung zwischen Nationalen und Regionalen Programmen.

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2.2 Brasilien

Programme in der Bildung

Unterstützt durch das 2003 begonnene Sozialhilfeprogramm "Bolsa Familia" besuchen heute 97% der 7- bis 14-Jährigen in Brasilien die Schule. Familien mit einem monatlichen Pro-Kopf-Einkommen von unter 45 € erhalten dabei, abhängig vom Einkommen und Kinderzahl, staatliche Zuwendungen. Eine Vorassetzung ist, die Kinder zur Schule zu schicken. Über 13 Mio. Familien nehmen an dem Programm teil.

2006 wurde ein Gesetz zur Förderung der Primar- und Sekundarschulen verabschiedet. Um eine solide Grundbildung für alle zu erreichen, wurde mit dem Nationalen Fonds für die Förderung der Grundbildung und die Höherbewertung des Lehrerberufs (Fundo de Manutenção e Desenvolvimento da Educação Básica e de Valorização dos Profissionais da Educação - FUNDEB) ein Instrument geschaffen, um nationale Zuschüsse an die kommunalen und bundesstaatlichen Schulen geben zu können.

Für eine verbesserte Lehrerfortbildung wurde die "Offene Universität" - Universidade Aberta, ein Fernstudienprogramm, gestartet, mit dem sich vor allem Pädagogen über das Internet weiterbilden können.

Seit 2003 fördert das Bildungsministerium die breite Alphabetisierung im Lande mit dem Programm "Brasil Alfabetizado". Das Ausgabenvolumen des MEC für die Alphabetisierung liegt bei jährlich über 230 Mio. EUR. Besonderer Fokus des Programms liegt im Nordosten Brasiliens, der eine weit über dem Landesdurchschnitt liegende Analphabetenrate verzeichnet. V.a. Jugendliche über 15 Jahren haben die Möglichkeit am Programm teilzunehmen. Seit 2003 nahmen über 15 Mio. Jugendliche und Erwachsene ohne formelle Bildung am Alphabetisierungsprogramm teil.

Im Jahr 2004 wurde das Programm "Universität für alle" (Programa Universidade para Todos - ProUni) gestartet. Es zielt darauf, die soziale Ungleichheit im Bezug auf den Zugang zu privaten Hochschulen auszugleichen. Zielgruppe sind Studierende aus Familien mit geringem monatlichem Einkommen (bis ca. 800 EUR). Mit ProUni werden an privaten Universitäten quasi öffentliche Studienplätze finanziert, da die Studiengebühren der geförderten Absolventen durch die Stipendien gedeckt werden. Qualifizierungsvoraussetzung ist die landesweiten Schulprüfung ENEM, die durch das Bildungsministerium MEC durchgeführt wird. Jährlich werden etwa 200.000 Stipendien vergeben, davon ca. 65 % Vollstipendien.

Ein 2012 verabschiedetes Gesetz sieht vor, dass mindndestens 50% der Studienplätze der Bundesuniversitäten sowie der technischen Fachschulen an Schüler von öffentlichen Schulen vergeben werden.

Zum Ausbau der staatlichen Universitäten wurde 2008 das Programm Reuni (Programa de Apoio a Planos de Reestruturação e Expansão das Universidades Federais)  ins Leben gerufen. Ziel ist, das Angebot an Studienplätzen, insbesondere auch außerhalb der Metropolen, zu erweitern. Durch Neugründung hat sich die Zahl der nationalen staatlichen Universitäten auf 64 erhöht (45 in 2003). Mit der Erweiterung der Campi bieten die nationalen Hochschulen ihr Studienangebot inzwischen in über 250 brasilianischen Munizipien an (gegenüber 114 in 2003).

Schulen und Hochschulen

Schulische Bildung 

Für Kinder zwischen dem 6. und 14. Lebensjahr besteht allgemeine Schulpflicht. Den schulpflichtigen brasilianischen Kindern steht verfassungsgemäß das Recht auf kostenlose Grundschulbildung zu.

Die Schulbildung in der Primarstufe (ensino fundamental) und der Sekundarstufe (ensino médio) wird von den Ministerien der Bundesstaaten  bzw. den entsprechenden kommunalen Behörden koordiniert. Dies betrifft sowohl private als auch öffentliche Schulen. Das primäre und sekundäre Bildungsprogramm in Brasilien umfasst 12 Jahre: 

  • Primarstufe (9 Jahre, Alter 7-14 Jahre)
  • Sekundarstufe (3 Jahre, Alter 15-17 Jahre).

Die Hochschulreife wird nach mindestens zwölf Schuljahren, frühestens aber im Alter von 17 Jahren erreicht.

In 2012 gab es über 32.000 Schulen mit über 4,8 Mio. Schülern. Die Zahl der Schulen soll auf 45.000 ausgebaut werden. Des Weiteren sollen in der Sekundarstufe vermehrt Ganztagsschulen eingeführt werden. Derzeit beträgt der durchschnittliche Schultag in Brasilien nur 4,5 Stunden (zum Vergleich: in Industrieländern liegt der durchschnittliche Schultag bei bis zu 8 Stunden).

Die Qualität der Schulbildung in Brasilien wird gering eingestuft. In vergleichenden Studien zum Ausbildungsstand von Schülern gehört Brasilien zu den Schlusslichtern (OECD 2007: Platz 52 von 57; PISA 2012: Platz 54 von 64).

Hochschulbildung  

Im Jahre 2012 lag die Zahl der Einrichtungen für tertiäre Bildung in Brasilien bei über 2.300. Der überwiegende Teil der Einrichtungen ist privat und fällt in die Kategorie "Faculdades". Diese Einrichtungen bieten nur wenige Studienfächer an und die Qualität der Lehre entspricht nicht den deutschen Hochschulstandards. Neben der Lehre findet keine nennenswerte Forschung statt. Demgegenüber ist die Qualität der Lehre (und der Forschung) in den 112 öffentlichen Universitäten des Bundes, der Bundesstaaten und der Kommunen sehr gut. Der größte Teil der Forschung in Brasilien findet an diesen Universitäten statt. 

Die Zahl der Studierenden an brasilianischen Hochschulen stieg in den letzten zehn Jahren ständig an. Vor allem die Zahl von Studierenden an kostenpflichtigen privaten Institutionen (ca. 88% des Hochschulsystems) hat sich mehr als verdoppelt. Von den etwa 6,4 Mio. brasilianischen Hochschulstudenten im Jahr 2012 studierten etwa 75 % an privaten Einrichtungen. Durch die staatlichen Programme werden jedoch auch die öffentliche Hochschulen ausgebaut. Die Zahl der Campi nationaler Universitäten, auch im Landesinneren, hat sich von 2003-2013 auf 360 mehr als verdoppelt. Durch die neuen Bildungseinrichtungen und der Erweiterung des Studienangebots soll bis 2020 einem Anteil von 33% der 18-24-jährigen ein Hochschulstudium ermöglicht werden.

Die öffentlichen Universitäten genießen wissenschaftlich-didaktische und finanzielle Autonomie und beziehen ihre Mittel je nach administrativer Ebene zu unterschiedlichen Teilen aus nationaler Förderung der Bundesstaaten. Private Universitäten müssen vom Bildungsministerium anerkannt werden und haben nur begrenzten Zugang zu öffentlichen Mitteln. 

Seit 2000 gibt es in Brasilien Fernstudiengänge, die eine zunehmend wichtige Rolle in der Hochschulbildung spiele. Etwa 4% der Studiengänge an Universitäten werden als Fernstudiengänge angeboten und von ca. 1 Mio. Studierenden genutzt.

Die Zugangsberechtigung zu den Universitäten muss durch eine Aufnahmeprüfung (vestibular) erworben werden. Das reguläre Studium dauert im Schnitt fünf Jahre und führt zu folgenden Abschlussmöglichkeiten:

  • Bachelor u.ä. (Zugang zu Berufen mit Hochschulqualifikation) 
  • Licenciado u.ä. (Berufsqualifikation mit Lehrberechtigung, vergleichbar mit dem Studium auf Lehramt)

Im Anschluss an das reguläre Studium gibt es folgende Möglichkeiten zum postgraduierten Studium: 

  • Aufbaustudium/Especialização (ca. 1 Jahr, Zusatzstudiengang im Studienfach oder fachfremden Disziplinen) 
  • Master/Mestrado (2-3 Jahre mit Aufnahmeprüfung, auch in fachfremden Disziplinen) 
  • Promotion/Doutorado (4 Jahre mit Aufnahmeprüfung, nur mit abgeschlossenem Master)

Von ausländischen Universitäten erstellte Zeugnisse müssen von brasilianischen Universitäten anerkannt werden. Dabei werden bestehende internationale Vereinbarungen über Gegenseitigkeit oder Gleichstellung berücksichtigt. Auskünfte über die zur Anerkennung ausländischer Zeugnisse erforderlichen Schritte können beim jeweiligen Ministerium der Bundesstaaten für Bildung bzw. bei der zuständigen Bildungsbehörde der Gemeinden sowie bei den brasilianischen Hochschuleinrichtungen eingeholt werden. Der DAAD hat in Rio de Janeiro eine Außenstelle und kann in diesen Fällen ebenfalls unterstützen. 

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Weitere Informationen
Links/Institutionen

2.3 Mexiko

Schulen und Hochschulen

Das mexikanische Bildungssystem

 

Grundbildung

Vorschule

 

Grundschule

 

Sekundärbildung

Mittlere höhere Bildung

Hochschulreife

 

Technische Berufsausbildung

Höhere Bildung

Höherer Techniker

 

Magister, Diplom, Staatsexamen

 

Aufbaustudium

 

Master- und Promotionsstudium

Bildungsforschung

Das mexikanische Bildungssystem baut auf der Verfassung der Vereinigten Mexikanischen Staaten auf, welche vorsieht, dass jede Person das Anrecht auf Bildung hat. Bildung muss vom Staat auf allen Ebenen ermöglicht werden. Zuständig für die Bildungspolitik an oberster Stelle ist das Bildungsministerium SEP, dessen Aufgabe es ist, die Voraussetzungen zu schaffen, um der mexikanischen Bevölkerung den Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Bildung zu ermöglichen.

Die mexikanische Regierung gestaltet mit einer Reihe von Programmen das Bildungssystem in der Primar- und Sekundarstufe. Das erklärte Ziel der mexikanischen Bildungspolitik ist es, den allgemeinen Bildungsstand der Bevölkerung zu erhöhen. Dies soll zum einen durch eine Ausweitung der kostenlosen Bildungsangebote und zum anderen durch einen besseren Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Bildung erreicht werden. Im Zuge einer Bildungsreform ist mittlerweile nicht nur die Grundbildung Pflicht, sondern auch die Oberstufe beziehungsweise die Sekundarstufe II. Allerdings ist das öffentliche Schulsystem noch nicht vorbereitet, um für jeden Lernenden einen Ausbildungsplatz auf diesem Niveau zu sichern. Auch die Ausbildung soll verbessert werden. Im Allgemeinen Bildungsgesetz von 2011 ist jedes Unternehmen in Mexiko verpflichtet, seinen Angestellten fachliche, sanitäre und sicherheitsrelevante Weiterbildungsmaßnahmen anzubieten.

Das mexikanische Bildungssystem muss sich einigen prinzipiellen Herausforderungen stellen. Die mexikanische Lehrergewerkschaft ist aufgrund fehlender demokratischer Strukturen relativ unbeweglich. Reformen wären aber dringend notwendig, um den Ausbildungsstand des hohen Anteils Jugendlicher an der mexikanischen Bevölkerung merklich zu verbessern. Im Rahmen der Grundbildung hat Mexiko ein sehr erfolgreiches Stipendienprogramm ("Oportunidades") aufgelegt, um sozial schwache Lernende finanziell zu unterstützen und so die Abbruchquote zu verringern. Die verstärkte Evaluierung von Lernenden und Lehrkräften hat außerdem zu mehr Transparenz des aktuellen Zustands geführt.

Die Gründung des Nationalen Rates zur Vorbeugung von Diskriminierung (CONAPRED) im Jahr 2003 hatte zu landesweiten Aktionen und Programmen geführt, um die Gleichheit und Integration von Mexikanern unterschiedlicher ethnischer Herkunft und Klassen zu fördern. Damit soll ein höherer Grad an Chancengerechtigkeit erreicht und der Zugang zum Bildungssystem insbesondere für Randgruppen erleichtert werden.

Mehr über aktuelle Initiativen und Programme im Bildungsbereich findet sich in diesem Abschnitt.

Programme in der Bildung

In den vergangenen Jahren hat die Regierung zahlreiche Programme lanciert, die Probleme und Missstände im Bildungssektor beheben sollen. Das Bildungsministerium steht als verantwortliche Institution hinter diesen Initiativen.

Programm für hochwertige Schulausbildung (PEC)

Das Programm für hochwertige Schulausbildung hat das Ziel, die Qualität des Schulsystems zu verbessern. Allen Kindern sollen gleiche Bildungsmöglichkeiten geboten werden. Das Programm ist besonders auf die Verbesserung der Grundschulbildung ausgerichtet und unterstützt zu diesem Zweck Programme auf Bundes-, Landes- und Kreisebene.

Das PEC ist eine Antwort auf die Missstände in den öffentlichen Schulen und soll dazu führen, dass Chancengleichheit in der Bildung für alle garantiert werden kann. Seine Aktivitäten richten sich an den drei Grundsätzen des Nationalen Bildungsprogramms aus: Gleichheit, Qualität und Serviceverbesserung.

Nach Aussage der Weltbank gehört dieses Programm zu den vielversprechendsten Programmen im Rahmen der mexikanischen Grundschulreform, mit sichtbaren Auswirkungen auf die Qualität der Schulen.

ENCICLOMEDIA Programm

Das ENCICLOMEDIA Programm ist eine Initiative der Bundesregierung, initiiert und betreut vom Bildungsministerium (SEP) und dem Lateinamerikanischen Institut für Bildungskommunikation (ILCE). Es ist aus der Erkenntnis heraus entstanden, dass die Nutzung neuer Informations- und Kommunikationsmedien in der generellen Schulbildung einen größeren Stellenwert einnehmen muss, um den Unterricht und den Lernprozess sowohl interessanter als auch zeitgemäßer zu gestalten.

Das ENCICLOMEDIA Programm greift auf Erfahrungen anderer Gemeinschaftsprojekte zwischen SEP und ILCE zurück. Einige dieser Programme sind: RedEscolar (Schulnetz), Sepiensa (ManDenkt), Biblioteca Digital (Digitale Bibliothek), SEC21, Fernunterricht für Erwachsene (SEA), Mathematik und Technologie, Physik und Technologie.

