StartseiteAktuellesNachrichtenBrexit: Neue Studien zeigen Auswirkungen auf Forschungslandschaft und Bildungssystem Großbritanniens

Brexit: Neue Studien zeigen Auswirkungen auf Forschungslandschaft und Bildungssystem Großbritanniens

Berichterstattung weltweit

Zwei Studien der Royal Society und der Association of Colleges skizzieren die negativen Auswirkungen auf die Forschung im Vorfeld des Brexit und mögliche Langzeitfolgen für wissenschaftlichen Nachwuchs und Berufsbildung im Ausland.

Die Verhandlungen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union über ein geändertes Austrittsabkommen sind abgeschlossen. Stimmen das EU-Parlament und das britische Unterhaus der Einigung zu, wird das Vereinigte Königreich die EU am 31. Oktober verlassen. Welchen Einfluss der Brexit bereits jetzt auf die britische Forschungslandschaft hat und welche Folgen er für den Fachkräfteaustausch zwischen Großbritannien und der EU haben kann, haben zwei Studien untersucht, die in dieser Woche vorgestellt wurden.

Seit dem Brexit-Referendum 2015 ist der Anteil Großbritanniens an der EU-Forschungsförderung um 500 Mio. Euro bzw. 28 Prozent gesunken. Für Horizont 2020 Fördermittel wurden knapp 40 Prozent weniger Anträge aus dem Vereinigten Königreich eingereicht. Während Großbritannien 2015, vor dem Referendum, noch 16 Prozent aller Horizont 2020 Fördermittel (1,48 Mrd. Euro) erhielt, waren es 2018 noch 11 Prozent (1,06 Mrd. Euro). Das sind einige der Ergebnisse einer Studie der britischen Royal Society, die am Mittwoch vorgestellt wurde.

Danach ist die Anzahl der im Vereinigten Königreich Forschenden aus Stipendien der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen um ein Drittel zurückgegangen – von 515 auf 336. Venki Ramakrishnan, Präsident der Royal Society, sagte dazu:

"We have seen a dramatic drop in the number of leading researchers who want to come to the UK. People do not want to gamble with their careers, when they have no sense of whether the UK will be willing and able to maintain its global scientific leadership […] The potential paralysis of a no-deal Brexit and the current state of chaos are hurting UK science and that is hurting the national interest."

Eine weitere Studie der Association of Colleges (AoC), die am Donnerstag veröffentlicht wurde, hat die Bedeutung von Erasmus+ für britische Colleges untersucht. Zentrales Ergebnis ist, dass zahlreiche Schülerinnen und Schüler sowie Studierende die Möglichkeit verlieren würden, im Ausland zu studieren, eine Ausbildung zu absolvieren oder zu arbeiten, wenn die Erasmus+-Förderung entfällt und kein vergleichbares Nachfolgeprogramm aufgesetzt wird.

Unter den Befragten Einrichtungen sehen sich 94 Prozent nicht in der Lage, ihren Absolventinnen und Absolventen im selben Maße wie bisher Auslandsaufenthalte zu ermöglichen, sofern keine entsprechenden Fördermöglichkeiten bestehen. Zugleich geben 82 Prozent an, dass Erasmus+ nicht nur den Schülern und Studenten Vorteile bringe, sondern auch dem gesamten College. Auch aus Arbeitgebersicht wird das Austauschprogramm für wichtig erachtet: Viele Unternehmen hätten Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu finden; in einigen Bereichen wie der Sozialfürsorge gebe es außerdem zu wenige Ausbildungs- und Praktikumsstellen. Hier biete Erasmus+ derzeit die Option, wichtige Erfahrungen im Ausland zu sammeln.

Die AoC schlägt daher eine Reihe von Maßnahmen vor:

  • Die Regierung sollte sich dafür einsetzen, weiterhin am Erasmus+-Programm teilnehmen zu können – unabhängig von den sonstigen Ergebnissen des Brexit.
  • Ist eine weitere Teilnahme an Erasmus+ nicht möglich, sollte die Regierung ein Ersatz-Förderprogramm aufsetzen, das dieselben Möglichkeiten bietet wie Erasmus+. Dieses Programm sollte nicht auf einzelne Länder beschränkt sein, etwa den Commonwealth, englischsprachige Staaten oder einzelne Länder des Vereinigten Königreichs.
  • Die Regierung sollte Berufs-, Hochschul-, Jugend- und Sportorganisationen zu einer gemeinsamen Diskussion über die Zukunft von Erasmus+ im Vereinigten Königreich bewegen.

Emma Meredith, Internationale Direktorin des AoC, fasst die Studienergebnisse zusammen:

"Whatever the outcome of Brexit negotiations, young people’s futures must be protected. Erasmus+ is the key route for college students to experience a short period working or training in another country. Our survey clearly shows that the programme is too valuable and beneficial to not be invested in or replaced, if or when the UK leaves the European Union."

Zum Nachlesen

Quelle: The Royal Society / Association of Colleges Redaktion: von Alexander Bullinger, VDI TZ GmbH Länder / Organisationen: Vereinigtes Königreich (Großbritannien) EU Themen: Berufs- und Weiterbildung Bildung und Hochschulen Fachkräfte Strategie und Rahmenbedingungen

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