StartseiteThemenWissens- und TechnologietransferDeutsch-afrikanische Kooperationen zwischen Hochschule und Unternehmen: Lösungen für die Herausforderungen Afrikas

Deutsch-afrikanische Kooperationen zwischen Hochschule und Unternehmen: Lösungen für die Herausforderungen Afrikas

Internationalisierung Deutschlands, Bi-/Multilaterales

Ein besserer Zugang zu Medikamenten in Ghana, einheimisch produzierte Hygieneartikel aus Ruanda und bessere Absatzkanäle für dortige Kleinbauern sowie eine Online-Bildungsplattform für Jugendliche in Südafrika – solche Ideen von afrikanischen Sozialunternehmern begleiten Studierende der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Katholischen Universität (KU) Ingolstadt. Das Aktionslernprogramm in Kooperation mit der Bayer Foundation ist fester Bestandteil des Schwerpunktes „Entrepreneurship und Innovation“ im Masterstudiengang Betriebswirtschaftslehre.

Prof. Dr. André Habisch, der diesen Studienschwerpunkt koordiniert, erläutert:

„Von den Studierenden wird erwartet, dass sie die Geschäftsmodelle der Start-ups bewerten und Verbesserungsspielraum identifizieren.“ 

Bei den afrikanischen Partnerunternehmen handelt es sich um Gründerinnen und Gründer, deren Geschäftszweck in besonderer Weise den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen dienen und dafür von der Bayer Cares Foundation als „Social Impact Start-up“ prämiert worden sind. Die Studierenden der KU werden mit diesen beeindruckenden Persönlichkeiten vernetzt und erarbeiten gemeinsam innerhalb von zwei Lehrveranstaltungen neue Impulse für die Geschäftsmodelle. Einige der Studierenden verfolgen die Themen weiter in ihren Abschlussarbeiten. Erstmals würdigt nun der Verein „Soziale Innovation durch akademische Bildung“ SISTAC e.V. ausgewählte Masterabsolventinnen und -absolventen für ihre innovativen Ideen.

Einer von ihnen ist Stefan Fuchs, der mit Marlon Marker als Gründer der südafrikanischen Online-Plattform „zlat“ kooperiert hat. Diese richtet sich an (arbeitslose) Jugendliche, die für gesellschaftliches Engagement mit einer digitalen Währung belohnt werden. Freiwilligendienste und Maßnahmen zur individuellen Fort- & Weiterbildung. Das Ziel des Unternehmens ist es, der zum Teil mittellosen und perspektivlosen Jugend Afrikas eine sozial-wirtschaftliche Grundsicherung zu bieten, Wissensaufbau zu fördern, Möglichkeiten zu präsentieren um erste berufsnahe Erfahrungen zu sammeln und so den Zugang zu sozialen Aufstiegsmöglichkeiten zu ermöglichen. Fuchs hat für die Plattform einen Zertifizierungsprozess entwickelt, mit dem die Nutzerinnen und Nutzer in berufsrelevanten Fähigkeiten geschult werden.

Parker, der bereits als Young Global Leader des Weltwirtschaftsforums ausgezeichnet wurde, berichtet:

„Durch die Corona-Pandemie konnten wir keines unserer Lernprogramme, die wir normalerweise persönlich für die Jugendlichen anbieten, durchführen. In dieser Situation konnten wir das von Stefan vorgeschlagene Mikro-Lernmodell sofort umsetzen: wir stellten innerhalb von sechs Monaten mehr als 500.000 Mikro-Zertifikate an Jugendliche in ganz Südafrika aus.“

Einem anderen Sozialunternehmen hat sich der Masterstudent Marco Miglietta gewidmet. Er führte aus einem Seminar die Kooperation mit der Online-Plattform BISA fort, die der ghanaische Softwareentwickler Raindolf Owusu gegründet hat. Diese bietet Menschen in entlegenen Regionen die Möglichkeit, per Smartphone Ärzte um Rat zu fragen. Im Seminar entwickelte Miglietta mit Kommilitonen zunächst Wege, um den Pool an Ansprechpersonen zu erweitern – etwa auch durch deutsche Ärzte im Ruhestand oder erfahrene Medizinstudierende vor Studienabschluss. Für seine Masterarbeit hat sich Miglietta nun mit damit beschäftigt, wie die Plattform auch die Versorgung mit Medikamenten verbessern kann.

Miglietta erklärt:

„In Ghana ist es ungleich komplizierter an Medikamente zu gelangen. Nicht jede Apotheke hat ein Präparat verfügbar, die Preise sind nicht transparent und es sind gefälschte Medikamente im Umlauf.“

Zusammen mit Owusus Team hat er eine neue Plattform entwickelt, über die Kunden voraussichtlich schon ab Januar online mit Apotheken in Kontakt treten können.

Zwei weitere Projekte, die mit dem SISTAC-Preis prämiert werden, sind in Ruanda angesiedelt. Die Studentin Van Tran hat mit der Firma Sanit Wing kooperiert, die Hygieneartikel auf Basis von Avocados herstellt. Firmengründer Alex Nshimiyimana reagierte damit auf die Tatsache, dass Hygieneprodukte bis dahin teuer importiert werden mussten. Zudem wollte er durch die inländische Produktion einen Beitrag zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit leisten. Tran hat für Sanit Wing eine Website, einen Onlineshop sowie die Präsenz in Sozialen Medien aufgebaut, um dem Unternehmen weitere Absatzkanäle zu erschließen.

Eine Verbindung zu Sanit Wing ergab sich wiederum über das Projekt von Lennart Gondermann, der sich mit dem Landwirtschafts-Start-up Real Green Gold beschäftigte. Dieses produziert selbst Avocados und Obst, bietet jedoch auch Kleinbauern einen Marktzugang. Das langfristige Ziel von Real Green Gold ist es, die Ware in zertifizierter Bio-Qualität anzubieten, um ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz zu schaffen, und zugleich die Absatzmargen zu heben, um bessere Lebensstandards für Produzenten zu ermöglichen. In seinem Projekt konnte Gondermann nach einer profunden Markt- sowie Unternehmensanalyse von Real Green Gold ein Monitoring-System für die internationalen Anforderungen von Zertifizierungen ökologischer Landwirtschaft erarbeiten. Entstanden ist dabei das Tool „OCMS“ (Organic Certification Management System) auf Excel-Basis, mit dem sich die Entwicklung von Kleinbauerngruppen hin zu ökologischer Landwirtschaft steuern, bewerten und kontrollieren lässt.

Die Verleihung der ersten SISTAC-Preise findet am Freitag, 18. Dezember, ab 18 Uhr als Online-Veranstaltung statt. 

Quelle: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt via IDW Nachrichten Redaktion: von Mirjam Buse, VDI Technologiezentrum GmbH Länder / Organisationen: Ghana Ruanda Südafrika Themen: Bildung und Hochschulen Ethik, Recht, Gesellschaft Innovation Wirtschaft, Märkte

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