Programm für Emigranten

Das bi-nationale Emigrantenbildungsprogramm (PROBEM) ist die Antwort der Mexikanischen Regierung auf die massive Auswanderung mexikanischer Staatsbürger und ihrer Familien in die USA und die damit verbundenen Bildungsprobleme. PROBEM richtet sich besonders an Kinder von Emigrantenfamilien, die einen Teil ihrer Schulbildung in den USA und einen Teil in Mexiko absolvieren. Trotz dieser schwierigen Situation soll diesen Kindern und Jugendlichen eine gute und kontinuierliche Ausbildung ermöglicht werden. Darüber hinaus soll PROBEM die Kommunikation zwischen den verantwortlichen Bildungsinstitutionen in beiden Ländern verbessern.

Indigene Gruppen

Eine neue Initiative der Regierung dient der besseren Einbeziehung der indigenen Bevölkerung in die universitäre Ausbildung. Dafür sollen Institutionen in stark indigen geprägten Regionen gegründet werden, die Kurse auf universitärem Niveau in der Sprache der jeweiligen Volksgruppe anbieten. Die erste dieser Universitäten, die Interkulturelle Universität Mexiko (UIEM), wurde im akademischen Jahr 2004-2005 eingeweiht. Studenten der Ethnien Mazahua, Nahua, Otomí, Tlahuica und Matlazinca können zwischen den Studiengängen Sprache und Kultur, Interkulturelle Kommunikation und umweltverträglicher Entwicklung wählen.

Reform der höheren Bildung

Ein wichtiges Thema im Bildungssektor ist die integrale Reform der höheren Bildung (RIES). Dieses umfangreiche Reformpaket hat das Ziel, die Kontinuität zwischen Vorschulbildung, Grundbildung und höherer Bildung zu gewährleisten. Die Abstimmung von Lehrinhalten der verschiedenen Stufen und die Qualitätssicherung in den ersten Schuljahren sind weitere geplante Aktivitäten zur Verbesserung der weiterführenden Bildung.

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3Asien

3.1 Japan

Schulen und Hochschulen

Das im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts nach westlichem Vorbild modernisierte Bildungswesen Japans wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs unter amerikanischem Einfluss in seine heutige Form umgestaltet. Die Schulpflicht umfasst neun Jahre, an die sich eine dreijährige Ausbildung in der Oberschule anschließt. Danach haben die Oberschulabsolventen die Wahl zwischen dem Besuch einer Universität, einer Kurzuniversität oder einer Fachhochschule.

Der Anteil der Schulabgänger, die nach der Mittelschule in den Beruf einsteigen, ist sehr gering (ca. 3%). Der Oberschulabschluss ist damit Standard, und man spricht in Japan vom 6-3-3-4 System:

  • sechs Jahre Grundschule (shogakkô)
  • drei Jahre Mittelschule (chûgakkô)
  • drei Jahre Oberschule (kôtô gakkô)
  • vier Jahre Universität (daigaku)

Mittlerweile hat die japanische Regierung Anstrengungen unternommen, den zukünftigen wissenschaftlichen Nachwuchs speziell zu fördern. So finanziert das MEXT seit 2002 beispielsweise eine Exzellenzinitiative mit der Bezeichnung "Super Science Highschools" (SSHs), in welcher landesweit 180 Oberschulen (Stand: 2014) vertreten sind und speziell Naturwissenschaften und Mathematik gefördert werden.

Derzeit gibt es in Japan 775 Universitäten (Stand: 2014, MEXT). Das Studium an einer japanischen Universität gliedert sich in die Abschnitte Bachelor (4 Jahre), Master (+2 Jahre) und Doktorat (+3 Jahre). Die Fachhochschulen schließen mit einem Associate´s Degree ab.

Fast drei Viertel aller Universitäten sind privat und erheben höhere Gebühren als die öffentlichen Hochschulen. Der Übergang von der Oberschule zu einer Hochschule ist generell mit dem Bestehen einer Eintrittsprüfung verbunden. Der Schwierigkeitsgrad der Prüfungen ist mit einer Rangordnung der aufnehmenden Bildungsinstitution gekoppelt, so dass sich eine entsprechende Hierarchie der Oberschulen und Universitäten entwickelt hat. Das Durchlaufen dieses Bildungssystems wird von den Japanern offensichtlich als selbstverständlich angesehen, da 97,6% eines Jahrgangs die Oberschule besucht und ca. 51,5% die Universität (Stand: 2005), hiervon erreichen 84,6% der Studenten einen Abschluss (2008). Japan liegt damit bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss an der Weltspitze.

Neben den Universitäten gibt es derzeit 372 zweijährige Kurzuniversitäten, (Junior College, tanki daigaku), die zu 90% von weiblichen Studierenden besucht werden. Darüber hinaus gibt es 57 fünfjährige Fachhochschulen (College of Technology, kôtô senmon gakkô) mit berufsbezogenen Ausbildungen.

Allerdings sind die Berufsaussichten für japanische Hochschulabgänger trotz der Erholung der Wirtschaft nicht besonders gut. Nur ca. 69% der Absolventen konnten 2011 gemäß einer Studie der japanischen Regierung mit einem festen Arbeitsplatz rechnen.

Japan rangiert als Gastgeber für ausländische Studenten unter den Industriestaaten weit hinter dem Spitzenreiter USA an sechster Stelle. Nach Angaben des MEXT lag die Zahl der ausländischen Studenten Jahr 2008 bei rund 119.000 Personen. Der wesentliche Teil der ausländischen Studenten in Japan stammt aus den asiatischen Nachbarländern China, Südkorea und Taiwan. 

Zukünftig will das MEXT den Schwerpunkt seiner Politik (New Growth Strategy) auf die Unterstützung japanischer Studenten im Ausland und ausländischer Studenten in Japan legen. Bis 2020 sollen bis zu 300.000 japanische Studenten (und Arbeiter) ins Ausland gesandt werden. Zudem sollen bis zu 300.000 ausländische Studenten für Studienzwecke nach Japan kommen dürfen.

Bildungsforschung

Das Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology (MEXT) ist neben der Koordination und der Bildungsplanung für die finanzielle Subvention von Bildungsinstitutionen unter der Trägerschaft von Präfekturen, Gemeinden und privaten Anbietern verantwortlich. Bei diesen Aufgaben wird das Ministerium von verschiedenen ihm direkt unterstehenden Bildungsinstitutionen unterstützt, z.B. dem National Institute for Educational Policy Research (NIER).

Im Rahmen der zentralen Regierungsreform wurde am 6. Januar 2001 im MEXT der Central Council for Education geschaffen. Die Hauptfunktion des Councils ist die Förderung von Bildung, lebenslangem Lernen und Sport.

Im Folgenden sind die fünf Arbeitsgruppen des Central Council for Education aufgelistet, deren Aufgabengebiet das Verfassen von Reports zur strategischen Planung umfasst:

  1. Subdivision on Education Systems,  
  2. Subdivision on Lifelong Learning,
  3. Subdivision on Elementary and Lower Secondary Education,
  4. Subdivision on Universities und
  5. Subdivision on Sports and Youth.

Programme in der Bildung

Universitäten bieten Arbeitsvermittlung für Postgraduierte

Immer mehr japanische Universitäten vermitteln Postgraduierten eine neue Arbeitsstelle. Der Trend ist als Zeichen für den zunehmenden Wettbewerb zwischen den Universitäten im Zuge rückläufiger Studentenzahlen zu verstehen. Außerdem steht er im Zusammenhang mit der steigenden Zahl von Graduierten, die ihre erste Arbeitsstelle bereits nach wenigen Jahren verlassen. Einer Untersuchung des Ministry of Health, Labor and Welfare zufolge beenden zwischen 30 und 40 % der Graduierten ihr erstes Arbeitsverhältnis nach drei Jahren.

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3.2 Jordanien

Schulen und Hochschulen

Das jordanische Bildungssystem ist dreistufig aufgebaut: Vorschule, Grundschule, und Sekundarstufe. Die Unterrichtssprache an den staatlichen Schulen ist Arabisch.

Die Lernziele der zehnjährigen Grundausbildung umfassen laut dem Ministerium für Bildung (Ministry of Education)  folgende sieben Kernbereiche:

  • Prinzipien und Geschichte des Islam
  • Grundlagen der arabischen Sprache
  • Natur- und Geographiekenntnisse in Jordanien, der arabischen Welt und weltweit
  • Grundlagen gesellschaftlichen Verhaltens und Respekt gegenüber nationalen Werten und Traditionen
  • Liebe und Verantwortung gegenüber dem Heimatland
  • Grundlagen mindestens einer Fremdsprache (in der Regel Englisch)
  • Grundverständnis von wissenschaftlichen und technischen Fertigkeiten und deren Anwendung im Alltag.

Die Lernziele der zweijährigen Sekundarstufe umfassen laut dem Ministerium für Bildung 14 Kernbereiche, u.a. die arabische Sprache und Literatur, kulturelle Identität, Teamarbeit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, internationale Orientierung und Fremdsprachen, sowie Informations-und Kommunikationstechnologien. Während der zweijährigen Schulzeit werden alle Schüler in neun Fächern unterrichtet:

  • Arabisch
  • Englisch
  • Mathematik
  • Sozialkunde
  • Computerkunde
  • Geographie
  • Chemie
  • Biologie
  • Physik
  • Islamkunde.

Darüber hinaus gibt es für die Schüler die Möglichkeit eine von zwei Spezialisierungen zu wählen, die dann zum Erwerb des akademischen bzw. des angewandten Tawjihi führen.

Während die akademische Ausrichtung sich an einer breiteren und theoretischeren Allgemeinbildung orientiert, die auch die Hochschulreife darstellt (etwa vergleichbar mit dem deutschen Abitur), ist die angewandte Ausrichtung praxisorientierter gestaltet und umfasst u.a. Praktika und berufsvorbereitende Maßnahmen.

Im Durchschnitt setzten 97 Prozent eines Abschlussjahrganges der Grundschule nach der 10. Klasse den Unterricht für weitere zwei Jahre in der Sekundarstufe fort. 85 Prozent der Tawjihi-Absolventen studieren danach an einer staatlichen oder privaten Universität.

Nach wie vor orientiert sich das Bildungssystem am britischen Schulsystem. An den Schulen wird als Fremdsprache hauptsächlich und fast ausschließlich Englisch unterrichtet. Die Sprachkompetenz der Absolventen in Englisch ist hoch und dies ermöglicht eine gute, internationale Kommunikationsfähigkeit. Diese wurde jordanischen Schülern u.a. zuletzt wieder in dem aktuellen Arab Knowledge Report 2011 attestiert. Weitere Fremdsprachen sind jedoch wenig verbreitet.

Heute umfasst das jordanische Hochschulsystem insgesamt zehn staatliche und 20 private Universitäten (Jameah) sowie 51 Akademien (Kulleyat al-Mujtama).

Staatliche Universitäten in Jordanien:

Private Universitäten in Jordanien:

Das Hochschulsystem ist, ähnlich wie in Deutschland, grundsätzlich in drei Abschnitte und Abschlüsse unterteilt.

  1. Bachelor (Dararjat al-Bakalorius), B.Sc. oder B.A. (Dauer vier bis sechs Jahre)
  2. Master (Darajat al-Majastair), M.Sc. oder M.A. (Dauer anderthalb bis zwei Jahre)
  3. Promotion (Doctorah oder Al-Ikhtisas), Dr. oder Ph.D. (Dauer durchschnittlich vier Jahre).

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3.3 Palästinensische Gebiete

Bildungsforschung

Bildungsforschung ist aufgrund der sehr jungen palästinensischen Bevölkerung ein wichtiger Schwerpunkt an den Universitäten. An vielen Universitäten wie z.B. An-Najah, Bethlehem, Birzeit, PPU, Al-Quds und der Islamischen Universität wird in Bildungszentren oder eigenen Fakultäten in diesem Bereich geforscht. Ziele dieser Forschung sind einerseits die Verbesserung der Lehre an der eigenen Universität, andererseits die bildungsorientierte Politikberatung zur Optimierung des gesamten Bildungssystems in Palästina. Beispielhaft für palästinensische Forschungsinstitute seien hier das "Center for Continuing Education" (CCE) an der Birzeit University und das "Center for Excellence in Teaching and Learning" der Universität Bethlehem genannt. Neben den staatlichen Zentren werden von verschiedenen NGOs Bildungsforschungszentren betrieben (bspw. "Qattan Centre for Educational Research and Development (QCERD).

Schulen und Hochschulen

Das palästinensische Bildungssystem ist dreistufig aufgebaut: Vorschule, Grundschule und Sekundarstufe. Die Unterrichtssprache an den staatlichen Schulen ist Arabisch.

Die Vorschule beginnt im Alter von 3 Jahren und acht Monaten und endet im Alter von 5 Jahren und acht Monaten. Die Schulpflicht beginnt mit 6 Jahren und umspannt nur die Grundschule. Langfristig soll die allgemeine Schulpflicht auch die letzten zwei Schuljahre umfassen, diese Verbindlichkeit besteht jedoch bisher noch nicht.

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3.4 Republik Korea (Südkorea) alt

Schulen und Hochschulen

Schulen

In Korea gibt es keine gesetzlich vorgeschriebene Kindergarten- und Vorschulerziehung, in den urbanen Gebieten besuchen dennoch die meisten Kinder eine solche Einrichtung. Das damalige Erziehungsministerium strebte bis zum Jahr 2005 eine 100%ige Teilnahme an der Vorschulerziehung und die Schaffung der entsprechenden Einrichtungen an – dieses Ziel wurde im Wesentlichen erreicht. Um die Qualität der Kindergartenerziehung zu steigern, gibt es seit 2007 allgemeingültige Standards für koreanische Kindergärten. Etwa 41% aller schulischen Einrichtungen in Korea sind Kindergärten, wobei fast die Hälfte privat betrieben wird. Koreanische Kinder lernen bereits im Kindergarten Lesen, Schreiben, etwas Mathematik und zum Teil etwas Englisch. Besondere Aufmerksamkeit bekommt das Nuri ("ganze Welt") – Programm zur Schulvorbereitung, das seit 2014 auch für Drei- und Vierjährige gilt. Dieses Programm wurde ursprünglich für Fünfjährige eingerichtet, um diese adäquat und spielerisch auf die Schulzeit vorzubereiten.

Bereits mit der Einführung der sechsjährigen Grundschulpflicht 1951 erreichte man – obwohl noch auf dem Stand eines Entwicklungslandes – nach wenigen Jahren eine Einschulungsquote von annähernd 100%. Die Klassengröße für die sechs- bis elf-jährigen SchülerInnen konnte zudem von ursprünglich bis zu 100 SchülerInnen auf heute durchschnittlich 26 gesenkt werden. Auf der ebenfalls verpflichtenden dreijährigen Mittelschule werden etwa 34 SchülerInnen in einer Klasse unterrichtet.

Die Übergangsrate auf die dreijährigen Oberschulen beträgt mittlerweile knapp 100%, obwohl diese im Gegensatz zu den Grund- und Mittelschulen kostenpflichtig sind. Neben den allgemeinen Oberschulen gibt es noch die Fremdsprachen-, Kunst- und naturwissenschaftlichen Oberschulen sowie berufsbildende Oberschulen. Letztere machen etwa ein Drittel der Oberschulen aus. Anders als bei den Grund- und Mittelschulen ist über die Hälfte der Oberschulen in privater Trägerschaft. Obwohl dies im Rahmen der "Education Reform Proposals" 1994 überwunden bzw. zumindest in seiner Bedeutung verringert werden sollte, dienen die Kurse an den allgemeinbildenden Oberschulen immer noch vor allem der Vorbereitung für die Zugangsprüfungen zu (angesehenen) Universitäten.

Hochschulen 

Von den ca. 49 Mio. KoreanerInnen studieren derzeit insgesamt etwa 3,3 Mio, wobei sich rund 80% der OberschulabsolventInnen für ein Studium entscheiden. Der Anteil eines Jahrgangs, der sich für ein Studium entscheidet, hat sich damit seit 1990 bemerkenswerterweise mehr als verdoppelt, wobei die Zahl seit Kurzem wieder rückgängig ist. Es gibt mittlerweile mehr Studienplätze als Studierende, weshalb sich die Universitäten in einem Wettbewerb um neue Studierende befinden. Gleichzeitig hat Korea die höchsten Studiengebühren weltweit. Auf der tertiären Ebene des Bildungssystems dominieren dabei Universitäten und Colleges mit vierjährigen Studiengängen (sechsjährige bei medizinischen Fächern) und z.T. darauf aufbauenden Master- und Doktorkursen (Graduate Schools). Derzeit sind rund 260 Universitäten und Colleges zugelassen. Darüber hinaus gibt es zwei- bis dreijährige, vor allem berufsbezogene Studiengänge an Fachhochschulen (Junior Colleges) sowie theologische Seminare mit Hochschulcharakter.

Den Studiengängen liegt i.d.R. ein "Credit Point"-System zugrunde. Neben den "nationalen" und den von Regionalregierungen betrieben Hochschulen werden etwa 81% der Hochschulen von privaten Trägern betrieben, wobei das MOE beispielsweise Curricula, Prüfungsanforderungen, Qualifikation der DozentenInnen und Zulassungszahlen kontrolliert. Die Möglichkeiten von Stipendien und Studienkrediten werden zunehmend ausgebaut.

Die Mehrzahl der 447 Universitäten (Stand: April 2014) in Korea sind im Korean Council for University Education (KCUE) zusammengeschlossen. Es fördert die Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen. Die Sicherung der Qualität und Wirtschaftlichkeit der Hochschulausbildung, die Entwicklung von Weiterbildungsprogrammen für Fakultätsmitglieder und das Verwaltungspersonal sowie die Förderung von Austauschprogrammen im In- sowie mit dem Ausland sind weitere Ziele des KCUE.

Nach einem aktuellen Ranking der Nachrichtenagentur Reuters finden sich acht koreanische Universitäten unter den 100 innovativsten Universitäten der Welt. Die koreanische Technische Universität KAIST (Korean Institute of Science & Technology) schafft es als einzige nicht US-amerikanische Universität in die Liste der TOP 10. Weitere innovative koreanische Universitäten sind POSTECH (Pohang University of Science and Technology, Platz 12), Seoul National University (Platz 31), Yonsei University (Platz 36), Hanyang University (Platz 62), Sungkyunkwan University (Platz 66), Korea University (Platz 84) und Gwangju Institute of Science and Technology (GIST, Platz 86).

Quellen und weitere Informationen:

Programme in der Bildung

Die Bildungsprogramme der koreanischen Regierung verfolgen folgende Ziele: Lebenslanges Lernen, die Schaffung einer Kreativwirtschaft, Förderung der Kreativität, Digitalisierung und Verbesserung des Lernumfeldes.

Gegenwärtig gibt es folgende Bildungsprogramme:

Academic Credit Bank System

Seit 1997 gibt es das Academic Credit Bank System, das dazu dienen soll, sich Wissen, das außerhalb der Schule erworben wurde, wie einen Kredit gutschreiben zu lassen. Anerkannte und akkumulierte Credits führen zu der Verleihung eines Zwischenzeugnisses oder Bachelor-Abschlusses. Das Programm gehört zu den Maßnahmen, die im Rahmen des lebenslangen Lernens eingeführt wurden. Weitere Informationen hier.

Digitalisierung des Bildungssystems

In Zusammenhang mit der Digitalisierung des Bildungssystems und der Idee der Bildung für alle wurden in Korea mittlerweile schon einige Programme aufgelegt. Eines davon ist der Engkey, ein Telepräsenzroboter, über den ein Lehrer aus dem Ausland den Englischunterricht in Korea gestalten kann. Dieses Programm gibt es seit 2010. EDUNET ist ein Informationsportal für LehrerInnen und SchülerInnen mit vielen Lehr- und Lernmaterialien. Cyber Home Learning System bietet registrierten SchülerInnen seit 2004 die Möglichkeit, den Schulstoff online zu wiederholen und zu vertiefen. Ähnliche Programme zur Weiterbildung gibt es auch für Lehrer. Die Einführung von Digital Textbooks soll seit 2007 die Möglichkeiten eines Papierbuches um die multimedialen Funktionen eines e-books erweitern. Die Digital Library wurde 2001 eingeführt und ermöglicht einen breiten Zugang der Schulen zu Wissen. EBS Internet Services soll gezielt auf die Aufnahmeprüfungen, besonders die Aufnahmeprüfung zur Universität, vorbereiten.  Zur Unterstützung wirtschaftlich schlechter gestellter Familien gibt es die Air and Correspondence High Schools, die online und offline Kurse anbieten. Seit 2002 gibt es das National Education Information System, dass für die Verwaltung von Schulen genutzt werden kann.

STEAM

STEAM steht für Wissenschaft (Science), Technologie, Ingenieurswissenschaften (Engineering), Kunst (Art) und Mathematik. Ziel ist es, vor allem in Grund- und Mittelschulen mit Hilfe einer künstlerischen Herangehensweise an wissenschaftliche Themen heranzugehen und somit eine neue kreative Generation von WissenschaftlerInnen auszubilden. Weitere Informationen hier.

NAEA

Während der Reform 2008 wurde das "National Assessment of Educational Achievement (NAEA)" eingeführt. Schulen mit überdurchschnittlich vielen lernschwachen SchülerInnen bekommen besondere Unterstützung durch zusätzliche Lehrkörper und Lehrmaterialien. Ähnlich werden seit 2010 auch Lehrkörper einer Evaluation unterzogen und bekommen individuelle Weiterbildungsmöglichkeiten. Auf diese Weise soll eine individuelle Förderung von Personen und Organisationen realisiert werden. Weitere Informationen hier.

Meisterschulen

Die neu eingerichteten Meisterschulen sollen angelehnt an das deutsche Ausbildungssystem eine praxisnahe Ausbildung leisten, die die Auszubildenden auch für einen Studieneintritt zertifiziert. Weitere Informationen hier.

World Class College/ World Class University

Die Schlüsselfertigkeiten für die koreanische Industrie sollen identifiziert und speziell am College bzw. an der Universität gefördert werden. Zudem wird auch der Austausch mit dem Ausland unterstützt. Ziel ist eine Verbesserung der Elitenausbildung. Weitere Informationen zu World Class College hier; zu World Class University hier.

Brain Korea 21 PLUS

Bis 2012 gab es das Brain Korea 21 PLUS Program, das dazu dienen sollte, die Qualität des koreanischen Graduiertensystems zu verbessern. Zu diesem Zweck wurden insgesamt etwas 3,6 Mrd. US Dollar investiert. Gemessen wurde die Qualität hauptsächlich am Science Citation Index (SCI). Insgesamt hat sich dadurch nachhaltig die Anzahl der Doktoranden und Wissenschaftler erhöht. Weitere Informationen hier.

ASEM DUO

Korea beteiligt sich am ASEM DUO Fellowship Program, das sich damit befasst, den wissenschaftlichen und studentischen Austausch zwischen Europa und Asien zu erleichtern. In Korea läuft das Programm seit 2001 und konzentriert sich hier auf den Austausch von zwei Studierenden in einem Kooperationsprojekt. Weitere Informationen hier.

Bildung für alle

Um gleichen Zugang zu Bildung zu realisieren, wurden kontinuierlich die Stipendienmöglichkeiten erhöht (von 97,9 Mrd. im Jahr 2007 auf 521,8 Mrd. im Jahr 2011) und die Zinsen der Studienkredite gesenkt (von 7,3% im Jahr 2009 auf 4,8% im Jahr 2011). Zusätzlich wird es SchülerInnen, die unter ADHS oder Depressionen leiden, ermöglicht, im Rahmen des Wee-Programms (We+Education+Emotion) Rat und Therapie zu erhalten. MigrantenschülerInnen und multikulturelle SchülerInnen werden durch die Programme "Head Start" und "Global Bridge" unterstützt. Weitere Informationen hier.

Donation for Education

Donation for Education wird seit 2011 in Korea praktiziert. Über dieses Programm können nicht nur Geldspenden für das Bildungssystem gegeben werden, sondern vor allem Sachspenden. Diese beinhalten Bildungskurse und Workshops durch Organisationen und Unternehmen. Durch jährliche Preisverleihungen für besonders aktive Spender wird deren Prestige in der Öffentlichkeit erhöht. So wurde die Beteiligungsrate privater Akteure im Bildungssystem erhöht.

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3.5 Türkei

Schulen und Hochschulen

Schulen und Hochschulen

Die türkische Bevölkerung ist sehr jung - etwa 25 Prozent sind im schulpflichtigen Alter. Deshalb hat der Bildungssektor große Bedeutung für die weitere Entwicklung des Landes. Im Schuljahr 2013/14 wurden 16,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in 56.506 Grund -, Mittel- und Oberschulen unterrichtet. Zum Vergleich: an deutschen allgemeinbildenden Schulen wurden 11,1 Millionen Schüler unterrichtet. Aufgrund der sehr jungen türkischen Bevölkerung ist der Bildungssektor ein Engpassfaktor für die weitere Entwicklung des Landes.

Die AKP-Regierung unternimmt seit ihrem Amtsantritt im November 2002 umfangreiche Bemühungen zur Reform des zentralistischen und auf veralteten Methoden und Strukturen beruhenden Bildungswesens. Nach der Bildungsreform im Jahre 2004 (Erhöhung der Schulpflichtzeit an den Gymnasien von 3 auf 4 Jahre), wurde im Zuge des letzten tiefgreifenden Bildungsreformgesetzes vom April 2012 die Schulpflicht von 8 auf 12 Schuljahre angehoben. Der Schulbesuch gliedert sich in je 4 Jahre Grundschule, Mittelschule und Oberschule (bisher: 8 Jahre durchgehende Grundschule), wobei der Anschluss an die nächste Stufe nicht sofort erfolgen muss. Der Besuch der Oberschule ist auch im Wege von Fernunterricht möglich. Bemühungen hinsichtlich eines stärker religiös geprägten Bildungssystems setzen sich weiterhin fort.

Im Jahr 2015 steht dem Erziehungsministerium ein Budget von rund 62,2 Mrd. TL (ca. 23 Mrd. Euro) zur Verfügung. Bei ihren Bemühungen zur Reform des Bildungswesens wird die Regierung von der EU und UNICEF unterstützt – wobei letztere vor allem auch ein Interesse daran haben, Chancengleichheit für alle Einkommensschichten und vor allem für Mädchen zu erreichen.

Vorschulische Bildung

Die vorschulische Bildung ist freiwillig und umfasst die Erziehung der Kinder im Alter von 36 bis 72 Monaten. Die Ziele der vorschulischen Bildung sind die Gewährleistung der körperlichen Gesundheit und die Förderung der geistigen Entwicklung der Kinder, die Vorbereitung auf die Grundschulbildung und die Ermöglichung einer qualitativ gleichwertigen Bildung für Kinder aus regional ungünstig gelegenen Gebieten.

Die vorschulische Bildung hat in den letzten Jahren wichtige Entwicklungen gemacht. Die Einschulungsrate bei 3-Jährigen erhöhte sich zwischen 2005 und 2012 von 2 auf 5%. Im Jahr 2012 befanden sich 19% der 4-Jährigen in frühkindlicher Ausbildung, eine deutliche Steigerung im Vergleich zu 2005 mit 5%.

Grundschulbildung

Die Grundschulbildung umfasst den Unterricht für 5- bis 8-jährige Kinder und dauert vier Jahre. Das Einschulungsalter wurde im Zuge der Schulreform von 2012 auf fünf Jahre herabgesetzt.  Für alle türkischen Staatsangehörigen, ob Jungen oder Mädchen, besteht eine generelle Schulpflicht; der Besuch an staatlichen Schulen ist kostenlos. Der verpflichtende Fremdsprachenunterricht wird seit dem Schuljahr 2012/13 ab der 2. Klasse mit jeweils 2 Wochenstunden angeboten. Seit einigen Jahren greifen auch zivilgesellschaftliche Akteure in die Bildungslandschaft ein. Diese arbeiten daran, alternative, international diffundierende Bildungsstrategien (wie etwa Montessori, Waldorf, Summerhill, Reggio etc.) in der Türkei einzuführen, sie zu etablieren ist aufgrund der zentral organisierten und homogenisierten Systems des Ministeriums für Nationale Bildung nur in äußerst begrenztem Ausmaß möglich. Sie werden hauptsächlich in den Metropolen Istanbul und Ankara betrieben. Ein gelungenes Beispiel stellt die „demokratische“ Waldorfschule „eine andere Schule ist möglich“ („Başka Bir Okul Mümkün!“ dar. Ab dem 5. Schuljahr ist ein Wechsel in eine Imam-Hatip-Schule möglich (bisher: Wechsel erst nach der 8. Klasse) und ermöglicht so eine frühzeitige, von der Opposition kritisierte, religiöse Ausbildung.

Mittelschulbildung

Die Mittelschulbildung umfasst den Unterricht für 9- bis 13-jährige Kinder und dauert ebenfalls vier Jahre. Der verpflichtende Fremdsprachenunterricht wird seit dem Schuljahr 2012/13 ab der Mittelstufe mit 4 Wochenstunden angeboten. Insgesamt erhalten knapp 140.000 Schülerinnen und Schüler Deutschunterricht, wovon der Anteil derer mit Deutsch als erster Fremdsprache 13.766 beträgt. Die Tatsache, dass ab 2005 an ca. 1.500 Gymnasien die zweite Pflichtfremdsprache wieder eingeführt wurde, hat die Stellung des Deutschunterrichts an türkischen Schulen gestärkt. Im Bereich der zweiten Fremdsprache rangiert Deutsch in der Türkei mit ca. 90% an erster Stelle. Der Bedarf insbesondere an Deutschlehrern steigt dadurch weiter an. In der Türkei sind ca. 90 von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) vermittelte Lehrer tätig. Im Zuge der Reform ist es seit dem Schuljahr 2013/14 erstmalig in der Geschichte der Türkei auch möglich, Sprachunterricht in den regionalen Muttersprachen wie Kurdisch (Kurmandschi und Zaza) und Tscherkessisch mit 2 Wochenstunden als Wahlpflichtfach an allgemeinbildenden staatlichen Mittelschulen und Imam-Hatip-Mittelschulen zu wählen. Das Lehrmaterial für diese Sprachen/Dialekte wurde vom Ministerium für Nationale Erziehung erarbeitet.

Oberschulbildung

Die Oberschule baut auf der allgemeinen Grundschulbildung auf und umfasst eine vierjährige Ausbildung für 14- bis 17-jährige Kinder an allgemeinbildenden oder beruflich-technischen Gymnasien. Jeder Schüler, der die Grund- und Mittelschulbildung absolviert hat, muss eine Oberschule entsprechend der beruflichen Orientierung besuchen. Dies ist seit der Bildungsreform im Jahr 2012 verpflichtend. In der Türkei existieren unterschiedliche Formen der Gymnasialen Stufe: (1) Allgemeinbildende Gymnasien, (2) Sozialwissenschaftliche Gymnasien, (3) Sportwissenschaftliche Gymnasien, (4) Naturwissenschaftliche/technische Gymnasien, (5) "Anadolu" Gymnasien, (6) „Anadolu" Lehrer Gymnasien, (7) „Anadolu" Gymnasien mit Schwerpunkt Kunst. Außer an allgemeinbildenden Gymnasien werden zur Aufnahme an den schulischen Einrichtungen zentrale Prüfungen durchgeführt. An den Gymnasien mit Schwerpunkt Kunst und den sportwissenschaftlichen Gymnasien wird zur Aufnahme der Schüler eine Reifeprüfung verlangt.

Deutschsprachige Schulen in der Türkei

In der Türkei existieren vier deutsche Auslandsschulen, bzw. deutsche Schulzweige, die durch das Bundesverwaltungsamt – Zentralstelle für das Auslandsschulwesen – anerkannt sind und entsprechend gefördert werden. Diese Schulen werden durch die Entsendung erfahrener deutscher Pädagogen seit Jahren unterstützt. Das Alman Lisesi und das Istanbul Lisesi bieten neben dem türkischen Gymnasialprogramm die Möglichkeit, die deutsche Reifeprüfung (Abitur) abzulegen. Die Privatschule der Deutschen Botschaft Ankara sowie deren Zweigstelle in Istanbul führt nach Lehrplänen des Bundeslandes Thüringen zu den mittleren Bildungsabschlüssen und danach zum International Baccalaureat (engl./dt.). Letztere Schulabschlüsse ermöglichen ein Studium in Deutschland sowie weltweit in Ländern, deren Universitäten das Abitur oder das englischsprachige IB anerkennen.

Im Jahr 1986 wurde das sogenannte Anadolu-Programm gegründet. Ziel dieses Lehrerentsendeprogramms war es zunächst, den vielen türkischen Rückkehrer-Kindern den Einstieg in das türkische Schulsystem zu erleichtern. Zum Anadolu-Programm gehörten deshalb landesweit Schulen nicht nur mit Deutsch als erster Fremdsprache, sondern mit deutschsprachigem Fachunterricht. Derzeit sind 27 entsandte deutsche Lehrer an 13 staatlichen Anadolu-Gymnasien in Ankara, Istanbul, Izmir, Antalya und Adana tätig. Sie unterrichten Deutsch als erste Fremdsprache. 

Ende des Jahres 2007 hat das Auswärtige Amt die "Initiative Schulen – Partner der Zukunft" gestartet. Mit dieser Initiative soll die Auslandsschularbeit substanziell ausgebaut werden, um so das Potenzial der Deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik als integrativen Bestandteil der Außenpolitik stärker zu nutzen. Auch in der Türkei werden zahlreiche Projekte im Rahmen der Initiative durchgeführt. Gemeinsam mit den Goethe-Instituten und den Fachberatern des Bundesverwaltungsamts hat die Planung und Durchführung mehrerer Programme bereits begonnen.

Quelle: (1) Schwarz, I. (2014): Das Bildungssystem der Türkei. Schulische Bildungslandschaft, nationale, internationale und zivilgesellschaftliche Einflussfaktoren. In: Klaus Kreiser et al. (Hrsg.): Junge Perspektiven der Türkeiforschung in Deutschland. Band 1. Berlin: Springer Verlag, S. 133-154./ (2) Deutsche Botschaft Ankara/Türkei/Kultur- und Bildungspolitik

Hochschulwesen

Die Hochschuleinrichtungen bauen auf die gymnasiale Stufe auf und umfassen ein mindestens zweijähriges Studium. Die Aufnahme an eine Hochschule wird landesweit von der zentralen Vergabestelle für Studienplätze (ÖSYM) durch eine Aufnahmeprüfung durchgeführt. Zur Prüfung werden die Schüler des letzten Schuljahres eines Gymnasiums, Schüler, die in den Jahren zuvor die Aufnahmeprüfung nicht bestanden haben, und Studenten, die nach Beginn eines Studiums das Studienfach wechseln wollen, zugelassen.

Das Bildungsministerium (MEB) übt aufgrund eines umfangreichen Zuständigkeitsbereiches einen großen Einfluss auf alle Schulformen aus. Das Bildungsministerium unterzeichnete die Bologna Erklärung in Jahre 2001. Die Hauptaufgabe des MEB bezüglich des Hochschulwesens besteht darin, eine einheitliche nationale Bildungspolitik zu gewährleisten. In der großen Nationalversammlung der Türkei wird das Hochschulwesen durch den Minister für Erziehung vertreten. Der Erziehungsminister kann bei Versammlungen des Hochschulrates (YÖK) die Leitung übernehmen, besitzt jedoch kein Stimmrecht. Die Beschlüsse des Hochschulrates und Universitäten bedürfen keiner Bestätigung des Ministeriums.

Der Türkische Hochschulrat (Yükseköğretim Kurulu, YÖK) ist das oberste Organ des türkischen Hochschulsystems. Der YÖK ist eine von der Verfassung bestimmte Einrichtung und das wichtigste Gremium der Hochschulen. Der Hochschulrat setzt sich aus 21 Mitgliedern zusammen, von denen jeweils 7 vom universitären Rat, von der Regierung und vom Staatspräsidenten als Kandidaten aufgestellt und für eine Amtszeit von 4 Jahren ernannt werden. Der Vorsitzende des Hochschulrates und einer seiner Stellvertreter werden vom Staatspräsidenten aus dem Kreis der Mitglieder ernannt. Der Hochschulrat ist eine von der Politik nicht beeinflussbare, verfassungsmäßig autonome Einrichtung. Er kann durch den Erlass von Verordnungen eigenständig handeln. Die Planung, die Einrichtung sowie die Aufsicht über die Universitäten, die Qualifikation und Personalangelegenheiten des Lehrpersonals sowie die Erhebung von Studiengebühren gehören zu den Zuständigkeiten der YÖK, ebenso die Grundfinanzierung und die Koordination des türkischen Hochschulwesens.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche neue Hochschulen gegründet. Universitäten werden aufgrund der Empfehlungen des Hochschulrates (YÖK) an das Ministerium für Nationale Erziehung und der Zustimmung des Kabinetts und anschließendem Gesetzerlass des Parlaments gegründet.

Laut ERAWATCH gibt es 164 türkischen Universitäten, von denen 61 in Privatbesitz sind. Insgesamt sind 130.653 akademische Mitarbeiter beschäftigt. An den Hochschulen studierten 2.263.704 weibliche und 2.672.887 männliche Studierende in 2012/2013, von denen 25.644 bzw. 34.667 an einem Promotionsprogramm teilnehmen.

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Bildungsforschung

Obwohl die Bildungsforschung primär von den Universitäten ausgeführt wird, werden die Forschungsgelder hauptsächlich vom TÜBITAK gestellt. Das Bildungsministerium, Universitäten und EU Agenturen stellen ebenfalls Gelder zur Verfügung. Nicht-Regierungsorganisationen nehmen nur limitiert an der Bildungsforschung teil.

Privatisierung und Dezentralisierung des Hochschulbereichs, sowie der Bologna Prozess haben einen großen Einfluss auf die Bildungsforschung: Wirtschaftsdenken ist ein prägendes Element dieser Prozesse in der Türkei:  Verantwortung, Leistungs- und Qualitätsbewertung, Geschäftsführung und Private-Public-Partnerschaft, sowie Kollaborationen zwischen Universitäten und Industrie. Implementierung und Koordination des Bologna-Prozesses wird in der Türkei vom Ministerium für Nationale Bildung durchgeführt. Um wirtschaftliche Kompetenz und Nachhaltigkeit zu fördern empfiehlt es alle Arten der wirtschaftlichen und universitären Zusammenarbeit. Dies führt jedoch zu einer Einschränkung der Unabhängigkeit von Forschung, einer Standardisierung der Strukturen und beeinflusst die Curricula der akademischen Programme.

Die Evaluierung der Qualität und Nützlichkeit von Bildungsforschung wird zu einem wichtigen Thema für Universitäten und staatliche Agenturen um über die finanzielle Unterstützung der Vorhaben zu entscheiden und die Ergebnisse in politische Rahmenbedingungen umwandeln zu können.

Quelle: European Educational Research Education - Turkey

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4Europa

4.1 Großbritannien

Schulen und Hochschulen

Schulen
Das Schulsystem im Großbritannien beginnt mit dem Elementarbereich, der die freiwillige Vorschule für alle bis zum 5. Lebensjahr beinhaltet. Ab dem zweiten Lebensjahr ist diese für Kinder aus benachteiligten Familien kostenfrei, ab dem 3. Lebensjahr für alle. Die meisten Kinder besuchen im letzten Jahr des Elementarbereiches eine Vorschule.

Der Primarbereich umfasst das 5. bis 11. Lebensjahr, der Sekundarbereich I das 12. bis 16.Lebensjahr und der Sekundarbereich II das 17. bis 18. Lebensjahr. Zwischen dem 5. und dem 16. Lebensjahr besteht Schulpflicht und seit 2014  gilt bis zum 18. Lebensjahr Ausbildungspflicht. Vollzeitbildung an Schulen oder Weiterbildungseinrichtungen ist für Jugendliche bis zum Alter von 19 Jahren kostenlos.

Es gibt zwei Abschlussqualifikationen, die am Ende der Schulzeit abgelegt werden können. Das General Certificate of Secondary Education (GCSE), das planmäßig nach 11 Jahren Schulbesuch am Ende der Sekundarstufe I im Alter von 16 Jahren erworben wird, und das Certificate of Education at Advanced Level (GCE A-Level), das nach zwei weiteren Jahren am Ende der Sekundarstufe II (Secondary School) im Alter von 18 Jahren abgelegt wird. Gute Noten in den A-level-Prüfungsfächern sind Voraussetzung, um sich in einen entsprechenden Studiengang an der Universität einzuschreiben. Einen Überblick über die Leistungsfähigkeit der einzelnen Schulen gibt ein jährliches Ranking („League-Tables“).

Neben den staatlichen Schulen gibt es gebührenpflichtige Privatschulen, die ca. 7 Prozent der Schüler besuchen. Als staatlich finanzierte Schultypen werden seit einigen Jahren verstärkt „Academies“ und „Free Schools“ gegründet, die über mehr Autonomie bei Unterrichtsgestaltung und Personalverwaltung verfügen.

Im Sekundarbereich II gibt es in England Sixth form colleges, die ebenso wie die Sekundarschulen (Secondary schools) im Rest Großbritanniens allgemeinbildenden Charakter haben, obwohl auch einige berufsbezogene oder angewandte Inhalte vermittelt werden. An den Further education colleges stehen berufsbildende Themen stärker im Vordergrund, obwohl auch allgemeinbildende Lerninhalte angeboten werden. Ein Deutschland vergleichbares Berufsausbildungsangebot (duales System) gibt es nicht bzw. ist gerade erst begonnen worden („apprenticeship“).

Hochschulen
Die so genannten Higher education institutions umfassen Universitäten, Higher education colleges und eine geringe Zahl von University colleges. Alle Hochschulen sind autonome Einrichtungen. Es gibt  im Vereinigten Königreich mehr als  300 Universitäten und Colleges/ Institutes of Higher Education. Die ältesten Universitäten stammen aus dem 12. bis 15. Jahrhundert. Zu ihnen gehören Oxford und Cambridge sowie St. Andrews, Glasgow und Aberdeen. Die großen City-Universitäten wurden Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet. Universitäten der jüngeren Generation wurden zwischen 1960 und 1970 meist als Campus-Universitäten "auf der grünen Wiese" errichtet. Den ebenfalls in den sechziger und siebziger Jahren entstandenen Polytechnics wurde 1992 Universitätsstatus verliehen. Sie werden noch heute häufig unter dem Begriff New Universities zusammengefasst.

Für den Zugang zu den Hochschulen werden bestimmte Abschlüsse des Sekundarbereichs verlangt. Offiziell gibt es keinen Numerus clausus, jedoch legt jede Hochschule ihre eigenen Zulassungsbedingungen fest.

Studiengebühren
An englischen Universitäten zahlen inländische und EU-Studierende seit Beginn des Studienjahres 2012/13 für das Erststudium (Bachelor) Studiengebühren von bis zu £9000 pro Jahr, die über ein staatliches Volldarlehen vorfinanziert werden können. In Schottland werden für schottische und EU-Studenten keine Gebühren für das Erststudium verlangt, für Wales und Nordirland bestehen Sonderregelungen. Die Kosten für einen Masterstudiengang sind nicht gesetzlich reglementiert und variieren stark nach Studienfach und Hochschule.

Akademische Grade
Die englischen Hochschulen sind sehr unterschiedlich in ihrer Größe, Struktur und Ausrichtung. Das Recht zur Vergabe akademischer Grade und das Recht sich eine Universität zu nennen, wird dabei von der Regierung überwacht. Innerhalb dieses Rahmens sind die Institutionen frei in der Gestaltung ihrer Ausbildungsprogramme. Nach Abschluss eines dreijährigen Studiums wird der Bachelor-Titel verliehen, als Bachelor of Arts (BA) oder Bachelor of Science (BSc). Daran kann sich ein Graduiertenstudium anschließen, dass mit dem Masters' Degree abschließt. Typischerweise ist die Studiendauer hierfür ein Jahr,  bei einem mehr forschungsorientierten Studium auch zwei Jahre. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit zu einem Doktorandenstudium,  bei dem nach ca. drei Jahren der Doktortitel erreicht werden kann.

(Quellen: Auswärtiges Amt, Länderinformationen Großbritannien/Vereinigtes Königreich; Eurypedia, European Encyclopedia on National Education Systems, Länderseiten Großbritannien; DAAD, Länderinformationen Großbritannien)

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4.2 Polen

Schulen und Hochschulen

Bildungsstätten

Schuleinrichtungen (staatlich oder  nicht-staatlich):

  • Grundschulen (Grund-/Pflichtausbildung; sechs Schuljahre; ca. 15.600 Schulen, davon ca. 450 Privatschulen)

Hauptschule

  • Gymnasien (Grund-/Pflichtausbildung; drei Schuljahre; ca. 6.600 Schulen, davon ca. 500 Privatschulen) mit einer abschließenden Prüfung, die den Zugang zum Sekundarbereich II gewährt.

Sekundarstufe II

  • Berufsschulen/Berufsgrundschulen (zwei bis drei Schuljahre; ca. 2.200 Schulen, davon ca. 100 Privatschulen; Schüler: 9,8% der Population). Absolventen erhalten ein Diplom nach bestandener Prüfung, welches die beruflichen Qualifikationen einer Berufsausbildung bestätigt
  • Allgemeinbildende Lyzeen (drei Schuljahre; ca. 2.500 Schulen, davon ca. 450  Privatschulen; Schüler: 42,7% der Population). Studenten können eine Immatrikulationsbescheinigung (Świadectwo maturalne) nach bestandener Reifeprüfung (Egzamin maturalny) erhalten.
  • technische Oberschule: Technikums (vier Schuljahre), Profillyzeen (drei Schuljahre), Allgemeinbildende Ergänzungslyzeen (zwei Schuljahre), Ergänzungstechnikums (drei Schuljahre); insgesamt ca. 4.800 Schulen, davon ca. 200  Privatschulen; Schüler insgesamt: 33,9% der Population)

Post-Schulen

  • Postabiturschulen (max. 2,5 Schuljahre, ca. 2.800 Schulen davon über 1.500 Privatschulen; Schüler: 13,6% der Population)

Hochschuleinrichtungen (insgesamt: 461)

  • 19 Universitäten
  • 23 Technische Hochschulen
  • 9 Medizinische Akademien
  • 7 Landwirtschaftshochschulen
  • 80 Hochschulen für Wirtschaft
  • 18 Pädagogische Hochschulen
  • 21 Hochschulen für physische Bildung
  • 6 Sporthochschulen
  • 15 Theologische Hochschulen
  • 2 Seefahrthochschulen
  • 21 Kunsthochschulen 
  • 240 andere Hochschulen


Quelle: Ministerium für Nationale Bildung in Polen, Gate-Germany Länderprofile Polen www.gate-germany.de/fileadmin/bilder/Expertenwissen/laenderprofile_polen.pdf

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Bildungsforschung

Aktuelle Groß- und Sonderprogramme zur Reform-, Informatisierungs- und Integrationsunterstützung im Bildungsbereich werden im Bereich "Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik" vorgestellt. Ausführliche Informationen über die bi- und multilateralen Aktivitäten und Kooperationen Polens in der Bildung beinhaltet dort das Kapitel "Politische Zielsetzungen", Pkt.3: "Bildungspolitische Ziele".
Programme und Initiativen zahlreicher Bildungsorganisationen werden unter "Bildungslandschaft", Pkt.6:  "Bildungsorganisationen" präsentiert.      
 
Fachliche Ausrichtung in der Bildung:

  • Bildung für die Informationsgesellschaft: Moderne Informatik- und IuK-Ausbildung, neue Programmgrundlagen für Informatiklehre, div. Programme zur Promotion "informationsbasierter" Bildung und allgemeiner Zugänglichkeit zur Information auf allen Ausbildungsebenen und im Privatbereich
  • Neue Bildungskonzepte und –techniken auf IuK-Basis: Anwendungsprogramme für innovative Lehr- und IuK-Technologien in der Bildung, innovative Fachlehrprogramme - Projektarbeit "e-learning", Entwicklung moderner Bildungsmethodik
  • Projekte zur Verbesserung der e-Infrastruktur: PC-Ausrüstung in allen Schulen, Internetpromotion, darunter Internetzugang für Alle, Internetanschluss für alle Schulen und Bibliotheken, Einrichtung von Internetzentren für multimediale Information, Multimedialschulen, Internet-Werkstätte, multimediale Bibliotheken und Bibliotheken-Netzwerke
  • Entwicklung von Instrumenten zur Fachqualitätssteigerung in der Bildung, u.a. landesweite Schulungsprogramme für sämtliche Fachlehrkräfte im Bereich Multimedialbestände- und Internetnutzung, neue Qualifizierungsstandards für Informatik- und IuK-Technologielehrer
  • Berufliche Weiterbildung zur Anwendung von IuK-Technologien, neue Medien in der Weiterbildung, Computerfernschulung
  • EU-Berufs- und -Gesellschaftsausbildung: berufliche EU-Qualifikationsstandards, Projekte zur Förderung europäischer Zusammenarbeit in Bildung und EU-Integration
  • Fremdsprachenförderung, darunter I-Technologien in der Fremdsprachenlehre
  • Projekte zur Förderung regionaler und sozialer Chancengleichheit in Bildung (besondere Zielgruppen: Postabiturienten und Studenten).

Beispiele für spezielle Fachprogramme, -projekte und -initiativen:  

Weiterbildungsangebot

Im Vordergrund des aktuellen flächendeckenden und vielfältigen Weiterbildungsangebots, das beinahe alle möglichsten theoretischen und praktischen Fachbereiche sowie alle Sektoren beruflicher Aktivitäten abdeckt, stehen Schulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, die sich an folgende Berufsfelder richten:

  • IuK -Technologien, Informatik (ca. 6.000 Schulungsangebote)
  • Fremdsprachen (knapp 4.000 Schulungsangebote)
  • (Qualitäts)Management, Controlling (ca. 2.600 Schulungsangebote)
  • Bildungs- und Erziehungswesen (ca. 2.500 Schulungsangebote)
  • Firmenmanagement, Business (ca. 2.100 Schulungsangebote)
  • Kaufm.-Bereich, Finanzen, Bank- und Rechnungswesen (ca. 1.700 Angebote)
  • Sozialwesen und Recht (ca. 1.300 Schulungsangebote)
  • Schlüsselqualifikationen / Selbstmanagement (ca. 1.200 Angebote)
  • Gesundheit und (Arbeits)Sicherheit (ca. 1.200 Schulungsangebote)
  • Marketing und Handel (ca. 1.100 Schulungsangebote)
  • Humanistische Wissenschaften (ca. 1.100 Schulungsangebote)
  • EU-Wissenschaften (ca. 1.000 Schulungsangebote)
  • Industrie, div. Industriezweige (ca. 900 Schulungsangebote)
  • Kommunikationsmedien (ca. 800 Schulungsangebote)
  • Mathematik, Physik ( ca. 800 Schulungsangebote)
  • Landwirtschaft (ca. 700 Schulungsangebote)
  • Touristik und Hotelmanagement (ca. 700 Schulungsangebote)
  • Transport und Logistik  (ca. 700 Schulungsangebote)
  • Kunstwissenschaften (ca. 600 Schulungsangebote)
  • Bauwesen (ca. 600 Schulungsangebote)
  • Sport (ca. 500 Schulungsangebote)

Mit wissenschaftlichen Untersuchungen zu den modernsten Formen der beruflichen Weiter-, Aus- und Fortbildung sowie mit alternativen Einsätzen innovativer IuK-Technologien befasst sich die einzige Forschungsarbeitsgruppe beim Ministerium für Bildung MEN, das Institut für Bildungsforschung IBE (Instytut Badan Edukacyjnych). Seine Unterstützungs- und Beratungsorgane, gleichzeitig zentrale Bildungskoordinierungsstellen sind (s. Links u.): Zentrum für Praktische Ausbildung CKP (Centrum Ksztalcenia Praktycznego), Zentrum für Nachhaltige Bildung CKU (Centrum Ksztalcenia Ustawicznego), Koordinierungsbüro für Personalschulung BKKK (Biuro Koordynacji Ksztalcenia Kadr), Zentrale für Lehrerweiterbildung CODN (Centralny Osrodek Doskonalenia Nauczycieli), Nationales Zentrum für Förderung der Berufsbildung KOWEZ (Krajowy Osrodek Wspierania Edukacji Zawodowej), Staatliches Zentrum für Fernausbildung OCEN (Ogolnopolskie Centrum Edukacji Niestacjonarnej), Regionales Methodisches Zentrum WOM (Wojewodzki Osrodek Metodyczny) und Verband der Einrichtungen für Berufliche Weiterbildung ZZDZ (Zwiazek Zakladow Doskonalenia Zawodowego). Weitere Kooperationsbereiche dieser Einrichtungen sind: Modelle für allgemeine Ausbildung und Erziehung, Edukationsmodule, Prüfungsgestaltung, Bildungsmanagement, nachhaltige Ausbildung.         

Informationsplattformen, Datenbanken und Internetportale für Bildung:

Bildungsnachrichten aus Polen (laufende Informationen) 

Das Bildungsministerium MEN kooperiert mit dem Forschungsministerium MNiSW (früher: Staatskomitee für Wissenschaftliche Forschung KBN), mit Bildungsorganisationen, Bildungs- und Forschungsverlagen sowie mit der Polnischen Presseagentur PAP (Polska Agencja Prasowa) bei der Gestaltung und Förderung der Presse- und Literaturarbeit im Bereich Bildung und Ausbildung z.B.:

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Programme in der Bildung

Eine effektive Umsetzung der bildungspolitischen Bestrebungen Polens wird durch zahlreiche nationale Sonderprogramme, -projekte, -initiativen und andere Bildungsaktivitäten im Schul-, Hochschul- und Weiterbildungssektor ermöglicht. Ihr inhaltlicher Umfang, finanzieller Förderrahmen und somit auch ihre Wirkungsbreite resultieren allerdings nicht zuletzt aus der Tatsache, dass der polnische Bildungssektor seit Jahren zunehmend stark unterfinanziert bleibt.

Sonderprogramme für einen innovativen Bildungsbereich

1990 wurde ein beachtlicher Reformprozess im Bildungsbereich begonnen. Dieser soll eine dauerhafte und nachhaltige Breitenwirkung erzielen und gleichzeitig den nationalen strategischen Regierungsplänen zur Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung und den bildungspolitischen EU-Prozessen gerecht werden. Aus diesem Grund wurden verschiedene, teilweise sehr innovative Programme, Modellprojekte und Initiativen entwickelt, die den Kernbestandteil des "neuen" polnischen Bildungssystems bilden sollen.

Priorität haben Programme, Projekte und Initiativen aus den Themensektoren:

  • Entwicklung und Ausbau einer Informationsgesellschaft
  • Europäische Kooperation in Forschung und Bildung
  • Lehr- und Lerntechnologien, darunter e-Learning
  • Weiterbildungs- und Qualifizierungsformen
  • Chancenausgleich (in Bildung) 

Beispiele für Sonderprogramme, Projekte und Initiativen:

Nationales Programm zur Regionalentwicklung

Sektoren: Bildung und Forschung / "Zintegrowany Program Operacyjny Rozwoju Regionalnego" ZPORR
(seit 2004: www.funduszestrukturalne.gov.pl/)
Koordinierung: Wirtschaftsministerium MG in Kooperation mit Bildungsministerium MEN und Forschungsministerium MNiSW

Zahlreiche Sondermaßnahmen zur Unterstützung der regionalen Bildungs- und Forschungssektoren bilden – neben der wirtschaftlichen Problematik – wesentliche Bestandteile des Integrationsprogramms ZP0RR zur Verbesserung der regionalen Chancengleichheit und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in Polen. Relevante Programmprioritäten sind: regionale Bildungsinfrastruktur (Schul- und Hochschulmodernisierung), Wissens- und Innovationstransfer (Förderung der Kontakte: Forschung-Industrie, Industriejahr für Wissenschaftler, Industriepraktika und -stipendienprogramme für Hochschulabsolventen, regionale Innovationsstrategien, Schulungen zum Innovationstransfer), Infrastruktur für Informatisierungsprozesse (Einführung und Verbesserung der IuK-Dienste für Schulen, Hochschulen und andere öffentliche und non-profit Bildungseinrichtungen, Forschungs- und Entwicklungszentren, non-profit Forschungsorganisationen und –stiftungen), Stärkung der Humanpotentiale (Berufsausbildung, Berufspraktika für Schüler und Studenten, berufliche Umqualifizierung), regionale Bildungschancengleichheit (Studenten- und Schülerstipendien), lokale Infrastruktur (technische und Bildungsausrüstung für Schulen, Bibliotheken, Laboratorien, Berufsschulungsräume, etc.).           
Weitere Informationen unter: www.fundusze-ue.menis.gov.pl/page/pl/projekty-dla-edukacji/

Projektinitiativen

"Neue IuK-Technologien in Bildung für die moderne Informationsgesellschaft" 
Koordinierung: Bildungsministerium MEN, Forschungsministerium MNiSW 
 
Grundstein für Erfolge der nationalen Strategie zur "Entwicklung einer wissensbasierten Wirtschaft" (Plan GOW – rozwoj Gospodarki Opartej na Wiedzy; www.poig.gov.pl) ist die Förderung einer modernen Informationsgesellschaft. Diese Empfehlung aus dem "Strategieplan für neue Ausrichtung in der Forschungs- und Technologieentwicklung in Polen bis 2020" wird seit 2000 durch zahlreiche Projekte und Initiativen zu neuen IuK-Technologien für Bildung in die Praxis umgesetzt. Das betrifft folgende Bildungsbereiche:

  • Bildungsmanagement (Systeme: Edukacja CL, Uczelnia.XP, IT CAMPUS, USOS, Ksantypa, HMS, EDUKONEKT.PL, sQuola, Optivum u.a.)
  • eLearning (div. Schulungsmaterialien mit Internet-, Intranet, CD-Nutzung)
  • Multimedia (multimediale Enzyklopädien, Lexika, Lehrbücher, Bildungsspiele, Bildungsservice im Internet, sog. "virtuelle Klassen", Interaktivtabellen, etc.)
  • Bildungsportale (für Schuler, Lehrer, Eltern).       

Europäische Bildungswettbewerbe für Schulen "Europa in der Schule" 

Koordinierung: Bildungsministerium MEN, Europazentrum an der Universität Warschau, Informations- und Dokumentationsstelle des Europarates; Schirmherrschaft: polnischer Staatspräsident

Seit 1991/92 wurden folgende Wettbewerbe durchgeführt:

  • Umwelt und Lebensqualität – Herausforderung für Europa
  • Europa in der Schule
  • Gemeinsam in Europa
  • Zukunft tief verwurzelt in der Vergangenheit – Herausforderung für junge Europäer
  • Information – Kommunikation – Europa
  • Europäische Kultur im 21. Jahrhundert
  • Menschenrechte und ich
  • Vereinigtes Europa – Herausforderung für Bürger im 21. Jahrhundert
  • Bessere Umwelt – besseres Europa
  • Unsere Geschichten – unsere europäische Zukunft
  • Europa in der Welt – Gegenwart und Gemeinschaft, Verständigung und Toleranz – Herausforderung für die Zukunft
  • Europaverständnis durch Kultur und Sport

Hochschulprojekt "Supplement zum Diplom"  
Koordinierung: Bildungsministerium MEN

2000/2001 wurde im polnischen Hochschulsektor pilotartig ein europäisches Supplement zum Diplom eingeführt. Dieses enthält - laut Muster der Europäischen Kommission, des Europarates und ONZ(UNESCO/CEPES) - ausführliche Informationen über das Studium sowie die erworbenen akademischen und beruflichen Qualifikationen. Aufgrund des Erfolges des Pilotprojektes wurde es 2003/2004 zur Grundlage für ein entsprechendes Hochschulgesetz; seit 2004/2005 ist das Supplement zum Diplom für alle Hochschulen in Polen verpflichtend.

Universitäten/Universitätsreformen

Nach dem Ende des Sozialismus 1989 reformierte Polen sukzessiv das Bildungswesen. Demokratische Prinzipien lösten die alten Leitlinien der kommunistischen Partei ab. Seit 1990 haben die polnischen Hochschulen ihre Selbstverwaltungsrechte zurückbekommen. Sie sind jetzt relativ unabhängig gegenüber dem Staat, besitzen eine institutionelle Autonomie, akademische Freiheit und haben einen großen Spielraum für die Fakultäten.
Heute gibt es in Polen 310 staatliche und nicht-staatliche Lehreinrichtungen auf dem tertiären Bildungssektor. Das Hochschulsystem ist zweigeteilt. Es besteht aus Universitäten und Fachhochschulen.

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4.3 Russland

Schulen und Hochschulen

Das Schulsystem

Aufgrund der demografischen Entwicklung ging die Schülerzahl in den letzten fünf Jahren um rund ein Viertel zurück. Seit dem Schuljahr 2011/12 ist eine leicht positive Veränderung zu beobachten. Im Schuljahr 2013/14 besuchten 13.783.000 Schülerinnen und Schüler in Russland eine allgemeinbildende Schule.

Die Schulpflicht beträgt in Russland neun Jahre. An staatlichen Schulen ist der Schulbesuch gebührenfrei, die bereits obligatorische Schuluniform und die Lehrbücher müssen jedoch von den Erziehungsberechtigten finanziert werden.

In Russland beginnt die Schulausbildung im Alter von 6 bis 7 Jahren. Das russische Schulsystem sieht folgende Stufen vor:

  • 1.- 4. Klasse Grundschule
  • 5.-9. Klasse Hauptschulbildung und
  • 10. –11. Klasse Mittelschulbildung

Folgende Abschlüsse sind möglich:

  • Allgemeiner Hauptschulabschluss: Er wird nach neunjähriger Schulzeit erworben und eröffnet die Möglichkeit einer Berufsausbildung an einem Technikum oder einer Berufsschule.
  • Allgemeine Mittelschulbildung: Dieser Abschluss wird nach elfjähriger Schulzeit erworben. Das verliehene Reifezeugnis (attestat zrelosti) wird von etwa zwei Dritteln der Schüler erworben und ist Ausweis der allgemeinen Hochschulreife.

Zu den für die Zukunft vorgesehenen Maßnahmen gehören auch die Einführung einer einjährigen Vorschule, eines zwölften Schuljahres sowie die Einrichtung von Profilklassen in den beiden letzten Schuljahren. Die Reform des Bildungswesens soll bis 2020 stufenweise umgesetzt werden. (Quelle: AA;www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/RussischeFoederation/Kultur-UndBildungspolitik.html)

Das Hochschulsystem

Das Hochschulwesen der Russischen Föderation und der GUS-Staaten unterscheidet sich in vielen Punkten von den westeuropäisch geprägten Studiensystemen. Ein grundlegender Unterschied besteht darin, dass das Prinzip der Einheit von Forschung und Lehre im russischen Hochschulwesen noch nicht verankert wurde. Die Hochschulen befassen sich überwiegend mit der Lehre und führen nur zum Teil angewandte Forschung durch. Dies soll sich ändern: Universitäten werden schrittweise zu Forschungszentren ausgebaut, welche neben dem Lehr- auch noch einen Forschungsauftrag haben.

Eine Reihe weiterer Initiativen wird dezeit (Stand Mai 2014) an russischen Hochschulen durchgeführt:

  • Öffentliche Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen industrienahen Hochschulen der Industrie und der Wirtschaft
  • Gründung von nationalen Forschungsuniversitäten
  • Unterstützung der führenden russischen Universitäten
  • Einbeziehen von führenden Wissenschaftlern
  • Entwicklung der Innovationsinfrastruktur
  • Gründung von föderalen Universitäten

Der Bologna-Prozess in Russland

Verlässliche Zahlen zum Stand der Umsetzung des Prozesses an allen Hochschulen Russlands existieren bis heute kaum. Gleichwohl ist inzwischen eine deutliche Zunahme der neuen Abschlüsse Bachelor und Master zu verzeichnen. Den landesweit 1,3 Mio. Diplomabschlüssen standen 2011 bereits 126.600 Bachelor- und 26.300 Masterabschlüsse gegenüber. Von weiteren Reformen ausgenommen sind die Fächer Medizin und Jura, ferner die Lehrerausbildung und die dem militärischen Bereich zuzuordnenden Fächer.

Zwei Jahre begleiteten Experten im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) die Umsetzung der Bologna-Reform als Berater der Hochschulen (letzte sechste Projektphase: 01. Juli 2011 bis 30. Juni 2013).

Die Hochschulen lassen sich anhand ihrer fachlichen Bandbreite und ihrer administrativen Zugehörigkeit kategorisieren:

a) Fachliche Bandbreite

  • Die klassischen Universitäten: Sie zeichnen sich durch ein breites Fächerangebot aus, das dem der deutschen Volluniversitäten nahe kommt.
  • Akademien und Universitäten mit wesentlich engerer Spezialisierung: z. B. Hochschulen für Architektur und Bauwesen, Pädagogische und Medizinische Hochschulen oder Wirtschaftsakademien.
  • Universitäten und Hochschulen, die neu gegründet oder umgewidmet wurden: Sie sind in ihrer fachlichen Ausrichtung meist auf 2-3 Fächer begrenzt. Häufig handelt es sich um private Hochschulen.

b) Administrative Zugehörigkeit
Nur ein Teil der Hochschulen wird durch das Ministerium für Wissenschaft und Bildung betreut, andere unterstehen den Fachministerien, sind aber frei zugänglich. Während das Bildungsministerium eine gewisse Oberhohheit bei allgemeinen Formulierungen zu Rahmenbedingungen (Art der Abschlüsse, Studiendauer, formale Qualifikationen, Bologna-Prozess) hat, sind die Ressortministerien für Finanzierung, Personal und Inhalt der Lehre verantwortlich. Alle im administrativen Bereich anfallenden Aufgaben werden vom Rektor, von Prorektoren oder Dekanen wahrgenommen.

Studiengänge und -abschlüsse

An den russischen Hochschulen können folgende akademische Abschlüsse erworben werden:

  • Bachelor (in der Regel nach vierjährigem Studium) 
  • Magister (entspricht dem Master-Grad; nach einem zweijährigen Studium im Anschluss an den Bachelor) 
  • Diplom (fünf- bis sechsjähriges Studium)

Bei den wissenschaftlichen Graden unterscheidet man zwischen dem:

  • Kandidat der Wissenschaften (Aspirantur - in etwa der deutschen Promotion vergleichbar): Voraussetzung für die Aufnahme in die Aspirantur ist ein abgeschlossenes Studium (Diplom oder Master). Die 3-jährige Aspirantur ist wesentlich verschulter im Vergleich zur deutschen Promotion. In dieser Zeit sind Vorlesungen und Kurse zu absolvieren, die zum Teil nur mit dem Promotionsfach zu tun haben. Nach drei Jahren muss eine abgeschlossene wissenschaftliche Arbeit vorgelegt werden.
  • Doktor der Wissenschaften (in etwa der deutschen Habilitation vergleichbar): Voraussetzung für den Beginn einer Habilitation ist die abgeschlossene Aspirantur. Neben der Habilitationsschrift muss der Habilitand weitere eigene Publikationen vorlegen und seine Lehrbefähigung nachweisen. Die Erstellung der Habilitation nimmt mindestens fünf Jahre in Anspruch und wird mit dem Titel "Doktor der Wissenschaften" abgeschlossen. Da die Lehrbefugnis nicht von einer abgeschlossenen Habilitation abhängt, ist es nicht ungewöhnlich, erst im Alter von 50 Jahren oder später mit der Habilitation zu beginnen. Bis dahin kann der Habilitand Dozent oder Lehrstuhlleiter an einer Universität oder wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Forschungsinstitut sein.
    Die Doktorantur (Habilitation) gehört seit kurzem nicht mehr zum Bildungsbereich, sondern ist dem Forschungsbereich zugeordnet.

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Programme in der Bildung

Die Schwerpunkte der russischen Hochschulpolitik sind in der Innovationsstrategie 2020, im Föderalen Zielprogramm für Bildung 2011-2015 sowie in den Staatsprogrammen "Entwicklung der Bildung 2013-2020" und "Entwicklung von Wissenschaft und Technologie 2013-2020" verankert. (s. Kapitel 4.1 Besondere Instrumente und Maßnahmen)

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4.4 Ukraine

Schulen und Hochschulen

Das Bildungssystem in der Ukraine ist sehr komplex und ähnelt in groben Zügen den meisten europäischen Bildungssystemen, vgl. auch das Diagramm „Bildungsstruktur und Bildungs- und Qualifikationsstufen in der Ukraine“ im Abschnitt „Überblick“.

Vorschulen

Vorschulbildung können Kinder im Alter von 1-6 Jahren in Kindergärten erlangen. Es gibt staatliche, kommunale und private Kindergärten. Anfang 2013 lag der Anteil der kommunalen Vorschulen bei 97,2%, der privaten bei 1,9% und der staatlichen bei 0,9%. Die privaten Kindergärten unterliegen einer staatlich festgelegten Lizenzierungspflicht. Alle Vorschulen müssen unabhängig von Trägerschaft, Art und Eigentumsform die Anforderungen der durch das Bildungsministerium der Ukraine am 04.05.2012 verabschiedeten „Grundlagenkomponente der Vorschulbildung“ (Staatlicher Standard der Vorschulbildung in der Ukraine) erfüllen.

Die staatliche Finanzierung der Vorschulbildung machte 2012 3% vom Staatshaushalt oder 14,4% aller staatlichen Ausgaben für den Bildungsbereich aus.

Allgemeinbildende Bildungsanstalten (Grund- und Sekundarschulen)

Die allgemeine vollständige Mittelschulbildung ist in der Ukraine Pflicht und gliedert sich in 3 Schulstufen: Stufe I – Grundschule (1. bis 4. Klasse), Stufe II - Mittelschule (5. bis 9. Klasse) und Stufe III – Oberschule (10. bis 12. Klasse). Die wichtigsten Bildungsanstalten in diesem Bereich sind:

  • Allgemeinbildende Schule der Stufen I-III,
  • Gymnasium – Bildungsanstalt der Stufen II und III mit Schwerpunkt auf speziellen Fächern gemäß Profil,
  • Kollegium - Bildungsanstalt der Stufen II und III mit philologischem und philosophischem und (oder) kulturellem und ästhetischem Profil,
  • Lyzeum - Bildungsanstalt der Stufe III mit ausgeprägtem Bildungsprofil und vorberuflicher Bildung (darf auch Bildungsleistungen der Stufe II ab der 8. Klasse anbieten),
  • Sonstige spezielle Bildungsanstalt, darunter auch für Kinder mit besonderen Bedürfnissen.

Die Anzahl der allgemeinbildenden Bildungsanstalten aller Art in der Ukraine belief sich im Jahr 2014 auf insgesamt 17.604 Bildungsanstalten mit insgesamt 3,74 Mio. Schülern, davon etwa 32,45% der Bildungsstätten in den Städten (67,71% der Schüler) und 67,54% auf dem Land (32,29% der Schüler). Nur etwa 1% der allgemeinbildenden Bildungsanstalten sind privat organisiert, davon sind etwa die Hälfte Gymnasien, Kollegien und Lyzeen.
Am Ende jeder Schulstufe (4., 9. und 11. Klasse) ist eine staatliche Abschlussprüfung abzulegen. Die jeweiligen Pflichtaufgaben werden durch das Bildungsministerium verabschiedet.

Im Jahr 2004 wurde versuchsweise in einigen Regionen eine externe unabhängige Evaluierung der Schulabsolventen als Alternative zu Hochschulaufnahmeprüfungen eingeführt. Im Jahre 2005 wurde durch Beschluss des Ministerkabinetts ein Ukrainisches Zentrum für die Evaluierung der Bildungsqualität (testportal.gov.ua) eingerichtet. Ab 2008 wurde die externe unabhängige Evaluierung als Grundlage für die Aufnahme an einer Hochschule obligatorisch.

Im Jahre 2015 wurde die Grundfinanzierung des Schulwesens durch den Staat in Form der sogenannten Bildungssubvention übernommen. Im Jahre 2015 beläuft sich diese Art der Subvention insgesamt auf 43.719,4 Mio. UAH. Zielgerichtet wird diese Arte der Subvention über die Haushalte der Gebiete, Gebietsbezirke, kreisfreien Städte und vereinten Gemeinden an die Bildungsstätten vergeben.

Hochschulwesen

In den Hochschuleinrichtungen erlangt man folgende Bildungs- und Qualifikationsabschlüsse: Juniorbachelor, Bachelor, Magister, Doktor der Philosophie und Doktor der Wissenschaften.

1992 wurde ein Gesetz zur Reform des Hochschulwesens verabschiedet. Es räumt den Hochschulen mehr Entscheidungsspielraum ein und gliedert sämtliche Einrichtungen nach den Akkreditierungsstufen 1 bis 4.

Laut einem neuen Hochschulbildungsgesetz aus dem Jahr 2014 werden nicht mehr die Hochschulen, sondern die Bildungsprogramme akkreditiert.

Zu Beginn des Studienjahrs 2014/2015 verfügt die Ukraine über 175 Universitäten, 54 Akademien, 1 Konservatorium und 66 Institute, die Hochschulbildung anbieten (früher Akkreditierungsstufe III-IV). Davon sind etwa 28,8% privat organisiert. Darüber hinaus gibt es eine insgesamt 387 berufsbildende fachhochschulähnliche Einrichtungen (früher Akkreditierungsstufe I-II). Davon sind etwa 16,5% privat organisiert.

Universitäten, Akademien, Konservatorium und Institute dürfen Bildungsdienstleistungen sowohl für alle Arten der Bildungsqualifikationen (Juniorfachmann, Bachelor, Fachmann, Master) als auch im Bereich der postgradualen Ausbildung anbieten. Für hochwertige Leistungen im Forschungsbereich kann der Universität (Akademie) der Status einer Nationalen Bildungseinrichtung verliehen werden. Bisher wurde dieser Status 120 Hochschulbildungseinrichtungen verliehen (www.parta.com.ua/ukr/university/national/).

Das Hochschulwesen wird vom ukrainischen Bildungsministerium verwaltet und koordiniert. Die Bildungseinrichtungen der anderen Ministerien unterstehen ebenfalls der Kontrolle des Bildungsministeriums.

Studiensystem

Das akademische Jahr beginnt im September und endet im Juni. Derzeit folgt das ukrainische Studiensystem zwei prinzipiellen Richtungen: Das alte sowjetische System wird nach wie vor angewandt, aber im Zuge der Neuorientierung werden auch verstärkt Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten, die sich an das angloamerikanische Prinzip anlehnen und eine kürzere Studiendauer vorsehen.

Zulassungsvoraussetzungen zur Hochschulbildung sind:

  • Abgeschlossene vollendete Mittelschulbildung,
  • Zertifikat der externen unabhängigen Prüfung
  • Für einige Fachrichtungen obligatorische Aufnahmeprüfungen

Die Ausbildung von Experten mit Hochschulabschluss wird nach jeweiligen den Bildungs- und Berufs-, Bildungs- und Forschungs-, und Forschungsprogrammen auf verschiedenen Stufen der Hochschulbildung durchgeführt (siehe Diagramm im Abschnitt „Überblick“).

Als einzige zugängliche Kreditmöglichkeit für die Finanzierung der Hochschulbildung gilt das System der staatlichen ermäßigten Kredite. Gemäß dem Beschluss des Ministerkabinetts vom 16.06.2003 Nr.916 „Über die Bestätigung der Ordnung der Vergabe von zielgerichteten ermäßigten staatlichen Kredite für die Erlangung der Hochschulbildung“ werden solche Kredite unter folgenden Bedingungen gewährt:

  • maximale Rückzahlungsdauer 15 Jahre mit 3% Jahreszins, erste Auszahlung 12 Monate nach der Absolvierung der Hochscheinrichtung …;
  • Finanzierung für die staatlichen und privaten Hochschulen im Staatshaushalt und für die kommunalen Hochschulen in den Haushalten der Kommunen vorgesehen;
  • Kredithöhe durch Bildungsministerium je nach der Summe der jeweiligen Bildungsleistung festgelegt
  • ortsabhängige Anfrage der Kredite durch die staatlichen Gebietsadministrationen

Wichtig ist hier, dass ein Kreditnehmer, der nach Absolvierung der Hochschule mindestens 5 Jahre in einer staatlichen oder kommunalen Einrichtung oder in einer Einrichtung auf dem Land gemäß dem erlangten Bildungsfach gearbeitet hat, von der Rückzahlung des Kredites und der Zinsen befreit wird.

Im staatlichen Haushalt der Ukraine für das Bildungsministerium wurden 2013 5 Mio. UAH für diese Zwecke vorgesehen aber tatsächlich nur 58,8% davon zur Verfügung gestellt.

Hochschularten

Konservatorium – Hochschuleinrichtung (früher Bildungseinrichtung der Akkreditierungsstufe ІІІ oder IV), die die Hochschulbildung im Bereich der Kultur und Kunst betreibt

Akademie – Hochschuleinrichtung (früher Bildungseinrichtung der Akkreditierungsstufe IV), die die Hochschulbildung für eine bestimmte Qualifikation im einem bestimmten Bereich von Wissenschaft, Produktion, Bildung, Kultur und Kunst anbietet, die Grundlagen- und angewandte Forschungen betreibt und zum leitenden wissenschaftlichen und methodischen Zentrum im Bereich ihrer Tätigkeit gehört und über ein entsprechendes Niveau des Personals und der materiellen und technischen Versorgung verfügt. Obligatorisch für eine Akademie ist die Ausbildung in mindestens 2 Bildungsbranchen und die Ausbildung von promovierten und habilitieren Doktoren der Wissenschaften in mindestens zwei wissenschaftlichen Fachrichtungen (mit Ausnahme der Bildungseinrichtungen mit besonderen Studienbedingungen).

Universität – Multiprofil-Hochschuleinrichtung (früher Bildungseinrichtung der Akkreditierungsstufe IV), die die Ausbildung im breiten Spektrum der humanitären, wirtschaftlichen, naturwissenschaftlichen und anderen Wissenschaften betreibt und zum leitenden wissenschaftlichen und methodischen Zentrum gehört. Es gibt klassische und profilbezogene (technische, wirtschaftliche, usw.) Universitäten.

Obligatorisch für die klassische Universität sind die Ausbildung in mindestens 8 Bildungsbranchen und die Ausbildung von promovierten und habilitierten Doktoren der Wissenschaften in mindestens 12 wissenschaftlichen Fachrichtungen, darunter mindestens in 2 humanitären, wirtschaftlichen, naturwissenschaftlichen oder technischen Fachrichtungen.

Obligatorisch für die profilbezogene Universität sind die Ausbildung in mindestens 4 Bildungsbranchen und die Ausbildung von promovierten und habilitieren Doktoren der Wissenschaften in mindestens 8 wissenschaftlichen Fachrichtungen, darunter mindestens in 6 profilbezogenen Fachrichtungen mit Ausnahme der Bildungseinrichtungen mit besonderen Studienbedingungen).

Ein Institut ist eine Hochschuleinrichtung (früher die Bildungseinrichtung der Akkreditierungsstufe III oder IV) oder die Struktureinheit eine Universität, die die Hochschulausbildung in einem bestimmten Bereich der Wissenschaft, Bildung, Kultur oder Produktion betreibt.

Eine Forschungsuniversität ist eine nationale Hochschulbildungseinrichtung, die über wesentliche wissenschaftliche Errungenschaften verfügt, die Forschungs- und Innovationstätigkeit betreibt, die die Integration von Bildung und Wissenschaft mit der Produktion gewährleistet und an der Umsetzung von internationalen Projekten und Programmen teilnimmt.

Verliehen wird der Titel einer Forschungsuniversität durch das Ministerkabinett der Ukraine auf Vorschlag des Bildungsministeriums.

Der Status einer Forschungsuniversität wird verliehen zur Steigerung der Rolle der Universität als Zentrum von Bildung und Wissenschaft, der Ausbildung hochqualifizierten wissenschaftlichen und wissenschaftlich-pädagogischen Personals, der Einführung in die Praxis der Forschungsergebnisse, der technischen und technologischen Entwicklungen, als Zentrum der Umsetzung von Programme in bevorzugten Richtungen der Grundlagen- und der angewandten Forschungen gemeinsamen mit anderen Forschungs- und Bildungseinrichtungen und der Lösung von wichtigen sozialen und wirtschaftlichen Aufgaben in verschiedenen Wirtschaftszweigen.

Die Tätigkeit der Forschungsuniversitäten wird durch die „Verordnung über die Forschungsuniversität“ geregelt, die durch den Beschluss des Ministerkabinetts der Ukraine Nr. 163 von 17.02.2010 verabschiedet wurde. Darüber hinaus werden einige Modalitäten betreffend die Forschungsuniversitäten auch im neuen Gesetz „Über die Hochschulbildung“ festgelegt, z. B. die zusätzliche staatliche Finanzierung der Forschungsarbeit.

Der Status einer Forschungsuniversität wurde den folgenden 14 ukrainischen Universitäten verliehen:

  • Nationale Taras-Schewtschenko-Universität Kiew, www.univ.kiev.ua (2009)
  • Nationale Technische Universität der Ukraine “Kiewer Polytechnisches Institut” (NTUU „KPI“), kpi.ua (2010)
  • Nationale Kiewer Universität Mohyla-Akademie, www.ukma.kiev.ua (2009)
  • Nationale V. N. Karazin-Universität Charkiw, www.univer.kharkov.ua (2010)
  • Nationale Technische Universität "Charkiwer Polytechnisches Institut", www.kpi.kharkov.ua (2010)
  • Polytechnische Nationale Universität Lwiw, www.lp.edu.ua (2009)
  • Nationale Iwan-Franko-Universität Lwiw, www.lnu.edu.ua (2009)
  • Ostukrainische Nationale Wolodymyr-Dal-Universität, www.snu.edu.ua (2010)
  • Nationale Luftfahrtuniversität, www.nau.edu.ua (2010)
  • Nationale Bergbauuniversität, www.nmu.org.ua (2009)
  • Nationale Universität „Ostrog-Akademie“, www.oa.edu.ua (2009)
  • Nationale Universität für Bioressourcen und Naturnutzung, nubip.edu.ua (2010)
  • Nationale juristische Yaroslav-Mudryi-Universität der Ukraine, nlu.edu.ua (2010)
  • Kiewer Nationale Hetman-Wirtschaftsuniversität, kneu.edu.ua (2010)


Quelle: Ansprechpartner für Forschungskooperationen im Auftrag des BMBF in Kiew


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5Multilaterales

5.1 G7/G8 - G20

G20-Strategie für Qualifikationen

In China bekannten sich die G20-Arbeits- und Beschäftigungsminister im Jahr 2016 dazu, eine qualitativ hochwertige und mit einem Gehalt entlohnte Ausbildung in möglichst vielen Wirtschaftssektoren der G20-Länder einzuführen („G20 Initiative to Promote Quality Apprenticeship“). Ziel ist es, eine starke betriebliche Komponente wirksam mit Schulunterricht zu verbinden. 

Die G20 hatten bereits in ihrer 2015 angenommenen Strategie für Qualifikationen/Kompetenzen („G20 Skills Strategy“) eine Reihe von Politikprinzipien entwickelt:

A. Aufbau und Auffrischung von Qualifikationen für Arbeit und inklusives Wachstum (1.-7.)

  • Besserer Zugang zu Qualitätsbildung;
  • Aufbau starker Basiskompetenzen;
  • Vermittlung von Wissen und Kompetenzen an junge Menschen, die ihnen einen einfachen Übergang von der Schule in den Beruf ermöglichen;
  • Aktive Unterstützung für qualitativ hochwertiges Lernen am Arbeitsplatz;
  • Förderung eines starken Engagements der Sozialpartner für Qualifikationspolitik;
  • Unterstützung und Anreize für diejenigen Arbeitssuchenden, die von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht sind, sich an Weiterbildungsmaßnahmen zu beteiligen;
  • Unterstützung und Anreize für Arbeiter, ihre Qualifikationen im Einklang mit den Erfordernissen der Industrie aufzufrischen. Damit kann ihre Mobilität weg von sich im Niedergang befindlichen Sektoren zu aufstrebenden Sektoren hin erhalten werden.

B. Ermutigung von Unternehmen, in Qualifikation zu investieren (8.-12.)

  • Förderung unternehmerischer Investitionen in Qualitätstraining, auch durch Dialog der Sozialpartner und mit Fokus auf KMUs;
  • Förderung von Investitionen in Qualifikation durch öffentlich-private Co-Finanzierung, vor allem für niedrig qualifizierte Arbeitskräfte;
  • Verbesserung von Weiterbildungsmöglichkeiten für alle, einschließlich jener, die im informalen Sektor beschäftigt sind, um den Übergang zum formalen Sektor zu erleichtern;
  • Zugang zu Fortbildungsmaßnahmen am Arbeitsplatz auch für jene in prekären Arbeitsverhältnissen;
  • Ermutigung von Unternehmen, einen höheren Platz auf der Wertschöpfungskette einzunehmen und damit die Nachfrage nach Qualifikationen zu erhöhen;

C. Volle Nutzung der Qualifikationen (13.-17.)

  • Aktivierung von ungenutzten Kompetenzen nicht arbeitender Personen durch Anreize zur Arbeit, Hilfe bei der Arbeitssuche und durch Beseitigung von Hindernissen für Beschäftigung;
  • Systematische Vorwegnahme und Bewertung von, sowie Reaktion auf einen sich ändernden Bedarf an Qualifikationen;
  • Ermutigung von Managern, insbesondere in KMUs, besseren Gebrauch von verfügbaren Qualifikationen zu machen;
  • Sicherstellung, dass die Organisation des Arbeitsmarktes ein mögliches Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage an Qualifikationen verringert.
  • Verbesserung der Anerkennung und Übertragbarkeit von Qualifikationen.  

Leitprinzipien und Reformagenda von Kurashiki

Die G7-Bildungsminister streben in ihrer Erklärung von 2016 ("G7 Kurashiki Education Ministers' Declaration") an, Bildung zu priorisieren sowie auf neue Kompetenzen hin auszurichten. Bildungsforschung und Internationalisierung werden ausgebaut. In Zukunft sollen nicht nur Studenten, sondern auch vermehrt Schüler aller Altersstufen sowie Lehrer Landesgrenzen überschreiten und international mobil sein. Auf internationaler Ebene bekennen sich die G7-Bildungsminister zu den Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 sowie zu dem "Education 2030 Framework for Action“.

Die Leitprinzipien der G7-Minister („Guiding Principle of G7 Education Ministers“), die 2016 in Kurashiki angenommen wurden sind im Einzelnen:

1. Soziale Inklusion und harmonische Co-Existenz durch Bildung;
2. Förderung von Mädchen und Frauen für nachhaltiges, inklusives und ausgewogenes Wachstum,
3. Verbindungen zwischen Bildung, Beschäftigung und Gesellschaft;
4. Bildung unter Einbeziehung des technischen Fortschritts;
5. Unterstützung und Ausbau von Lehrberufen;
6. Ergebnisorientierte Bildungspolitik;
7. Internationalisierung von Bildung;
8. Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030.

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Geschlechtergerechtigkeit und Personalqualifizierung für Wissenschaft, Technologie und Innovation

Um auch weiterhin globale Spitzenkräfte in der Wissenschaft und Technologie hervorzubringen, verpflichten sich die G7-Wissenschaftsminister 2016 dazu, Exzellenz in der MINT-Bildung zu fördern, d.h. in den Fachbereichen Mathematik, Ingenieurs- und Naturwissenschaften sowie Technik. Zukünftig wollen die G7 allen Studierenden und Forschenden Möglichkeiten eröffnen, in globalen Teams mitzuwirken, die sich mit gesellschaftlichen und globalen Herausforderungen auseinandersetzen.

Damit Frauen einen vollen Beitrag zu Wissenschaft, Technologie und Innovation liefern, wollen sich die G7-Wissenschaftsminister zu bewährten Verfahren austauschen und die internationale Vernetzung von Forscherinnen, Wissenschaftlerinnen, Ingenieurinnen und Studentinnen unterstützen (Abschlusserklärung der G7-Wissenschaftsminister 2016).  

Historie G7 und G20

G7/G8

Seit Mitte der siebziger Jahre finden sich in den G7/G8-Dokumenten sporadische Absichtserklärungen und Beschlüsse zur Bildung, die ab Mitte der achtziger Jahre verstetigt werden. 1999 wurde die Charta von Köln angenommen, die lebenslanges Lernen thematisiert. G7/G8-Bildungsministertreffen haben bislang nur in größeren Abständen stattgefunden. So war Japan im Jahr 2000 Gastgeber des ersten G8-Bildungsministertreffens. Nach einem vorangegangenen G8-Bildungsministertreffen in Moskau nahmen die Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfel in Sankt Petersburg 2006 eine Erklärung zur Bildung für innovative Gesellschaften im 21. Jahrhundert an.

Unter japanischem Vorsitz war Bildung im Jahr 2016 erneut Schwerpunktthema. Die G7-Bildungsminister trafen sich im Mai 2016 in Kurashiki. Die umfangreichen Beschlüsse erstrecken sich auf Leitprinzipien („Guiding Principle of G7 Education Ministers“) sowie eine Reformagenda („Kurashiki Declaration“).

G20

Die G20 legten vor dem Hintergrund der weltweiten Wirtschafts-und Beschäftigungskrise im Jahr 2008 einen Schwerpunkt auf Aus- und Weiterbildung als Basis für lebenslanges Lernen. Im Auftrag des G20-Gipfels von Pittsburgh 2009 hat die Internationale Arbeitsorganisation ILO zusammen mit den Sozialpartnern und NGOs eine G20-Ausbildungsstrategie („G20 Training Strategy") erarbeitet. Unter Vorsitz der Türkei nahmen die G20 2015 eine Strategie für Qualifikationen bzw. Kompetenzen („G20 Skills Strategy“) an.

Die  Arbeits- und Beschäftigungsminister der G20 treffen sich seit 2010 regelmäßig jedes Jahr, so auch 2017.

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Weitere Informationen
Dokumente

6Ozeanien

6.1 Australien

Schulen und Hochschulen

Schulwesen 

Das an das britische Modell angelehnte Schulsystem fällt in den Verantwortungsbereich der Bundesstaaten und Territorien. Die regionalen Zuständigkeiten spiegeln sich in einer Vielfalt von Regelungen wieder, was beispielsweise die Untergliederung der einzelnen Schulstufen und die jeweils geltenden Prüfungsordnungen betrifft. Zusätzliche Komplexität verdankt das australische Schulsystem der Tatsache, dass neben den staatlichen Schulen ein umfangreiches Netz privater Einrichtungen besteht. Ungefähr ein Viertel aller Schulen werden als Privatschulen geführt, wobei ein Großteil davon an religiöse Institutionen und Konfessionen gebunden ist oder von Stiftungen und privaten Trägerschaften finanziert wird. Die ebenfalls privat geführten 'International Colleges' wenden sich mit ihrem Angebot an ausländische Schüler, vornehmlich aus dem asiatisch-pazifischen Raum. Ergänzend zu dem Lehrplan der Primary und Secondary School bieten diese Colleges zusätzlich intensive Englischsprachkurse sowie sogenannte Foundation-Kurse an, um Schülern, die aus einem anderen Kulturkreis kommen, die Eingliederung in das australische Schulsystem zu erleichtern. 

Alle Schultypen unterscheiden zwischen Pflichtfächern (Englisch, Mathematik, eine Fremdsprache, eine Geistes- oder Naturwissenschaft) und Wahlfächern. Während staatliche Schulen in der Regel eine breitere Fächervielfalt vorweisen können, bieten Privatschulen und die International Colleges oftmals bessere Möglichkeiten zur fachlichen Spezialisierung. Staatliche Schulen erheben von australischen Staatsbürgern ein geringes nominelles Schulgeld, während ausländische Schüler hingegen mit Schulgebühren von zwischen 5.000-13.000 AUD (2009) pro Schuljahr rechnen müssen. Privatschulen erheben von allen Schülern unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus Schulgebühren, die je nach Renomee der Institution bis zu 20.000 AUD pro Schuljahr betragen. An allen Schulen ist das Tragen der jeweiligen Schuluniform Pflicht, die sowohl Ausdruck von Tradition ist als auch die Verbundenheit der Schüler mit den Werten ihrer Schule belegen soll. 

Einheitlich geregelt ist die Schulpflicht, die von sechs bis einschließlich fünfzehn Jahren besteht. Nach zehn Schuljahren in der Primary School bzw. der Junior Secondary School besteht die Möglichkeit, an einer staatlichen oder privaten Berufsakademie eine Ausbildung aufzunehmen. Der erfolgreiche Abschluß der 11. und 12. Klasse der Senior Secondary School mit der Verleihung des Higher School Certificate (HSC) berechtigt zum Hochschulstudium. Die in der Abschlußprüfung erzielten Leistungen sind Grundlage für das Auswahlverfahren der Universitäten, das auf dem Universities Admission Index (UAI) aufbaut, der von einem 'Technical Committee on Scaling' der jeweiligen Bundesstaaten ermittelt wird. Dabei werden die erbrachten schulischen Leistungen in den Pflicht- und den gewählten Wahlfächern in Relation zu den Ergebnissen und Fächerkombinationen der Mitschüler gesetzt, um eine Vergleichbarkeit der Leistungsfähigkeit zu erreichen. Die Anforderungen an den UAI von Seiten der Universitäten sind zum einen vom Renomee der Hochschule und zum anderen vom gewählten Fach abhängig. Aufgrund der kompetitiven Zulassungsmodalitäten und der daraus resultierenden Notwendigkeit, einen möglichst hohen UAI zu erzielen, verzeichnen die privaten Schulen und andere externe Anbieter kostenpflichtiger Bildungsangebote großen Zulauf. 

Universitäten 

Die University of Sydney ist die älteste Universität Australiens, gegründet 1850. Ihr folgten fünf Jahre später die University of Melbourne und bis 1911 die Universitäten in Adelaide, Hobart in Tasmanien, Brisbane, Perth und der Vorgänger des Royal Melbourne Institute of Technology, das Working Men’s College. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges konnten diese sieben Hochschulen den Bedarf an höherer Bildung in Australien decken, doch die steigenden Einwanderungszahlen nach 1945 und das damit einhergehende Wirtschaftswachstum ließen den Bedarf an gut ausgebildeten Akademikern rasch wachsen, so dass weitere Universitäten benötigt wurden. Zwischen 1946 und 1975 entstanden dreizehn neue Universitäten in den Großstädten, Industrie-Hafenregionen, aber auch zunehmend in ländlichen Gebieten. In den 1980-er und 1990-er Jahren verdoppelte sich die Zahl der Universitäten durch die Aufwertung von Polytechnics auf bis heute 40; davon sind 38 staatlich und zwei privat finanziert. 

Universitätsstruktur 

Geleitet werden australische Hochschulen von einem Vice-Chancellor (CVC), der von in der Regel vier Pro-Vice-Chancellors bzw. Deputy Vice-Chancellors unterstützt wird, die für jeweils einen der folgenden Bereiche verantwortlich zeichnen: 

  • Teaching
  • Research
  • International
  • Administration

Ihnen nachgeordnet sind die Deans, die jeweils einer Fakultät vorstehen, und ebenso wie die VCs ihr Amt hauptberuflich ausüben, da sie von Lehr- und Forschungsverpflichtungen weitgehend freigestellt sind. Die nächstkleinere Organisationseinheit sind die Schools, die von einem Head of School geleitet werden, und die mehrere Departments ähnlichen Fachzuschnitts vereinen.

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6.2 Neuseeland

Schulen und Hochschulen

Schulsystem
In Neuseeland besteht Schulpflicht vom 6. bis zum 16. Lebensjahr. Jedoch beginnen die meisten Kinder ihre Schulzeit nach Vollendung des 5. Lebensjahrs.
Das Schulsystem ist untergliedert in den primären, intermediären und sekundären Bereich. Primary Schools sind für die ersten sechs Schuljahre ausgerichtet. Die "intermediate schools" umfassen das 7. und 8. Schuljahr und sind entweder separate Einrichtungen oder Teil von primary, secondary oder area/composite schools. Secondary Schools betreuen Schüler vom 9. bis zum 13. Schuljahr. Area/composite schools befinden sich meist in ländlichen Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte und vereinen primary, intermediate und secondary schools.
 
Schultypen
Die meisten Schüler besuchen staatliche Schulen, von denen die Mehrzahl Koedukation anbieten, jedoch gibt es einige staatliche Jungen- bzw. Mädchenschulen.
Private Schulen erheben Gebühren, werden aber auch von der Regierung finanziell unterstützt.
Kura kaupapa Maori sind staatliche Schulen, an denen in Maori Sprache gelehrt wird und wo auf die Kultur und die Werte von Maoris besonders geachtet wird. Der Lehrplan ist mit dem der anderen staatlichen Schulen identisch.
Designated character schools sind staatliche Schulen, die den neuseeländischem Curriculum befolgen, die aber die Möglichkeit haben, Ziele nach ihren eigenen Werten zu entwickeln.
Integrated schools waren ehemals private Schulen, die aber inzwischen zu den den staatlichen Schulen zählen. Neben dem neuseeländischen Curriculum können die Integrated schools ihr eigenes Programm in den Lehrplan aufnehmen (z.B. philosophische oder religiöse Vorstellungen).
Internate sind entweder privat oder staatlich und erheben in jedem Falle Unterbringungsgebühr.
The Correspondence School (TCS) bietet das Fernstudium für über 20.000 Schüler in Neuseeland an, die entweder weit entfernt von der nächsten Schule wohnen, im Ausland leben oder aus medizinischen oder sich anderen Gründen für TCS entschieden haben.
 
Schulgebühren
Neuseeländische Kinder können ab ihrem 5. Lebensjahr bis zum Ende des Jahres, in dem sie 19 Jahre alt werden, die staatlichen Schulen kostenlos besuchen. Für ausländische Kinder ist der Besuch einer neuseeländischen Schule gebührenpflichtig.


Hochschulsystem
Das neuseeländische Hochschulsystem orientiert sich stark an dem angelsächsischen Studiensystem. Nach drei Jahren Studium wird ein Bachelor-Abschluss erworben, dem sich ein einjähriges Honours-Aufbaustudium oder ein zweijähriger Masterstudiengang anschließen kann. Der erfolgreiche Abschluss einer der beiden letzteren Abschlüsse ist Voraussetzung für die Zulassung zur Promotion (PhD). Schwerpunkt dieses Doktorstudiengangs sind Forschungstätigkeiten, es müssen in der Regel keine Vorlesungen mehr besucht werden.
 
Zulassung zum Studium
Seit 2004 gilt das National Certificate of educational Achievement (NCEA) als Qualifikation im sekundären Bildungsbereich und beruht auf einem Punktesystem (credits). Ein Minimum an credits muss in verschiedenen Fächern erreicht sein für die Zulassung zur Universität. Die allgemeine Hochschulreife aus Deutschland wird in Neuseeland als Zugangsberechtigung anerkannt. Über die Anerkennung anderer ausländischer Schulabschlüsse als Zulassungsberechtigung entscheidet die NZQA.
 
Gebühren
An allen Hochschulen müssen Studiengebühren entrichtet werden. Die Höhe der Gebühren ist abhängig von der jeweiligen Hochschule und dem Studienfach und variiert zwischen NZD 3.000 – 5.000 (ca. 1.600 – 2.700 €) für neuseeländische Studierende und zwischen NZD 18.000 – 40.000 (ca. 9.600 - 21.400 €) für ausländische Studierende.

Universitäten
Neuseeland besitzt acht Universitäten. Genauere Informationen zu den einzelnen Universitäten können den jeweiligen Webseiten, die unten aufgeführt sind, entnommen werden.

Neben den acht Universitäten gibt es eine Reihe anderer tertiärer Bildungseinrichtungen:

  • Vier Colleges of Eduation (Ausbildung von Lehrpersonal),
  • 21 Polytechnics und Institutes of Technology sowie
  • Drei Wananga (Maori tertiäre Bildungsinstitute)

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Programme in der Bildung

Aktuelle nationale Programme und Initiativen im Bildungsbereich betreffen vor allem die bereits beschriebenen bildungspolitischen Zielvorgaben und können detailliert von der Website des Bildungsministeriums abgerufen werden. Die jeweils aktuellen Zielsetzungen, Strategien sowie die Programme und Initiativen finden sich in dem Statement of Intent (SOI) für den Bildungsbereich, dass jeweils die Vorgaben für die nächsten drei bis fünf Jahre enthält. Hierzu gehören die Tertiary Education Strategy 2010-2015 und die Bildungsstrategie "Ka Hkitia - Accelerating Success: The Maori Education Strategy 2013-2017", durch die eine Verbesserung der Bildungschancen und des Bildungsniveaus der neuseeländischen Ureinwohner erreicht werden soll.

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